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Schlicht's Seite


Biographie

von

Wolf Graf von Baudissin

(Freiherr von Schlicht)

Was ich so erlebte

von

Freiherr v. Schlicht

(Wolf Graf v. Baudissin)

Otto Janke, Berlin

Was ich so erlebte

von

Freiherr v. Schlicht

(Wolf Graf v. Baudissin)

10. – 12. Tausend

Neue, vollständig umgearbeitete Auflage

Otto Uhlmann Verlag, Berlin
(Friedrich Butsch)


Viertes Kapitel


Wieder in Dresden.

Dresden ist gewiß eine sehr schöne Stadt, in der ich gern gelebt habe, aber in der ersten Zeit nach meiner Orientreise gefiel es mir dort gar nicht. Aber das war einzig und allein meine Schuld. Wenn ich durch die Prager Straße schlenderte, dachte ich fortwährend an die Straßen Kairos, Venedigs, Monakos, Konstantinopels und all der anderen Städte, die ich besucht hatte. Ich stellte Vergleiche an und diese mußten selbstverständlich nicht zum Vorteil Dresdens ausfallen. Am liebsten wäre ich gleich wieder nach dem Süden gefahren, aber das ging aus mancherlei Gründen(69) nicht, so gewöhnte ich es mir denn an, um mich allmählich wieder an Dresden zu gewöhnen, jede Woche wenigstens einmal nach Berlin zu fahren. Das war aber manchmal mit Schwierigkeiten verbunden, und das kam so:

Dresden – Berlin – Weimar.

Dresden ist gewiß eine sehr schöne Stadt, in der ich gern gelebt habe, aber in der ersten Zeit nach meiner Orientreise gefiel es mir dort gar nicht. Aber das war einzig und allein meine Schuld. Wenn ich durch die Prager Straße schlenderte, dachte ich fortwährend an die Straßen Kairos, Venedigs, Monakos, Konstantinopels und all der anderen Städte, die ich besucht hatte. Ich stellte Vergleiche an und die mußten selbstverständlich nicht zum Vorteil Dresdens ausfallen. Am liebsten wäre ich gleich wieder nach dem Süden gefahren, aber das ging aus mancherlei Gründen nicht, so gewöhnte ich es mir denn an, um mich allmählich wieder an Dresden zu gewöhnen, jede Woche wenigstens einmal nach Berlin zu fahren. Das war aber manchmal mit Schwierigkeiten verbunden, und das kam so:


Ich besaß einmal einen außerordentlichen Vetter, den ich in dem Vater meines Romanhelden „Graf Udo Bodo”(70) zu schildern versucht habe. Dieser Vetter besaß in Schleswig-Holstein ein sehr schönes Gut, auf dem ich oft zum Besuch weilte und namentlich des Abends nach dem Abendessen pflegten wir in Frack und weißer Binde die tiefsinnigsten und schwierigsten Fragen zu erörtern. Und da geschah es einmal, daß mein Vetter zu mir sagte: Für einen wirklich anständigen Menschen, der etwas auf sich hält, gibt es drei Dinge, von denen er niemals abweichen darf: er muß nur die allerbesten und allerteuersten Importzigarren rauchen, er darf um seiner selbst willen nie anders als vierspännig fahren und auf der Eisenbahn nie anders als 1. Klasse.

Ich besaß einmal einen weitläufigen Vetter,

der in Schleswig-Holstein ein sehr schönes Gut hatte, auf dem ich oft zum Besuch weilte, und namentlich des Abends nach dem Abendessen pflegten wir in Frack und weißer Binde die tiefsinnigsten und schwierigsten Fragen zu erörtern. Und da geschah es einmal, daß mein Vetter zu mir sagte: Für einen wirklich anständigen Menschen, der etwas auf sich hält, gibt es drei Dinge, von denen er niemals abweichen darf: er muß nur die allerbesten und allerteuersten Importzigarren rauchen, er darf um seiner selbst willen nie anders als vierspännig fahren und auf der Eisenbahn nie anders als 1. Klasse.


Die Sache mit dem Viererzug leuchtete mir am meisten ein, denn einen solchen habe ich mir stets leidenschaftlich gewünscht, aber trotzdem sah ich nicht recht ein, woher ich den plötzlich bekommen solle, denn daß mein Vetter mir seine vier prachtvollen Rappen schenken würde, glaubte ich natürlich nicht, und dieser mein Unglaube erwies sich sehr bald als richtig. Anders aber lag es mit den beiden Tugenden, die man nach der Ansicht meines Vetters als anständiger Mensch unbedingt haben müsse. Und so begann ich denn schon am nächsten Tage damit, an Stelle meiner guten Hamburger Zigarren nur sehr gute und sehr teure Importen zu rauchen, natürlich nicht, um dadurch ein wirklich anständiger Mensch zu werden, sondern weil das Rauchen für mich nun einmal alles ist. Ich rauchte Importen, fünfzehn Stück, auch zwanzig Stück den Tag, bis dann kam, was kommen mußte. Ich bekam eine Nikotinvergiftung, die mich beinahe vierspännig in die Grube fahren ließ, denn in Dresden wurde man bei einem Begräbnis 1. Klasse vierspännig auf den Kirchhof gefahren, und ein Begräbnis 1. Klasse hätte ich mir nach meinem Tode schon noch geleistet. Aber es war auch dieses Mal noch nichts mit dem Sterben, wenngleich es sehr lange dauerte, bis ich wieder gesund wurde. Dann aber warf ich alles, was ich noch an Importen mein eigen nannte, in den brennenden Ofen und kehrte für alle Zeiten reumütig wieder zu meinen guten Hamburger Zigarren zurück.

Die Sache mit dem Viererzug leuchtete mir am meisten ein, denn einen solchen habe ich mir stets leidenschaftlich gewünscht, aber trotzdem sah ich nicht recht ein, woher ich den plötzlich bekommen solle, denn daß mein Vetter mir seine vier prachtvollen Rappen schenken würde, glaubte ich natürlich nicht, und dieser mein Unglaube erwies sich sehr bald als richtig. Anders aber lag es mit den beiden anderen Tugenden, die man nach der Ansicht meines Vetters als anständiger Mensch unbedingt haben müsse. Und so begann ich denn schon am nächsten Tage damit, an Stelle meiner guten Hamburger Zigarren nur sehr gute und sehr teure Importen zu rauchen, natürlich nicht, um dadurch ein wirklich anständiger Mensch zu werden, sondern weil das Rauchen für mich nun einmal alles ist. Ich rauchte Importen, fünfzehn Stück, auch zwanzig Stück den Tag, bis dann kam, was kommen mußte. Ich bekam eine Nikotinvergiftung, die mich beinahe vierspännig in die Grube fahren ließ, denn in Dresden wurde man bei einem Begräbnis 1. Klasse vierspännig auf den Kirchhof gefahren, und ein Begräbnis 1. Klasse hätte ich mir nach meinem Tode schon noch geleistet. Aber es war auch dieses Mal noch nichts mit dem Sterben, wenngleich es sehr lange dauerte, bis ich wieder gesund wurde. Dann aber warf ich alles, was ich noch an Importen mein eigen nannte, in den brennenden Ofen und kehrte für alle Zeiten reumütig wieder zu meinen guten Hamburger Zigarren zurück.


Mit dem Viererzug und den Importen war es also nichts, aber von den drei guten Eigenschaften, die man als anständiger Mensch nach Ansicht meines Vetters haben mußte, behielt ich eine bei und zwar die, 1. Klasse zu reisen. So verlangte ich denn auch stets, wenn ich von Dresden nach Berlin wollte, eine Fahrkarte 1. Klasse. Nun aber hatte es sich gefügt, daß ich durch Zufall den sehr netten und liebenswürdigen Schalterbeamten kennen gelernt hatte, der aus irgendwelchen Gründen persönliches Interesse an mir nahm und der mir erzählte, er meine es so gut mit mir wie kein anderer Mensch. Wie gut er es aber mit mir meinte, das bewies er mir dadurch, daß er sich stets auf das energischste weigerte, mir eine Fahrkarte 1. Klasse zu verkaufen, er tat es mit den Worten: „Sparen Sie das Geld, Herr Graf, sparen Sie, fahren Sie 2, Klasse, glauben Sie mir, Sie kommen auch in der 2. Klasse nach Berlin.” Das wußte ich natürlich selbst, aber ich wollte nun doch einmal erster fahren, um allein, oder um wenigstens möglichst allein zu sein. Aber das leuchtete dem Beamten nicht ein. Meine Bitten halfen nichts, mein Schelten half auch nichts, es machte auf den Mann auch gar keinen Eindruck, daß ich ihm erklärte, er schädige durch seine Weigerung den Fiskus. Ich konnte mit ihm feilschen und handeln soviel ich wollte, er verkaufte mir die Karte 1. Klasse ganz einfach nicht, sondern gab mir nur eine zweiter. Und dann seine Freude, wenn er mich nach ein paar Tagen auf der Straße oder auf der Elektrischen wiedersah. „Na, habe ich es Ihnen nicht gesagt, Herr Graf, daß Sie auch 2. Klasse nach Berlin kommen würden?” reif er mir dann zu, um gleich darauf hinzuzusetzen: „Und Sie müssen sogar sehr gut hingekommen sein, denn Sie sehen so wohl aus wie seit langem nicht, na, das macht sicher das frohe Bewußtsein, durch die Fahrt 2. Klasse ein paar Mark gespart und die auf die Sparkasse gebracht zu haben.” Und mit so glücklichen Augen sah er mich dabei an, daß ich es nicht ein einziges Mal über das Herz brachte, ihm zu sagen: „Ich bin doch erster gefahren, ich habe mir im Zuge ganz einfach eine Zuschlagkarte gelöst.” — Nein, das brachte ich nicht übers Herz, die Enttäuschung konnte ich dem braven Beamten nicht bereiten.

Mit dem Viererzug und den Importen war es also nichts, aber von den drei guten Eigenschaften, die man als anständiger Mensch nach Ansicht meines Vetters haben mußte, behielt ich eine bei und zwar die, 1. Klasse zu reisen. So verlangte ich denn auch stets, wenn ich von Dresden nach Berlin wollte, eine Fahrkarte 1. Klasse. Nun aber hatte es sich gefügt, daß ich durch Zufall den sehr netten und liebenswürdigen Schalterbeamten kennen gelernt hatte, der aus irgendwelchen Gründen persönliches Interesse an mir nahm und der mir erzählte, er meine es so gut mit mir wie kein anderer Mensch. Wie gut er es aber mit mir meinte, das bewies er mir dadurch, daß er sich stets auf das energischste weigerte, mir eine Fahrkarte 1. Klasse zu verkaufen, er tat es mit den Worten: „Sparen Sie das Geld, Herr Graf, sparen Sie, fahren Sie 2, Klasse, glauben Sie mir, Sie kommen auch in der 2. Klasse nach Berlin.” Das wußte ich natürlich selbst, aber ich wollte nun doch einmal erster fahren, um allein, oder um wenigstens möglichst allein zu sein. Aber das leuchtete dem Beamten nicht ein. Meine Bitten halfen nichts, mein Schelten half auch nichts, es machte auf den Mann auch gar keinen Eindruck, daß ich ihm erklärte, er schädige durch seine Weigerung den Fiskus. Ich konnte mit ihm feilschen und handeln soviel ich wollte, er verkaufte mir die Karte 1. Klasse ganz einfach nicht, sondern gab mir nur eine zweiter. Und dann seine Freude, wenn er mich nach ein paar Tagen auf der Straße oder auf der Elektrischen wiedersah. „Na, habe ich es Ihnen nicht gesagt, Herr Graf, daß Sie auch 2. Klasse nach Berlin kommen würden?” reif er mir dann zu, um gleich darauf hinzuzusetzen: „Und Sie müssen sogar sehr gut hingekommen sein, denn Sie sehen so wohl aus wie seit langem nicht, na, das macht sicher das frohe Bewußtsein, durch die Fahrt 2. Klasse ein paar Mark gespart und die auf die Sparkasse gebracht zu haben.” Und mit so glücklichen Augen sah er mich dabei an, daß ich es nicht ein einziges Mal über das Herz brachte, ihm zu sagen: „Ich bin doch erster gefahren, ich habe mir im Zuge ganz einfach eine Zuschlagkarte gelöst.” — Nein, das brachte ich nicht übers Herz, die Enttäuschung konnte ich dem braven Beamten nicht bereiten.


Bei jeder meiner Reisen nach Berlin wiederholte sich am Schalter dieselbe Geschichte und ich fuhr sehr, sehr oft. Auch eines Tages wieder, als ich mir meinen inzwischen auch bekannt gewordenen Sergeanten Krause(71) ausgedacht hatte, der in seinen Instruktionsstunden und des Abends an seinem Stammtisch Reden hielt, die sich mit allen nur möglichen militärischen und unmilitärischen Dingen beschäftigten.

Bei jeder meiner Reisen nach Berlin wiederholte sich am Schalter dieselbe Geschichte und ich fuhr sehr, sehr oft. Auch eines Tages wieder, als ich mir meinen inzwischen auch bekannt gewordenen Sergeanten Krause ausgedacht hatte, der in seinen Instruktionsstunden und des Abends an seinem Stammtisch Reden hielt, die sich mit allen nur möglichen militärischen und unmilitärischen Dingen beschäftigten.


Ich brauchte für meine Idee nur noch einen Verleger und diesen fand ich in des Wortes wahrster Bedeutung auf der Straße, denn in Berlin traf ich auf der Friedrichstraße den bekannten Willy Kraus, den Herausgeber vieler Zeitschriften, der mich fragte, was ich denn schon wieder in Berlin mache. Ich weihte ihn in meine Idee ein und er stimmte der um so mehr zu, als er sich gerade mit dem Gedanken einer neuen Zeitschrift trug. Er bat mich, am nächsten Morgen auf sein Bureau zu kommen, dort wurden wir uns schnell über alles einig und ich habe dann jahrelang für die neue Zeitschrift „Nimm mich mit für 5 Pfennig” jede Woche eine Rede des Sergeanten Krause geschrieben. Das war keine leichte Arbeit, immer einen neuen Stoff zu finden und mein Sergeant Krause redete sich solchen Blödsinn zusammen, und stellte oft derartig verrückte Behauptungen auf, daß ich bei der Niederschrift manchmal ganz dammlich wurde, besonders wenn ich auf Vorrat arbeitete und an einem Tage drei oder gar vier Reden des Sergeanten Krause aus meinem Schädel zog. Aber der Unsinn schlug ein und wurde von den nach Hunderttausend zählenden Lesern des Blattes verschlungen und da geschah es, daß ich einmal wieder in Berlin war. Autos gab es noch nicht, so wollte ich mir eine Droschke nehmen. Ich ging zu einem Droschkenhalteplatz, um einem Kutscher Bescheid zu sagen, wohin er mich fahren solle. Aber der Mann hörte gar nicht, der saß auf seinem Bock und las und las, und während er las, lachte er immer stillvergnügt vor sich hin, bis ich mich schließlich erkundigte, was er denn so Interessantes zu lesen habe, daß er darüber sogar sein Geschäft vergäße. „Wat ick lese?” erhielt ich zur Antwort, „ick lese Sergeant Krauses neueste Rede in 'Nimm mich mit'” . Das machte mir natürlich Spaß, und in der Annahme, daß es ihm Spaß machen werde, zu erfahren, wer ich sei, nannte ich ihm meinen Namen. Es hätte nicht viel gefehlt und der Mann wäre vor freudiger Überraschung von seinem Bock heruntergefallen. Und er fiel auch mehr, als er kletterte, als er gleich darauf seinen Sitz verließ, um mir bei dem Einsteigen behilflich zu sein, obgleich ich damals noch keinen Rheumatismus hatte und alle meine Gliedmaßen sehr gut gebrauchen konnte. Aber der Kutscher bemühte sich um mich, als sei ich entweder ein ganz kranker Mann, oder ein sehr hoher Fürst, während er dabei immer wieder wiederholte: „Sie sind der Schlicht? Na, Herr Baron, nun sollen Sie mal was erleben, nun wollen wir mal zusammen eine feine Fuhre machen.” Und die machten wir denn auch.

Ich brauchte für meine Idee nur noch einen Verleger und diesen fand ich in des Wortes wahrster Bedeutung auf der Straße, denn in Berlin traf ich auf der Friedrichstraße einen Herausgeber vieler Zeitschriften, der mich fragte, was ich denn schon wieder in Berlin mache. Ich weihte ihn in meine Idee ein und er stimmte der um so mehr zu, als er sich gerade mit dem Gedanken einer neuen Zeitschrift trug. Er bat mich, am nächsten Morgen auf sein Bureau zu kommen, dort wurden wir uns schnell über alles einig und ich habe dann jahrelang für die neue Zeitschrift „Nimm mich mit für 5 Pfennig” jede Woche eine Rede des Sergeanten Krause geschrieben. Das war keine leichte Arbeit, immer einen neuen Stoff zu finden, und mein Sergeant Krause redete sich solchen Blödsinn zusammen, und stellte oft derartig verrückte Behauptungen auf, daß ich bei der Niederschrift manchmal ganz dammlich wurde, besonders wenn ich auf Vorrat arbeitete und an einem Tage drei oder gar vier Reden des Sergeanten Krause aus meinem Schädel zog. Aber der Unsinn schlug ein und wurde von den nach Hunderttausend zählenden Lesern des Blattes verschlungen und da geschah es, daß ich einmal wieder in Berlin war. Autos gab es noch nicht, so wollte ich mir eine Droschke nehmen. Ich ging zu einem Droschkenhalteplatz, um einem Kutscher Bescheid zu sagen, wohin er mich fahren solle. Aber der Mann hörte gar nicht, der saß auf seinem Bock und las und las, und während er las, lachte er immer stillvergnügt vor sich hin, bis ich mich schließlich erkundigte, was er denn so Interessantes zu lesen habe, daß er darüber sogar sein Geschäft vergäße. „Wat ick lese?” erhielt ich zur Antwort, „ick lese Sergeant Krauses neueste Rede in 'Nimm mich mit'” . Das machte mir natürlich Spaß, und in der Annahme, daß es ihm Spaß machen werde, zu erfahren, wer ich sei, nannte ich ihm meinen Namen. Es hätte nicht viel gefehlt und der Mann wäre vor freudiger Überraschung von seinem Bock heruntergefallen. Und er fiel auch mehr, als er kletterte, als er gleich darauf seinen Sitz verließ, um mir bei dem Einsteigen behilflich zu sein, obgleich ich damals noch keinen Rheumatismus hatte und alle meine Gliedmaßen sehr gut gebrauchen konnte. Aber der Kutscher bemühte sich um mich, als sei ich entweder ein ganz kranker Mann, oder ein sehr hoher Fürst, während er dabei immer wieder wiederholte: „Sie sind der Schlicht? Na, Herr Baron, nun sollen Sie mal was erleben, nun wollen wir mal zusammen eine feine Fuhre machen.” Und die machten wir denn auch.


Und noch ein anderer Berliner Droschkenkutscher taucht in meiner Erinnerung auf. Es war in irgendeinem Sommer. Der vom Spielplan des Königlichen Schauspielhauses abgesetzte(72) „Bunte Rock” sollte in dem Theater des Westens(73) gegeben werden, und ich war nach Berlin gekommen, um den letzten Proben beizuwohnen. Ich weiß nicht mehr, in welchem Hotel ich wohnte, aber ich war auf jeden Fall gezwungen, mir des Morgens einen Wagen zu nehmen, und als ich am ersten Morgen dem Kutscher zurief: „Theater des Westens, aber schnell, ich muß auf die Probe, ich habe mich verspätet,” gab der mir zur Antwort: „Nur keine Angst, Herr Direktor, wir kommen schon noch zurecht.” Ich lachte im stillen darüber, daß der Kutscher mich für den Direktor hielt. Allerdings sah ich mit meinem großen schwarzen Vollbart, den ich damals noch trug, nicht nach einem Schauspieler aus und erst recht nicht nach einem jungen, hungernden Dichter und Poeten. So ließ ich mir den „Herrn Direktor” gefallen, auch in den nächsten Tagen, denn der Zufall, oder vielleicht meine reichlichen Trinkgelder fügten es, daß der Kutscher jeden Morgen vor dem Hotel auf mich wartete. Bis ich mich dem Mann eines Tages zu erkennen gab. Die erste Aufführung stand vor der Tür, und wenn das Stück ja auch bisher überall Erfolg gehabt hatte, man konnte nicht wissen, zwei starke Hände, die zum Applaus einsetzen, kann man immer gebrauchen und mein Kutscher hatte zwei besonders schöne große Hände. Ich drückte ihm für sich und für seine Familie ein paar Freikarten in die Hand, und er gelobte mir feierlichst, am Abend seine Pflicht und Schuldigkeit zu tun, denn der Zufall fügte es, daß er dienstfrei war. Er hat auch Wort gehalten. Ich habe ihn zwar nicht Beifall klatschen sehen, aber ich hörte zwei besonders große Hände, die sich gar nicht beruhigen wollten, die mit der Klatscherei immer von vorn anfingen, und da wußte ich, das ist mein Freund, der Freikartler. Als ich am nächsten Morgen das Hotel verließ, hielt mein Kutscher schon wieder wartend vor der Tür, denn er müsse sich doch nochmals bei mir bedanken. Es sei auch wirklich sehr schön gewesen, aber am besten habe ihm doch der Schluß gefallen, wo das Militär mit klingendem Spiel, erst das Trommler- und Pfeifenchor, dann die volle Regimentsmusik mit dem Marsch „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben” über die Bühne marschierte. Das sei sogar beinahe zu schön gewesen, und er habe, wie man so sagt, wenn man ganz besonders geschlafen hat, die ganze Nacht wach gelegen und darüber nachgedacht, ob ich es ihm wohl übelnehmen würde, wenn er offen ausspräche, was er dächte. Es gelang mir schnell, ihm die Überzeugung beizubringen, daß ich nicht böse würde, und da kam es denn heraus, was ihn beschäftigte: daß ich (in Wirklichkeit war es aber mein Mitarbeiter Franz von Schönthan) den schönen Einfall mit der Militärmusik am Schluß gehabt hätte, bewiese ihm zur Genüge, daß ich eine durch und durch musikalische Natur sei, und da meinte er, er sei letzthin mal im Opernhaus gewesen, wo er „Tannhäuser” gehört habe, da sei ihm heute nacht der Gedanke gekommen, ob ich bei meiner starken musikalischen Begabung nicht mal so etwas schreiben wolle. Es brauchte ja zwar kein Tannhäuser zu werden, aber vielleicht so etwas Ähnliches, auf jeden Fall etwas mit viel Musik, nicht nur am Schluß. Ob ich mir das nicht mal ernstlich überlegen wolle und wenn ich seiner Anregung folge, würde er sich bis an sein Lebensende darüber freuen, mich auf die richtige Bahn gebracht zu haben, denn das Talent dazu hätte ich, das bewiese der schöne Preußenmarsch am Schluß des „Bunten Rockes” .

Und noch ein anderer Berliner Droschkenkutscher taucht in meiner Erinnerung auf. Es war in irgendeinem Sommer. Der vom Spielplan des Königlichen Schauspielhauses abgesetzte „Bunte Rock” sollte in dem Theater des Westens gegeben werden, und ich war nach Berlin gekommen, um den letzten Proben beizuwohnen. Ich weiß nicht mehr, in welchem Hotel ich wohnte, aber ich war auf jeden Fall gezwungen, mir des Morgens einen Wagen zu nehmen, und als ich am ersten Morgen dem Kutscher zurief: „Theater des Westens, aber schnell, ich muß auf die Probe, ich habe mich verspätet,” gab der mir zur Antwort: „Nur keine Angst, Herr Direktor, wir kommen schon noch zurecht.” Ich lachte im stillen darüber, daß der Kutscher mich für den Direktor hielt. Allerdings sah ich mit meinem großen schwarzen Vollbart, den ich damals noch trug, nicht nach einem Schauspieler aus und erst recht nicht nach einem jungen, hungernden Dichter und Poeten. So ließ ich mir den „Herrn Direktor” gefallen, auch in den nächsten Tagen, denn der Zufall, oder vielleicht meine reichlichen Trinkgelder fügten es, daß der Kutscher jeden Morgen vor dem Hotel auf mich wartete. Bis ich mich dem Mann eines Tages zu erkennen gab. Die erste Aufführung stand vor der Tür, und wenn das Stück ja auch bisher überall Erfolg gehabt hatte, man konnte nicht wissen, zwei starke Hände, die zum Applaus einsetzen, kann man immer gebrauchen und mein Kutscher hatte zwei besonders schöne große Hände. Ich drückte ihm für ihn und seine Familie ein paar Freikarten in die Hand, und er gelobte mir feierlichst, am Abend seine Pflicht und Schuldigkeit zu tun, denn der Zufall fügte es, daß er dienstfrei war. Er hat auch Wort gehalten. Ich habe ihn zwar nicht Beifall klatschen sehen, aber ich hörte zwei besonders große Hände, die sich gar nicht beruhigen wollten, die mit der Klatscherei immer von vorn anfingen, und da wußte ich, das ist mein Freund, der Freikartler. Als ich am nächsten Morgen das Hotel verließ, hielt mein Kutscher schon wieder wartend vor der Tür, denn er müsse sich doch nochmals bei mir bedanken. Es sei auch wirklich sehr schön gewesen, aber am besten habe ihm doch der Schluß gefallen, wo das Militär mit klingendem Spiel, erst das Trommler- und Pfeiferchor, dann die volle Regimentsmusik mit dem Marsch „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben” über die Bühne marschierte. Das sei sogar beinahe zu schön gewesen, und er habe, wie man so sagt, wenn man ganz besonders geschlafen hat, die ganze Nacht wach gelegen und darüber nachgedacht, ob ich es ihm wohl übelnehmen würde, wenn er offen ausspräche, was er dächte. Es gelang mir schnell, ihm die Überzeugung beizubringen, daß ich nicht böse würde, und da kam es denn heraus, was ihn beschäftigte: daß ich (in Wirklichkeit war es aber mein Mitarbeiter Franz von Schönthan) den schönen Einfall mit der Militärmusik am Schluß gehabt hätte, bewiese ihm zur Genüge, daß ich eine durch und durch musikalische Natur sei, und da meinte er, er sei letzthin mal im Opernhaus gewesen, wo er „Tannhäuser” gehört habe, da sei ihm heute nacht der Gedanke gekommen, ob ich bei meiner starken musikalischen Begabung nicht mal so etwas schreiben wolle. Es brauchte ja zwar kein Tannhäuser zu werden, aber vielleicht so etwas Ähnliches, auf jeden Fall etwas mit viel Musik, nicht nur am Schluß. Ob ich mir das nicht mal ernstlich überlegen wolle und wenn ich seiner Anregung folge, würde er sich bis an sein Lebensende darüber freuen, mich auf die richtige Bahn gebracht zu haben, denn das Talent dazu hätte ich, das bewiese der schöne Preußenmarsch am Schluß des „Bunten Rockes” .


