Besprechungen

der Werke von Freiherrn von Schlicht

und Ankündigungen aus Verlagsanzeigen

in der deutschsprachigen Presse


„St.Petersburger Zeitung” vom 24.10. (6.11.) 1904
Freiherr von Schlicht. Militärhumoresken:
1) Die Fahnenkompagnie ;   2) Der Lügenmajor.
München, Albert Langen, 1904, 2 Bände, 132 und 158 S.

In zwei hübsch ausgestatteten Bänden, die jeder eine Sammlung von Humoresken enthalten unter einem Kollektivtitel, der eine Band heißt „Die Fahnenkompagnie”, der andere „Der Lügenmajor”, sind leicht hingeworfene Skizzen, aus dem militärischen Leben gezeichnet. Daß nicht alle Humoresken Humor haben, ist eine Eigenschaft der Humoresken, wenigstens eine sehr häufige, und Fr. v.Schlicht macht keine Ausnahme von dieser Regel. Harmlose Leser werden vieles hübsch finden, einer ernsten Kritik können jedoch nur die Humoresken: „Die Fahnenkompagnie”, „ Der neue General”, „Die Kompagniebrille” und „Frischwachs” stand halten. Das sind wirklich fein beobachtete Episoden aus dem Militärleben, mit ungezwungener humoristischer Pointe, alles übrige ist eigentlich zu sehr Karikatur, um humoristisch zu wirken. Es scheint, daß den Frhrn. v.Schlicht die Lorbeeren Bilses und Beyerleins wirklich nicht schlafen lassen: er will selbst in diesen kleinen Skizzen sein Scherflein beitragen für die Festnagelung des Verkehrten im Militärleben, darum sind auch einige Humoresken etwas gewaltsam ausgefallen, man merkt die Absicht und man wird verstimmt. Ohne diese leise durchklingende Tendenz wären gewiß viele Humoresken ungeschrieben geblieben oder vom Autor ausgemerzt worden; so hat er viele nur um des tendenziösen Endzwecks willen bestehen lassen, und das ist schade, denn das militärische Leben bietet in seinen starren Formen, seinem Zopf soviel Stoff für den Humor, wenn man nur frisch hineingreift und wahr beobachtet, daß man sich jede Abschweifung von der Wahrheit zugunsten einer Tendenz sparen kann. -
Die wenigen Humoresken, die lebensvoll geschrieben sind, bringen den besten Beweis, wieviel Humor in kleinen Episoden des Militärlebens verborgen ist. Entzücken ist für Kenner militärischer Verhältnisse, wie ich glaube, von allen gelungenen Humoresken Schlichts „Die Kompagniebrille” ausgefallen, die als Gesamttitel der hübschen Bändchen prangen müßte.
-cst-.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 13. Aug. 1904:

Die Fahnenkompagnie.Der Lügenmajor.
Militärhumoresken von Frhrn. v. Schlicht.
Beide Bände bei Alb. Langen, München.

In diesen beiden, von E. Thöny mit trefflichen Bildern geschmückten Bänden setzt Graf Baudissin-Schlicht seine bekannten Militärhumoresken fort, in deren Erfindung er geradezu unerschöpflich ist. Selbst wenn man gar keinen besonderen Geschmack an diesen Schnurren besitzt, die das Soldatenleben „etwas sehr” von der heiteren Seite auffassen, muß man dem Verfasser doch zugeben, daß seine Frische, sein keckes Zupacken und seine Kunst im Erfinden der komischen Offiziersgestalten jeden Leser fesselt. Man kann auch keineswegs behaupten, daß er der Wahrheit Gewalt antut, nur darf er, um den Humor seiner Schilderungen nicht zu trüben, selten unter die Oberfläche der Dinge hinabtauchen. Auch Uebertreibungen sind dem Humoristen bekanntlich erlaubt. Wenn sie so komisch sind, wie diejenige in der Schilderung des Kommandeurs und seines Sohnes, welcher Leutnant in dem von seinem Vater geführten Regiment ist, dann verzeiht man dem Verfasser gern. Der Herr Kommandeur behandelt seinen Sohn schlechter als alle anderen Leutnants, damit niemand ihm väterliche Parteilichkeit vorwerfen könne. Und eines Tages versteigt sich der Herr Kommandeur in seinem Eifer zu dem Vorwurf: „Was reiten Sie denn da für eine Schindmähre, Herr Leutnant. Wie können Sie es wagen, mit einem solchen Klepper zur Besichtigung zu kommen?” Und der Leutnant antwortet: „Zu Befehl, Exzellenz. ich werde noch heute mit meinen Vater darüber sprechen.” Etwas übertrieben scheint mir auch die im übrigen famos geschriebene Humoreske: „Der freche Untertan”, allein sie ist nicht weniger amüsant als alle anderen. Nach den vielen Bitternissen der Militärliteratur, deren bitterste die Schlicht'schen „Erstklassigen Menschen” waren, tun diese harmlosen Skizzen wieder wohl.