Es war eine lange Rede, die ich da zu hören bekam, aber so komisch sie auch war, gelacht habe ich über die erst hinterher, als ich nicht mehr in die rührend guten Augen des Kutschers zu sehen brauchte, als ich dessen Stimme nicht mehr hörte, die vor Aufregung zitterte, seine Augen und seine Stimme, die mir da zuriefen: „Du bist mit deinem Talent auf falschem Wege, kehre um, noch ist es Zeit, deine Begabung verweist dich auf das musikalische Gebiet, sonst wärest du nicht auf die Idee mit dem Preußenmarsch verfallen.”

Es war eine lange Rede, die ich da zu hören bekam, aber so komisch sie auch war, gelacht habe ich über die erst hinterher, als ich nicht mehr in die rührend guten Augen des Kutschers zu sehen brauchte, als ich dessen Stimme nicht mehr hörte, die vor Aufregung zitterte, seine Augen und seine Stimme, die mir da zuriefen: „Du bist mit deinem Talent auf falschem Wege, kehre um, noch ist es Zeit, deine Begabung verweist dich auf das musikalische Gebiet, sonst wärest du nicht auf die Idee mit dem Preußenmarsch verfallen.”


Ich habe dem Kutscher,als wir uns endlich trennten, mit einem warmen Händedruck und mit einem fürstlichen Trinkgeld für seinen guten Rat gedankt und ihm auch versprochen, mir seine Worte durch den Kopf gehen zu lassen. Daß ich das tat und daß ich sie bis heute nicht vergaß, beweist die Niederschrift dieser kleinen, fast rühren den Episode, aber ein Musiker, ein Komponist, bin ich doch nicht geworden, denn ich kann nicht einmal Noten schreiben, geschweige den welche erfinden.

Ich habe dem Kutscher,als wir uns endlich trennten, mit einem warmen Händedruck und mit einem fürstlichen Trinkgeld für seinen guten Rat gedankt und ihm auch versprochen, mir seine Worte durch den Kopf gehen zu lassen. Daß ich das tat und daß ich sie bis heute nicht vergaß, beweist die Niederschrift dieser kleinen, fast rühren den Episode, aber ein Musiker, ein Komponist, bin ich doch nicht geworden, denn ich kann nicht einmal Noten schreiben, geschweige den welche erfinden.


Na, überhaupt wenn die Leute einem gute Ratschläge erteilen! Da bekomme ich schon sämtliche Zustände, und wenn ich das Glück kommen sehe, laufe ich davon, so schnell wie ich nur kann. Aber in Rapallo mußte ich doch einmal stillhalten. Ich wohnte dort im Hotel mit einem sehr netten alten Ehepaar zusammen, dem ich schon lange anmerkte, daß sie etwas auf dem Herzen hätten. Und eines Morgens platzte die Bombe auch wirklich. Der alte Herr erzählte mir, es ließe ihn und seine Frau keine Ruhe mehr, sie hätten einmal etwas furchtbar Komisches erlebt (ich bitte höflichst, sich diese beiden Worte „furchtbar komisch” zu merken), sie hätten damals tagelang Tränen darüber gelacht, ob sie mir das Abenteuer nicht mitteilen dürften, vielleicht könnte ich es für eine Humoreske oder vielleicht sogar für einen Roman verwenden. Honorar beanspruchten sie natürlich nicht, sie wären glücklich, wenn sie mir einen Stoff liefern dürften.

Na, überhaupt wenn die Leute einem gute Ratschläge erteilen! Da bekomme ich schon sämtliche Zustände, und wenn ich das Glück kommen sehe, laufe ich davon, so schnell wie ich nur kann. Aber in Rapallo mußte ich doch einmal still halten. Ich wohnte dort im Hotel mit einem sehr netten alten Ehepaar zusammen, dem ich schon lange anmerkte, daß es etwas auf dem Herzen hätte. Und eines Morgens platzte die Bombe auch wirklich. Der alte Herr erzählte mir, es ließe ihn und seine Frau keine Ruhe mehr, sie hätten einmal etwas furchtbar Komisches erlebt (ich bitte höflichst, sich diese beiden Worte „furchtbar komisch” zu merken), sie hätten damals tagelang Tränen darüber gelacht, ob sie mir das Abenteuer nicht mitteilen dürften, vielleicht könnte ich es für eine Humoreske oder vielleicht sogar für einen Roman verwenden. Honorar beanspruchten sie natürlich nicht, sie wären glücklich, wenn sie mir einen Stoff liefern dürften.


Vor dem Alter soll man Ehrfurcht haben, leider! Sonst hätte ich die beiden Leutchen schon gleich totgeschlagen. So aber ließ ich sie am Leben und der alte Herr erzählte mir, vor vielen Jahren, als seine Frau noch jung, schön und begehrenswert gewesen sei, hätten sie auf einer Seereise einen Herrn kennen gelernt, der der jungen Frau rasend den Hof gemacht habe: „Das war an und für sich schon wahnsinnig komisch, nicht wahr? Und vielleicht können Sie auch das einmal verwenden, aber kommt noch viel besser. Eines Tages brach ein Sturm aus. Meine Frau und ich wissen gar nicht, was Seekrankheit ist, wir blieben deshalb auch ruhig auf Deck sitzen, bis sich plötzlich von dem oberen Deck herab einer erbrach und zwar gerade in den Schoß meiner Frau hinein. Und wissen Sie, wer dieser Erbrecher war? Niemand anders, als der Herr, der meiner Frau rasend den Hof machte.”

Vor dem Alter soll man Ehrfurcht haben, leider! Sonst hätte ich die beiden Leutchen schon gleich totgeschlagen. So aber ließ ich sie am Leben und der alte Herr erzählte mir, vor vielen Jahren, als seine Frau noch jung, schön und begehrenswert gewesen sei, hätten sie auf einer Seereise einen Herrn kennen gelernt, der der jungen Frau rasend den Hof gemacht habe: „Das war an und für sich schon wahnsinnig komisch, nicht wahr? Und vielleicht können Sie auch das einmal verwenden, aber es kommt noch viel besser. Eines Tages brach ein Sturm aus. Meine Frau und ich wissen gar nicht, was Seekrankheit ist, wir blieben deshalb auch ruhig auf Deck sitzen, bis sich plötzlich von dem oberen Deck herab einer erbrach und zwar gerade in den Schoß meiner Frau hinein. Und wissen Sie, wer dieser Erbrecher war? Niemand anders, als der Herr, der meiner Frau rasend den Hof machte.”


„Na, und weiter?” fragte ich, als der Erzähler die Kunstpause, die er machte, um die Wirkung der folgenden Worte zu erhöhen, nach meiner Ansicht über Gebühr lang ausdehnte. Aber ich hatte mich geirrt, es war keine Kunstpause, es war überhaupt keine Pause, es war Schluß. Weiter ging diese „furchtbar komische” Geschichte nicht mehr. Was ich zu hören bekommen hatte, war alles und daraus sollte ich eine Humoreske, vielleicht sogar einen Roman machen! Honorar brauchte ich ja glücklicherweise für den mir überlassenen Stoff nicht zu zahlen, aber trotzdem – man soll vor dem Alter Ehrfurcht haben und das ist vielleicht ganz gut, denn sonst hätte ich den Erzähler vielleicht hinterher in einem hohen Bogen von der Hotelhalle in den Meerbusen von Rapallo geschleudert.

„Na, und weiter?” fragte ich, als der Erzähler die Kunstpause, die er machte, um die Wirkung der folgenden Worte zu erhöhen, nach meiner Ansicht über Gebühr lang ausdehnte. Aber ich hatte mich geirrt, es war keine Kunstpause, es war überhaupt keine Pause, es war Schluß. Weiter ging diese „furchtbar komische” Geschichte nicht mehr. Was ich zu hören bekommen hatte, war alles und daraus sollte ich eine Humoreske, vielleicht sogar einen Roman machen! Honorar brauchte ich ja glücklicherweise für den mir überlassenen Stoff nicht zu zahlen, aber trotzdem – man soll vor dem Alter Ehrfurcht haben und das ist vielleicht ganz gut, denn sonst hätte ich den Erzähler vielleicht hinterher in einem hohen Bogen von der Hotelhalle in den Meerbusen von Rapallo geschleudert.


Vielleicht, daß man mir die obige kleine Geschichte nicht glaubt, da will ich gleich noch eine erzählen, die mir schon viele Leute nicht geglaubt haben, die aber trotzdem wahr ist. In Dresden war es. Dort traf ich eines Tages auf der Straße einen Herrn, der mich angeblich schon seit Tagen wie eine Stecknadel gesucht hatte, denn er hätte eine Geschichte für mich, eine Geschichte, so etwas von einer Geschichte sei überhaupt noch nicht dagewesen. Tausende und Abertausende könne ich mit der verdienen. Er selbst beanspruche von dem Honorar selbstverständlich keinen Pfennig, aber wenn ich ihn, während er mir die Geschichte erzählte, auf eine Flasche Sekt einladen wolle, denn sei er kein Unmensch und würde die Einladung mit dem herzlichsten Dank annehmen. An und für sich war der Preis für eine Geschichte, mit der ich Tausende und Abertausende verdienen würde, ja nicht sehr hoch, aber trotzdem, ich war im Laufe der Zeiten vorsichtig geworden und deshalb erklärte ich: „Erst die Geschichte und dann die Flasche Sekt, hinterher meinetwegen auch zwei oder drei, vorausgesetzt natürlich, daß ich das, was Sie mir erzählen wollen, auch gebrauchen kann.”

Vielleicht, daß man mir die obige kleine Geschichte nicht glaubt, da will ich gleich noch eine erzählen, die mir schon viele Leute nicht geglaubt haben, die aber trotzdem wahr ist. In Dresden war es. Dort traf ich eines Tages auf der Straße einen Herrn, der mich angeblich schon seit Tagen wie eine Stecknadel gesucht hatte, denn er hätte eine Geschichte für mich, eine Geschichte, so etwas von einer Geschichte sei überhaupt noch nicht dagewesen. Tausende und Abertausende könne ich mit der verdienen. Er selbst beanspruche von dem Honorar selbstverständlich keinen Pfennig, aber wenn ich ihn, während er mir die Geschichte erzählte, auf eine Flasche Sekt einladen wolle, dann sei er kein Unmensch und würde die Einladung mit dem herzlichsten Dank annehmen. An und für sich war der Preis für eine Geschichte, mit der ich Tausende und Abertausende verdienen würde, ja nicht sehr hoch, aber trotzdem, ich war im Laufe der Zeiten vorsichtig geworden und deshalb erklärte ich: „Erst die Geschichte und dann die Flasche Sekt, hinterher meinetwegen auch zwei oder drei, vorausgesetzt natürlich, daß ich das, was Sie mir erzählen wollen, auch gebrauchen kann.”


Ein Schrei der Entrüstung aus seinem Munde war die Antwort. Schon meine Vermutung, ich könne sein Erlebnis, oder was es sonst war, nicht gebrauchen, empörte ihn, bis er sich endlich wieder beruhigte und mit dem Erzählen begann: „Wie Sie wissen, bin ich Reserveoffizier bei einem Kavallerieregiment. Ich war kürzlich zu einer Übung eingezogen und bekam gleich an einem der ersten Tage den Auftrag, eine Offizierspatrouille zu reiten. Das tat ich denn natürlich auch, schon weil es befohlen war, und wie ich da nun so mit meinen fünf Husarenjacken hinter mir durch die Welt trabe, da sah ich plötzlich, wie rechts von mir auf der Chaussee ein Feldtelegraph gelegt wurde, und da habe ich sofort an Sie gedacht.”

Ein Schrei der Entrüstung aus seinem Munde war die Antwort. Schon meine Vermutung, ich könne sein Erlebnis, oder was es sonst war, nicht gebrauchen, empörte ihn, bis er sich endlich wieder beruhigte und mit dem Erzählen begann: „Wie Sie wissen, bin ich Reserveoffizier bei einem Kavallerieregiment. Ich war kürzlich zu einer Übung eingezogen und bekam gleich an einem der ersten Tage den Auftrag, eine Offizierspatrouille zu reiten. Das tat ich denn natürlich auch, schon weil es befohlen war, und wie ich da nun so mit meinen fünf Husarenjacken hinter mir durch die Welt trabe, da sah ich plötzlich, wie rechts von mir auf der Chaussee ein Feldtelegraph gelegt wurde, und da habe ich sofort an Sie gedacht.”


„An mich?” fragte ich verständnislos, „wollten Sie mir denn irgendetwas telegraphieren?”

„An mich?” fragte ich verständnislos, „wollten Sie mir denn irgendetwas telegraphieren?”


„Nein, das nicht,” gab er zur Antwort, „aber als ich sah, wie die Arbeiter den Feldtelegraphen legten, da habe ich mir gleich gesagt: „Donnerwetter, das mußt du baldmöglichst dem Schlicht erzählen, daraus kann der eine tadellose Militärhumoreske machen, die ihm Tausende und Abertausende einbringt.”

„Nein, das nicht,” gab er zur Antwort, „aber als ich sah, wie die Arbeiter den Feldtelegraphen legten, da habe ich mir gleich gesagt: „Donnerwetter, das mußt du baldmöglichst dem Schlicht erzählen, daraus kann der eine tadellose Militärhumoreske machen, die ihm Tausende und Abertausende einbringt.”


Der Leutnant der Reserve schwieg, ich aber war froh, daß wir nicht schon beim Sekt saßen, denn ich glaube ich hätte dem sonst mit der Sektflasche eins über den Schädel gehauen.

Der Leutnant der Reserve schwieg, ich aber war froh, daß wir nicht schon beim Sekt saßen, denn ich glaube ich hätte dem sonst mit der Sektflasche eins über den Schädel gehauen.


Ich habe diese kleine Anekdote einmal in Wiesbaden im dortigen Kurhaus zum besten gegeben. Am nächsten Tage reiste ich wieder ab und traf im Eisenbahnabteil eine alte Exzellenz, die ich schon am Abend vorher unter meinen Zuhörern in der ersten Sitzreihe bemerkt hatte. Der Herr stellte sich mir vor und sagte, er habe gestern abend noch lange mit seinem Sohn darüber gesprochen, ob die Geschichte mit dem Feldtelegraphen denn wirklich wahr sei, ob sie überhaupt wahr sein könne, und als ich der alten Exzellenz erklärte, ich wäre bereit, die Wahrheit der Geschichte vor jedem Richter zu beschwören, kam er aus dem Kopfschütteln nicht heraus, und ich glaube, geglaubt hat er mir doch nicht, aber wahr ist die Geschichte.

Ich habe diese kleine Anekdote einmal in Wiesbaden im dortigen Kurhaus zum besten gegeben. Am nächsten Tage reiste ich wieder ab und traf im Eisenbahnabteil eine alte Exzellenz, die ich schon am Abend vorher unter meinen Zuhörern in der ersten Sitzreihe bemerkt hatte. Der Herr stellte sich mir vor und sagte, er habe gestern abend noch lange mit seinem Sohn darüber gesprochen, ob die Geschichte mit dem Feldtelegraphen denn wirklich wahr sei, ob sie überhaupt wahr sein könne, und als ich der alten Exzellenz erklärte, ich wäre bereit, die Wahrheit der Geschichte vor jedem Richter zu beschwören, kam er aus dem Kopfschütteln nicht heraus, und ich glaube, geglaubt hat er mir doch nicht, aber wahr ist die Geschichte.


Nur ein einziges Mal habe ich einen Stoff verwenden können, den man mir erzählte. Der Erzähler war der schon erwähnte Viktor Hahn, und aus dem, was er mir erzählte, wurde zuerst ein Theaterstück(74), das sich gegen das Duell richtete und das, falls es auf der Bühne erscheine, unter unseren beiden Namen herauskommen solle. Aber es kam nicht auf die Bühne, denn Dr. Paul Lindau, der damals das Berliner Theater(75) leitete und dem wir das Stück einreichten, hatte die Liebenswürdigkeit, mir in mündlicher Aussprache auseinanderzusetzen, warum und weshalb jedes Tendenzstück auf der Bühne am falschen Platz sei. Ich konnte mich der Wahrheit seiner Ausführungen nicht verschließen und so wurde mit Einwilligung Viktor Hahns aus dem Theaterstück ein Roman, der nur unter meinem Namen und unter dem Titel „Oberleutnant Kramer” (76) in vielen Auflagen erschienen ist.

 


Aber sonst, wenn man mir einen Stoff schenken oder gar verkaufen will, ist es furchtbar und nun erst, wenn man mir dicke Romane und dicke Theaterstücke von blutigen Dilettanten zugeschickt werden [sic! Der Hrsgb.], die ich lesen, begutachten, empfehlen oder gar umarbeiten soll. Das ist einfach zum Aufhängen, obgleich man das, wie Julius Stettenheim zu sagen pflegt, erst dann tut, wenn alle Stricke reißen, insonderheit der, an dem man sich aufhängt. Seit Jahren habe ich es mir zum Grundsatze gemacht, alles ungelesen zurückzuschicken, denn lobt man die eingesandte Arbeit nicht, weil man das aus ehrlichster Überzeugung nicht kann, schafft man sich einen Todfeind und gegen seine bessere Überzeugung zu loben und dadurch Hoffnungen zu erwecken, die sich niemals erfüllen können, das bringe ich nicht fertig, denn das finde ich noch grausamer, als die grausamste Wahrheit zu sagen.

 


Doch nun nach dieser Abschweifung wieder zurück an meinen Schreibtisch in Dresden, wo ich ein Buch nach dem anderen schrieb, bis ich eines Tages von einem Verleger die Anfrage erhielt, ob ich bereit sei, ein Buch „Dresden und die Dresdner” (77) zu schreiben. Ähnliche Bücher gab es schon, wenn ich mich nicht irre, über Berlin, München und ein paar andere Städte. Nun wollte der Verleger es mit „Dresden und die Dresdner” versuchen. Ich ging auf den Vorschlag ein, ich wollte doch in humoristisch-satirischer Weise meinen lieben Mitbürgern, oder richtiger gesagt, meinen Dresdener Mitmenschen den Spiegel vor das Gesicht halten.

Doch nun nach dieser Abschweifung wieder zurück an meinen Schreibtisch in Dresden, wo ich ein Buch nach dem anderen schrieb.


Das Buch erforderte eine Heidenarbeit, denn als erstes galt es, aus dem dicken Dresdener Adreßbuch, alle irgendwie bekannten Namen heraus zu schneiden, diese Namen unter die verschiedenen Gruppen Adel, Politik, Kunst, Handel, Börse, Industrie, Militärs usw. zu verteilen und diese Namen in den einzelnen Gruppen alphabetisch zu ordnen. Selbst als Leutnant habe ich im stillen und laut nicht halb soviel geflucht wie bei dieser Arbeit und daß meine damalige Sekretärin und ich bei der Geschichte nicht blödsinnig wurden, verstehe ich heute noch nicht. Aber endlich war das Werk vollbracht. Die einzelnen Herrschaften waren gruppiert, nun hieß es, jedem Einzelnen sein Sprüchlein mit auf den Weg zu geben, das heißt, jedem Einzelnen nur insoweit, als er es verdient. Manchmal waren die Sprüchlein sehr harmloser Art. Für die verstorbene Schriftstellerin Heimburg, die hauptsächlich für die „Gartenlaube” arbeitete, schrieb ich einfach: „Mein Heim ist nicht die Burg, sondern die Gartenlaube.” Manche andere Bemerkungen aber waren satirischer und so kam, was kommen mußte. Als „Dresden und die Dresdner” im Buchhandel erschien, stand das Volk zwar nicht auf, aber der Sturm brach los, der Sturm gegen mich, der es gewagt hatte, mich nicht nur über die Dresdener, sondern auch über Dresden selbst lustig zu machen, von dem ich behauptet hatte, es sei ein schlummerndes Dornröschen und es werde, wie Saphir es schon vor mir prophezeite, bei einem Weltuntergang den Anschluß versäumen und erst vierzig Jahre später ganz für sich mutterseelenallein untergehen. Der Sturm brach los und ich glaube, man hätte mich am liebsten wieder, na sagen wir mal umgebracht. Aber in einer Hinsicht geschah ein Wunder. Das Buch hat mir nicht einen einzigen Schmähbrief eingebracht, nicht einmal einen anonymen. Aber dafür wurde genug über das Buch geredet. Es bildete an allen Stammtischen das ausschließlich Gesprächsthema, aber das nicht allein. In den hohen und höchsten Kreisen ist das Buch gelesen worden und selbst die damals in Florenz lebende ehemalige Kronprinzessin von Sachsen(78) ließ mich bitten, ihr ein Exemplar von „Dresden und die Dresdner” zukommen zu lassen.

 


Außerhalb Dresdens ist das Buch wenig oder gar nicht bekannt geworden. Es hatte ja auch nur lokales Interesse und wurde schon deshalb nicht von den Bahnhofsbuchhandlungen geführt. Und endlich, endlich finde ich damit die schon seit vielen Seiten (aber auch seit vielen Zeiten) gesuchte Gelegenheit, denen zu danken, denen ich es in erster Linie verdanke, wenn meine Bücher heute in ganz Deutschland verbreitet sind, denjenigen Herren, die in Deutschland und jetzt während des Krieges auch in den von uns besetzten feindlichen Gebietsteilen die Bahnhofs- und die Feldbuchhandlungen unter sich haben. Ich wäre nie so bekannt geworden, wie ich es heute zu sein wohl mit aller Bescheidenheit behaupten darf, wenn nicht von Anfang an der verstorbene Kommerzienrat Georg Stilke in Berlin, in dessen gastfreiem Hause auch ich schöne Stunden verleben durfte, sich meiner Bücher nicht gleich von Anfang an so warm angenommen hätte. Und was der Vater tat, setzte dessen Sohn, der jetzige Kommerzienrat und Rittmeister d.R., Hermann Stilke, nach dem Tode seines Vaters fort. Dem Toten und dem Lebenden sei dafür hier herzlichst gedankt, denn nur meine Verleger und ich wissen, was für uns die Firma Georg Stilke in Berlin bedeutet. Aber auch andere Firmen haben sich später meiner sehr angenommen. Ich nenne nur die Herren Gebrüder Vaternahm in Frankfurt am Main, die Firma Schmelzer in Wien, Bettenhausen in Dresden, ebenso die großen Verlagsbuchhandlungen in allen anderen großen Städten und ich glaube, es gibt heute kaum einen, wenn auch noch so kleinen Bahnhofsbuchhandel, in dem nicht wenigstens ein Buch von mir ausliegt. Daß man meine lustigen Bücher (sie sollen wenigstens lustig sein) nicht ernst nimmt und daß man meine Bücher lediglich als Reiselektüre bezeichnet, weiß ich natürlich. Einen Platz in der Literaturgeschichte werde ich mir wohl nie erobern und ich habe auch gar nicht den Ehrgeiz. Ich bin ganz damit zufrieden, fleißig gelesen zu werden und aus zahllosen Zuschriften aus allen Kreisen zu wissen, daß ich mit meinen Arbeiten vielen Leuten manche frohe Stunde bereitet habe. Und einmal habe ich sogar bei der Jahrhundertwende ein Feuilleton geschrieben, das in vielen Lesebüchern für die Schule enthalten ist. Auf den Titel der kleinen Arbeit(79), die auch in den englischen Schulbüchern zu finden ist, kann ich mich allerdings nicht mehr besinnen. Ich schrieb die Sache 1900 auf Veranlassung des verstorbenen Joseph Ettlinger(80), den späteren Begründer des literarischen Echos, der damals eine Feuilletonkorrespondez heraus gab. In der Arbeit schilderte ich, wie alle im verflossenen Jahrhundert gemachten Erfindungen am letzten Tage des Jahres 1899 zu einer Silvesterfeier in einem großen Saal zusammen kommen. Zum Schluß erschien auf einem Automobil prächtig und bunt angekleidet die Reklame, um den anderen zuzurufen: „Kinder soviel Geld wie ich allein, habt Ihr alle zusammen in diesem Jahrhundert nicht verdient.” Und nun kommt der Witz der Sache. Als ich gebeten wurde, den Abdruck der kleinen Plauderei für die Lesebücher in der Schule zu erlauben, wurde ich ersucht, noch eine kleine Änderung vorzunehmen, nämlich dergestalt, daß die alte Großmutter ihrem Reklameenkelkind zurief: „Das du soviel Geld verdient hast, ist ja sehr schön, hast du aber auch schon an das Sparen gedacht, hast du schon ein Sparkassenbuch?” ! Wunschgemäß habe ich das Fräulein Reklame an das Sparkassenbuch erinnert und ich hoffe, daß es inzwischen von dem fleißig Gebrauch gemacht hat.

 


Was habe ich überhaupt nicht alles in Dresden geschrieben. Auch mit einem neuen Theaterstück versuchte ich mein Glück. Es hieß „Seine Hoheit” (81). Mein Mitarbeiter war der verstorbene Walter Turszinsky und das Stück erlebte seine Uraufführung in Stettin am Bellevue-Theater, wo es wohl fünfzigmal gegeben wurde. Auch an vielen anderen Bühnen ist es gespielt worden, aber es war doch kein rechter Erfolg, das lag wohl zum Teil mit daran, daß dieses Kind unter großen Schmerzen geboren wurde, denn während der Arbeit sausten mir eines Tages wie der Blitz aus heiterem Himmel der Rheumatismus und die Ischias derartig in die Glieder, daß ich mich wochenlang nicht rühren konnte. Was habe ich nicht alles geschluckt, um das Leiden wieder los zu werden! Aber alles war vergebens. Da erzählte mir ein Herr, es gäbe gegen diese Krankheiten nur ein einziges Mittel, er habe es an seinem eigenen Leibe ausprobiert, es sei zwar eine Pferdekur, aber sie helfe tatsächlich. Das Mittel selbst aber bestand darin, daß man in den Wald ging, sich dort splitternackt auszog und sich mit beiden Füßen in einen großen Ameisenhaufen stelle. Ein paar Minuten später sei man am ganzen Körper von Ameisen bedeckt, die einem die ganzen schlechten Säfte aus dem sterblichen Leichnam heraussögen.

Was habe ich nicht alles in Dresden geschrieben. Auch mit einem neuen Theaterstück versuchte ich mein Glück. Es hieß „Seine Hoheit” . Mein Mitarbeiter war der verstorbene Walter Turszinsky und das Stück erlebte seine Uraufführung in Stettin am Bellevue-Theater, wo es wohl fünfzigmal gegeben wurde. Auch an vielen anderen Bühnen ist es gespielt worden, aber es war doch kein rechter Erfolg, das lag wohl zum Teil mit daran, daß dieses Kind unter großen Schmerzen geboren wurde, denn während der Arbeit sausten mir eines Tages wie der Blitz aus heiterem Himmel der Rheumatismus und die Ischias derartig in die Glieder, daß ich mich wochenlang nicht rühren konnte. Was habe ich nicht alles geschluckt, um das Leiden wieder los zu werden! Aber alles war vergebens. Da erzählte mir ein Herr, es gäbe gegen diese Krankheiten nur ein einziges Mittel, er habe es an seinem eigenen Leibe ausprobiert, es sei zwar eine Pferdekur, aber sie helfe tatsächlich. Das Mittel selbst aber bestand darin, daß man in den Wald ging, sich dort splitternackt auszog und sich mit beiden Füßen in einen großen Ameisenhaufen stelle. Ein paar Minuten später sei man am ganzen Körper von Ameisen bedeckt, die einem die ganzen schlechten Säfte aus dem sterblichen Leichnam heraussögen.


Ich habe mir die Sache reiflich überlegt, aber ich habe mich dann doch nicht zu dieser Kur entschließen können. Stattdessen fuhr ich nach Pöstyen(81a) in Ungarn, das heißt, ich fuhr eigentlich nicht, denn sitzen konnte ich mit meinen Schmerzen nicht, ich stand bis Pöstyen, aber da ich natürlich auch nicht solange stehen konnte, hing ich nach Pöstyen. Ich hatte mich zwar nicht gerade aufgehängt, wohl aber hing ich mit meinen beiden Händen in den Gepäcknetzen, so daß mir die Hände beinahe abgestorben waren, als ich endlich am Ziel meiner Reise anlangte. Pöstyen war damals noch ein kleines elendes Nest. Jetzt nimmt man die Bäder dort in den großen schönen Hotels. Damals fuhr man mit einem „Infanteristen” von seinem Hotel in das Badehaus und wieder zurück. Dieser Infanterist war aber kein Soldat, sondern ein kleiner, zweirädriger Wagen, der, ich weiß nicht warum, der Infanterist hieß. Vor den Wagen spannten sich zwei Frauen, von hinten schob ein Mann und dann ging die Fuhre los. Namentlich nach dem Bad im schnellsten Tempo, damit man sich unterwegs nicht erkälte und baldmöglichste wieder in sein Bett käme. Bei gutem Wetter ging es auch wirklich sehr schnell, aber anders war es, wenn es geregnet hatte. Der Weg zum Badehaus war noch nicht gepflastert, sondern bestand stellenweise aus weichstem Lehm, in dem die menschlichen Pferde vor dem Wagen oft bis an die Knie versanken und der Wagen sank natürlich mit. Aber wir sind trotzdem immer wieder heil heraus gekommen, in dem Umschmeißen hatten die Leute glücklicherweise keine Übung. In Pöstyen bin ich auf viele Jahre hinaus wieder gesund geworden, denn auf dieses Bad passen die Worte, die Heinrich Heine in der „Wallfahrt nach Kevlaar” sagt. Auch nach Pöstyen kam mancher auf Krücken, der jetzo tanzt auf dem Seil und mancher spielt so die Bratsche, dem früher kein Finger war heil. Trotzdem bin ich aber nie wieder dorthin gegangen. Das Warum weiß ich eigentlich selbst nicht. Vielleicht, weil Budapest nicht allzu weit entfernt liegt und weil ich damals Kranke kennen lernte, die mehr in Budapest als in Pöstyen waren. Na und wenn Budapest ja auch sehr schön ist, als Kurort gegen Rheumatismus habe ich es noch nie angezeigt gesehen.

Ich habe mir die Sache reiflich überlegt, aber ich habe mich dann doch nicht zu dieser Kur entschließen können. Statt dessen fuhr ich nach Pöstyen in Ungarn, das heißt, ich fuhr eigentlich nicht, denn sitzen konnte ich mit meinen Schmerzen nicht, ich stand bis Pöstyen, aber da ich natürlich auch nicht solange stehen konnte, hing ich nach Pöstyen. Ich hatte mich zwar nicht gerade aufgehängt, wohl aber hing ich mit meinen beiden Händen in den Gepäcknetzen, so daß mir die Hände beinahe abgestorben waren, als ich endlich am Ziel meiner Reise anlangte. Pöstyen war damals noch ein kleines elendes Nest. Jetzt nimmt man die Bäder dort in den großen schönen Hotels. Damals fuhr man mit einem „Infanteristen” von seinem Hotel in das Badehaus und wieder zurück. Dieser Infanterist war aber kein Soldat, sondern ein kleiner, zweirädriger Wagen, der, ich weiß nicht warum, der Infanterist hieß. Vor den Wagen spannten sich zwei Frauen, von hinten schob ein Mann und dann ging die Fuhre los. Namentlich nach dem Bad im schnellsten Tempo, damit man sich unterwegs nicht erkälte und baldmöglichste wieder in sein Bett käme. Bei gutem Wetter ging es auch wirklich sehr schnell, aber anders war es, wenn es geregnet hatte. Der Weg zum Badehaus war noch nicht gepflastert, sondern bestand stellenweise aus weichstem Lehm, in dem die menschlichen Pferde vor dem Wagen oft bis an die Knie versanken und der Wagen sank natürlich mit. Aber wir sind trotzdem immer wieder heil heraus gekommen, in dem Umschmeißen hatten die Leute glücklicherweise keine Übung. In Pöstyen bin ich auf viele Jahre hinaus wieder gesund geworden, denn auf dieses Bad passen die Worte, die Heinrich Heine in der „Wallfahrt nach Kevlaar” sagt. Auch nach Pöstyen kam mancher auf Krücken, der jetzo tanzt auf dem Seil und mancher spielt jetzo die Bratsche, dem früher kein Finger war heil. Trotzdem bin ich aber nie wieder dorthin gegangen. Das Warum weiß ich eigentlich selbst nicht. Vielleicht, weil Budapest nicht allzu weit entfernt liegt und weil ich damals Kranke kennen lernte, die mehr in Budapest als in Pöstyen waren. Na und wenn Budapest ja auch sehr schön ist, als Kurort gegen Rheumatismus habe ich es noch nie angezeigt gesehen.


Wie überall auf meinen Reisen habe ich auch in Pöstyen viele nette Menschen kennen gelernt, darunter einen Herrn, der die Veranlassung war, daß ich meinen Wohnsitz von Dresden nach Berlin verlegte. Die erste Veranlassung dazu aber bot eine andere und zwar eine Kartenlegerin. (Lachte da eben jemand?) Auf jeden Fall ist das aber kein Scherz. Ich lag eines Abends in meiner Dresdner Junggesellenwohnung(82) auf dem Sofa, rauchte wie immer eine Zigarre nach der anderen und wenn es mir auch eigentlich nicht schlecht ging, gut ging es mir auch nicht, auf jeden Fall war ich mit mir und meinem Geschick unzufrieden. Ich blickte nicht gerade mit allzu rosigen Augen in die Zukunft und da fragte mich die Dame, die mir damals meinen Haushalt führte, ob sie nicht mal für mich zur Kartenlegerin gehen solle. Natürlich lachte ich sie zuerst aus, dann aber gab ich ihr doch einen Segen mit auf den Weg und als sie zurückkam, hatte die Kartenlegerin ihr alles aus den Karten vorgelesen: Daß ein Herr bei ihr wohne, der mit sich und seinem Geschick nicht unzufrieden sei usw. In Wirklichkeit hatte meine Hausdame das der weisen Frau entweder alles selbst erzählt, oder sie hatte sich von ihr in geschickter Weise ausfragen lassen. Das konnte mir ja aber gleichgültig sein, mich interessierte nur, was die weise Frau mir prophezeit hatte und endlich bekam ich auch das zu hören. In den Karten hatte ganz deutlich gestanden: ich dürfe nicht in Dresden bleiben, ich müsse nach Berlin ziehen, aber um Gottes willen in keine andere Stadt, nur nach Berlin, dort werde ich das Glück finden, das ich suchte.

Wie überall auf meinen Reisen habe ich auch in Pöstyen viele nette Menschen kennen gelernt, darunter einen Herrn, der die Veranlassung war, daß ich meinen Wohnsitz von Dresden nach Berlin verlegte,


Ich will natürlich nicht behaupten, daß diese Worte einen tieferen Eindruck auf mich gemacht hätten, aber als ich in Pöstyen den Herrn kennen lernte, der mir riet, nach Berlin überzusiedeln, fiel mir die Prophezeiung wieder ein und ich dachte mir: „Versuche es, vielleicht findest du in Berlin wirklich dein Glück, wenn nicht, kannst du deinen Schreibtisch und was du sonst noch dein eigen nennst, wieder verladen lassen und in eine andere Stadt ziehen.” Aber das tat nicht nötig, denn später fand ich in Berlin tatsächlich das Glück, wenngleich es vorläufig auch noch auf sich warten ließ. Aber trotzdem hatte ich eigentlich gar keine Ursache, mit dem Leben so unzufrieden zu sein, wie ich es war. Aber es ist ja nun einmal das alte Lied: wer keine Sorgen hat, macht sich welche. Das tat ich für meine Person redlich, zwischendurch arbeitete ich aber auch sehr viel und bin in Berlin auch wieder als Vorleser meiner Humoresken auf dem Brettl aufgetreten. Ein lieber Freund von mir, der bekannte Schauspieler und Schriftsteller Heinz Gordon, mit dem zusammen ich auch einmal ein Lustspiel „Im Notquartier” (83) geschrieben habe, leitete damals ein in seiner äußeren Aufmachung und in seiner inneren Einrichtung außerordentlich geschmackvoll gehaltenes Varieté-Theater. Ich glaube, es lag in der Jägerstraße und hieß Folies Bergères(84). (Wenn ich wüßte, wo ich mir billig ein neues, oder wenigstens ein altes, aber gut erhaltenes Gedächtnis kaufen könnte, ich kaufte es sofort.) Heinz Gordon wollte versuchen, dieses kleine hübsche Theater literarisch zu heben und bat mich, als Erster auf seine Bühne zu klettern und dort vorzulesen. Heinz Gordon und dem schnöden Mammon zuliebe tat ich es. Vor mir trat eine junge Sängerin mit der Geige auf und deutlich höre ich noch ihr allabendliches Lied „Eine kleine Geige möcht' ich haben” und dabei hatte sie doch schon eine! Nach mir kam eine feurige spanische Tänzerin und ich hatte die Empfindung, dort mit meinen Vorlesungen nicht ganz am Platze zu sein, aber nicht etwa, als ob ich mich meiner Artistenumgebung geschämt hätte. Im Gegenteil, ich habe für den Zirkus und das Varieté stets eine große Vorliebe gehabt. Mit dem Sohn des verstorbenen Schulreiters Hager war ich in Altona zusammen in der Pension, durch ihn bin ich damals zahllose Male in den alten Zirkus Renz(84b) gekommen und habe alle damaligen berühmten Persönlichkeiten kennen gelernt: den alten Renz, Franz Renz, den alten Hager und seine Töchter, die bekannten Schulreiterinnen. Ferner Mister Cook, den weltberühmten Jockeireiter, James Fillis, der als Schulreiter nicht seinesgleichen hatte und zahllose andere. Wollte ich alle Artisten aufführen, die ich im Laufe der Jahre persönlich kennen lernte, würde das ein kleiner Band für sich werden. Als ich noch in Dresden wohnte, habe ich auch lange für das Blatt „Der Artist” (85) über die Vorstellungen in den beiden großen Varieté-Theatern bei dem Programmwechsel die Besprechungen geschrieben und ich bin auch heute noch ein fleißiger Leser des „Organs der Varietéwelt” (86). Nein, geschämt habe ich mich des Umganges mit den Varietékünstlern nie, im Gegenteil, ich habe mit denen zusammen viele frohe Stunden verlebt und unter ihnen vortreffliche Menschen kennen gelernt. Aber trotzdem, so recht fühlte ich mich in den Folies Bergères nicht zuhause, hauptsächlich weil meine Vorlesungen nicht in den Rahmen der anderen Darbietungen hinein paßten. Ich glaube, ich habe ungefähr drei Wochen dort allabendlich gelesen und das brachte mir eine Einladung nach Wien ein, nach der dortigen inzwischen leider eingegangenen „Hölle” (86a), die unter der Leitung der beiden Gebrüder Natzler stand. Die Hölle war wirklich literarisch. Von den dort fest engagierten Mitgliedern nenne ich nur die bekannte Frau Mela Mars, den Komponisten Bela Lasky, die auch in Berlin bekannte Lucie König und den Dichter und Vortragskünstler Rudolf Österreicher, der später der Mitarbeiter Franz von Schönthans wurde. Ich kam nach Wien und ich glaube, ich darf sagen, ich siegte. Meine Satiren schlugen gerade in Wien sehr ein und die Hölle war jeden Abend von dem vornehmsten Publikum bis auf den letzten Platz ausverkauft, so daß die Direktion mich nach Ablauf meines Vertrages neu engagieren wollte. Ich war im Prinzip damit einverstanden, stellte aber die Bedingung, daß ich nicht mehr verpflichtet sein solle, jeden Abend und auch noch des Sonntags nachmittags meine Humoreske „Meiers Hose” (87) lesen zu müssen, die ich in meinem Leben schon so oft vorgelesen hatte und habe, daß sie mir meilenweit zum Halse heraushing, die aber in Wien derartig einschlug, daß ein Herr Abend für Abend in die Hölle kam, nur um sich immer wieder darüber zu freuen, wie der Musketier Meier bei der Besichtigung seine Hose verlor. Einmal hatte ich zur Abwechslung statt „Meiers Hose” die inzwischen durch Marcell Salzer bekannt gewordene Geschichte „Meiers Stiefel” (88) gelesen. Aber das war mir schlecht bekommen, das Publikum war enttäuscht, daß es nicht „Meiers Hose” zu hören bekam, es klatschte zwar freundlichen Beifall, aber in diesen Beifall mischte sich plötzlich ein lauter Pfiff. Nur einer und der mich da auspfiff, hatte es, wie man so zu sagen pflegt, gerade nötig. Seinen Namen, obgleich der bekannt ist, will ich nicht nennen, denn sein Träger ist inzwischen ebenfalls auf dem Felde der Ehre gefallen. Ich habe darüber nur gelacht, daß ich auch einmal ausgepfiffen wurde, der Direktion aber hatte der Pfiff nicht lieblich in den Ohren geklungen und um so etwas für die Zukunft zu verhindern, sollte ich auch weiter allabendlich „Meiers Hose” lesen. Da aber streikte ich und aus der Kontraktverlängerung wurde nichts. Hinterher hat es mir leid getan, denn die Zeit in der Hölle war sehr lustig. Ein kleines Erlebnis in Wien machte mir auch sehr viel Spaß. Ich war auf dem Zollamt gewesen, um dort meine Zigarren abzuholen, die ich mir von Hamburg aus hatte nachkommen lassen. Als ich wieder auf die Straße trat, fand ich mich nicht zurecht und ich bat einen Herrn, mir den Weg zu zeigen. Aber der knurrte mich an und erklärte mir, ich hätte es für immer mit ihm verdorben. „Nanu,” meinte ich ganz verwundert, „was habe ich Ihnen denn getan? Ich kenne Sie doch gar nicht.”











und in Berlin bin ich auch wieder als Vorleser meiner Humoresken auf dem Brettl aufgetreten. Ein lieber Freund von mir, der bekannte Schauspieler und Schriftsteller Heinz Gordon, mit dem zusammen ich auch einmal ein Lustspiel „Im Notquartier” geschrieben habe, leitete damals ein in seiner äußeren Aufmachung und in seiner inneren Einrichtung außerordentlich geschmackvoll gehaltenes Varieté-Theater. Ich glaube, es lag in der Jägerstraße und hieß Folies Bergères. (Wenn ich wüßte, wo ich mir billig ein neues, oder wenigstens ein altes, aber gut erhaltenes Gedächtnis kaufen könnte, ich kaufte es sofort.) Heinz Gordon wollte versuchen, dieses kleine hübsche Theater literarisch zu heben und bat mich, als Erster auf seine Bühne zu klettern und dort vorzulesen. Heinz Gordon und dem schnöden Mammon zuliebe tat ich es.























Ich glaube, ich habe ungefähr drei Wochen dort allabendlich gelesen und das brachte mir eine Einladung nach Wien ein, nach der dortigen „Hölle” , die unter der Leitung der beiden Gebrüder Natzler stand. Die Hölle war wirklich literarisch. Von den dort fest engagierten Mitgliedern nenne ich nur die inzwischen leider verstorbene Frau Mela Mars, den Komponisten Bela Lasky, die auch in Berlin bekannte Lucie König und den Dichter und Vortragskünstler Rudolf Österreicher, der später der Mitarbeiter Franz von Schönthans wurde. Ich kam nach Wien und ich glaube, ich darf sagen, ich siegte. Meine Satiren schlugen gerade in Wien sehr ein und die Hölle war jeden Abend von dem vornehmsten Publikum bis auf den letzten Platz ausverkauft, so daß die Direktion mich nach Ablauf meines Vertrages neu engagieren wollte. Ich war im Prinzip damit einverstanden, stellte aber die Bedingung, daß ich nicht mehr verpflichtet sein solle, jeden Abend und auch noch des Sonntags nachmittags meine Humoreske „Meiers Hose” lesen zu müssen, die ich in meinem Leben schon so oft vorgelesen hatte und habe, daß sie mir meilenweit zum Halse heraushing, die aber in Wien derartig einschlug, daß ein Herr Abend für Abend in die Hölle kam, nur um sich immer wieder darüber zu freuen, wie der Musketier Meier bei der Besichtigung seine Hose verlor.


„Aber ich kenne Sie,” gab er mir zur Antwort, und dann erzählte er mir, er sei gestern abend mit seiner Familie in der Hölle gewesen, um mich dort lesen zu hören. Drei Tage vorher habe er sich schon darauf gefreut. Was und wie ich gelesen hätte, das hätte ihm und den Seinen ja auch sehr viel Spaß gemacht, aber er sei für sein Geld nicht auf die Kosten gekommen, denn er und die Seinen hätten geglaubt, ich würde wenigstens eine ganze Stunde lesen, wenigstens auf sechs Humoresken und Satiren hätten sie mit aller Bestimmtheit gerechnet. Statt dessen hätte ich nur zwei gelesen. Na, wenn er das gewußt hätte, wäre er ganz bestimmt nicht in die Hölle gekommen. Er schalt noch eine ganze Weile vor sich hin, bis es mir endlich gelang, ihn dadurch zu beruhigen, daß ich ihm versprach, wenn er wieder in die Hölle käme und wenn er mich wissen ließe, daß er dabei sei, dann würde ich für ihn und seine Familie ein paar Geschichten extra zum besten geben.

 


Aber er ist dann doch nicht wieder in die Hölle gekommen, wenigstens hat er nichts wieder von sich hören lassen und das war auch ganz gut, ich hätte ihm sonst zum zweitenmal eine Enttäuschung bereiten müssen, da ich mit Rücksicht auf die lange Dauer des sonstigen Programms nicht mehr als zwei Satiren und als Beigabe nur stets ein paar Anekdoten lesen durfte.

 


Ich kannte die Geschichten, die ich in Wien vorlas, natürlich in- und auswendig, aber trotzdem bin ich eines Abends vollständig aus dem Text gekommen und daran war die Vorsprecherin schuld, die ich nicht brauchte, die aber von der vorhergegangenen Nummer her in ihrem Kasten sitzen geblieben und dort fest eingeschlafen war. Sie schlief schon, als ich auf die Bühne trat und sie hörte es nicht, als ich ihr halblaut zurief, sie möge sich zum Teufel scheren. Die Frau blieb wo sie war, unmittelbar vor mir, kaum drei Schritte entfernt. Ich nahm mir fest vor, nicht nach ihr hinzusehen, aber ich sah doch fortwährend in ihren Kasten hinein, bis sie plötzlich sogar anfing, laut zu schnarchen. Da war es um mich geschehen, da war es aus, und ich weiß heute noch nicht, wie ich an dem Abend mit meinen Geschichten zu Ende gekommen bin. Aber für die Zukunft sorgte ich dafür, daß die Dame aus ihrem Häuschen verschwand.

Ich kannte die Geschichte natürlich in- und auswendig, aber trotzdem bin ich eines Abends bei der vollständig aus dem Text gekommen und daran war die Vorsprecherin schuld, die ich nicht brauchte, die aber von der vorhergegangenen Nummer her in ihrem Kasten sitzen geblieben und dort fest eingeschlafen war. Sie schlief schon, als ich auf die Bühne trat und sie hörte es nicht, als ich ihr halblaut zurief, sie möge sich zum Teufel scheren. Die Frau blieb wo sie war, unmittelbar vor mir, kaum drei Schritte entfernt. Ich nahm mir fest vor, nicht nach ihr hinzusehen, aber ich sah doch fortwährend in ihren Kasten hinein, bis sie plötzlich sogar anfing, laut zu schnarchen. Da war es um mich geschehen, da war es aus, und ich weiß heute noch nicht, wie ich an dem Abend mit meinen Geschichten zu Ende gekommen bin. Aber für die Zukunft sorgte ich dafür, daß die Dame aus ihrem Häuschen verschwand.


Von hier ab sind die beiden Versionen der Autobiographie völlig verschieden.


Von Wien ging es wieder zurück nach Berlin und dort wartete ich weiter auf das mir für fünfzehn Mark prophezeite Glück. Und eines Tages war es da, richtiger gesagt, ich hielt den Anfang dazu in meinen Händen und zwar in Gestalt einer Postkarte, auf der meine einstige Lübecker Leutnantsliebe(88a), die ich unglücklich angeschmachtet, und ich glaube sogar angedichtet hatte, mir nach langen, langen Jahren ganz unerwartet einen freundlichen Gruß sandte. Bald darauf feierten wir das Wiedersehen und im September 1908(89) trat der mir ebenfalls prophezeite Wendepunkt meines Lebens ein und zwar dadurch, daß ich heiratete. Und die Ehe hat mich in jeder Hinsicht so verändert, daß viele, die mich von früher her kannten, mich jetzt kaum wiedererkennen. Sogar schlank bin ich wieder geworden, denn ich bin in einer Hinsicht wirklich beinahe eine Sehenswürdigkeit. Ich bin einer der wenigen Menschen Deutschlands, die mit Erfolg elektrisch entfettet worden sind. Was weder Karlsbad noch Marienbad erreicht haben, hat der elektrische Strom zuwege gebracht. Ein Vergnügen war es allerdings nicht, zumal mich des Morgens mein Berliner Zahnarzt mindestens zwei Stunden lang quälte. Trotzdem aber fuhr ich jeden Nachmittag zu dem bekannten Dr. Nagelschmidt nach der Tauentzienstraße und legte mich dort, nur mit meiner einstigen Schönheit und einem Leinentuch bekleidet, auf den von einem französischen Arzt erfundenen und von Dr. Nagelschmidt sehr verbesserten, eigenartig konstruierten Lehnstuhl. Gleich darauf hieß es: „Bitte, recht freundlich” , und schon wurde mir der elektrische Wechselstrom durch den Körper gejagt, daß meine Beine in der Luft herumflogen, als spielte ich Fußball. Ich habe in meinem Leben schönere Vergnügungen kennen gelernt, allerdings waren die meisten auch ungesünder. Hier aber gesundete ich, das Fett schwand dahin, von Tag zu Tag nahm ich zwei Pfund ab, allerdings im Zusammenhang mit einer außerordentlich strengen Diät. Als ich eines Tages zu meinem Doktor kam, hatte ich so hohes Fieber, daß er mich nach Hause schicken wollte, da ich nach seiner Ansicht an Influenza oder etwas Ähnlichem erkrankt sei, bis sich dann herausstellte, daß ich lediglich vor Hunger fieberte. Da erbarmte er sich meiner und erlaubte mir, mich ausnahmsweise einmal wieder gründlich satt zu essen. Ich rief vor Freude dreimal Hurra, aber ich hurrate zu früh, denn das Schlemmeressen, das er mir erlaubte, bestand lediglich aus drei trockenen Semmeln. Ja, schön war etwas anderes, aber ich mußte die Kur machen, denn nicht nur mein Körper, sondern auch mein Gehirn war verfettet und der schönste Gehirnschlag stand vor der Tür und wartete auf mich. Na, ich bin ihm gerade noch im letzten Augenblick entwischt, und daß ich das tat, das wie so vieles andere, verdanke ich lediglich meiner Frau, denn wenn die mir damals nicht so gut zugeredet hätte, würde ich die kaum begonnene Kur sehr schnell wieder aufgegeben haben. Vielleicht daß ein ebenfalls an Korpulenz leidender Leser dieser Zeilen in Zukunft auch einmal seine Zuflucht zu dem elektrischen Wechselstrom nimmt, zu dessem Nutzen und Besten habe ich diese kleine Episode erzählt. Allerdings, anwenden kann man die Kur nur, wenn man ein ganz gesundes Herz hat und über ein ganz klein bißchen Energie verfügt.