„Die schöne Literatur”, Beiblatt zum „Literarischen Zentralblatt” vom 19.Nov. 1904:

Schlicht (Graf Wolf Baudissin) ist längs als Militärschriftsteller bekannt, und seine Militärhumoresken wenigstens erfreuen sich seit lange mit Recht großer Beliebtheit. Auch die vorliegende Sammlung [„Die Fahnenkompagnie”] entspricht durchaus dem, was man von Militärhumoresken verlangt und verlangen kann.


„Österreichische Illustrierte Zeitung” vom 13.11.1904:

Freiherr v. Schlicht, „Die Fahnenkompagnie”, Militärhumoresken. Umschlag von E. Thöny. Geheftet Mk. 2. (Verlag von Albert Langen in München.) Der Name des Grafen Baudissin (Pseudonym: Freiherr v. Schlicht) ist in letzter Zeit so viel genannt worden, daß ein neues Buch von ihm sicherlich dem lebhaftesten Interesse begegnen wird. In diesem neuen Buche zeigt sich Freiherr v. Schlicht wieder auf dem Gebiete, dem er seine größte Erfolge verdankt. Er gibt in diesen Militärhumoresken, die sich hoch über das Genre erheben, das man sonst unter diesem Gattungsnamen zusammenfaßt, gut beobachtete, lebendig und lustig wiedergegebene Ausschnitte aus dem Offiziersleben, die der Wahrheit so wenig entbehren, wie der Lustigkeit. Der große Erfolg seiner früher erschienenen Sammelbände hat ihm ein breites Publikum geschaffen, das auch nach dem neuen Werke seiner Feder begierig und in der Gewißheit greifen wird, darin sehr amüsanten Unterhaltungsstoff für ein paar Stunden zu finden.


Verlagsanzeige in „Zu dumm!”:
Freiherr von Schlicht
Der Lügenmajor
und andere Militärhumoresken

Berliner Morgenpost : ...Geradezu köstlich wirkt es, wenn Schlicht die kleinen menschlichen Schwächen und Eitelkeiten, die auf dem Subordinationsfelde zwischen Vorgesetzten und Untergebenen ihre besonders prächtigen Blüten zu treiben vermögen, mit feiner Ironie und zuweilen mit derbem, drastischem Humor bloßlegt, wenn er das oft konstatierte Mißverhältnis zwischen Geburt und Verstandesleistungen durch zwerchfellerschütternde Beispiele belegt. Dabei steckt eigentlich in fast allem, was er schreibt, ein gesunder, sozialer Einschlag, der den Übelständen oder der zur angenehmen Gewohnheit gewordenen Kritiklosigkeit in vernünftiger Weise und verständigen Worten zu Leibe geht, mit anderen Worten, am praktischen, unterhaltend erzählten Beispiel zeigt, wie es nicht gemacht oder wie es besser gemacht werden soll. Den Gedankenkreis seiner Helden, ihre Fähigkeiten, Sorgen und Ängste schildert der Verfasser mit ungeschminkter Lebenstreue, und das Milieu ist ihm vertraut wie selten einem andern.


„Kölner Tageblatt” vom 20.6.1904
Der Gardestern
Humoristischer Roman von Freiherrn von Schlicht.
Geheftet Mk. 3.50, gebunden Mk. 4.50 (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt).

Es handelt sich in diesem Werke des neuerdings so viel genannten Schriftstellers durchaus nicht etwa um einen Tendenzroman: er bietet uns darin vielmehr fein-humoristische Schilderungen aus dem Offiziersleben in einer Provinzialstadt, die freilich an geeigneten Stellen auch satirischer Färbung nicht entbehren, aber nur erheitern und nicht verletzen. Freiherr von Schlicht hat vor allem in dem Titelhelden, dem aus der Garde in ein Linienregiment versetzten Leutnant von Stern – kurzweg der „Gardestern” genannt, weil er mit Vorliebe den alten Gardisten zur Schau trägt und sich über alles mokiert – eine ganz prächtige Figur geschaffen, der ein Stich ins Komische nicht fehlt und an der man trotzdem seine Freude hat. Auch die übrigen militärischen Typen vom General bis zum Burschen und die Offiziersdamen sind ungemein lebenswahr und charakteristisch gezeichnet, nicht minder aber die Personen aus bürgerlichen Kreisen, zumal die anmutigen und liebenswürdigen Gestalten der beiden jungen Mädchen. Wer immer sich einige Stunden angenehm zu unterhalten und in heitere Stimmung versetzt zu werden wünscht, der möge zu diesem frisch und flott geschriebenen Romane greifen, der bis zur letzten Seite mit ihrer ergötzlichen und überraschenden Schlußwendung den Leser fesselt.


„St.Petersburger Zeitung” vom 30.7. (12.8.) 1904
Schlicht, Freiherr v., „ Der Gardestern ”, Roman, 274 S., Preis 3 Mk. 30 Pf., Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.