Von Wien ging es wieder zurück nach Berlin, und dort habe ich alles in allem etwa drei Jahre gelebt, bis ich mich eines Tages entschloß, mit meinem Schreibtisch und mit allem, was ich sonst noch mein Eigen nannte, nach Weimar zu übersiedeln. Das aber nicht etwa, als ob ich mich mit Schiller, Goethe, Herder, Wieland und wie die großen Dichterfürsten sonst noch alle heißen, geistig irgendwie verwandt oder verschwägert gefühlt hätte und als ob ich mir in einem Anfall von Größenwahn gesagt hätte, nur auf einem mit Klassizismus gedüngten Boden kann deine Kunst sich zur vollsten Blüte entwickeln. O nein, so wahnsinnig war ich denn doch nicht. Die Gründe, die mich nach Weimar trieben, waren viel prosaischerer Art. Ich hatte die Berliner Etagenwohnungen mehr als satt, in denen das um mich herum in allen anderen Etagen tobende und hämmernde Klavierspiel mich oft bis an die Grenzen des Mordes und des Selbstmordes trieb. Und da ich mir sagen mußte: Ziehe wohin du willst, du wirst in ganz Berlin kein einziges Haus finden, in dem nicht gleichzeitig beständig wenigstens zwölf Klaviere behämmert und gespielt werden, sagte ich mir weiter, eine Wohnung wie du sie suchst, findest du nur in einer Kleinstadt, in der du dir eine kleine Villa für dich alleine mieten kannst.


Als wir in Berlin geheiratet hatten, bezogen wir eine Wohnung im Tiergarten.(90) Mein Hauswirt(91) hat es hinterher geleugnet, oder es nicht mehr gewußt, daß ich mich bei ihm erkundigte, ob die Wohnung auch vollständig ruhig sei. Das letztere wurde mir von meinem Hauswirt versichert, aber kaum waren wir eingezogen, da merkte ich erst, wie ruhig die Wohnung war, denn mein Wirt der über mir wohnte, hatte nicht nur einen Flügel, sondern er hatte auch ein Pianola, und auf diesem spielte er jeden Abend, wenn ich mich recht entsinne, von neun bis elf Uhr, während ich unter ihm in meinem Klubsessel saß und mir das ausdachte, was ich am nächsten Morgen niederschreiben wolle. Und den Schluß des Pianolaspiels bildete jeden Abend der Walzer aus der „Puppenfee” , den ich geliebt habe, als ich ihn als junger Leutnant in Lübeck zum erstenmal hörte, den ich aber später hassen lernte. Was habe ich nicht alles getan, um meinem Hauswirt das Spielen abzugewöhnen. Ich habe ihn zuweilen an einem Abend zehn- bis fünfzehnmal antelephoniert und ihn um Ruhe angefleht. Ich habe ihm höfliche und weniger höfliche Briefe geschrieben und es ihm zu verstehen gegeben, er sei daran schuld, wenn ich eines Tages in eine Irrenanstalt übergeführt werden müsse. Ich habe mir sogar aus Lichtenberg eine Drehorgel kommen lassen und jeden Abend stundenlang, während er Pianola spielte, die Orgel gedreht, und wenn meine Kräfte erlahmten, dann mußte meine Sekretärin das Geschäft fortsetzen, nebenbei bemerkt, war die Orgel selbst an solche Scherze gewöhnt, denn der Orgelverleiher erzählte mir, die Orgel sei schon oft zu solchen Zwecken vermietet worden. Ob sie in anderen Fällen geholfen hat, entzieht sich meiner Kenntnis, bei mir half sie jedenfalls nichts und ich zerbrach mir den Kopf, wie ich aus dieser musikalischen Hölle herauskommen könnte. Da nahte sich mir eines Tages die Rettung in Gestalt meiner Mädchen, die als Zimmer den berühmten Berliner Hängeboden hatten und die mir erklärten, die Luft in ihrem Zimmer wäre so schlecht und ungesund, daß sie es dort nicht aushielten. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Schon setzte ich mich hin und erbat den Besuch des Polizeiarztes, und als dieser bei mir gewesen war, erwirkte ich ein polizeiliches Verbot, daß die weitere Benutzung des Hängebodens als Mädchenzimmer, weil gesundheitsschädlich, untersagte. Wer war glücklicher als ich? Da ich in meiner Wohnung nun kein Mädchenzimmer mehr hatte, war mein Mietsvertrag ungültig und gestattete mir daher den sofortigen Auszug, ohne weiter an meinen Vertrag gebunden zu sein. So glaubte ich wenigstens, aber mein Hauswirt dachte über den Punkt natürlich anders. Der vertrat die Ansicht, ich könne meinen Mädchen ja ein anderes Zimmer einräumen. Wir gingen vor das Gericht, und der wegen seines Witzes als Original bekannte Amtsgerichtsrat Dr. Béringuier, der als Rittmeister der Reserve inzwischen auch auf dem Felde der Ehre gefallen ist, fällte das salomonische Urteil, daß ich gegen Hinterlegung einer Jahresmiete bei Gericht sofort ausziehen könne. Die endgültige Regelung der Streitfrage müsse er den Gerichten überlassen. Wir zogen aus, und der Prozeß begann. In der ersten Instanz verlor ich glänzend, aber das wunderte mich nicht weiter, denn wenn man im Recht zu sein glaubt, verliert man bekanntlich immer. In der zweiten Instanz verlor ich erst recht, was mich auch nicht weiter wunderte, und als wir bei dem Reichsgericht Revision anmeldeten, fanden wir zunächst gar keinen Anwalt, der die Revision unseres völlig aussichtslosen Prozesses vor dem Gericht vertreten und begründen wollte. Das aber wunderte mich sehr, denn ich war doch im Recht. So suchten wir weiter, bis wir schließlich einen Anwalt fanden, der unsere Sache vor dem Reichsgericht vertrat und zwar mit dem Erfolg, daß die Sache zur nochmaligen Verhandlung an ein anderes Gericht überwiesen wurde. Und als ich den Prozeß dann endlich nach einer Dauer von drei Jahren wirklich gewonnen hatte, wunderte mich das selbstverständlich erst recht nicht, denn von meinem Recht war ich von Anfang an felsenfest überzeugt gewesen. Aber schließlich wer ist das nicht, wenn er zum Gericht läuft? Na, immerhin hatte ich gewonnen, der Gegner verlor zwei Jahre Miete, er mußte die sämtlichen Gerichtskosten bezahlen und ich begriff es vollständig, daß er kein allzu frohes Gesicht machte, als er mich etwa ein Jahr später eines Morgens in Kissingen am Brunnen stehen sah, wo wir beide zur Kur weilten.

*

In Weimar fand ich das Haus, das ich suchte, und obgleich ich in Gedanken schon oft wieder fortgezogen bin, weil die Stadt für einen Menschen, der soweit in der Welt herumgekommen ist wie ich, sehr sehr klein und nicht nur oft, sondern eigentlich immer zum Sterben langweilig ist, wohne ich nun schon lange Jahre dort, und werde wohl auch in Weimar bleiben, bis ich eines Tages für immer den Federhalter fortlege und in mein Grab übersiedele, das schon längst auf dem Weimarer Friedhof für mich fix und fertig steht, so fertig, daß nur noch der Tag eingemeißelt zu werden braucht, an dem ich einst sterbe. Und so kam es, daß letzthin einmal eine Dame, der ich vorgestellt wurde, einen gellenden Schrei des Schreckens ausstieß und mich ganz entsetzt anstarrte, bis sie endlich mit stotternder Stimme sagte: „Aber Sie sind doch schon tot, ich habe doch neulich an Ihrem Grabe gestanden und allen meinen Bekannten geschrieben, wie wahnsinnig interessant es für mich gewesen wäre, auch Ihr Grab gesehen zu haben.”


Ich war inzwischen von Berlin nach (91a)Weimar übergesiedelt, denn ich mußte mir sagen: „Wo findest du in Berlin ein Haus, in dem kein Klavier resp. kein Pianola ist?” Und wenn die Mieter, die mit dir dort zusammen wohnen, zufälligerweise kein Instrument besitzen, wer garantiert dir dafür, daß die Leute sich nicht eines Tages eins anschaffen, oder daß neue Mieter kommen, deren Wahlspruch da lautet: „Ob die Menschen über dir oder unter dir daran tot bleiben, ist mir gleichgültig, unter zehn Stunden Klavierspiel täglich tun wir es nicht.” Wie gesagt, wo fand ich in Berlin Ruhe? Nach meiner Überzeugung nirgends, und so zogen wir nach Weimar, nachdem ich meiner Frau vorher vorgesungen hatte: „ Wohin soll ich mit dir, o du Geliebte, ziehn?” Ich glaube, es gibt keine Stadt von mehr als zehntausend Einwohnern, in der wir damals in Gedanken nicht wenigstens eine Stunde gewohnt haben. Zehntausend Einwohner war das wenigste, was wir von unserem neuen Wohnort verlangten, zehntausend Einwohner und einen anständigen Kientopp, und Weimar hat sogar im Winter zwei Kientöppe, von denen der eine noch besser ist als der andere. Es hat auch sogar über dreißigtausend Einwohner. So zogen wir nach Weimar, allwo eine selbstverständlich geheime Artikelschreiberin, die sich einmal über mich geärgert hatte, in einer der hiesigen Zeitungen behauptete, ich wandle mehr schlecht als schlicht auf Goethes Spuren. Natürlich war dieses Wandeln nicht in geistiger, sondern lediglich in körperlicher Beziehung gemeint. Wir zogen nach Weimar und kaum waren wir dort, als ich erkrankte und mich einer zwar ungefährlichen, aber trotzdem außerordentlich schmerzhaften Darmoperation unterziehen mußte. Das erwähne ich nur deshalb, weil ich dabei ein Kunststück fertig gebracht habe, das mir so leicht keiner nachmachen dürfte. Ich lag wochenlang mit einer großen Darmwunde im Bett, ich hatte Schmerzen, an die ich auch heute nur noch mit Schaudern zurückdenke, ich war kaum fähig, mich im Bett zu bewegen und trotzdem bin ich jeden Tag, um meinen Verleger nicht im Stich zu lassen, für zwei Stunden aus dem Bett geklettert. Ich bin bis zu meinem Schreibtisch gekrochen und habe dort einen humoristischen Roman „Der Schwippleutnant” (92) geschrieben, der ganz lustig geworden sein muß, denn er hat inzwischen manche Auflage erlebt, was ich von dem lustigsten Buch, das ich nach meiner Überzeugung jemals geschrieben habe, nicht behaupten kann. Das Buch nannte sich „Pensionopolis” (93), auf Deutsch: die Stadt der Pensionäre. Aber das Buch ist nicht viel gekauft worden, weil viele Leute das Wort „Pensionopolis” nicht aussprechen konnten und weil sie sich genierten, in den Buchhandlungen nach dem Roman zu fragen, bei dessen Titel sie sich die Zunge abbrachen. Einige sagten „Pennsiopólis” , andere „Pennòpolis” , viele andere sagten: der Titel in dem ein Pol drin vorkommt, und ein Buchhändler schrieb meinem Verleger sogar einmal: „Für das bei Ihnen erschienene Buch „Pensionsp-p-” habe ich keine Verwendung.” Anstatt der Bindestriche setzte er in seinem Briefe natürlich Buchstaben, zweimal denselben und zwar den, den man häufig gebraucht, wenn man sich über irgend etwas wundert. Daß ich mich, wie schon erwähnt, über nichts mehr wundere, weiß ich selbst nicht mehr, was man in solchen Fällen zu sagen pflegt. Ich weiß es wenigstens nicht mehr genau, mir ist aber dunkel in der Erinnerung, als sagte man dann: „oo” ; nein doch nicht, man sagt „oh-oh,” aber der Buchhändler ließ in seinem Briefe das h selbstverständlich fort.

Weimar ist für mich, wie ich schon angedeutet, der Inbegriff des unglaublichsten Stumpfsinns und schon um über den hinwegzukommen, habe ich hier noch mehr Bücher geschrieben als in den Städten, in denen ich früher wohnte. Wenn ich zuweilen an meinen Bücherschrank trete und dort die Galerie selbstverfaßter Werke sehe, laufen mir die Häute sämtlicher Gänse der Welt über meinen Rücken, und ich frage mich: „Mensch, Schlicht, wie konntest du nur?” Aber ich habe es gekonnt und ohne mir darauf auch nur eine Messerspitze voll Natron einzubilden, ich kann mir das Zeugnis ausstellen, in geistiger Hinsicht fruchtbarer gewesen zu sein als ein in anderer Hinsicht wahnsinnig gewordenes weibliches Kaninchen. Mir schrieb vor einigen Jahren ein sehr bekannter Schriftsteller, er würde nun bald 80 Jahre und er hoffe noch bis dahin sein hundertstes Buch veröffentlichen zu können, eine Leistung, die kein anderer deutscher Schriftsteller aufzuweisen habe. Worauf ich dem alten Herrn nur zurückschrieb: „Säugling, der Sie im Vergleich zu mir sind – mein hundertstes Buch ist schon vor 15 Jahren erschienen.” Da ward es still, ich hört' nichts mehr, die Welt geht weiter wie vorher, wie Otto der Große, ich meine wie Otto Reutter singt.


Wir hatten uns in Weimar in der Nähe des Parkes eine sehr hübsche Villa gemietet, aber kaum hatten wir die eingerichtet, da zogen wir auch schon wieder fort, wenn allerdings auch nur in Gedanken, denn wir wußten nicht wohin. So sehr Weimar uns auch gefiel, ich mußte immer an die Worte meines Landmannes denken, den ich hier gleich am Anfang kennen lernte und der zu mir sagte: „Weimar ist ja sehr schön, aber es ist doch auch man sehr lütt.” Ja, bannig lütt kam mir Weimar am Anfang vor. An Berlin durfte man natürlich gar nicht denken, besonders am Abend nicht, wenn man so gern mal zu Reinhardt, in den Wintergarten, in das Operettentheater, oder sonst wohin gegangen wäre. Aber wo lag die Stadt, die ich suchte und wie hieß die? Ich habe mich damals sehr ernsthaft mit dem Gedanken getragen, das große Los zu gewinnen und mit dem gewonnenen Geld eine neue Stadt zu gründen, in die alle Leute ziehen sollten, die ebenso wie wir ihren Wohnsitz verändern wollten, aber die nicht wußten, wohin sie ziehen sollten. Aber ich habe die Stadt doch nicht gegründet, schon weil ich nicht das große Los gewann. Ich kam nur mit dem Einsatz heraus und die Stadt, die ich mit den paar Mark hätte gründen können, wäre noch viel lütter als Weimar geworden. Bis wir eines Tages beinahe ganz in die Einsamkeit gezogen wären und zwar nach Garmisch. Dort war neben der Villa von Richard Strauß ein wunderschön gelegener Bauplatz zu verkaufen, auf den wir sehr ernsthaft reflektierten. Die Sache scheiterte nur daran, daß der Besitzer den für uns viel zu großen Platz nur im ganzen verkaufen wollte. Der Kauf zerschlug sich. Ärgerlich und verdrießlich darüber saß ich des Abends in Garmisch im Hotel und meine Laune wurde dadurch nicht besser, daß eine uns bekannte Dame mich dadurch zu trösten versuchte, daß sie mir ganz ernsthaft zurief: „Ich würde an Ihrer Stelle einzig und allein nach Bonn ziehen!” Und dabei hatten es mir doch die Berge von Garmisch angetan, was sollte ich da in Bonn? Da konnte ich ja bleiben, wo ich war. Und das habe ich dann auch getan. Ja, damit wir eines Tages nicht vielleicht doch wieder auf den Gedanken kämen, fortzuziehen und um uns das wenigstens zu erschweren, haben wir uns sogar ein reizendes kleines Haus gekauft, in dem wir oft und gern unsere Freunde bei uns sehen, wenn meine Zeit es mir auch nicht erlaubt, große Gesellschaften zu geben, oder die gar zu besuchen. Aber unsere Freunde sind uns stets sehr willkommen, schon weil wir wissen, daß sie gern kommen und auch von den Fremden, die alljährlich Weimar besuchen, hat schon mancher den Weg zu uns gefunden, wenn auch nur, um sich von mir ein Autogramm zu erbitten, denn für Weimars Fremde fange ich von Jahr zu Jahr mehr an, mit zu den Sehenswürdigkeiten zu gehören. Auch darauf bilde ich mir natürlich nicht das geringste ein, manchmal setzt es mich sogar in die größte Verlegenheit, obgleich ich mir das Schüchternsein längst abgewöhnt habe. Aber angenehm ist es mir zuweilen nicht, wenn jeder Weimaraner Droschkenkutscher, der eine Fremdenfuhre hat und der an mir vorbeifährt, kaum daß ich vorüber bin, sich auf seinem Bock umdreht und seinen Fahrgästen erklärt, wer der Herr war, den er eben gegrüßt habe, denn das ist eine Weimarer Spezialität, daß jeder Kutscher seine alten Kunden grüßt, ganz einerlei, wen er fährt. Und wenn man dann wiedergrüßt, glauben die Insassen des Wagens natürlich, der Gruß gelte ihnen.

Zahllose Militärromane und Militärhumoresken habe ich in Weimar geschrieben, aber auch viele viele humoristisch satirische Bücher über die süßen kleinen Mädchen und über die Frauen, von denen die Bände „Die süßen kleinen Mädchen” , „Die Frau und meine Frau” und „Die unverstandenen Frauen” (94), alle jetzt im Verlag von Otto Uhlmann, Berlin, im Laufe der Jahre wohl die bekanntesten geworden sind. Die „Unverstandenen Frauen” waren auf Betreiben der katholischen Geistlichkeit in Bayern sogar lange als angeblich unsittlich und unmoralisch verboten, weil dem Band das Wort von Balsac zugrunde liegt: „Das Bett ist die Ehe, und die Ehe ist das Bett.” Jetzt ist das Buch, nachdem ich den deswegen geführten Prozeß gewonnen, längst wieder freigegeben und da schrieb mir vor etwa 2 Jahren ein mir gänzlich unbekanntes junges Mädchen aus, es ist ja einerlei, aus welcher Stadt, einen Brief, der vom ersten bis zum letzten Wort folgendermaßen lautete:


Sieben Jahre lang wohne ich nun schon in Weimar, ich bin bekannt wie ein bunter Hund und werde täglich von einem Dutzend Damen und Herren gegrüßt, ohne eine Ahnung zu haben, wer die Betreffenden sind. Man grüßt mich einfach, weil man mich von Ansehen, aus meinen Büchern oder aus meinen Vorlesungen kennt. So ist es mir letzthin auf einer meiner Reisen begegnet, daß ich von einem mir ganz fremden Herrn so liebenswürdig gegrüßt wurde, daß ich nicht umhin konnte, ihn zu fragen, warum und weshalb. Da erzählte er mir, er habe in Berlin eines Abends eine meiner Vorlesungen besucht, es sei allerdings schon acht Jahre her, aber schon damals habe er sich fest vorgenommen, wenn ich ihm jemals wieder in seinem Leben begegnen solle, mich zu grüßen, soviel Spaß hätte ihm damals „Meiers Hose” gemacht. Ach ja, „Meiers Hose!”

„Lieber süßer einziger Herr von Schlicht! Sie sollen ein so wahnsinnig amüsantes aber auch so wahnsinnig unanständiges Buch geschrieben haben „Die unverstandenen Frauen” . das muß ich lesen. Natürlich hätte ich es mir schon längst gekauft, aber hier in dem kleinen Nest, in dem alle mich kennen, und in dem alle wissen, daß ich erst 15 Jahre bin, verlangen die Buchhändler von mir die schriftliche Erlaubnis meines Vaters, daß ich das Buch kaufen darf. Haben Sie für solche Stießlichkeit Worte? Nun müssen Sie mir das Buch schicken, damit ich es lesen kann. Nein, selbst lesen will ich es nicht, sondern mein Schnucki soll es mir vorlesen, wenn ich ihn des Abends in seiner sturmfreien Bude besuche, wenn ich auf seinem Schoß sitze und wenn er mir meine schlanken Beine in den seidenen Strümpfen streichelt. Und wenn wir uns dann bei dem Buch aufregen und uns wie wild küssen, dann will ich bei jedem Kuß, den ich meinem Schnucki gebe, nur an Sie denken. Und nicht wahr, nun schicken Sie mir das Buch?”

Ich habe ihr sonst was geschickt!

Jugend von heute!


Aber ich habe nicht nur Soldatengeschichten geschrieben, sondern hauptsächlich, seitdem ich in Weimar wohne, auch viel humoristisch-satirische Bücher über die Frauen. Ich habe es eben mal an meinen zehn Fingern ausgerechnet. Alles in allem habe ich beinahe ein Dutzend Bücher über die Frauen und über die süßen kleinen Mädchen geschrieben, und frei nach Wippchen könnte ich fragen: „Wer besitzt die nicht? Du, geliebter Leser!” Aber das wäre sehr undankbar und ungerecht von mir, denn meine Bücher über die Frauen und über die süßen kleinen Mädchen sind in vielen, vielen tausend Exemplaren gekauft worden, und daß man sie auch las, beweisen mir zahlreiche Briefe, die gerade diese Bücher mir auch heute noch in das Haus bringen und deren Inhalt sehr verschieden lautet. Die einen erklären mich für den größten Kenner des weiblichen Geschlechtes, der es durchschaute und verstände wie kein zweiter. Die anderen schreiben, sie begriffen nicht, woher ich den Mut nehme, auch nur eine Zeile über die Frauen zu veröffentlichen, denn wenn ich mir über die keine besseren Kenntnisse angeeignet hätte, als die, die ich zum besten gäbe, dann könnte ich ihnen leid tun. Die süßen kleinen Mädchen selbst aber schreiben: „Ja, ja, so sind wir. Wir sind genau so, das heißt, wir selbst sind natürlich nicht so, wie Sie uns schildern, aber wir haben Freundinnen, die so sind und die haben wieder Freundinnen, die erst recht so sind. Aber wir selbst sind wirklich ganz anders, das schwören wir Ihnen und nicht wahr, lieber Herr von Schlicht, Sie glauben unserem Schwur?” —




Alles in allem habe ich mehr als ein Dutzend Bücher über die Frauen und über die süßen kleinen Mädchen geschrieben und frei nach Wippchen könnte ich fragen: „Wer besitzt die nicht? Du, geliebter Leser!” Aber das wäre sehr undankbar und ungerecht von mir, denn meine Bücher über die Frauen und über die süßen kleinen Mädchen sind in vielen, vielen zehntausenden Exemplaren gekauft worden, und daß man sie auch liest, beweisen mir zahlreiche Briefe, die gerade diese Bücher mir auch heute noch in das Haus bringen und deren Inhalt sehr verschieden lautet. Die einen erklären mich für den größten Kenner des weiblichen Geschlechtes, der es durchschaute und verstände wie kein zweiter. Die anderen schreiben, sie begriffen nicht, woher ich den Mut nähme, auch nur eine Zeile über die Frauen zu veröffentlichen, denn wenn ich mir über die keine besseren Kenntnisse angeeignet hätte, als die, die ich zum besten gäbe, dann könnte ich ihnen leid tun. Die süßen kleinen Mädchen selbst aber schreiben: ja, ja, so sind wir. Wir sind genau so, das heißt, wir sind natürlich nicht so, wie Sie uns schildern. Aber wir haben Freundinnen, die so sind und die haben wieder Freundinnen, die erst recht so sind. Aber wir selbst sind wirklich ganz anders, das schwören wir Ihnen, und nicht wahr, lieber Herr von Schlicht, Sie glauben unserem Schwur?


Seid unbesorgt, ihr süßen kleinen Mädchen, ob ihr schwört oder nicht, ich glaube euch nichts. Das verlangt ihr ja auch gar nicht, im Gegenteil, ihr nähmt es direkt übel, wenn man euch alles glauben wollte, denn dann sagt ihr mit vollem Recht: „Gott, ist der Mensch dumm!” Und ihr süßen kleinen Mädchen müßt lügen, ihr müßt in der Jugend diese Kunst lernen, damit ihr sie als junge Frau versteht.

*

Seid unbesorgt, Ihr süßen kleinen Mädchen, ob Ihr schwört oder nicht, ich glaube Euch – nichts. Das verlangt Ihr ja auch gar nicht, im Gegenteil, Ihr nähmet es direkt übel, wenn man Euch alles glauben wollte, denn dann sagtet Ihr mit vollem Recht: „Gott, ist der Mensch dumm!” Und Ihr süßen kleinen Mädchen müßt lügen, Ihr müßt in der Jugend diese Kunst lernen, damit Ihr sie als junge Frauen versteht und beherrscht.


 

Aber obgleich ich selbst jedes Lügen und jede Lüge vermeide, wo ich es nur immer kann, einmal habe ich dennoch in einem meiner Bücher gelogen, und zwar absichtlich. Da träumt eine junge schöne Frau, sie wäre die Geliebte des Fürsten geworden, mit dem sie am Nachmittag lange auf einem Tee zusammengewesen ist. Im Traum ist sie auf dem Schloß des Fürsten, sie liegt in dem prunkvollen Schlafgemach auf dem Ruhebett und erwartet den, der ihr Geliebter werden soll. Endlich tritt er ein und beugt sich über sie, um sie zu küssen, aber nicht auf den Mund, sondern auf ihre entzückend kleinen Füße. Doch als der Fürst sie dahin küssen will, sträubt sie sich, weil ihr einfällt, daß ihr Mann, an den sie jetzt zum erstenmal wieder denkt, es auch so liebt, ihre kleinen Füße zu küssen. Der Fürst aber, der ihre geheimen Gedanken natürlich nicht errät, deutet ihr Benehmen falsch und sagt zu ihr: Schönste der Frauen, daß Sie sich nicht auf den Fuß küssen lassen wollen, beweist mir, daß Sie noch nie dorthin geküßt worden sind, oder daß man Sie noch nie richtig dorthin geküßt hat. Ein jeder Fuß hat eine winzig kleine Stelle, die aber nicht auf der Fußsohle, sondern oben auf dem Spann sitzt, und wenn man die Stelle zu finden und richtig zu küssen weiß, dann ist der Kuß dorthin so schön wie kein anderer.