Ein Militärroman, denn der Freiherr v.Schlicht gehört zu der Korona Bayerlein-Bilse. [sic! D.Hrsgb.] Ich kann nicht behaupten, daß ich gerade sehr viel für den typischen preußischen Leutnant übrig habe, ich muß aber gestehen, daß dieser Leutnant, soweit ich ihn kennen gelernt habe, nicht einmal annähernd so idiotisch ist, wie der Freiherr v.Schlicht ihn schildert. Alles, was in dem Roman auftritt, ist von einer Trottelhaftigkeit, die geradezu erschütternd wirken würde, wenn man nicht die handgreifliche Absicht des Verfassers merkte. So dumm kann es im preußischen Offizierskorps unmöglich zugehen!
Der Roman trägt den Vermerk „viertes Tausend”; er findet also augenscheinlich Beifall. Man weiß nun wirklich nicht, worüber man sich wundern soll: über einen Mann, der selbst einst dem Offizierskorps angehört hat, das er in der schmählichsten und dabei einfältigsten Weise lächerlich macht, oder über ein Volk, das von einem witzlosen und hämischen Pamphlet auf seinen ersten Stand in kurzer Zeit 4000 Exemplare erwirbt.
Solche Bucherfolge sind ein Zeichen der Zeit: es ist etwas faul im Staate Dänemark.
-sb-


„Bonner Zeitung” vom 18.6.1904:

Freiherr von Schlicht hat soeben einen humoristischen Offiziers-Roman Der Gardestern erscheinen lassen, der im vollen erfreulichen Gegensatz zu seinen berüchtigten „Erstklassigen Menschen” steht.


„Berliner Tageblatt” vom 28.5.1904:

Freiherr v. Schlicht. Der Gardestern. Humoristischer Roman. Stuttgart und Leipzig. Deutsche Verlagsanstalt.

Na also, er kann auch anders. In den „Erstklassigen Menschen” war er wie ein Wolf in die Hürden seiner ehemaligen Standesgenossen eingebrochen, hatte sie mit den Reißzähnen einer töricht ausschweifenden Satyre mißhandelt, kam mit einem konservativen Heißsporn beinahe ins Handgemenge und wurde in Anklagezustand versetzt. Es ist natürlich nur ein Zufall, nur wieder so ein Witz des neckischen Schicksals, daß noch vor dem Verhandlungstermin das neue Buch des Freiherrn v. Schlicht erschienen ist, dieser Verteidigungsschriftsatz von fast dreihundert gedruckten Seiten. Nun ist der Wolf ein Lamm geworden. Nun wagt er kaum noch den drolligen Spott, wie er ihn früher in kleinen Skizzen gegen hohe Vorgesetzte von sich gab. Nun macht er der damals angegriffenen Garde ein überaus höfliches Kompliment in der Figur des Titelhelden, des Leutnants v. Stern, der zur Linie versetzt wird und bei der Besichtigung ebenso wie in der Liebe so gut abschneidet. Den obersten Kriegsherrn erklärt er neben Moltke und Bismarck für einen Uebermenschen, und den „tragischen Konflikt” sieht er im wesentlichen nur darin, ob eine Hauptmannsfrau die der Frau Oberst entlaufene Köchin engagieren dürfe oder nicht. So ist alle seine Säure zu Syrup geworden. Und wenn die „Erstklassigen Menschen”, was wir nicht wünschen wollen, so schlecht das Buch auch ist, ihrem Autor Pein und Buße eintragen, so möge „Der Gardestern” ihm einen Orden bringen. Nur dann wird sich die freie Kunst, verärgert durch die gerichtliche Verfolgung eines der Ihrigen, wieder beruhigen können.
F.E.

„Berliner Tageblatt” vom 30.5.1904:

„Der Gardestern.” Zu der Besprechung des eben erschienenen Buches „Der Gardestern.” von Freiherrn v. Schlicht schreibt uns der Verfasser, daß er dieses Buch schon im Jahre 1902 geschrieben und mit allen Rechten an die betreffende Verlagsanstalt verkauft habe. Freiherr v. Schlicht will damit feststellen, daß ihm nicht der Vorwurf gemacht werden könne, er hätte in dem erwähnten Buch jetzt eine „Verteidigungsschrift” erscheinen lassen wollen, nachdem ihm seine unglücklichen „Erstklassigen Menschen” einen Prozeß eingetragen haben. Wir nehmen davon Notiz, können aber mit unserer Verwunderung nicht zurückhalten, daß Freiherr v. Schlicht im Jahre 1902 diesen von Loyalität triefenden „Gardestern” geschrieben und ziemlich zu gleicher Zeit die von ebenso großer Illoyalität erfüllten „Erstklassigen Menschen” verfaßt hat. Der in unserer Buchkritik gebrauchte Ausdruck „Er kann auch anders” ist also durch die obige Erklärung des Freiherrn v. Schlicht nicht aus der Welt geschafft worden.


„St.Petersburger Zeitung” vom 15.(25.)12. 1905

Freiherr v. Schlicht. „Ein Adjutantenritt” Militärhumoresken. Umschlagzeichnung von E.Thöny Mk. 3.- Albert Langen in München.

Wer kennt nicht die Militärhumoresken des Freiherrn v.Schlicht, die kurzen, markigen, sarkastischen, die mit beißendem Spott falsche und lächerliche Zustände geißeln, wie das hier besonders in „Ich spreche”, „Die Gesellschaftsunterhaltung” und „Der Adjutantenritt” geschieht; während in „Meiers Urlaub”, eine Perle in dieser neuen kleinen Sammlung, der Erzähler mit fester Hand an das Herz seiner Zuhörer greift.
V.v.H.


„Die schöne Literatur”, Beilage zum Literarischen Zentralblatt vom 4.Nov. 1905:

Schlicht, Frhr. v., Ein Adjutantenritt und anderes. Militärhumoresken, Kleine Bibliothek Langen, 1905, 186 S., Mk. 0,20

Die Humoresken des Freiherrn v. Schlicht sind wirklich allzu harmlos. Ihre einschläfernde Wirkung ist noch das Beste an ihnen. Humor bedaure ich darin nicht finden zu können.


Simplicissimus 10. Jahrgg.
Freiherr von Schlicht: Ein Adjutantenritt
Militärhumoresken
Umschlagzeichnung von E. Thöny
Geheftet 3 Mark, gebunden 4 Mark
Verlag von Albert Langen, München

Es ist eigentlich überflüssig, einem neuen Bande Militärhumoresken vom Freiherrn von Schlicht noch erst gross eine Empfehlung auf den Weg mitzugeben. Die zahlreichen Freunde seiner früheren Werke wissen, dass gerade auf dem Gebiete der kurzen pointierten Geschichte die Hauptstärke des Verfassers liegt. Dieser neue Band vereinigt in sich gerade eine Anzahl der besten und lustigsten Sachen, die der Freiherr von Schlicht überhaupt geschrieben hat. Und dabei sind diese Humoresken in erfreulichem Gegensatze zu dem, was in Deutschland sonst an >Militärhumoresken< publiziert wird, in ihrer Art bei aller Lustigkeit doch litterarisch durchaus ernst zu nehmende Werkchen. Das liegt einmal an ihrem Stil und ihrer ganzen Art, und auf der andern Seite daran, dass der Autor ein trefflicher Beobachter ist, der die Leute und die Verhältnisse, die er schildert, genau kennt. Das gibt diesem Buche neben dem Zwecke der Unterhaltung, den es trefflich erfüllt, auch unstreitig seine kulturhistorische Bedeutung.


„Brünner Tagesbote” vom 16.Sep. 1905:

Freiherr v. Schlicht: Ein Adjutantenritt. (Verlag von Albert Langen. in München, 1905.) Etwas bleibt mir unerfindlich: Dieser Freiherr v. Schlicht soll also ein gefährlicher Mensch sein? Wirklich? Das kann ich nicht glauben. Das wollte man uns doch nur so vormachen. Ich meine, wer in und zwischen den Zeilen zu lesen weiß, der muß es doch bald heraushaben, daß Schlicht dem Militär immer und allerwege nur freundlich gegenübersteht. Nie anders. Auch in den „Erstklassigen Menschen” nicht. Die sind durchaus nicht so böse. Sie tun bloß 'mang. In Klammern zu setzen: Sind nur um vieles schlechter gemacht als die Humoresken. Wo ist denn da die staunenswert leichtfedernde Technik hingeraten? Wohl zum Teufel. Aber ansonsten: Sapperlot, alle Achtung! Technik hat er, der Herr Wolf Graf Baudissin! Wohl gemerkt: Technik! Aber nicht Routine. Hoffen wir und wünschen wir es: noch lange nicht. Im Verlage Albert Langen allein ist dieses siebente Buch Militärhumoresken. Und Schlicht schreibt bekanntermaßen nicht lediglich für den Simplizissimus und für Herrn Langen in München. In seiner Selbstbiographie hat Schlicht einmal recht rührend geklagt: „O, wenn der Tag doch wenigstens achtundvierzig Stunden hätte! Und ich wenigstens vier Hände!” So riesig hat er nämlich zu tun. Poverino! Ganz Sicheres. Auf Bestellung. Er hat's ja selbst gesagt . . . Doppelt köstlich, daß Schlicht sich seine Erzählfreudigkeit so ursprünglich bewahrt hat. Hundert andere wären bei ähnlich großen Erfolgen schon zehnmal hundeschnauzig kalt, snobhaft, unerträglich arrogant geworden. Freiherr v. Schlicht ist liebenswürdig wie am ersten Tag. Er ist ein Charmeur mit einem hellen Kopf und einem guten, dummen, treuen, deutschen Herzen. Das Plaudern macht ihm Vergnügen. Plaisier. Veritablement! Freilich war etliches seinerzeit eine böse Pille. Schmeckte wenigstens danach. Aber heute: Ich bitte, nach so und so viel Jahren! Da vergoldet Erinnerung so manches! Zwar: man ist auch heute zu irgendwelchem sacrificio del' intelletto durchaus nicht gewillt. Auch heute nicht, von sicherem Port aus. Da sei der alte Gott der Schlachten vor. Unterschiedliches, was einstmalen am Exerzierfeld und in Kasernengängen, im offenen Gelände und im kupierten Terrain passierte — blieb im Gehirn haften. Für immerwährende Zeiten. Selbst nach so und soviel Jahren kann man sich darüber noch ärgern, auch jetzt noch schimpft, witzelt, flucht, spöttelt man. Gott sei Dank! Also jedoch spricht der gesunde Menschenverstand: Gar wohlgefällig sind des ehrlichen Eiferers Worte. Und so ein ehrlicher Eiferer ist unser Freiherr v. Schlicht. Wie einem guten Hauspapa ist ihm, der justament immer seinen schlimmsten Buben — den er doch am meisten gern hat von allen — verhauen muß. Aber um nicht weiter in gefährlichen Bildern zu reden: Auch der jüngste Schlicht ist wieder sehr lesenswert; ist lustig, traurig, erheiternd, ergreifend, witzig, gemütvoll. Herz, was verlangst du noch mehr? Für zwei Mark broschiert und 3 Mark gebunden. — — — Eugen Schick.