 

Als ich das geschrieben hatte, fragte ich mich im stillen, ob wohl eine einzige, die das liest, an diese Kußstelle glauben und auf die hereinfallen wird?

Ach und es sind Dutzende darauf hineingefallen. Ich habe viele Zuschriften erhalten, in denen ich gebeten wurde, die Stelle zu nennen. Ja einige Damen schickten mir sogar Zeichnungen und Photographien ihrer nackten Füße und baten mich, auf diesen die Stelle, auf die der Kuß so schön sei wie kein anderer, anzustreichen.

Aber das konnte ich doch nicht, denn die Stelle, auf die ein Kuß so schön ist, wie sonst nirgends wohin, die sitzt nicht auf dem Fuß, die sitzt ganz wo anders.

Aber wo die sitzt, verrate ich nicht. Das bleibt mein Geheimnis, das mir in einer schönen Stunde einmal eine blendend schöne Türkin im Orient anvertraute.


Ab hier sind beide Versionen wieder nahezu identisch.


Vor vielen, vielen Jahren war es, daß ich einmal eines Nachmittags eine sehr schöne und elegante Frau zum Tee besuchte. Ich fand sie glücklicherweise allein, aber unglücklicherweise in einer so schlechten Stimmung, daß ich schon bedauerte, gekommen zu sein. Bis ich dann bat: „Schönste aller Frauen, erleichtern Sie Ihr Herz. Was bedrückt Sie? Wenn ich Ihnen auch nicht helfen kann, so wird Ihnen eine Aussprache vielleicht doch gut tun.” Und endlich, nach vielen Bitten meinerseits erfuhr ich auch, was vorlag. Die schöne Frau hatte das Leben satt, wenigstens das Leben an der Seite ihres Mannes. Sie wollte sich scheiden lassen, oder wenn auch das nicht gerade, sie wollte sich von ihm trennen, oder wenn auch das nicht gerade, sie wollte ihn nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen und erst recht seine Liebkosungen nicht mehr dulden, denn ihr Mann war ein elender, ganz schlechter Mensch, der eine so gute Frau, wie sie es war, gar nicht verdiente, nicht mal an den Wochentagen, geschweige an den Sonntagen. Und die schöne Frau erzählte mir unter Tränen, warum ihr Mann unerträglich sei: „Denken Sie sich nur, ich kann meinem Mann vorlügen was ich will, er glaubt mir nichts, aber auch nichts mehr.”

Vor vielen, vielen Jahren war es, daß ich einmal eines Nachmittags eine sehr schöne und elegante Frau zum Tee besuchte. Ich fand sie glücklicherweise allein, aber unglücklicherweise in einer so schlechten Stimmung, daß ich schon bedauerte, gekommen zu sein. Bis ich dann bat: „Schönste aller Frauen, erleichtern Sie Ihr Herz. Was bedrückt Sie? Wenn ich Ihnen auch nicht helfen kann, so wird Ihnen eine Aussprache vielleicht doch gut tun.” Und endlich, nach vielen Bitten meinerseits erfuhr ich auch, was vorlag. Die schöne Frau hatte das Leben satt, wenigstens das Leben an der Seite ihres Mannes. Sie wollte sich scheiden lassen, oder wenn auch das nicht gerade, sie wollte sich von ihm trennen, oder wenn auch das nicht gerade, sie wollte ihn nicht mehr sehen, nicht mehr sprechen und erst recht seine Liebkosungen nicht mehr dulden, denn ihr Mann war ein elender, ganz schlechter Mensch, der eine so gute Frau, wie sie es war, gar nicht verdiente, nicht mal an den Wochentagen, geschweige an den Sonntagen. Und die schöne Frau erzählte mir unter Tränen, warum ihr Mann unerträglich sei: „Denken Sie sich nur, ich kann meinem Mann vorlügen was ich will, er glaubt mir nichts, aber auch nichts mehr.”


„Das ist allerdings sehr unrecht von Ihrem Mann,” pflichtete ich der schönen Frau bei, um sie gleich darauf zu fragen: „Wie wäre es, Gnädigste, wenn Sie es Ihrem Gatten gegenüber einmal mit der Wahrheit versuchten?”

„Das ist allerdings sehr unrecht von Ihrem Mann,” pflichtete ich der schönen Frau bei, um sie gleich darauf zu fragen: „Wie wäre es, Gnädigste, wenn Sie es Ihrem Gatten gegenüber einmal mit der Wahrheit versuchten?”


Da traf mich ein vernichtender Blick aus tränenumflorten Augen und hoheitsvoll rief die schöne Frau mir zu: „Merken Sie sich eins, daß Sie noch nicht zu wissen scheinen, eine Frau, die Wert darauf legt, jung, schön und elegant zu sein, darf nie die Wahrheit sagen, niemals, denn die Wahrheit ist so unglaublich langweilig und prosaisch.”

Da traf mich ein vernichtender Blick aus tränenumflorten Augen und hoheitsvoll rief die schöne Frau mir zu: „Merken Sie sich eins, was Sie noch nicht zu wissen scheinen, eine Frau, die Wert darauf legt, jung, schön und elegant zu sein, darf nie die Wahrheit sagen, niemals, denn die Wahrheit ist so unglaublich langweilig und prosaisch.”


Etwas Ähnliches habe ich später in dem geistreichen Aufsatz von Oskar Wilde über den Verfall der Lüge gelesen, in dem der Verfasser den realistischen Schriftstellern zu Leibe geht und ihnen den Vorwurf macht, sie schilderten das Leben nur deshalb genau so, wie es wäre, weil sie nicht genug Phantasie besäßen, um geistreich und amüsant lügen zu können, denn jeder frei erfundene Roman ist doch schließlich weiter nichts, als eine Lüge. Ein Schriftsteller muß in diesem Sinne zu lügen verstehen, ein süßes kleines Mädchen muß es aber in anderer Hinsicht erst recht verstehen. Lügen ist selbstverständlich nicht damit gleichbedeutend, daß es heißt: immer wissentlich die Unwahrheit zu sagen. Im Gegenteil, ein süßes kleines Mädchen muß, wenn es lügt, felsenfest davon überzeugt sein, die lauterste Wahrheit zu sprechen, denn sonst stößt die Lüge ab, sonst verliert sie jeden Reiz.

Etwas Ähnliches habe ich später in dem geistreichen Aufsatz von Oskar Wilde über den Verfall der Lüge gelesen, in dem der Verfasser den realistischen Schriftstellern zu Leibe geht und ihnen den Vorwurf macht, sie schilderten das Leben nur deshalb genau so, wie es wäre, weil sie nicht genug  Phantasie besäßen, um geistreich und amüsant lügen zu können, denn jeder frei erfundene Roman ist doch schließlich weiter nichts, als eine Lüge. Ein Schriftsteller muß in diesem Sinne zu lügen verstehen, ein süßes kleines Mädchen muß es aber in anderer Hinsicht erst recht verstehen. Lügen ist selbstverständlich nicht damit gleichbedeutend, daß es heißt: immer wissentlich die Unwahrheit zu sagen. Im Gegenteil, ein süßes kleines Mädchen muß, wenn es lügt, felsenfest davon überzeugt sein, die lauterste Wahrheit zu sprechen, denn sonst stößt die Lüge ab, sonst verliert sie jeden Reiz.


Die süßen kleinen Mädchen jeglichen Standes und jeglichen Ranges haben in meinem Leben eine sehr große Rolle gespielt, dafür bin ich immer bekannt gewesen, und es wäre deshalb dumm, das heute ableugnen zu wollen. Ich habe in meinem reichbewegten Leben zahllose junge Mädchen geküßt und bin von zahllosen jungen Mädchen wiedergeküßt worden. Nein, das letztere ist nicht wahr, denn ein junges Mädchen küßt nie einen Mann wieder, sie gibt ihm höchstens seine Küsse zurück, weil sie die nicht behalten will, damit die Mutter oder die Tante die nicht vielleicht zu Hause doch noch auf ihren Lippen bemerkt. Ich habe viel geküßt und habe mir alle meine Küsse zurückgeben lassen, und wenn ich genug geküßt hatte, fragte ich stets: „So, nun sage mir bitte mal, was hast du dir bei dem Küssen gedacht?”

Die süßen kleinen Mädchen jeglichen Standes und jeglichen Ranges haben in meinem Leben eine sehr große Rolle gespielt, dafür bin ich immer bekannt gewesen, und es wäre deshalb dumm, das heute ableugnen zu wollen. Ich habe in meinem reichbewegten Leben zahllose junge Mädchen geküßt und bin von zahllosen jungen Mädchen wiedergeküßt worden. Nein, das letztere ist nicht wahr, denn ein junges Mädchen küßt nie einen Mann wieder, sie gibt ihm höchstens seine Küsse zurück, weil sie die nicht behalten will, damit die Mutter oder die Tante die nicht vielleicht zu Hause doch noch auf ihren Lippen bemerkt. Ich habe viel geküßt und habe mir alle meine Küsse zurückgeben lassen, und wenn ich genug geküßt hatte, fragte ich stets: „So, nun sage mir bitte mal, was hast du dir bei dem Küssen gedacht?”


Das war eine Frage, die die süßen kleinen Mädchen stets in die größte Verlegenheit setzte, und der Antwort wichen sie meistens dadurch aus, daß sie mir zuriefen: „Welche sonderbare Frage, woran soll man denn denken, wenn man küßt?” Das wollte ich ja gerade wissen und manchmal erhielt ich auch eine Antwort, die aber noch viel sonderbarer war, als meine Frage. Vielleicht, daß ich noch einmal einen kleinen Band schreibe, der mich im stillen schon lange beschäftigt und der da heißen soll: „Wenn sie küssen!” (95) Einen Band „Wenn Frauen lieben” (96) habe ich bereits geschrieben, aber lieben und küssen sind zwei ganz verschiedene Dinge. Man kann lieben ohne zu küssen und man sich erst recht küssen lassen, ohne zu lieben.

Das war eine Frage, die die süßen kleinen Mädchen stets in die größte Verlegenheit setzte, und der Antwort wichen sie meistens dadurch aus, daß sie mir zuriefen: „Welche sonderbare Frage, woran soll man denn denken, wenn man küßt?” Das wollte ich ja gerade wissen und manchmal erhielt ich auch eine Antwort, die dann aber noch viel sonderbarer war, als meine Frage, und die alles andere enthielt als die Wahrheit. Die bekam ich nur ein einziges Mal zu hören. Da saß ein bildhübsches junges Mädchen auf meinem Schoß und küßte mich, daß mir der Atem und die Sinne vergingen, so daß ich sie, als sie sich endlich ausgeküßt hatte, fragte: Nun sag' mal ganz offen und ehrlich, Kindchen, woran hast du bei der Küsserei gedacht?

Da schmiegte sie sich zärtlich an mich und sagte mit glückseliger Stimme: An meinen über alles geliebten Fritz.

Und obgleich ich sonst ganz damit zufrieden bin, daß ich der bin, der ich bin, in dem Augenblick habe ich es doch beinahe bedauert, daß ich nicht der über alles geliebte Fritz war.


Überhaupt, was ist die Liebe und was ist ein Kuß? Diese schwierigen Fragen weiß ich nicht zu beantworten, ich weiß nur, daß man auf einen Kuß unter Umständen sehr lange warten muß. Ich habe einmal auf den sieben lange Jahre warten müssen, allerdings war mir von Anfang an erklärt worden, ich würde den Kuß, um den ich eine junge schöne Frau in übermütiger Sektstimmung bat, nie erhalten, nie, niemals, unter gar keinen Umständen! Aber als die junge Frau mir das sagte, lachte sie mich übermütig an, sie lachte mit dem verführerischen Mund und sie lachte erst recht mit den wundervollen blauen Augen. Ich aber dachte: Wenn eine Frau schon „nie” sagt! und sagte frech und gottesfürchtig: „Also morgen!” Da lachte die schöne Frau wieder mit dem Munde und den schönen Augen, sie lachte so verführerisch, daß ich sagte: „Also noch heute abend!” Aber meine Hoffnungen erwiesen sich als trügerisch, sieben lange Jahre habe ich auf den Kuß warten müssen, und als wir uns dann endlich küßten, da wurden aus dem einen Kuß mehrere, bis die schöne Frau sich plötzlich aus meinen Armen freimachte und sich laut aufschluchzend auf einen Stuhl niederfallen ließ. Ich aber stand da wie ein begossener Pudel und wußte nicht, was ich sagen sollte, bis ich endlich die Schöne zu verstehen glaubte und also zu ihr sprach: „Warum weinen Sie denn nur, liebe gnädige Frau? Ein Kuß ist doch schließlich kein Kapitalverbrechen. Gewiß, wir haben uns nicht nur einmal geküßt, böse Menschen könnten behaupten, es sei ein dutzendmal und mehr gewesen, aber schließlich hat doch kein böser Mensch etwas gesehen und niemals wird einer etwas davon erfahren. Also warum weinen Sie? Sie stehen allein auf der Welt, einen Mann, dem Sie etwa Rechenschaft schuldig wären, haben Sie nicht mehr, warum die Reue? Höchstens müßte ich es bereuen, Sie durch meine Bitten zu diesem Kuß veranlaßt zuhaben, aber der Wahrheit die Ehre, ich bereue es nicht.”

Überhaupt, was ist die Liebe und was ist ein Kuß? Diese schwierigen Fragen weiß ich nicht zu beantworten, ich weiß nur, daß man auf einen Kuß unter Umständen sehr lange warten muß. Ich habe einmal auf den sieben lange Jahre warten müssen, allerdings war mir von Anfang an erklärt worden, ich würde den Kuß, um den ich eine junge schöne Frau in übermütiger Sektstimmung bat, nie erhalten, nie, niemals, unter gar keinen Umständen! Aber als die junge Frau mir das sagte, lachte sie mich übermütig an, sie lachte mit dem verführerischen Mund und sie lachte erst recht mit den wundervollen blauen Augen. Ich aber dachte: Wenn eine Frau schon „nie” sagt! und sagte frech und gottesfürchtig: „Also morgen!” Da lachte die schöne Frau wieder mit dem Munde und den schönen Augen, sie lachte so verführerisch, daß ich sagte: „Also noch heute abend!” Aber meine Hoffnungen erwiesen sich als trügerisch, sieben lange Jahre habe ich auf den Kuß warten müssen, und als wir uns dann endlich küßten, da wurden aus dem einen Kuß mehrere, bis die schöne Frau sich plötzlich aus meinen Armen freimachte und sich laut aufschluchzend auf einen Stuhl niederfallen ließ. Ich aber stand da wie ein begossener Pudel und wußte nicht, was ich sagen sollte, bis ich endlich die Schöne zu verstehen glaubte und also zu ihr sprach: „Warum weinen Sie denn nur, liebe gnädige Frau? Ein Kuß ist doch schließlich kein Kapitalverbrechen. Gewiß, wir haben uns nicht nur einmal geküßt, böse Menschen könnten behaupten, es sei ein dutzendmal und mehr gewesen, aber schließlich hat doch kein böser Mensch etwas gesehen und niemals wird einer etwas davon erfahren. Also warum weinen Sie? Sie stehen allein auf der Welt, einen Mann, dem Sie etwa Rechenschaft schuldig wären, haben Sie nicht mehr, warum die Reue? Höchstens müßte ich es bereuen, Sie durch meine Bitten zu diesem Kuß veranlaßt zuhaben, aber der Wahrheit die Ehre, ich bereue es nicht.”


„Und halten Sie mich etwa für so dumm, daß ich bereue, was ich tat?” erhielt ich zur Antwort.

„Und halten Sie mich etwa für so dumm, daß ich bereue, was ich tat?” erhielt ich zur Antwort.


„Na also,” gab ich frohen Mutes zurück, „da sind wir ja uns einig, nun trocknen Sie bitte endlich Ihre Tränen.”

„Na also,” gab ich frohen Mutes zurück, „da sind wir ja uns einig, nun trocknen Sie bitte endlich Ihre Tränen.”


Aber anstatt diesen Rat zu befolgen, schluchzte die schöne Frau erst recht vor sich hin, bis sie mir plötzlich zurief: „Was vermöget ihr Männer euch doch in die Seele und in die Lage einer Frau zu versetzen, sonst müßten Sie es wissen, warum ich weine.”

Aber anstatt diesen Rat zu befolgen, schluchzte die schöne Frau erst recht vor sich hin, bis sie mir plötzlich zurief: „Wie wenig vermögt ihr Männer euch doch in die Seele und in die Lage einer Frau zu versetzen, sonst müßten Sie es wissen, warum ich weine.”


Das aber wußte ich wirklich nicht. Ich habe mir mein Gehirn zermartert, um es zu ergründen, aber ich habe es erst viele Wochen später erfahren: die schöne hatte geweint, weil sie es bedauerte, daß sie mich, aber auch sich selbst auf diesen Kuß sieben lange Jahre hatte warten lassen.

Das aber wußte ich wirklich nicht. Ich habe mir mein Gehirn zermartert, um es zu ergründen, aber ich habe es erst viele Wochen später erfahren: die Schöne hatte geweint, weil sie es bedauerte, daß sie mich, aber auch sich selbst auf diesen Kuß sieben lange Jahre hatte warten lassen.


Ich bitte, mich richtig zu verstehen, dieses kleine Erlebnis wie alles, was ich sonst noch so sagen werde, soll keine Prahlerei von mir sein, sondern lediglich eine Antwort auf die vielen an mich gestellten Fragen: wann, wo und wie ich die Frauen so genau kennen gelernt hätte. Und die Leute, die meine Bücher lesen, fragen mich oft noch eins: ob ich denn nur verdorbene junge Mädchen und nur schlechte Frauen kennen gelernt hätte, daß ich die so schildere, wie ich es täte? Wer da also zu mir spricht, hat meine Bücher, oder wenigstens deren Satire gar nicht verstanden. Der nimmt für bare Münze, was doch nur ein leiser Spott sein soll. Es ist noch gar nicht lange her, daß eine Dame mir eine lange Strafrede über mein Buch „Die süßen kleinen Mädchen” hielt. Heilige Entrüstung sprach aus ihren Augen und sie ermahnte mich, nun auch einmal ein anderes Buch über die jungen Mädchen zu schreiben, in dem ich sie so schildere, wie sie wirklich wären, gut, rein, unverdorben, ehrbar, fleißig im Haushalt, züchtig in Worten und Werken, schon errötend, wenn sie nur aus weiter Ferne einen Storch sehen. Ich hätte der Dame eine endlose Antwort geben können, aber ich wäre mit der nicht fertig geworden, denn da ich am nächsten Tage abreisen mußte, hätten mir für die nur knapp zwanzig Stunden zur Verfügung gestanden. So schwieg ich völlig, denn jeder schreibt schließlich so, wie ihm seine Feder gewachsen ist. Jeder schildert das, was er erlebte, so, wie er es erlebte. Aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich, daß ich einmal eine Erzählung für junge Mädchen von der damals sehr bekannten Thekla Gumpert las. Da wurde ein außerordentlich braves, fleißiges Kind geschildert und die Sache endete mit den Worten: Der Vater aber sprach: „Berta muß ein Bilderbuch haben.” Solche harmlosen Sachen liegen mir nicht, schon weil ich glaube, daß die heutigen Kinder nur in den allerseltensten Fällen noch mit einem Bilderbuch zufrieden sind. Selbst die ganz kleinen Mädchen lassen sich heutzutage lieber etwas schenken, mit dem sie sich putzen können.

Ich bitte, mich richtig zu verstehen, dieses kleine Erlebnis wie alles, was ich sonst noch so sagen werde, soll keine Prahlerei von mir sein, sondern lediglich eine Antwort auf die vielen an mich gestellten Fragen: wann, wo und wie ich die Frauen so genau kennen gelernt hätte. Und die Leute, die meine Bücher lesen, fragen mich oft noch eins: ob ich denn nur verdorbene junge Mädchen und nur schlechte Frauen kennen gelernt hätte, daß ich die so schildere, wie ich es täte? Wer da also zu mir spricht, hat meine Bücher, oder wenigstens deren Satire gar nicht verstanden. Der nimmt für bare Münze, was doch nur ein leiser Spott sein soll. Es ist noch gar nicht lange her, daß eine Dame mir eine lange Strafrede über mein Buch „Die süßen kleinen Mädchen” hielt. Heilige Entrüstung sprach aus ihren Augen und sie ermahnte mich, nun auch einmal ein anderes Buch über die jungen Mädchen zu schreiben, in dem ich sie so schildere, wie sie wirklich wären, gut, rein, unverdorben, ehrbar, fleißig im Haushalt, züchtig in Worten und Werken, schon errötend, wenn sie nur aus weiter Ferne einen Storch sehen. Ich hätte der Dame eine endlose Antwort geben können, aber ich wäre mit der nicht fertig geworden, denn da ich am nächsten Tage abreisen mußte, hätten mir für die nur knapp zwanzig Stunden zur Verfügung gestanden. So schwieg ich völlig, denn jeder schreibt schließlich so, wie ihm seine Feder gewachsen ist. Jeder schildert das, was er erlebte, so, wie er es erlebte. Aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich, daß ich einmal eine Erzählung für junge Mädchen von der damals sehr bekannten Thekla Gumpert las. Da wurde ein außerordentlich braves, fleißiges Kind geschildert und die Sache endete mit den Worten: Der Vater aber sprach: „Berta muß ein Bilderbuch haben.” Solche harmlosen Sachen liegen mir nicht, schon weil ich glaube, daß die heutigen Kinder nur in den allerseltensten Fällen noch mit einem Bilderbuch zufrieden sind. Selbst die ganz kleinen Mädchen lassen sich heutzutage lieber etwas schenken, mit dem sie sich putzen können.


Man hat mir auf Grund meiner Bücher über die Frauen und über die jungen Mädchen oft den Vorwurf gemacht, ich sei ein Pessimist, und man hat mich weiter gefragt, ob ich denn jeden Glauben an die Menschen und an die Frauen verloren habe. Das letztere habe ich stets mit gutem Gewissen bejaht, und wenn man mich dann trösten oder versuchen wollte, meinen verloren gegangenen Glauben wiederzugewinnen, wenn man mich für einen bedauernswerten Menschen hielt, habe ich dem stets auf das energischste widersprochen, denn wenn ich dem süßen kleinen Mädchen und selbstverständlich auch den anderen Menschen, mit denen ich im meinem Leben in Berührung kam, für etwas aufrichtig dankbar bin, dann bin ich es dafür, daß sie mir den Glauben an sie raubten. Aber deshalb bin ich noch lange kein Pessimist geworden, im Gegenteil, seitdem sehe ich das Leben mit viel helleren Augen an, denn seitdem habe ich die Gewißheit, daß mir kein Mensch, einerlei welchen Alters und welchen Standes und welchen Geschlechtes mir noch irgendwie jemals eine Enttäuschung bereiten kann und das ist viel angenehmer, als jeden Tag befürchten zu müssen: heute wirst du an dem, morgen an dem erfahren, daß er gar nicht der gute, treue, anständige und zuverlässige Mensch ist, für den du ihn bisher gehalten hast.

Man hat mir auf Grund meiner Bücher über die Frauen und über die jungen Mädchen oft den Vorwurf gemacht, ich sei ein Pessimist, und man hat mich weiter gefragt, ob ich denn jeden Glauben an die Menschen und an die Frauen verloren habe. Das letztere habe ich stets mit gutem Gewissen bejaht, und wenn man mich dann trösten oder versuchen wollte, meinen verloren gegangenen Glauben wiederzugewinnen, wenn man mich für einen bedauernswerten Menschen hielt, habe ich dem stets auf das energischste widersprochen, denn wenn ich den süßen kleinen Mädchen und selbstverständlich auch den anderen Menschen, mit denen ich im meinem Leben in Berührung kam, für etwas aufrichtig dankbar bin, dann bin ich es dafür, daß sie mir den Glauben an sie raubten. Aber deshalb bin ich noch lange kein Pessimist geworden, im Gegenteil, seitdem sehe ich das Leben mit viel helleren Augen an, denn seitdem habe ich die Gewißheit, daß mir kein Mensch, einerlei welchen Alters und welchen Standes und welchen Geschlechtes mir noch irgendwie jemals eine Enttäuschung bereiten kann und das ist viel angenehmer, als jeden Tag befürchten zu müssen: heute wirst du an dem, morgen an dem erfahren, daß er gar nicht der gute, treue, anständige und zuverlässige Mensch ist, für den du ihn bisher gehalten hast.


Ich persönlich wundere mich bei den Menschen über nichts mehr und das stimmt mich sehr froh. Allerdings will ich offen eingestehen, daß es mich nicht sehr froh gemacht hat, mich zu dieser Erkenntnis durchringen zu müssen. Aber man lernt ja schon in der Schule: nihil admirari, auf deutsch: „Mensch, ärgere und wundere dich nicht,” aber man lernt ja auf der Schule so vieles, was man leider nicht befolgt. Auch ich tat es in diesem besonderen Falle nicht, sonst hätte ich mir in meinem Leben schon längst viele bittere Stunden ersparen können.

Ich persönlich wundere mich bei den Menschen über nichts mehr und das stimmt mich sehr froh. Allerdings will ich offen eingestehen, daß es mich nicht sehr froh gemacht hat, mich zu dieser Erkenntnis durchringen zu müssen. Aber man lernt ja schon in der Schule: nihil admirari, auf deutsch: „Mensch, ärgere und wundere dich nicht,” aber man lernt ja auf der Schule so vieles, was man leider nicht befolgt. Auch ich tat es in diesem besonderen Falle nicht, sonst hätte ich mir in meinem Leben schon längst viele bittere Stunden ersparen können.


Auch die süßen kleinen Mädchen haben es nicht immer gut und anständig und ehrlich mit mir gemeint. Besonders eine nicht. Da packte mich der Ekel in jeglicher Gestalt, daß ich mir sagte: Nun ist es Schluß, denn wenn selbst die so an dir handeln konnte, was hast du da erst von den anderen zu erwarten? Ich war körperlich und seelisch krank, da fiel mir durch einen Zufall ein Band von Oskar Wilde in die Hände, den ich seitdem zu meinem Lieblingsschriftsteller ernannt habe, und in diesem Band las ich zwei Sätze, die ich, fast hätte ich gesagt, zur Richtschnur meines Lebens machte. Der erste Satz lautete: „Nichts ist langweiliger, als mit vollkommenen Menschen zu verkehren, die Fehler und Schwächen des Einzelnen sind seine Vorzüge.” Der zweite Satz aber hieß: „Die Frauen (und folglich auch die süßen kleinen Mädchen) sind nicht dazu da, um verstanden zu werden.” Von Stunde an, da ich diese Worte geistig in mir verarbeitet hatte, söhnte ich mich mit allen süßen kleinen Mädchen wieder aus, aber das nicht allein, ich freute mich fortan darüber, daß sie so waren, wie sie es glücklicherweise sind und gerade auf das weibliche Geschlecht trifft das Wort zu: „seine Fehler sind seine Vorzüge.” Aber natürlich muß das weibliche Wesen jung, hübsch elegant und verführerisch sein, sonst wirken die Fehler abstoßend. Und natürlich darf die Frau, an der man gerade die Fehler liebt, nicht die eigene Frau sein.

Auch die süßen kleinen Mädchen haben es nicht immer gut und anständig und ehrlich mit mir gemeint. Besonders eine nicht. Da packte mich der Ekel in jeglicher Gestalt, daß ich mir sagte: Nun ist es Schluß, denn wenn selbst die so an dir handeln konnte, was hast du da erst von den anderen zu erwarten? Ich war körperlich und seelisch krank, da fiel mir durch einen Zufall ein Band von Oskar Wilde in die Hände, den ich seitdem zu meinem Lieblingsschriftsteller ernannt habe, und in diesem Band las ich zwei Sätze, die ich, fast hätte ich gesagt, zur Richtschnur meines Lebens machte. Der erste Satz lautete: „Nichts ist langweiliger, als mit vollkommenen Menschen zu verkehren, die Fehler und Schwächen des Einzelnen sind seine Vorzüge.” Der zweite Satz aber hieß: „Die Frauen (und folglich auch die süßen kleinen Mädchen) sind nicht dazu da, um verstanden, sondern nur, um geliebt zu werden.” Von der Stunde an, da ich diese Worte geistig in mir verarbeitet hatte, söhnte ich mich mit allen süßen kleinen Mädchen wieder aus, aber das nicht allein, ich freute mich fortan darüber, daß sie so waren, wie sie es glücklicherweise sind und gerade auf das weibliche Geschlecht trifft das Wort zu: „Seine Fehler sind seine Vorzüge.” Aber natürlich muß das weibliche Wesen jung, hübsch, elegant und verführerisch sein, sonst wirken die Fehler abstoßend. Und selbstverständlich darf die Frau, an der man gerade die Fehler liebt, nicht die eigene Frau sein.


Die größte Schmeichelei, die man einer Frau sagen kann, heißt: „Gnädige Frau, Sie sind für jeden Mann ein Rätsel.” Die Frauen wollen für die Männer ein Rätsel sein und es bleiben, während sie es in Wirklichkeit gar nicht sind. Sie wären es nur dann, wenn sie nicht sprächen. Eine Frau aber spricht, sie spricht um so mehr, je weniger sie sagen will, aber trotzdem sagt sie gerade das nicht, was sie sagen soll. Das schadet auch nichts, man muß selbstverständlich nur dem, was die Frau sagt, nicht glauben, sondern sich lediglich an das halten, was sie verschweigt, oder gerade das Gegenteil von dem glauben, was sie als die heiligste Wahrheit zum besten gibt. Für eine Frau gibt es tausend Gründe, die sie veranlassen, von der Wahrheit abzuweichen. In den allerseltensten Fällen aber ist es die Absicht, lügen zu wollen. Nein, das stimmt nicht, denn eine schöne, elegante Frau lügt nie, sie weiß nur sehr häufig selbst nicht, was sie sagt, und sie weiß nach einer halben Stunde erst recht nicht mehr, was sie gesagt hat. Und den süßen kleinen Mädchen geht es ebenso. Sie plaudern und plappern und reden lustig darauf los, und sie sind selbst ganz erstaunt, wenn man ihnen glaubt, was sie erzählen. Seitdem ich selbst den süßen kleinen Mädchen nichts mehr glaube, sind wir die besten Freunde geworden und dass sind wir auch heute noch. Wenn man das Unglück hat, schon fünfzig Jahre alt zu sein, darf man sich natürlich nicht einbilden, noch um seiner selbst willen von den jungen Damen geliebt zu werden und so gilt deren Zuneigung und Freundschaft nicht mir persönlich, sondern meinen Leutnants, den sogenannten Helden meiner Romane, in die sich die kleinen Mädchen einzeln oder manchmal auch gleich pensionsweise verlieben, denn ein süßes kleines Mädchen ist immer verliebt, nur begeht der, den das kleine Mädchen liebt, meistens den Fehler, diese Liebe viel zu ernsthaft zu nehmen und dadurch verliert die Liebe ihren Reiz. Mit der Liebe geht es wie mit einem edlen Wein. Je leichter und süffiger der ist, desto besser schmeckt er. Der Tod der Liebe ist sehr oft die Liebe, die so heiß ist, daß sie zur Ehe führt. Wäre es anders, würde es keine unglücklichen Ehe geben und erst recht keine Ehescheidungen, die viele Leute für die beste Erfindung halten, die jemals gemacht worden ist. Ein altes Wort sagt: „Ohne die Frauen zu leben, ist unmöglich, aber mit ihnen zu leben, ist oft noch unmöglicher.” Das letztere begründen viele damit, daß sie sagen: „Man weiß nie, was eine Frau im nächsten Augenblick sagen oder tun wird und was man da auch immer erwartet, sie tut gerade das Gegenteil oder nicht einmal das.” Da fällt mir ein kleines lustiges Erlebnis zur Charakteristik der Frau ein. Ich war vor Jahren in Marienbad gewesen, um dort den Versuch zu machen, mich zu entfetten. Aber es war mir vorbeigelungen, daß Pilsener Bier schmeckte mir besser, als die verordnete Diät. Um mehrere Pfund erschwert anstatt erleichtert, bestieg ich den Zug, um wieder nach Hause zu fahren, als sich im letzten Augenblick die Kupeetür öffnete und als noch eine sehr hübsche und sehr elegante, aber zugleich auch außerordentlich erregte Dame entstiegt, die sich gleich bei uns wegen ihrer Lebhaftigkeit entschuldigte: wir dürften nicht böse sein, aber sie sei krank, sie habe die Kur übertrieben, sie habe sich ein Nerven- und auch ein kleines Herzleiden zugezogen, kurzum, es ginge ihr gar nicht gut. Wir Herren suchten sie zu beruhigen und erst recht versuchte das eine alte Dame, die ebenfalls mit uns in dem Kupee saß. Unsere Worte schienen auch ihre Wirkung nicht zu verfehlen, die Fremde wurde immer ruhiger und stiller, bis sie plötzlich einen Seufzer von sich gab und in eine ganz tiefe Ohnmacht verfiel. Natürlich bemühten wir uns alle, die Fremde zu erwecken, wir rieben ihr die Stirn mit Kölner Wasser, wir versuchten, ihr etwas Kognak einzuflößen, aber es half alles nichts, bis die alte Dame der jüngeren schließlich nicht nur die Bluse, sondern auch das viel zu enge Korsett öffnete und der Ohnmächtigen das Herz mit Kognak einrieb. Glücklicherweise waren wir Herren alle verheiratet, na, aber auch sonst hätten wir wohl nichts Unpassendes darin gefunden, immerhin aber dachten wir: was wird die Fremde tun und sagen, wenn sie endlich wieder die Augen aufmacht und sich mit teilweise entblößtem Oberkörper in unserer Gegenwart sieht? Aber das war eine Frage, deren Beantwortung noch auf sich warten ließ, denn es dauerte lange, lange, bis die Fremde die Augen wieder aufschlug, solange, daß wir schon überlegten, ob wir nicht die Notbremse ziehen und den Zug nach einem Arzt absuchen lassen wollten. Im letzten Augenblick wurden wir unserer Sorge enthoben. Die Fremde schlug die Augen auf und schien sich langsam wieder auf sich selbst zu besinnen. Sie strich sich ein paarmal mit der Hand über die Stirn, sie holte ein paarmal tief Atem und als sie so leicht und frei atmen konnte, da erst bemerkte sie, daß ihre Bluse und ihr Korsett weit offen standen.

Was nun? dachten wir Herren, was wird sie nun als erstes tun und sagen? Wird sie sehr verlegen werden? Wird sie sich bei uns bedanken? Wird sie schelten? Wird sie vor Verlegenheit weinen? Oder wird sie mit einem leisen Lächeln über die etwas peinliche Situation hinwegzukommen versuchen?

Und nun frage ich alle Damen und alle kleinen Mädchen, die etwa diese Zeilen lesen sollten, was sie an Stelle der Fremden getan hätten? Und zweitens frage ich: Was glauben die Damen, was die Fremde als erstes tat? Auf diese Frage gibt es tausend Antworten, aber keine würde das Richtige treffen, denn die Dame wurde nicht rot, sie wurde nicht verlegen, sie lachte nicht, sie weinte nicht, sie weinte nicht, sie machte sich auch nicht mit einem schnellen Griff das Korsett und die Bluse wieder zu, sie bedankte sich auch nicht bei uns, sie schalt auch nicht, sie tat etwas ganz anderes – sie öffnete ihre Handtasche, sie nahm aus der einen Handspiegel, hielt sich den vor das Gesicht und sah nach, ob ihr Hut auch nicht verrutscht wäre!

Die größte Schmeichelei, die man einer Frau sagen kann, heißt: „Gnädige Frau, Sie sind für jeden Mann ein Rätsel.” Die Frauen wollen für die Männer ein Rätsel sein und es bleiben, während sie es in Wirklichkeit gar nicht sind. Sie wären es nur dann, wenn sie nicht sprächen. Eine Frau aber spricht, sie spricht um so mehr, je weniger sie sagen will, aber trotzdem sagt sie gerade das nicht, was sie sagen soll. Das schadet auch nichts, man muß selbstverständlich nur dem, was die Frau sagt, nicht glauben, sondern sich lediglich an das halten, was sie verschweigt, oder gerade das Gegenteil von dem glauben, was sie als die heiligste Wahrheit zum besten gibt. Für eine Frau gibt es tausend Gründe, die sie veranlassen, von der Wahrheit abzuweichen. In den allerseltensten Fällen aber ist es die Absicht, lügen zu wollen. Nein, das stimmt nicht, denn eine schöne, elegante Frau lügt nie, sie weiß nur sehr häufig selbst nicht, was sie sagt, und sie weiß nach einer halben Stunde erst recht nicht mehr, was sie gesagt hat. Und den süßen kleinen Mädchen geht es ebenso. Sie plaudern und plappern und reden lustig darauf los, und sie sind selbst ganz erstaunt, wenn man ihnen glaubt, was sie erzählen. Seitdem ich selbst den süßen kleinen Mädchen nichts mehr glaube, sind wir die besten Freunde geworden und dass sind wir auch heute noch. Wenn man das Unglück hat, schon über fünfzig Jahre alt zu sein, darf man sich natürlich nicht einbilden, noch um seiner selbst willen von den jungen und älteren Damen geliebt zu werden und so gilt deren Zuneigung und Freundschaft nicht mir persönlich, sondern meinen Leutnants, den sogenannten Helden meiner Romane, in die sich die kleinen Mädchen einzeln oder manchmal auch gleich pensionsweise verlieben, denn ein süßes kleines Mädchen ist immer verliebt, nur begeht der, den das kleine Mädchen liebt, meistens den Fehler, diese Liebe viel zu ernsthaft zu nehmen und dadurch verliert die Liebe ihren Reiz. Mit der Liebe geht es wie mit einem edlen Wein. Je leichter und süffiger der ist, desto besser schmeckt er. Der Tod der Liebe ist sehr oft die Liebe, die so heiß ist, daß sie zur Ehe führt. Wäre es anders, würde es keine unglücklichen Ehe geben und erst recht keine Ehescheidungen, die viele Leute für die beste Erfindung halten, die jemals gemacht worden ist. Ein altes Wort sagt: „Ohne die Frauen zu leben, ist unmöglich, aber mit ihnen zu leben, ist oft noch unmöglicher.” Das letztere begründen viele damit, daß sie sagen: „Man weiß nie, was eine Frau im nächsten Augenblick sagen oder tun wird und was man da auch immer erwartet, sie tut gerade das Gegenteil oder nicht mal das.” Da fällt mir ein kleines lustiges Erlebnis zur Charakteristik der Frau ein. Vor vielen vielen Jahren war ich einmal in Marienbad zur Kur gewesen. Im Augenblick der Abreise, als sich der Zug schon beinahe in Bewegung setzen wollte, öffnete sich die Kupeetür, eine sehr hübsche, sehr vornehme, sehr elegante Dame stürzte herein, entschuldigte sich, sie wäre sehr nervös, sehr aufgeregt, sie hätte zu viel Brunnen getrunken, die Kur hätte sie zu sehr angegriffen und wir möchten infolgedessen nicht böse sein, wenn sie sich etwas sonderbar benehmen würde. Wir sagten: „Kindchen, machen Sie was Sie wollen, uns ist das piepe.” Und das mit dem piepe nahm sie wörtlich, denn plötzlich piepte sie und fiel in Ohnmacht, in eine ganz richtige, schwere, tiefe Ohnmacht. Wir waren im Kupee drei Herren und eine alte, sehr liebenswürdige Dame. Auf Veranlassung der alten Dame öffneten wir der Ohnmächtigen den Kragen, die Bluse, die Untertaille, das Korsett, das Hemd und was man denn so öffnet. Und wir öffneten es gerne und wir öffneten es weit. Dann versuchten wir auf Veranlassung der alten Dame die Ohnmächtige wieder in das Leben zurückzurufen. Wir Herren hatten jeder zufälligerweise noch einen kleinen Rest Kölnischen Wassers bei uns und die alte Dame noch drei volle Flaschen Kognak oder vielleicht war es auch umgekehrt, und mit Kölnischem Wasser und mit Kognak rieben wir die Ohnmächtige ein: zuerst die Stirn, die Schläfen, die Augen, die Nase, den Mund, das Kinn, den Hals, die Brust und den Busen! Namentlich den Busen rieben wir ein. Der Busen war jung und hübsch, und die Dame war jung und hübsch, und wir waren jung und – hilfsbereit. Wir rieben, besonders ich rieb. Ich war damals noch verheiratet, außerdem der älteste und nahm in dieser meiner doppelten Eigenschaft diesen Liebesdienst für mich in Anspruch. Aber die beiden Junggesellen widersprachen und erklärten, das ginge nicht, die Art und Weise, wie ich einriebe, wäre schon mehr als Ehebruch, das könnten sie im Interesse meiner damaligen Frau nicht dulden, sie würden der sofort eine natürlich anonyme Postkarte schreiben und mich bei ihr verklatschen, und außerdem wollten sie von dem Einreiben auch ihr Vergnügen haben. Aber das ging erst recht nicht, denn es war doch nur ein Busen da. Ein Busen! Der bestand ja zwar glücklicherweise aus zwei Hälften, aus einer linken und einer rechten, aus einer westlichen Halbkugel und einer östlichen Halbkugel, und er entsprach auch sonst allen Anforderungen, die man an einen guten Busen stellt, aber es war doch immerhin nur einer! Ein Busen und sechs Hände! Die Sache funktionierte nicht. Es war entweder zu wenig Busen da oder es waren zuviel Hände. Und da wir alle gleichzeitig einreiben wollten, wäre es wegen dieser Einreiberei zwischen uns Herren beinahe zu der schönsten Reiberei gekommen, wenn die Ohnmächtige nicht plötzlich, viel schneller als es eigentlich nötig gewesen wäre, ihre Augen aufgeschlagen hätte und wieder lebendig gewesen wäre. Und nun hatte ich mich schon immer, während ich einrieb – und ich habe eingerieben – gefragt, was wird die Dame, und es war eine wirkliche, vornehme Dame, nun machen, wenn sie die Augen aufschlägt und sich in Gegenwart von drei wildfremden Herren mit, beinahe hätte ich gesagt – völlig entblößtem Oberkörper dasitzen sieht? Was wird sie machen? Wird sie weinen, wird sie schelten, wird sie rot oder verlegen werden, wird sie ihre Bluse zusammenraffen, wird sie ein Umschlagetuch aus der Luft hervorzaubern und sich das um die Schultern legen, wird sie in die Toilette stürzen, um dort ihre Kleider in Ordnung zu bringen, was wird sie machen? Auf alles, was sie irgendwie tun könnte oder würde, war ich vorbereitet, aber nicht auf das, was sie in Wirklichkeit tat. Denn da tat sie ganz etwas anderes. Da blieb sie ruhig mit entblößtem Oberkörper sitzen, das genierte sie gar nicht. Dann aber machte sie ihre große Handtasche auf, holte einen großen Handspiegel hervor, putzte den sehr umständlich, hielt sich den vor das Gesicht und sah nach – ob ihr der Hut auch gerade säße!


Darauf war keiner von uns vorbereitet gewesen und bis zu einem gewissen Grade haben die recht, die da sagen, eine Frau tut alles mögliche, nur nicht das, was man von ihr erwartet.

Darauf war keiner von uns vorbereitet gewesen und bis zu einem gewissen Grade haben die recht, die da sagen, eine Frau tut alles mögliche, nur nicht das, was man von ihr erwartet.


Und aus der Zeit desselben Marienbader Aufenthaltes noch eine andere kleine Geschichte, die die Überschrift tragen könnte: „Eine rätselhafte Frau.” In demselben Monat wie ich weilte auch der König Eduard von England(97) in Marienbad und wie es selbstverständlich war, waren mit ihm viele der vornehmsten und reichsten Engländer und Engländerinnen dort anwesend. Obgleich ich mich sonst für die Töchter Albions nie habe begeistern können, war doch unter den englischen Damen eine, auf der meine Augen bei jeder Begegnung mit Wohlgefallen ruhten, sie war etwas mehr als mittelgroß, entzückend gewachsen, hatte ein bildhübsches Gesicht und ging immer ausgezeichnet angezogen. Ich sah sie in Marienbad zum erstenmal auf dem Bahnhof, als König Eduard in österreichischer Generalsuniform seinen damaligen alten Freund den Kaiser Franz Joseph abholte, der nach Marienbad gekommen war, um den König Eduard als Gast seines Landes zu begrüßen. Mit dem König Eduard waren die vornehmsten englischen Herren und Damen auf dem Bahnsteig anwesend und da sah ich sie zum erstenmal, sie, die schöne Unbekannte. Und ich wußte es so einzurichten, daß sie auch mich sah. Unsere Augen trafen sich und die trafen sich fortan regelmäßig, so oft wir uns an der Brunnenpromenade oder sonst begegneten. Und wir trafen uns oft, dafür sorgte schon bei mir die Absicht, ob aber auch bei ihr?

Und aus der Zeit desselben Marienbader Aufenthaltes noch eine andere kleine Geschichte, die die Überschrift tragen könnte: „Eine rätselhafte Frau.” In demselben Monat wie ich weilte auch der König Eduard von England in Marienbad und wie es selbstverständlich war, waren mit ihm viele der vornehmsten und reichsten Engländer und Engländerinnen dort anwesend. Obgleich ich mich sonst für die Töchter Albions nie habe begeistern können, war doch unter den englischen Damen eine, auf der meine Augen bei jeder Begegnung mit Wohlgefallen ruhten, sie war etwas mehr als mittelgroß, entzückend gewachsen, hatte ein bildhübsches Gesicht und ging immer ausgezeichnet angezogen. Ich sah sie in Marienbad zum erstenmal auf dem Bahnhof, als König Eduard in österreichischer Generalsuniform seinen damaligen alten Freund den Kaiser Franz Joseph abholte, der nach Marienbad gekommen war, um den König Eduard als Gast seines Landes zu begrüßen. Mit dem König Eduard waren die vornehmsten englischen Herren und Damen auf dem Bahnsteig anwesend und da sah ich sie zum erstenmal, sie, die schöne Unbekannte. Und ich wußte es so einzurichten, daß sie auch mich sah. Unsere Augen trafen sich und die trafen sich fortan regelmäßig, so oft wir uns an der Brunnenpromenade oder sonst begegneten. Und wir trafen uns oft, dafür sorgte schon bei mir die Absicht, ob aber auch bei ihr?


Und eines Mittags sahen wir uns wieder. Ich ging mit einer Schauspielerin auf und ab, als uns die Schöne entgegen kam. Wieder trafen sich unsere Augen und ein anderer Blick traf meine Begleiterin, ein Blick, in dem da ungefähr Goethes Wort zu lesen war: „Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben und laufen solchen Mädels nach.”

Und eines Mittags sahen wir uns wieder. Ich ging mit einer Schauspielerin auf und ab, als uns die Schöne entgegen kam. Wieder trafen sich unsere Augen und ein anderer Blick traf meine Begleiterin, ein Blick, in dem da ungefähr Goethes Wort zu lesen war: „Gesellschaft könnten sie die allerbeste haben und laufen solchen Mädels nach.”


Unter einem Vorwand verabschiedete ich mich von meiner Begleiterin und folge errötend den Spuren der schönen Unbekannten, die sich durch einen kurzen Blick davon überzeugt hatte, daß ich ihr folgte. Wie wird das enden? dachte ich schon deshalb, weil meine englischen Kenntnisse sehr mangelhaft waren und weil ich nicht wußte, ob die schöne Frau mich verstehen würde, wenn ich im Laufe der Unterhaltung, die ich natürlich erhoffte, deutsch spräche. Aber soweit war es noch nicht, erst ging die Schöne so vor mir her und da sah ich plötzlich, wie sie das Kleid und den Rock hob, selbstverständlich nicht viel, nur den Bruchteil eines Zentimeters, aber doch genug, um mir nicht nur einen sehr eleganten grauen Tuchstiefel zu zeigen, sondern auch den Ansatz zweier entzückend schlanker Beine, die mit ganz dünnen grauseidenen Strümpfen bekleidet waren. Wie heißt es doch im Tannhäuser? „Solch holder Anblick läßt mein Herz erglühen.” Und mein Herz erglühte wirklich. Wie wird das enden? dachte ich noch einmal und bereute es aufs neue, in meiner Jugendzeit immer ausgekniffen zu sein, wenn unsere Engländerin auch mich in die Geheimnisse ihrer Muttersprache einweihen wollte. Meine englischen Sprachkenntnisse waren wirklich sehr gering, aber soweit reichten sie schließlich doch, um der Schönen, wenn es erst soweit war, zurufen zu können: „Ich liebe dich, gib mir einen Kuß!” Und ich hoffte natürlich auch, daß sie das tun würde. Aber vorläufig gingen wir noch nicht einmal miteinander, sondern jeder ging für sich, als plötzlich ein Bekannter auf mich zugestürzt kam, um mir Gott weiß welche gleichgültige Sache als wichtigste Neuigkeit zu erzählen. Ich aber winkte ihm aus begreiflichen Gründen ab und rief ihm zu: „Ich habe bei dem besten Willen keine Zeit, ich werde im Hotel erwartet, aber wenn Sie mich dort einmal besuchen wollen, würde mich das jederzeit sehr freuen. Vielleicht merken Sie sich den Namen, ich wohne Hotel Wagner, verstehen Sie mich recht, Hotel Wagner.”

Unter einem Vorwand verabschiedete ich mich von meiner Begleiterin und folge errötend den Spuren der schönen Unbekannten, die sich durch einen kurzen Blick davon überzeugt hatte, daß ich ihr folgte. Wie wird das enden? dachte ich schon deshalb, weil meine englischen Kenntnisse sehr mangelhaft waren und weil ich nicht wußte, ob die schöne Frau mich verstehen würde, wenn ich im Laufe der Unterhaltung, die ich natürlich erhoffte, deutsch spräche. Aber soweit war es noch nicht, erst ging die Schöne so vor mir her und da sah ich plötzlich, wie sie das Kleid und den Rock hob, selbstverständlich nicht viel, nur den Bruchteil eines Zentimeters, aber doch genug, um mir nicht nur einen sehr eleganten grauen Tuchstiefel zu zeigen, sondern auch den Ansatz zweier entzückend schlanker Beine, die mit ganz dünnen grauseidenen Strümpfen bekleidet waren. Wie heißt es doch im Tannhäuser? „Solch holder Anblick läßt mein Herz erglühen.” Und mein Herz erglühte wirklich. Wie wird das enden? dachte ich noch einmal und bereute es aufs neue, in meiner Jugendzeit immer ausgekniffen zu sein, wenn unsere Engländerin auch mich in die Geheimnisse ihrer Muttersprache einweihen wollte. Meine englischen Sprachkenntnisse waren wirklich sehr gering, aber soweit reichten sie schließlich doch, um der Schönen, wenn es erst soweit war, zurufen zu können: „Ich liebe dich, gib mir einen Kuß!” Und ich hoffte natürlich auch, daß sie das tun würde. Aber vorläufig gingen wir noch nicht einmal miteinander, sondern jeder ging für sich, als plötzlich ein Bekannter auf mich zugestürzt kam, um mir Gott weiß welche gleichgültige Sache als wichtigste Neuigkeit zu erzählen. Ich aber winkte ihm aus begreiflichen Gründen ab und rief ihm zu: „Ich habe bei dem besten Willen keine Zeit, ich werde im Hotel erwartet, aber wenn Sie mich dort einmal besuchen wollen, würde mich das jederzeit sehr freuen. Vielleicht merken Sie sich den Namen, ich wohne Hotel Wagner, verstehen Sie mich recht, Hotel Wagner.”