„Österreichische Illustrierte Zeitung” vom 26.11.1905:

Freiherr v. Schlicht, „Ein Adjutantenritt”, Militärhumoresken. Umschlagzeichnung von E. Thöny. (Verlag von Albert Langen in München.) Es ist eigentlich überflüssig, einem neuen Bande Militärhumoresken vom Freiherrn von Schlicht noch erst groß eine Empfehlung auf den Weg mitzugeben. Die zahlreichen Freunde seiner früheren Werke wissen, daß gerade auf dem Gebiete der kurzen pointierten Geschichte die Hauptstärke des Verfassers liegt. Dieser neue Band vereinigt in sich gerade eine Anzahl der besten und lustigsten Sachen, die der Freiherr von Schlicht überhaupt geschrieben hat. Und dabei sind diese Humoresken in erfreulichem Gegensatze zu dem, was in Deutschland sonst an „Militärhumoresken” publiziert wird, in ihrer Art bei aller Lustigkeit doch literarisch durchaus ernst zu nehmende Werkchen.


„St.Petersburger Zeitung” Nr. 319 vom 15.(28.) 11.1901

„Exzellenz lassen bitten”. Militärhumoresken von Freiherr v.Schlicht . Verlag von Carl Reißner . Dresden und Leipzig. 1901.

Scharfer Spott und heitere Ironie und auf jeder Seite einige Witze, da kann's natürlich nicht fehlen, daß auch einige solche mit unterlaufen, von denen der Verfasser selbst sagt, daß der Witz nicht nur „bös”, sondern „grausam” war. Siehe pag. 8. Diese Witzelei erscheint jedoch mitunter ganz natürlich und am Platz. Der Schreiber scheint ganz verwachsen mit dem Soldatenleben und man fühlt sich bald vollkommen heimisch unter seinen Gestalten. Allen begegnen wir da, angefangen vom „Gaul mit Flöhen im Gehirn” oder um mit einer zweibeinigen Charge zu beginnen: dem „etwas dämlichen” Offiziersburschen, bis hinauf zum unfehlbaren Höchstkommandirenden, und jeder einzelne fesselt uns gleich und manch herzhaftes Lachen gilt sowohl dem Einen als dem Anderen und dem Dritten.

V.v.H.     

„Hamburger Fremdenblatt” vom 9.2.1901:

Excellenz lassen bitten. Militärhumoresken von Frhrn. v. Schlicht. Dresden, Carl Reißner.

Die Militärhumoreske hat durch den schnell bekannt und beliebt gewordenen Freiherrn v. Schlicht eine neue Belebung erfahren. Es war vor ihm Niemand da, der es verstanden hätte, so leicht und frei und amüsant und doch so treffend und wirklichkeitsgetreu zu erzählen. Die Materie ist unter seinen Händen gewachsen und hat neue Gestalten an das Licht gefördert.

Wenn man so einen Band voll Humoresken, wie diesen neuesten, der ein Dutzend enthält, durchsieht, sollte man glauben, die Lectüre würde schließlich etwas monoton. Allein, dies ist durchaus nicht der Fall. Die Phantasie, oder richtiger die Schöpferkraft, des Erzählers ist so reich, daß immer neue Figuren in immer neuen Situationen auftauchen. Wie ist dies möglich? Denn der Weg vom Gemeinen zum commandirenden General ist doch, was die dazwischen liegenden einzelnen Chargen betrifft, leicht durchmessen. Nun, hier aber steht das Geheimniß des großen Erfolges, den die Arbeiten des Freiherrn v. Schlicht mit Recht gefunden haben. Er zeichnet keine typischen Hauptleute und Leutnants und Generäle — nein, erzeichnet Menschen, er malt Charaktere, er schildert die einzelnben Individualitäten, die in dem Rocke des Königs einherschreiten. In jeder einzelnen Humoreske interessiren die Menschen immer wieder auf's Neue, denn der Unterofficier, der hier schnauzt, der Leutnant, der hier auf Liebesabenteuer ausgeht, und die alte Excellenz, die hier zur Inspection erscheint, Das sind nicht dieselben, die wir schon kennen, sondern ganz andere.