Ich brüllte den Namen mit der ganzen Kraft meiner Lungen, so daß alle Vorübergehenden mich ansahen, als sei ich schon vormittags gegen zwölf Uhr blödsinnig geworden, während man das doch sonst meistens erst gegen abend wird. Aber die Blicke der Menschen waren mir ganz gleich, ich hatte absichtlich so laut gesprochen, damit auch die schöne Unbekannte erführe, wo ich wohne, vorausgesetzt, daß sie etwas deutsch verstand und das mußte der Fall sein, denn da wo der Weg sich zum Hotel Wagner von der Hauptstraße mit ziemlicher Steigung abzweigt, da zweigte auch die holde Schöne ab, das heißt, sie ging nicht mehr gerade aus, sondern sie schlug denselben Weg ein, den ich gehen mußte. Mein Herz frohlockte, ich hätte am liebsten wie eine Lerche getrillert, oder geschlagen wie eine Nachtigall.

Ich brüllte den Namen mit der ganzen Kraft meiner Lungen, so daß alle Vorübergehenden mich ansahen, als sei ich schon vormittags gegen zwölf Uhr blödsinnig geworden, während man das doch sonst meistens erst gegen abend wird. Aber die Blicke der Menschen waren mir ganz gleich, ich hatte absichtlich so laut gesprochen, damit auch die schöne Unbekannte erführe, wo ich wohne, vorausgesetzt, daß sie etwas deutsch verstand und das mußte der Fall sein, denn da wo der Weg sich zum Hotel Wagner von der Hauptstraße mit ziemlicher Steigung abzweigt, da zweigte auch die holde Schöne ab, das heißt, sie ging nicht mehr gerade aus, sondern sie schlug denselben Weg ein, den ich gehen mußte. Mein Herz frohlockte, ich hätte am liebsten wie eine Lerche getrillert, oder geschlagen wie eine Nachtigall.


Aber plötzlich wurden bange Zweifel in mir wach, ob die Schöne wirklich meinetwegen den steilen Weg empor ging, denn der führte auch an der Post vorbei und was dann, wenn sie nur zu der wollte, um sich dort Marken oder etwas Ähnliches zu besorgen? Mein Herz drohte für eine Sekunde still zu stehen, da sah ich, wie die holde Schöne ihren Rock, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um den Bruchteil eines Zentimeters hob und da sagte ich mir: „Das gilt dir, das gilt nicht den Postbeamten am Schalter, nicht den will sie aufsuchen, sondern sie sucht mit dir und für dich die Einsamkeit.” Und das tat sie auch wirklich, als sie an dem Postamt vorbei war. Sie mußte den Weg, der allerdings auch zur englischen Kirche führte, sehr genau kennen, denn sie verließ die breite Fahrstraße und schlug den stillen, ganz einsamen Fußweg ein, der sich zwischen den Gärten entlang zieht. Und abermals glaubte ich ganz deutlich zu sehen, wie die holde Schöne das Kleid, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um den Bruchteil eines Zentimeters hob, bis ich mir sagen mußte: „Das glaubst du nicht nur deutlich gesehen zu haben, das hast du wirklich gesehen.” Auch das konnte nur mir gegolten haben, denn außer uns war kein Mensch zu sehen und zu hören, ich war mit der Holden ganz allein. Die Gelegenheit war so günstig wie keine andere, und ich nutzte sie aus. Ich nahm meinen Mut und meine wenigen englischen Kenntnisse zusammen, lüftete sehr höflich den Hut und sagte: „Schönste Dame, dürft' ich wagen, Arm und Geleit Euch anzutragen?” Daß ich so ohne weiteres das Jawort auf meinen Antrag erhalten würde, glaubte ich im stillen natürlich selbst nicht, aber auf die Antwort, die ich erhielt, war ich doch nicht vorbereitet gewesen, denn sie bestand einzig und allein aus einem Blick, nur aus einem, aber der genügte auch vollständig. Ich bin in meinem ganzen Leben, ohne jemals frech und zudringlich zu sein, niemals ein schüchterner Liebhaber gewesen und dazu, mich in Verlegenheit zu bringen, gehört schon eine ganze Menge, aber als ich den Blick auf mir ruhen fühlte, da sank ich vollständig in mich zusammen, da wünschte ich mir wirklich, die Erde möchte sich öffnen und mich verschlingen. Und ich bedauerte es aufrichtig, daß ich damals aus den Pariser Katakomben wieder an das Tageslicht gekommen war. Wie wird das enden, dachte ich abermals, denn noch immer ruhte der Blick der Schönen mit einer unsagbaren Geringschätzung auf mir, bis sie sich plötzlich wortlos abwandte und denselben Weg, den sie gekommen war, in ihrem ruhigen, gleichmäßigen Tempo zurückging. Ich sah ihr nach, und da glaubte ich damals zu sehen, wie sie ihr Kleid, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um einen kleinen Bruchteil eines Zentimeters hob. Ich glaubte das nicht nur zu sehen, sondern ich sah es wirklich, aber gleich darauf ließ die schöne Unbekannte das Kleid wieder auf die Stiefel fallen. Ich aber flüchtete mich in mein Hotel, weil ich mich vor mir selber schämte und suchte mir klar zu machen, warum die Dame wohl so mit mir gespielt habe. Und obgleich es ja weiter keinen Zweck hatte, dachte ich auch darüber nach, wer und was sie wohl sein möge, ob eine wirkliche Dame oder nur eine sogenannte. Auf die letzte Frage fand ich Antwort, als ich am Abend desselben Tages das Restaurant Egerländer besuchte. Wie immer war das Lokal überfüllt, trotzdem erhielt ich als Stammgast einen guten Platz, und der Kellner erzählte mir, in einem besonderen Zimmer säße König Eduard mit seinen Gästen und speise dort zu Abend. Wenn ich mal einen heimlichen Blick in jenes Zimmer tun wolle, würde er das zu ermöglichen wissen. Im allgemeinen bin ich nicht für solche indiskreten Blicke, und ich hatte den König so zahllose Male des Morgens am Brunnen aus allernächster Nähe gesehen, daß ich wirklich nicht wußte, was ich noch zu sehen bekommen könne. Trotzdem aber folgte ich dem Kellner, und als ich den heimlichen Blick in den kleinen Speisesaal warf, traute ich meinen Augen nicht, denn neben dem König Eduard saß in großer Gesellschaftstoilette keine andere als die holde Dame, die mir am Morgen ihre grauseidenen Strümpfe und den sehr schönen Ansatz ihrer schlanken Beine gezeigt hatte. Ein paar Minuten später wußte ich auch, wer die Dame war. Der Name selbst tut nichts zur Sache, aber es war eine wirkliche Dame, sogar eine der vornehmsten Damen der englischen Aristokratie! Ich habe sie im nächsten Morgen und auch sonst noch wiederholt gesehen. Absichtlich bin ich ihr nicht aus dem Wege gegangen, sondern ich habe ihre Nähe weiter gesucht, nicht in der Hoffnung, sie doch vielleicht nochmals um einen Kuß bitten zu können, sondern um meiner selbst willen, und um meiner selbst willen sah ich ihr auch weiter genau so in die Augen wie früher. Aber die Schöne kannte mich nicht mehr. Sie sah entweder an mir vorbei, oder sie sah mich mit einem Blick an, in dem geschrieben stand: Wer bist du? Und was willst du? Ich kann mich nicht entsinnen, dir schon jemals begegnet zu sein.

Aber plötzlich wurden bange Zweifel in mir wach, ob die Schöne wirklich meinetwegen den steilen Weg empor ging, denn der führte auch an der Post vorbei und was dann, wenn sie nur zu der wollte, um sich dort Marken oder etwas Ähnliches zu besorgen? Mein Herz drohte für eine Sekunde still zu stehen, da sah ich, wie die holde Schöne ihren Rock, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um den Bruchteil eines Zentimeters hob und da sagte ich mir: „Das gilt dir, das gilt nicht den Postbeamten am Schalter, nicht den will sie aufsuchen, sondern sie sucht mit dir und für dich die Einsamkeit.” Und das tat sie auch wirklich, als sie an dem Postamt vorbei war. Sie mußte den Weg, der allerdings auch zur englischen Kirche führte, sehr genau kennen, denn sie verließ die breite Fahrstraße und schlug den stillen, ganz einsamen Fußweg ein, der sich zwischen den Gärten entlang zieht. Und abermals glaubte ich ganz deutlich zu sehen, wie die holde Schöne das Kleid, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um den Bruchteil eines Zentimeters hob, bis ich mir sagen mußte: „Das glaubst du nicht nur deutlich gesehen zu haben, das hast du wirklich gesehen.” Auch das konnte nur mir gegolten haben, denn außer uns war kein Mensch zu sehen und zu hören, ich war mit der Holden ganz allein. Die Gelegenheit war so günstig wie keine andere, und ich nutzte sie aus. Ich nahm meinen Mut und meine wenigen englischen Kenntnisse zusammen, lüftete sehr höflich den Hut und sagte: „Schönste Dame, dürft' ich wagen, Arm und Geleit Euch anzutragen?” Daß ich so ohne weiteres das Jawort auf meinen Antrag erhalten würde, glaubte ich im stillen natürlich selbst nicht, aber auf die Antwort, die ich erhielt, war ich doch nicht vorbereitet gewesen, denn sie bestand einzig und allein aus einem Blick, nur aus einem, aber der genügte auch vollständig. Ich bin in meinem ganzen Leben, ohne jemals frech und zudringlich zu sein, niemals ein schüchterner Liebhaber gewesen und dazu, mich in Verlegenheit zu bringen, gehört schon eine ganze Menge, aber als ich den Blick auf mir ruhen fühlte, da sank ich vollständig in mich zusammen, da wünschte ich mir wirklich, die Erde möchte sich öffnen und mich verschlingen. Und ich bedauerte es aufrichtig, daß ich damals aus den Pariser Katakomben wieder an das Tageslicht gekommen war. Wie wird das enden, dachte ich abermals, denn noch immer ruhte der Blick der Schönen mit einer unsagbaren Geringschätzung auf mir, bis sie sich plötzlich wortlos abwandte und denselben Weg, den sie gekommen war, in ihrem ruhigen, gleichmäßigen Tempo zurückging. Ich sah ihr nach, und da glaubte ich damals zu sehen, wie sie ihr Kleid, selbstverständlich in der allerdezentesten Weise, um einen kleinen Bruchteil eines Zentimeters hob. Ich glaubte das nicht nur zu sehen, sondern ich sah es wirklich, aber gleich darauf ließ die schöne Unbekannte das Kleid wieder auf die Stiefel fallen. Ich aber flüchtete mich in mein Hotel, weil ich mich vor mir selber schämte und suchte mir klar zu machen, warum die Dame wohl so mit mir gespielt habe. Und obgleich es ja weiter keinen Zweck hatte, dachte ich auch darüber nach, wer und was sie wohl sein möge, ob eine wirkliche Dame oder nur eine sogenannte. Auf die letzte Frage fand ich Antwort, als ich am Abend desselben Tages das Restaurant Egerländer besuchte. Wie immer war das Lokal überfüllt, trotzdem erhielt ich als Stammgast einen guten Platz, und der Kellner erzählte mir, in einem besonderen Zimmer säße König Eduard mit seinen Gästen und speise dort zu Abend. Wenn ich mal einen heimlichen Blick in jenes Zimmer tun wolle, würde er das zu ermöglichen wissen. Im allgemeinen bin ich nicht für solche indiskreten Blicke, und ich hatte den König so zahllose Male des Morgens am Brunnen aus allernächster Nähe gesehen, daß ich wirklich nicht wußte, was ich noch zu sehen bekommen könne. Trotzdem aber folgte ich dem Kellner, und als ich den heimlichen Blick in den kleinen Speisesaal warf, traute ich meinen Augen nicht, denn neben dem König Eduard saß in großer Gesellschaftstoilette keine andere als die holde Dame, die mir am Morgen ihre grauseidenen Strümpfe und den sehr schönen Ansatz ihrer schlanken Beine gezeigt hatte. Ein paar Minuten später wußte ich auch, wer die Dame war. Der Name selbst tut nichts zur Sache, aber es war eine wirkliche Dame, sogar eine der vornehmsten Damen der englischen Aristokratie! Ich habe sie am nächsten Morgen und auch sonst noch wiederholt gesehen. Absichtlich bin ich ihr nicht aus dem Wege gegangen, sondern ich habe ihre Nähe weiter gesucht, nicht in der Hoffnung, sie doch vielleicht nochmals um einen Kuß bitten zu können, sondern um meiner selbst willen, und um meiner selbst willen sah ich ihr auch weiter genau so in die Augen wie früher. Aber die Schöne kannte mich nicht mehr.  Sie sah entweder an mir vorbei, oder sie sah mich mit einem Blick an, in dem geschrieben stand: Wer bist du? Und was willst du? Ich kann mich nicht entsinnen, dir schon jemals begegnet zu sein.


Verstellung, dein Name ist Weib! Aber das Weib ist auch oft kalte Berechnung, nicht aus finanziellen Gründen, sondern lediglich, um das Ziel zu erreichen, das sie sich aus irgendeinem Grunde gesteckt hat. Die Schöne in Marienbad hatte es erreicht, aber ich habe mich oft gefragt, was sie damit bezweckte. Bis ich einsah, daß es töricht sei, sich mit dem Suchen nach der Antwort abzuquälen. Wahrscheinlich hat die Schöne es selbst nicht gewußt, warum sie es absichtlich dahin brachte, daß ich sie ansprach und hätte sie eine Antwort auf das Warum geben müssen, hätte sie sicherlich nur gesagt: „Gott, muß man sich als schöne Frau bei allem, was man tut, auch gleich etwas denken? Es war ganz einfach eine Laune – die Laune einer schönen Frau.”

Und wenn ich mir auch sagen mußte, es hat gar keinen Zweck, ich habe trotzdem zahllose Male nachgedacht, was die unbekannte Schöne eigentlich wollte und was sie mit dem, was sie tat, beabsichtigte.


Ich habe in meinem Leben viele schöne Frauen und viele süße kleine Mädchen kennen gelernt. Wollte ich alles erzählen, was ich mit denen so erlebte, würde dieses Buch dicker werden, als die Bibel, denn zuweilen kann man ja schon über eine einzige Frau nicht nur ein Buch, sondern sogar Bücher schreiben. Und so vieles, was ich über die Frauen und über die süßen kleinen Mädchen zu sagen wußte und zu sagen wüßte, habe ich schon in meinen anderen Büchern gesagt, allwo derjenige und diejenige es nachlesen kann, die sich dafür interessieren. Hier will ich das ewig alte, aber wenig neue und deshalb unerschöpfliche Thema nicht weiter berühren, schon weil ich damit weit abgeschweift bin und wieder einmal in der Erinnerung leben, anstatt wie jetzt in Weimar, wo das Leben ruhig und gemächlich dahin fließt, wo aber doch ein jeder Tag seine kleinen Freuden bringt, die mich jung erhalten, wenn auch nicht an Jahren, so doch in meinem Innern, kleine Freuden, die mich auch jung und frisch erhalten, frisch erhalten für die Arbeit. An Arbeit fehlt es mir glücklicherweise nicht und hoffentlich erhält ein gnädiges Geschick mir, solange ich noch lebe, die geistige Kraft, arbeiten zu können, denn nichts wäre mir fürchterlicher, als den Tag erleben zu müssen, an dem ich mit meinem Tagewerk fertig wäre, wenn ich mir des Morgens meine Zähne geputzt habe. Nein, alles, nur das nicht, denn dann wäre mit meinem Leben, wie jetzt mit dem, was ich so erlebte, ganz einfach

Schluß!

Immer und immer wieder wieder habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen, bis ich dann nach Jahr und Tag doch noch darauf die Antwort erhielt. Da weilte ich auf einer meiner vielen Reisen im Ausland in einem großen, sehr vornehmen internationalen Hotel. Ich war des Nachmittags zu dem Tee gegangen und unter den vielen vielen Frauen und jungen Mädchen fiel mir ein ganz reizendes Gesicht auf, das mir merkwürdig bekannt vorkam, von dem ich im Augenblick aber doch nicht wußte, wo ich es schon einmal gesehen hätte. Bis mir mit einemmal einfiel: Herrgott, das ist ja die hübsche Unbekannte aus Marienbad, die dich damals dadurch, daß sie vor dir herging und dir dabei, wenn auch in der dezentesten Weise, immer mehr und mehr von ihren bildschönen Beinen zeigte, beinahe um Sinn und Verstand gebracht hat.

Hier wird die erste Version der Autobiographie beendet.


 

Und kaum wußte ich, wer die Schöne war, da stand auch mein Entschluß fest, diesesmal nicht eher zu ruhen, bis ich Antwort hätte auf die Frage, die mich schon so lange beschäftigte, auf die Frage: was sollte das Ganze?

Ich ließ mich der Schönen vorstellen und als ich bald darauf allein mit ihr in einer Nische saß, fragte ich: „Erinnern Sie sich, Gnädigste, daß wir uns vor Jahren schon einmal in Marienbad begegneten?”

Mit einem schalkhaften Lächeln sah sie mich an: „O ja, ich erinnere mich ganz genau.”

„Dann sagen Sie mir bitte,” drängte ich, „warum sind Sie damals den Weg nach meinem Hotel gegangen, warum haben Sie, während Sie vor mir hergingen, den Rock Ihres Kleides, wenn auch nur millimeterweise immer mehr und mehr gehoben, warum haben Sie mir immer deutlicher Ihren blendenden Wuchs und Ihre entzückenden Strümpfe und Stiefel gezeigt, warum, warum, wenn Sie mich hinterher, als ich Sie anredete, doch derartig abblitzen lassen wollten, wie Sie es leider taten?”

Da lächelte sie und gab mir zur Antwort. „Ich habe nur feststellen wollen, ob Sie wirklich den Mut haben würden, mich anzusprechen.”

Auf diese Antwort war ich nicht vorbereitet und nicht nur das, die ärgerte mich auch. So sagte ich denn: „Das ist ja alles ganz gut und ganz schön, meine Gnädigste, aber was dann, wenn ich Sie nun trotzdem nicht angesprochen hätte, trotzdem nicht, obgleich Sie mich doch dadurch, daß Sie mir Ihren Wuchs so verführerisch zeigten, ein ganz klein wenig dazu herausforderten? Was dann? Dann wären Sie, verzeihen Sie das harte Wort, dann wären Sie doch blamiert gewesen wie damals ich hinterher?”

Da schüttelte die Schöne leise den Kopf und während sie mich mit mehr als verführerischen Augen ansah und während sie bei dem Sprechen leise wie eine Taube girrte, sagte sie: „O nein – das nicht, denn wenn Sie mich nicht angesprochen hätten, dann –”

„Was dann?” bat ich weiter.

Da sah sie mich abermals mit einem unergründlichen rätselhaften Blick an und gab zur Antwort: „Dann hätte ich meinen Rock ganz einfach noch einen Millimeter höher gehoben.” – – –



 

Die Zeit verging und verstrich, wie die Zeit es nun mal so an sich hat, und ich saß bei dem Vergehen und bei dem Verstreichen unentwegt an meinem Schreibtische in Weimar, schrieb meine Bücher und führte ein sehr tugendhaftes Leben, das letztere schon deshalb, weil nach Wilhelm Busch die Tugend im Alter keine Tugend, sondern eine verdammte und verfluchte Notwendigkeit ist. Aber während ich so still und ruhig dahinlebte, dachte ich im stillen oft: ob das nun wirklich bis an dein Lebensende immer in demselben ruhigen Geleise weitergehen soll, ob dein Erleben, wenn auch nicht dein Leben selbst schon zu Ende ist, ob denn für dich nicht irgendwie und irgendwann doch der Tag kommt, der dein ganzes Leben umgestaltet und in das wieder etwas Abwechslung hineinbringt? Darüber habe ich viel nachgedacht, aber ich habe mich auch oft gefragt, woher denn nur eine Änderung in mein trotz aller Arbeit doch recht einförmiges Leben kommen solle? Aber ich habe nie eine Antwort darauf gefunden, ein neuer Beweis dafür, daß das ganze Denken überhaupt gar keinen Zweck hat. Wie sagte doch einst ein Unteroffizier zu seinem Rekruten: „Meier, merken Sie sich es ein für allemal, erstens ist das Denken zwecklos, zweitens ist es jedem Untergebenen strengstens verboten und wird mit Arrest nicht unter drei Tagen, unter Umständen sogar mit Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes sowie mit Aberkennung der militärischen und bürgerlichen Ehrenrechte bestraft, und außerdem sind für das Denken und Nachdenken Ihre Vorgesetzten da, die dafür vom Staat bezahlt werden, daß sie sich meistens einen großen Unsinn ausdenken, den der Untergebene schon deshalb ausführen muß, damit er hinterher dafür angeschnauzt werden kann, wenn er naturgemäß alles falsch macht.”

Den im stillen schon so lange erwarteten Umschwung brachte auch in meinem Leben der Krieg, der leider Gottes so vieles vieles brachte, nur nichts Gutes. An dem Krieg selbst habe ich nicht teilgenommen. Mein verdammtes schwaches hohles Gichtkreuz erlaubte es mir nicht, in den Sattel zu steigen, wie ich das meiner früheren militärischen Charge entsprechend hätte tun müssen. Mich in der Etappe herumzudrücken, verspürte ich keine Neigung und als ich gefragt wurde, ob ich in der Heimat Rekruten ausbilden wollte, lehnte ich das nach reiflichster Überzeugung auch ab, weil ich mir sagte: Linksum, rechtsum, front und kehrt kann schließlich auch ein anderer kommandieren, du aber kannst glücklicherweise etwas, was doch nicht jeder andere kann. Du kannst für die Soldaten draußen im Felde lustige Geschichten und lustige Bücher schreiben, und wenn du ihnen damit ein paar frohe Stunden bereitest, dann hast du das deine an deinem Platz getan und mehr und Besseres vielleicht, als wenn du Rekruten ausbildest.

So blieb ich denn an meinem Schreibtisch und schrieb unermüdlich darauf los. Selbst mein alter Sergeant Krause stand auf Wunsch eines Verlegers wieder von den Toten auf und redete sich von neuem einen heillosen Blödsinn zusammen. Und dabei war es in der damaligen Zeit alles andere als leicht, lustige Geschichten zu schreiben und Witze zu machen. Noch dazu, wenn man so nahe an dem Soldatenfriedhofe wohnte wie ich. Wie oft ist mir nicht der Federhalter aus der Hand gefallen, wie oft sind mir nicht die Tränen gekommen, wenn in meine Arbeit hinein vom nahen Friedhof die drei Ehrensalven knatterten, und wenn ich mir sagen mußte, da legen sie wieder ein Opfer dieses wahnsinnigen Krieges in die Erde. Ach und wie oft habe ich diese Ehrensalven vier- und fünfmal an einem Tage gehört. Aber wie die Soldaten draußen im Felde, so tat ich an dem Schreibtische meine Pflicht, und in vielen tausend und abertausend Exemplaren sind meine Bücher in das Feld geschickt worden. In jedem Schützengraben, in jedem Unterstand, in jedem Quartier und in jedem Lazarett waren sie zu finden und rührend haben die Offiziere, aber auch die Mannschaften es mir immer wieder gedankt, daß ich sie durch meine Sachen aufheiterte. Viele viele Briefe und Karten habe ich von allen Kriegsschauplätzen und aus den Lazaretten ganz Deutschlands bekommen. Meine mir tatsächlich angeborene Bescheidenheit hat es mir leider verboten, die vielen Zuschriften aufzuheben. Nur einer Karte entsinne ich mich noch. Die schrieb mir ein blutjunger Leutnant und sie lautete: „Ich bin vorgestern Offizier geworden und liege nun im schwersten Trommelfeuer vor Verdun. Ich weiß nicht, wie lange ich noch lebe, vielleicht bin ich schon in einer der nächsten Minuten tot, aber vorher will ich Ihnen noch sagen, daß ich eine Ihrer Humoresken lese und mich dabei halb krank lache. Wenn ich mit dem Leben davon komme, gebe ich Ihnen Nachricht.”

Aber ich habe nie wieder eine Nachricht von ihm erhalten.


 

Nach dem furchtbaren Krieg kam der entsetzliche Frieden, der uns die Auflösung unseres ehemals so schönen, stolzen Heeres brachte und das Verbot, fortan mehr als hunderttausend Mann unter den Waffen zu halten.

Was das, abgesehen von allen seelischen Leiden und Empfindungen, die mich das kostete, gerade für mich bedeutete, brauche ich wohl nicht erst zu sagen, denn wieder stand ich vor der schweren Frage, was nun? Ungefähr dreißig Jahre hatte ich in der Hauptsache lustige Militärgeschichten geschrieben, hatte zahllosen Menschen damit Freude bereitet, hatte mir selbst damit einen sehr anständigen Lebensunterhalt verdient, ich war mit meinem ganzen Denken und Empfinden auf das Militärische eingestellt gewesen und nun war alles mit einem Schlage aus. Niemand wollte etwas mehr vom Militär wissen. Kein Buchhändler und keine Bahnhofsbuchhandlung wagte es, meine Bücher in die Auslage zu stellen, aus Furcht, man könne ihnen die Schaufenster einschlagen oder die Auslage demolieren, wenn man da ein Buch sähe, das an das früher so beliebte und in gewissen Kreisen jetzt so verhaßte Militär erinnerte. Mit dem Militarismus war es wenigstens für lange Zeit vorbei und Schlicht mit seinen Büchern war erledigt, der gehörte einer im Handumdrehen erledigten Zeitepoche an.

Was nun? Einen anderen Beruf ergreifen konnte ich in meinem Alter nicht mehr. Ich mußte also trotz allem versuchen, mir weiter mit der Feder mein Brot zu verdienen und da stellte ich mich zum ersten Male um. Ich schrieb Bücher, deren Helden nicht mehr aktive, sondern ehemalige Offiziere waren und die sich in ihrem neuen Beruf als Kaufleute, Landwirte oder was sie sonst immer geworden, eingelebt und die sich in die neuen Verhältnisse mit bewundernswerter Energie und mit ebenso bewundernswertem Talent hineingefunden hatten. Die Bücher wurden lustig und so wurden sie auch gekauft, wenn natürlich nicht annähernd so wie meine Militärromane. Die Einnahmen gingen zurück und ich sah nicht gerade mit allzu rosigen Brillengläsern in die Zukunft.