Und hinter allen Humoresken gemeinsam steht die große, bunte Welt des Militärlebens, die vom Verfasser zu immer neuen und fesselnden Mosaikbildern verwendet wird. Schlicht als Erzähler und Thöny als Illustrator — die Beiden müßten miteinander ein humoristisches Soldatenbuch machen können, wie noch keines da war. (Diese Anregung ist nicht patentirt und darf frei benutzt werden.)

Der vorliegende Band darf auf ein bedeutendes Publicum rechnen. Seine Novellen, die zum größten Theil ins allgemeine Leben hinüberspielen und häufig „das mit Recht so beliebte” Heiraten zum Gegenstande haben, sind ganz besonders reizvoll. Zu dieser Kategorie gehört „Der Urlaubsgaul”, eine famose Militär-, Turf- und Heiratsgeschichte, die einen in Laienkreisen ganz neuen Gegenstand behandelt. Auch die Novelletten: „Der Fourierofficier” und „Der Manövergast” seien unseren süßen Damen angelegentlichst empfohlen. In der Skizze „Das Pferd”, den reizenden Humoresken: „Die musikalische Excellenz” und „Der Divisionskleber” zeigt sich unser Autor als lachender Philosoph, der er ja, im Grunde genommen, in allen seinen Schriften ist.


Simplicissimus 10. Jahrgg. Nr. 7

Freiherr von Schlicht: Der Dichterleutnant und andere Militärhumoresken
Umschlagzeichnung von E. Thöny
Verlag von Albert Langen, München

Mit vortrefflichen Humor, wie immer, schildert der Freiherr von Schlicht auch in diesem Buche wieder das Militärleben und bewährt sich dabei nicht nur als Humorist, sondern auch als trefflicher Beobachter, der nie um eines Witzes willen der Wahrheit Gewalt antut, sondern die Komik herauszuholen versteht, die in den Menschen und Dingen liegt. Und das tut er mit einer Liebenswürdigkeit, selbst wo er an Missstände des militärischen Lebens rührt, dass ihm der begeistertste Verteidiger unsrer militärischen Institutionen wegen dieser Humoresken nicht wird zürnen können, wenn er nicht selber ein ganz humorloser Mensch ist. - Und dennoch wohnt diesen Sachen ein gewisser kulturhistorischer Wert für die Zukunft inne, weil hier der deutsche Offizier von heute in tausend kleinen Einzelzügen von einem intimen Kenner des Standes und seiner Verhältnisse geschildert ist. - Dass das Büchlein nebenbei eine höchst amüsante, lustige Lektüre bildet, versteht sich beim Freiherrn von Schlicht von selbst.


Simplicissimus 10. Jahrgg.
Der Dichterleutnant und andere Militärhumoresken von Freiherrn von Schlicht
Verlag von Albert Langen, München

New Yorker Staatszeitung: . . . Kurz, wir halten die Lektüre der Schlichtschen Militärhumoresken für ein unfehlbares Mittel gegen die Hypochondrie und ähnliche unangenehme Dinge und glauben, uns den Dank von allen an Seelenverstimmungen usw. Leidenden, sowie allen Liebhabern lustiger Lektüre - und wer wäre dies nicht? - zu verdienen, wenn wir sie darauf aufmerksam machen, dass ein Teil der besagten, so stark auf die Lachmuskeln wirkenden kleinen Geschichtchen jetzt auch in Buchform in dem oben genannten Verlag erscheinen werden . . .


„Die schöne Literatur”, Beilage zum Literarischen Zentralblatt vom 7.Okt. 1905:

Der Militärschriftsteller Frhr. v. Schlicht steht im „Dichterleutnant” auf vertrautem, altgewohnten Boden. Man kennt seine Art. Er erzählt flott, frisch und knapp. Die Situation ist mit wenigen einfachen Linien gegeben, die Figuren sitzen scharf umrissen im Bilde und alles geht schnurgerade auf die satirische Pointe los. Wie jeder Zeichner verfällt er oft bei der Charakterisierung in eine gewisse Manier des Sehens, er sieht einseitig und stets von einem Standplatze aus, er wechselt nicht den Beobachtungsposten, abr er ist und bleibt dabei ein brillanter Erzähler.


Simplicissimus 5.Jahrgg.
Freiherr von Schlicht: Alarm
Militärhumoresken
Umschlag-Zeichnung von E. Thöny
Verlag von Albert Langen, München

Militärhumoresken sind von jeher eine Lieblingslektüre des deutschen Publikums. Leider wird hierin oft das schlechteste Zeug geboten. Entweder mangelt den Autoren die Kenntnis des Militärs oder die Fähigkeit, dichterisch zu gestalten und deutsch zu schreiben. Der schnell bekannt gewordene Freiherr von Schlicht ist einer der seltenen Militärschriftsteller, die beide Gaben in hervorragendem Masse besitzen. Dabei hat er ein Herz fürs Militär und ist doch nicht blind für die kleinen Schwächen, die den Herren im zweifarbigen Tuch anhaften. So erhebt sich seine gemütlich humoristische Schilderung oft zur gerechten, aber nicht verletzenden Satire. Darum wird sein neues Buch „Alarm” innerhalb und ausserhalb der geschilderten Kreise mit Freude aufgenommen und mit herzlichem Vergnügen gelesen werden.


Simplicissimus 5.Jahrgg.
Anzeige des Verlags von Albert Langen:
Der Parademarsch und andere Militär-Humoresken von
Freiherrn v. Schlicht. Illustriert von Eduard Thöny.
Preis geheftet Mk. 3,50 Elegant gebunden Mk. 4,50

Berliner Börsenzeitung : Der bekannte Militärschriftsteller Freiherr von Schlicht giebt in diesem Bande wieder eine Auswahl glänzender Militärhumoresken. Seine intime Sachkenntnis, seine grosse Vertrautheit mit dem Soldatenleben und seinen Freuden und Leiden verbinden sich mit einem ungemein scharfen Blick für das Komische und einem herzgewinnenden Humor. Während so die Realistik seiner Schilderung diese kleinen Studien oft aus dem Gebiet der Humoreske in das der wertvollen satirischen Sittenstudie erhebt, ist der Autor andererseits nie verletzend und zu bitter, so daß wohl gerade die Offizierskreise, die er mit sicherer Feder schildert, sich selbst am meisten an diesen kleinen Bosheiten und Pikanterien ergötzen werden. Der Illustrator des Buches, Eduard Thöny, ist durch seine Karikaturen aus dem Militärleben hinreichend bekannt geworden als einzig dastehender Meister auf diesem Gebiet.


„Das literarische Echo” 1905/1906, S.1075
(Besprechung der beiden Sammelbände „Alarm” und „Der Parademarsch” von Sigmar Mehring)

Ein beliebtes Mittel der kleineren Talente in der humoristischen Litteratur ist es, den Vertreter irgend einer Berufsart in den Mittelpunkt der Erzählung zu stellen und dem Helden alle Schwächen und lächerlichen Eigenheiten seines Standes aufzuhalsen, unbekümmert um die psychologische Wahrheit dieser Darstellungsweise. Seit Heine „die lieben Leutnants” verspottet hat, bilden die Leutnants den Hauptbestandteil jenes Materials, aus dem die Humoristen ihre Gestalten formen. Man geht drum immer mit einigem Vorurteil an die Lektüre eines Buches, das uns „Militär-Humoresken” bietet. Freiherr v.Schlicht hat (im Verlage von Albert Langen, München) zwei Sammlungen veröffentlicht, die nach den ersten ihrer Humoresken „Alarm” und „Der Parademarsch” betitelt sind. Junge Damen, die keinen Verkehr mit Offizieren haben und natürlich nichts sehnlicher begehren, als endlich einen Herrn Leutnant kennen zu lernen, werden durch Freiherrn v.Schlicht, wenigstens par distance der Leihbibliothek, eine Reihe schneidiger Offiziere bis hinauf zum Hauptmann kennen und lieben lernen. Der Verfasser schildert in flüssigem Deutsch nicht ganz unbekannte Vorgänge aus dem Offiziersleben, manchmal mit einem Anflug humoristischer Laune. Er beschränkt sich nicht etwa auf die Darstellung junger Leutnants, er zieht alle Chargen der militärischen Rangordnung in den Kreis seiner Erzählungen, nur teilt er mit kluger Berechnung weiblicher Seelenregungen seine Helden in unsympathische: vom Major aufwärts, und in angenehme Schwerenöter: Unter- und Oberleutnants, zu denen sich allenfalls noch der Hauptmann gesellt, - sofern er unverheiratet ist. Die Grenze wird scharf innegehalten: er hänselt den Major, der keinen Alarm zustande bringen kann, er reibt sich an des Generals Excellenz, die beim Parademarsch nie zufrieden gestellt werden kann, und er streicht den jungen Herrn Leutnant heraus, der als „Pump-Offizier” das Rendez-vous (nicht das militärische!) versäumt. Manches ist recht lustig erzählt, so „der Konzert-Ulan” in dem Buche „Alarm”. Aber das Schönste an dem Buche „Der Parademarsch” sind doch die Illustrationen von Thöny, dessen nur leicht karikierende Soldatenbilder weit charakteristischere Gestalten liefern, als Freiherr v.Schlicht sie zu umschreiben vermochte.