Da geschah es, daß ich eines Tages von einem ehemaligen Mitglied des Wiesbadener Hoftheaters, einem mir bis dahin gänzlich unbekannten Herrn Müller, der sich aber im Gegensatz zu seinen vielen Namensvettern Müller-Müller nannte und der die Bühne inzwischen mit dem Kabarett vertauschte, einen Brief erhielt. Als Herausgeber eines Kabarett-Jahrbuches bat er mich um einen Beitrag(98). Ich erfüllte seine Bitte, schilderte in humoristischer Weise mein erstes Auftreten bei Wolzogens Überbrettl, mein späteres in den Berliner Folies Bergères(98a) und dann mein Gastspiel in der Wiener Hölle(98b). ich schloß den Artikel mit den Worten: „Seit der Zeit bin ich nie wieder in einem Kabarett aufgetreten, schon weil mich nie wieder ein Direktor durch einen schönen Vertrag in Versuchung gebracht hat, das Brettl von neuem zu betreten. Und da ich glaube, daß das auch nie wieder geschehen wird, rufe ich dem Brettl als Abschiedsgruß die Worte von Otto Julius Bierbaum zu: Ade, mein Schatz, ade, und wenn ich dich nicht wiederseh', es ist doch schön gewesen!” — Ein Abschiedsgruß, der schon mit Rücksicht auf mein Lampenfieber, das ich vor jedem Auftreten hatte, nicht allzu ernsthaft gemeint war.

Das Kabarett-Jahrbuch erschien mit meinem Beitrag, und der brachte ganz unerwartet den kritischen Wendepunkt in meinem Leben, denn als ich eines Morgens, es war der letzte Sonntag des August 1922, ganz ahnungslos beim Morgenkaffee saß und mich bei einer guten Zigarre meines Daseins erfreute, brachte mir meine Mädchen ein dringendes Telegramm in das Zimmer. Und nicht nur das, als ich die Depesche in Händen, sagte ich mir unwillkürlich: Schlicht pass' auf, in dem Telegramm steht was drin, und zwar nichts Alltägliches.

Und ich behielt recht, in dem Telegramm stand wirklich was drin. Der mir bis dahin gänzlich unbekannt gewesene Direktor Tenno des Corso-Kabarett Bremen telegraphierte, er hätte in dem Kabarett-Jahrbuch meinen Artikel gelesen, und teils aus eigener Initiative, teils auf Veranlassung des Herrn Müller-Müller, der bei ihm engagiert sei, frage er bei mir an, ob ich Lust hätte, zu ihm zu kommen und während des September bei ihm zu gastieren. An Gage böte er mir so und so viel.

Mein erster Gedanke war: Wieder auf das Brettl steigen? Vor Lampenfieber den ganzen Tag bis zum Abend krank sein und eines Abends auf der Bühne vor Aufregung totsicher einen Herzschlag bekommen? Niemals, für kein Geld.

Dann aber sagte ich mir: Schlage die Gelegenheit, Geld zu verdienen, nicht aus. Du wirst gut bezahlt, besonders wenn du der Direktion telegraphierst, sie müßte dir noch etliche Tausendmarkscheine (die gab es damals noch und für die konnte man sich damals noch allerlei kaufen [Anm.d.Herausgebers: Dieser Beitrag wurde in der Hochinflation geschrieben!] zulegen. Und es würde dir auch guttun, wenn du einmal ausspannst und für vier Wochen von deinem Schreibtisch fortkommst.

So überlegte ich mir denn die Sache, ehe ich einen definitiven Entschluß faßte, nochmals in aller Ruhe bei einer guten Zigarre, und als die Zigarre zu Ende geraucht war, telegraphierte ich mein Einverständnis für den Fall, daß die Gage meinen Wünschen entsprechend erhöht würde.

Das letztere geschah, und so saß ich am 1.September 1922 im Corso-Kabarett Bremen zum erstenmal wieder auf der Bühne(99) und las meine Sachen. Es war ein Wagnis für mich, aber ein noch viel größeres für meinen liebenswürdigen Direktor Tenno, in dem ich einen der reizendsten Menschen kennen lernte, der mir je begegnet ist. Aber das Wagnis glückte dank der Nachsicht, die das Publikum mir an den ersten Abenden, bis ich mich auf den Brettern heimisch fühlte, entgegenbrachte.

Das Wagnis glückte, und „Freiherr von Schlicht im Kabarett” war bald in der Kabarett- und Artistenwelt die große Neuigkeit.

Als ich von Weimar nach Bremen abreiste, tat ich es in der festen Überzeugung, nach vier Wochen wieder zu Hause zu sein, aber es kam ganz anders. Agenten und Direktoren kamen nach Bremen, um mich zu sehen und zu hören, und ich glaube ohne Übertreibung sagen zu dürfen, daß ich in meinem ganzen sonstigen Leben zusammen nicht halb so viel antelephoniert, „angeschrieben” , und „antelegraphiert” worden bin wie in den vier Bremer Wochen. Und der Inhalt aller Anfragen war immer derselbe. Sind Sie frei? Wenn nicht, wann? Wie sind Ihre Bedingungen? Aber ich selbst brauchte mich um gar nichts zu kümmern, diese „Kümmernis” nahm mir der damalige Mitinhaber der Künstleragentur Osterwind, Düsseldorf, Herr Alfred Harlem ab, dem an dieser Stelle öffentlich für alles, was er für mich getan, mein herzlichster Dank ausgesprochen sei. Der schickte mir eine Woche hindurch jeden, aber auch jeden Abend in das Kabarett einen eingeschriebenen Eilbrief, der jedesmal einen neuen Vertrag enthielt, fertig zur Unterschrift. Aber ich wollte nicht unterschreiben, ich wollte wieder nach Haus an meinen Schreibtisch, zurück in mein schönes Heim, ich wollte doch kein herumreisender Kabarettiste werden. Das erklärte ich meinem Freund und Direktor Tenno auch, aber da kam ich schön an, denn anstatt mir beizustimmen, wurde er grob und donnerte los: „Unterschreiben Sie, Schlicht, unterschreiben Sie jeden Vertrag, den Sie bekommen. Verträge verlegen, wenn Sie einmal eine Pause machen wollen, können Sie später immer und sich krank melden, wenn Sie es einmal müssen, können Sie natürlich jederzeit erst recht. Aber jetzt nutzen Sie die Konjunktur aus, unterschreiben Sie, seien Sie froh, daß Sie auf so anständige Weise sich bei dem Kabarett Ihr sehr anständig und dick belegtes Butterbrot verdienen können, während viele Ihrer Schriftsteller-Kollegen an ihrem Schreibtisch vielleicht sehr bald nicht einmal mehr wissen, wie sie sich das trockene Brot verdienen sollen. Unterschreiben Sie und seien Sie dankbar, daß Sie sich auf lange Zeit hinaus keinerlei Sorgen zu machen brauchen.”

Und wenn ich trotz alledem manchmal nicht unterschreiben wollte, dann drückte er mir die Feder in die Hand und zwang mich in meinem eigenen Interesse zu unterschreiben.

Tenno, liebwerter Freund und Gönner, seien auch Sie an dieser Stelle herzlichst bedankt, denn wie hätte sich in dieser schweren Zeit wohl ohne Sie mein ganzes Leben gestaltet!

So bin ich, wie ein Weimarer Freund es scherzend nennt, ein fahrender Sänger geworden und ziehe als solcher durch die Lande. Wo bin ich seit dem September 22 nicht schon überall als Gast im Kabarett gewesen? In Braunschweig, Hamburg, Leipzig, Dresden, Essen, Köln, im Sommer auf Westerland/Sylt, dann Görlitz, Breslau, Stuttgart, Elberfeld, Berlin, und wohin wird mich der Weg, wenn ich gesund bleibe und die Strapazen des Reiselebens weiterhin ertrage, noch überall führen? Das wissen nur die Herren Agenten und die Herren Direktoren.

Ich bin auf meinen Reisen zahllose Male gefragt worden, ob mir dieses ungewohnte Leben nicht sehr schwer fiele und ob es mich, der ich doch in ganz anderen Kreisen und in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen wäre, als die meisten anderen Kabarettkräfte, nicht oft große Überwindung koste, vor ein zuweilen doch recht ungebildetes Publikum hinzutreten und denen meine Sachen zu erzählen?

Darauf gebe ich meistens zur Antwort, daß ich kurz nach der Revolution einmal irgendwo den Satz las, man solle sich heutzutage nicht anstellen, sondern man müsse sich ganz einfach umstellen.

Das habe ich mir zur Richtschnur genommen und ich habe mich umgestellt, wie es Tausende und Abertausende taten und es tun mußten.

Und wenn es mir an manchen Abenden, an denen ich vor einem Publikum sitze, das mit mir und meinen Vorträgen nichts anzufangen weiß, wirklich nicht ganz leicht wird, mir auf die jetzige Weise mein Geld zu verdienen, die Abende bilden glücklicherweise eine so seltene Ausnahme, daß sie kaum mitzählen. Im allgemeinen werde ich in jeder Stadt, in der ich bin, jeden Abend schon bei meinem Erscheinen so freundlich begrüßt und empfangen, daß ich mich unter meinen vielen Zuhörern gleich heimisch und wohl fühle, und daß es mir eine große Freude ist, ihnen etwas von meinen Arbeiten erzählen zu dürfen.

Und noch eins erleichtert mir das Reiseleben: die vielen, vielen netten Menschen, die ich unterwegs kennen lerne und, beinahe hätte ich gesagt, die zahllosen Leute, die vor und nach meinem Vortrag zu mir kommen, um mir zu sagen, wie viel frohe Stunden ich ihnen schon durch meine Bücher bereitete und die mich aufsuchen, um mir dafür zu danken. Geradezu rührende Szenen und Episoden habe ich da erlebt, so rührende, daß mir schon oft die Tränen gekommen sind.

Aber noch eins kommt hinzu, um mir das Leben bei dem Kabarett nicht nur zu erleichtern, sondern um es mir im großen und ganzen eigentlich sogar sehr angenehm zu machen. Ich muß, ich weiß nicht woher, ein ganz klein wenig Artistenblut in mir haben oder richtiger ausgedrückt, alles was Kunst, Theater und dergleichen heißt, hat von jeher einen ganz besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Das empfand ich schon als Schüler, als ich in meiner Altonaer Pension mit einem Enkel des Zirkus-Altmeisters Renz(99a), dem Sohn des früher so berühmten Schulreiters Hager zusammen war und mit diesem, wenn der Zirkus alljährlich für längere Zeit in Hamburg gastierte, hinter den Kulissen des Zirkus herumstrich. Und was sich hinter den Kulissen abspielte, die letzten Vorbereitungen der der vier- und zweibeinigen Künstler vor ihrem Auftreten in den Stallungen und in den Garderoben, die letzte kurze Probe in den Gängen, das alles hat mich stets weit mehr interessiert als das, was sich in der Manege abspielte. Und nun erst des Morgens die Probe im Zirkus, die Dressur der Pferde und Raubtiere, die Arbeit der Schulreiter und Akrobaten, der Luftkünstler und Springer. Ich wurde nicht müde zuzusehen, sehr bald hatte ich es heraus, worauf es bei jedem neuen Trick, der geübt wurde, ankam, und den Artisten machte es Spaß, sich mit mir, der ich ihre so schwere, schwere Arbeit, die sich abends in der Manege so leicht ansah, zu würdigen und zu schätzen verstand, zu unterhalten. Wen habe ich da nicht alles von den ehemals berühmten Zirkusgrößen kennen gelernt. Den berühmten Clown Godlewski, der später als erster Ballettmeister an die Wiener Hofburg kam, James Fillis, den größten Reiter der Welt, den es jemals gegeben hat, mit seinen beiden weltberühmten Pferden Markir und Germinal, der später einen Ruf als Lehrer an die damalige Kaiserliche Offizier-Reitschule in Moskau erhielt, die beiden blenden schönen Schwestern Loisset, von denen eine einen Prinzen heiratete und wenige Jahre später in Paris auf einem Spazierritt mit dem Pferde stürzte und in fürchterlichster Weise zu Tode geschleift und dabei verstümmelt wurde – den vollendetsten aller englischen Jockey-Reiter Mister Cook, der mir ganz offen gestand, daß er seinen Haupttrick, den Sprung auf den Rücken des galoppierenden Pferdes absichtlich jeden Abend zuerst zweimal mißlingen lasse, um dann bei dem dritten erfolgreichen Sprung desto mehr Beifall zu ernten – ich lernte den berühmten Tierbändiger Julius Seeth kennen, der seine Löwengruppe vorführte und noch so viele viele andere, natürlich auch den Vater meines Schulfreundes Hager, der ein Paar Lackstiefel nie öfter als zweimal trug und der seinem Sohn, wenn dieser ihn um Geld bat, statt des schnöden Mammons ein großes Paket noch tadelloser Lackstiefel schickte, die wir in gemeinsamer Arbeit dann schleunigst zu Geld machten. Und denselben Reiz wie das Leben hinter den Kulissen des Zirkus übte später das Leben hinter den Kulissen des Theaters auf mich aus, als ich in Gemeinschaft mit anderen meine Lustspiele schrieb und in vielen Städten auf der Probe war.

Da fällt mir noch eine kleine wahre Geschichte zur Charakteristik der Frauen ein.

Ich war Mitarbeiter eines Lustspiels, in dem wir eine zwar nicht allzu große, aber trotzdem sehr dankbare Rolle einer bekannten, inzwischen leider auch schon verstorbenen Schauspielerin zugedacht hatten, aber als ich zu einer der letzten Proben kam, wurde die Rolle von einer anderen Dame gespielt und als ich mich nach dem Warum erkundigte, erfuhr ich, daß die andere Schauspielerin die Rolle zurückgegeben hätte, weil sie ihr zu klein wäre und ihr auch nicht „läge” . Das letztere war nach meiner Ansicht eine mehr als faule Ausrede und mein Entschluß, daß die Dame trotz ihres Sträubens die Rolle wieder übernehmen müsse, stand sofort bei mir fest. So steckte ich mich denn zunächst hinter ihren Mann, der in dem Stück eine wirkliche Bombenrolle hatte, aber der erklärte mir kategorisch: „Meine Frau spielt die Rolle nicht, da können Sie machen was Sie wollen, jedes Wort Ihrerseits ist vollständig zwecklos.”

„Das wird sich finden,” widersprach ich, „erst rufen Sie bitte Ihre Gattin mal telephonisch herbei und alles weitere überlassen Sie mir.”

„Wetten, daß meine Frau nicht in das Theater kommt, wenn sie weiß, daß Sie hier sind und sie sprechen wollen?” warf der Mann ein.

„Wetten, daß sie doch kommt?” hielt ich ihm entgegen.

Ich gewann die Wette, denn eine gute halbe Stunde später war die Gnädige zur Stelle, und sie hatte sich so bildhübsch angezogen, daß ich sie teils aus ehrlichster Überzeugung, teil mit schlauer Berechnung lange, lange traumverloren anblickte, bis ich sie dann als erstes, noch bevor ich auch nur ein Wort über unser Stück gesprochen hatte, fragte: „Sagen Sie bitte, Gnädigste, wo haben Sie diesen märchenhaft schönen und sicher auch märchenhaft teuren Hut gekauft?”

Weiter sagte ich gar nichts und das genügte auch vollständig, denn zwei Minuten später stand die Gnädige auf der Bühne und probte.

Vor vielen Jahren habe ich auch einmal ein Buch „Hinter den Kulissen des Dresdener Hoftheaters” (100) geschrieben und auch bei einer Filmaufnahme(100a) habe ich mal zugesehen. Aber das letztere hätte ich lieber nicht tun sollen, denn seitdem gehe ich nicht mehr in den Kintopp und wenn ich doch mal für fünf Minuten in den hineingucke, muß ich bei den rührendsten Stellen am lautesten lachen, weil ich jetzt weiß, wie so was gemacht wird.

Das Leben und Treiben hinter den Kulissen eines Kabaretts ist natürlich ein ganz anderes als das bei einem Zirkus oder bei einem Theater, aber für einen aufmerksamen Beobachter hat es doch seine Reize und seine Geheimnisse, die auszuplaudern schon deshalb lockt, weil die Fernstehenden sich von dem Leben der Künstler und von allem, was damit zusammenhängt, ein meistens ganz falsches und ein meistens auch für die Künstler leider sehr wenig günstiges Bild machen. Deshalb kribbelt und krabbelt es mir schon lange in den Finger- und Federspitzen, einen Kabarettroman(101) zu schreiben, der die Wahrheit schildert und der hoffentlich auch mit vielen falschen Anschauungen aufräumen wird, so namentlich mit denen, als wären alle Kabarettkünstler faule Nichtstuer und die weiblichen Mitglieder weiter nichts als käufliche Mädchen. Ich habe auf meinen Gastspielreisen unter den anderen Mitgliedern hochachtbare, teilweise auch sehr feingebildete Menschen beiderlei Geschlechts kennen gelernt. Alle Namen aufzuzählen würde zu weit führen, nur einen möchte ich nennen, den sehr liebenswürdigen Wiener Stimmungssänger Rudolf Dittmer(100b), den schon deshalb, weil er im Oktober 1922, als wir in Braunschweig zusammen waren, dort den Satz geprägt hat, mit dem mich seitdem in jedem Kabarett jeden Abend der Conferencier ansagt, die Worte:

„Ein Tisch – ein Stuhl – etwas Licht – – – Freiherr von Schlicht” .

Vieles, vieles habe ich natürlich auch auf meinen Gastspielreisen in den verschiedensten Städten und in den verschiedensten Kabaretts erlebt, doch das erzähle ich später mal in meinem Kabarettroman, vorausgesetzt, daß ich noch einmal dazu komme, ihn zu schreiben. Und darum und deshalb mache ich nun mit dem, was ich so erlebte, ganz einfach, kurz und bündig

Schluß!


Fußnoten:

(69) Zu dieser Zeit lief schon das Gerichtsverfahren gegen Schlicht/Baudissin wegen der Beleidigung des preußischen Offizierkorps. (zurück)

(70) 1905 erschien der Roman „Graf Udo Bodo”. (zurück)

(71) Die „Reden des Sergeanten Krause” erschienen wöchentlich montags in der Zeitschrift „Nimm mich mit für 5 Pfennig” – Ein buntes Blatt für Alle und Alles – in den Jahren 1904 bis 1906, die erste Rede in der Nr. 2 am 3. Oktober 1904, die letzte am 8. Januar 1906. (zurück)

(72) Wegen des Skandals um den Roman „Erstklassige Menschen” wurde das Lustspiel „Im bunten Rock” vom Spielplan des Königl. Schauspielhauses abgesetzt, und auch weiterhin wurden keine Stücke von Schlicht/Baudissin dort mehr gegeben. (zurück)

(73) Das Lustspiel „Im bunten Rock” wurde im Theater des Westens vom 4. bis zum 30. Juni 1904 achtzehnmal aufgeführt. (zurück)

(74) Gemeint ist hier das Schauspiel „Leutnant Kramer” , das am 14. Dezember 1904 im Stadttheater zu Bochum aufgeführt wurde. (zurück)

(75) Im Berliner Theater wurde in der Zeit vom 28. August 1904 bis zum 6. März 1905 das Lustspiel „Im bunten Rock” siebzehnmal aufgeführt. (zurück)

(76)Oberleutnant Kramer” , Roman, H. Minden, Dresden, 1906, 306 S. Dazu eine Besprechung in der Zeitschrift „Das literarische Echo” 1905/1906, S.1733. (zurück)

(77)Dresden und die Dresdener” , ein lustiges Vademecum. Dresdener Verlagsanstalt, Leipzig, 1907, 237 S. (zurück)

(78) Luise Antoinette Marie von Toscana (* 2. September 1870 in Salzburg; 1947 in Brüssel) war Kronprinzessin von Sachsen und Gemahlin von Friedrich August III.. Die Ehe wird am 11. Februar 1903 per Sondergericht geschieden. (zurück)

(79) Es handelt sich um die Kurzgeschichte „Prosit Neujahr-hundert!” , die u.a. in der Neujahrsbeilage der St.Petersburger Zeitung vom 1.1.1901 erschienen ist. (zurück)

(80) Ettlinger, Joseph, Dr.phil, Schriftsteller und Herausgeber des „Literarischen Echis” und des „Salon Feuilleton” . Geboren 22.10.1896 in Karlsruhe i.B. (zurück)

(81) Das Theaterstück „Seine Hoheit” , Lustspiel in drei Akten von Freiherr von Schlicht und Walter Turszinsky, wurde im Bellevue-Theater zu Stettin am 6.Oktober 1907 zum erstenmal aufgeführt. (zurück)

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(81a) Pöstyen (ungar.) – Piest'any (slowak.) – Kurort ca. 70 km. nordöstlich von Bratislava-Pressburg an der Autobahn E75. (zurück)

(82) Schlicht/Baudissin war am 07.11.1906 von seiner ersten Frau Eva geb. Türk geschieden worden. (zurück)

(83) Das Lustspiel „Im Notquartier” , ein Manöverbild in 3 Akten von Frhr. von Schlicht und H.Gordon, wurde am 7.Februar 1905 in Altona zum erstenmal aufgeführt. (zurück)

(84) Das Variété-Theater „Folies Bergères” lag in der Jägerstraße 63a. Dort gastierte Frhr. v.Schlicht vom 16. Januar bis zum 1. Februar 1908. (zurück)

(84a) Aus den Zeitungsannoncen kann man den Namen „Maria La Bella” entnehmen. (zurück)

(84b) Beschreibung des ersten Besuchs im Zirkus Renz in den „Zirkus Erinnerungen” . (zurück)

(85) „Der Artist” : Fachblatt für Unterhaltungsmusik und Artistik. - Düsseldorf, Droste (ISSN 0004-3885). (zurück)

(86) „Organ der Varietéwelt und Kabarett-Rundschau” : artistisches Fachblatt und offizielles Organ des Internationalen Varieté-Theater-Direktoren-Verbandes. - Berlin. (zurück)

(86a) „Die Hölle” , Kabarett im Keller des „Theaters an der Wien” , eröffnet am 6.Okt. 1906 von Siegmund und Leopold Natzler. Schlicht/Baudissin hat dort vom 1. bis 15. März 1908 ein Gastspiel gegeben. (zurück)

(87) „Meiers Hose” in:

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(88) „Meiers Stiefel” in:

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(88a) Damit ist die – frühere – Schauspielerin Elisabeth Flössel gemeint. (zurück)

(89) Schlicht/Baudissin heiratete am 08.09.1908 Maria-Elisabeth verw. Hammer geb. Flössel wohnhaft Berlin NW10, Roonstr. 1.
Am 1.Aug. 1908 bezogen beide ihr Urlaubsquartier auf Norderney in der Kaiserstraße 11.
Er wurde von ihr geschieden am 15.04.1921. (zurück)

(90) Berlin NW 23, Lessingstr. 57 I Tel. II 4279 (zurück)

(91) Hauswirt des Hauses Lessingstraße 57 war F. Caspary, Fabrikbesitzer, Tel. II 1520. (Berliner Adreßbch 1909) (zurück)

(91a) Am 2. Oktober 1909 bringt die „Weimarische Landeszeitung Deutschland” die Meldung von der Übersiedlung Schlichts nach Weimar. (zurück)

(92)Der Schwippleutnant” , humoristischer Roman, B. Elischer, Leipzig, 1910. (zurück)

(93)Pensionopolis” , humoristisch-militärische Erzählung aus einer kleinen Garnison, 2 Teile in einem Band, Otto Janke, Berlin, 1902, 204,157 S.
       auch: Deutsche Roman-Zeitung, 39.Jahrgg. 1901/02, bei Otto Janke Berlin. (zurück)

(94)

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(95) Die süßen kleinen Mädchen - wenn sie küssen, humoristisch-satirische Plaudereien, B.Elischer, Leipzig. (zurück)

(96) Wenn Frauen lieben. Humoristisch-satirische Plaudereien, M. Seyfert, Dresden, 1916. (zurück)

(97) König Eduard VII. weilte von 1899 - 1908 alljährlich in Marienbad. Eine Übersicht der Reisen Kaiser Franz Josephs zeigt ein Treffen mit König Eduard VII. in Marienbad am 16. und 17. August 1904. (zurück)

(98) Im Kabarett-Jahrbuch 1921, Herausgeber: Müller-Müller, Verlag und Reklame GmbH. Düsseldorf, Seite 138-141 erschien der Beitrag „Kabarett-Erinnerungen” von Freiherr von Schlicht-Weimar (Wolf Graf von Baudissin). (zurück)

(98a) Zum Auftritt in den Folies Bergères. (zurück)

(98b) Zum Auftritt in der „Hölle”. (zurück)

(99) Frhr.v.Schlicht trat vom 1. bis 30.September 1922 im Corso-Kabarett in Bremen auf. Zu dem gleichen Programm gehörten noch Edith Guttmann, Thessy Cordova, Irmgard Spitzer, Charicleia, Hilde Arndt, Ellinore und Erik, Müller-Müller. (siehe auch den Abschnitt „Kabarett” auf meiner Homepage) (zurück)

(99a) Siehe hierzu die Artikelserie „Zirkus-Erinnerungen” in der „Allg. Thür. Landesztg. Deutschland” in den Monaten August und September 1924. (zurück)

(100) Hinter den Coulissen der Dresdener Hoftheater, ein Bilder-Prachtwerk von Emil Limmer mit Text von Wolf Graf Baudissin, Elsner, Berlin, 1902, 78 S. (zurück)

(100a) Im Jahre 1914 wurde der Film „Leutnantsstreiche” nach Motiven von Frhr. v. Schlicht gedreht.

(100b) Rudolf Dittmer war im Juli 1923 und im August 1924 (wohl als Primus inter pares) Conferencier im Bristol(1923) und im Tabarin(1924), wo auch Schlicht auftrat. (zurück)

(101) Kabarett, Roman, Otto Janke, Berlin, 1926, 394 S. (zurück)


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