„Das literarische Echo” 1905/1906, S.1733
(Besprechung des Romans „ Oberleutnant Kramer ”)

Das dritte der mir vorliegenden Bücher ist das neueste Fabrikat des Vielschreibers Grafen Baudissin „ Oberleutnant Kramer”. Wer sich von der Talentlosigkeit und der Banalität dieses Autors noch nicht überzeugt hat, der kann das an der Hand dieses langweiligsten aller Militärromane reichlich tun. Ich weiß nicht, in welchem Regiment Baudissin die Vorstudien zu seinem Buche gemacht hat, - es muß dort unglaublich roh und „kommissig” zugegangen sein. Meiner Überzeugung nach gibt es im ganzen heutigen Deutschland, selbst im wüstesten Osten und Westen, kein Regiment, dessen Offiziere sich gegenseitig so wenig gentlemanlike behandelten. Kein einziger der im „Oberleutnant Kramer” gezeichneten Herren benimmt sich auch nur einigermaßen korrekt: weder der charakterschwache Major gegen Kramer, noch der Musterknabe Kramer gegen den strafversetzten Gardisten, noch dieser gegen die beiden Genannten. Ebenso unmöglich ist der Gang der Romanhandlung. Weiß der Verfasser wirklich nicht, daß eine im Dienst gefallene Beleidigung (wie es hier der Fall ist) zunächst vor ein Kriegsgericht kommen muß? Weiß er nicht, daß ein aktiver Offiziere einen anderen überhaupt nicht fordern kann, ehe der Ehrenrat darüber entscheidet, ob ein Zweikampf nötig ist? Weiß er nicht, daß vor dem Ehrengericht ein Frage- und Antwortspiel, wie er es berichtet, unmöglich ist, daß der Angeschuldigte nur das Recht zu einer zusammenhängenden förmlichen Verteidigungsrede hat, daß aber Verhöre mit dem Aktenschluß der Voruntersuchung durch den Ehrenrat abgetan sind? Man sieht, die Fabel dieses Romans wimmelt von falschen Voraussetzungen und von Unkenntnis der Standessitten.

„Oberleutnant Kramer” behandelt die Duellfrage, also ein aktuelles Thema, über das bekanntlich im letzten Jahrzehnt - dank dem bei uns so bedrohlich überhand nehmenden Muckertume - viel geredet und viel geschrieben worden ist, ohne daß freilich alle die Eiferer gegen die mit der deutschen Kultur engverwachsene, schier unausrottbare Sitte des ritterlichen Zweikampfes auch nur um eines Haares breite Terrain gewonnen hätten. Auch Baudissin trägt zur Lösung dieser Frage absolut nichts Positives bei. Häufig verbirgt sich hinter der unfruchtbaren Nörgelei an der in der Armee nun einmal traditionellen Sitte oder Unsitte des Zweikampfes allerlei Feindschaft gegen die Armee überhaupt. Daß Baudissin einer dieser Feinde ist, haben seine giftdurchtränkten „Erstklassigen Menschen” zur Genüge bewiesen. Allerdings ist er seit der Lektion, die man ihm daraufhin erteilt hat, merkwürdig zahm geworden; im „Oberleutnant Kramer” trägt er mächtige Scheuklappen. Das vermehrt den unwahren Eindruck, den der Roman an sich schon erregt: man kann sich der Empfindung nicht erwehren: „Oberleutnant Kramer” ist nicht aus innerem Drange heraus geboren, in Baudissins pathetischer Entrüstung gegen den Zweikampf lodert kein heiliges Feuer.

Dabei scheut sich der flüchtig arbeitende Autor nicht mit seinem Helden psychologisch recht grob herumzuspringen. In den ersten Dreivierteln des Buches schildert er Kramer zweifellos als geistig nur mittelmäßig begabt, als „Soldaten mit Leib und Seele”, der sich nur um seinen Dienst kümmert. Von literarischen Neigungen hören wir nicht das Geringste. Gegen Ende des Buches aber ist Kramer unglaublich orientiert über die Geschichte des Duells, ja er jongliert geradezu mit Reminiszenzen an Schopenhauer, Egidy, Sudermann und sogar an Philosophen des grauen Altertums. Er, der angebliche Held, der in Afrika tagtäglich Gefahren bestanden, ist dort nicht, wie es den meisten Tropenkämpfern ergeht, gleichgültig gegen Leben und Tod geworden, sondern seltsam besorgt um sein bißchen Dasein und gefällt sich in unfruchtbaren Theorien.


Verlagsanzeige in „Zu dumm!”:
Freiherr von Schlicht
Der nervöse Leutnant
und andere Militärhumoresken

Breslauer Morgenzeitung : Freiherr von Schlicht versteht es, uns den Menschen, der hinter dem bunten Rocke steckt, zu offenbaren. Die Seelengymnastik, die der „dämliche Rekrute”, der „Unter”, der „Ober”, überhaupt der Offizier bis hinauf zu Sr. Exzellenz dem General in gewissen verzwickten Situationen treibt, das versteht er zu schildern. Und Humor hat er, der Herr v.Schlicht. Mitunter sogar ganz köstlichen. Den „Nervösen Leutnant” braucht man nicht gerade im Eisenbahncoupé zu lesen; man kann ihn auch sehr wohl zu Hause, wenn melancholische Regentropfen an die Scheiben klatschen, hervorholen, und man wird sich gut unterhalten.


Verlagsanzeige in „Zu dumm!”:
Freiherr von Schlicht
Der Parademarsch
und andere Militärhumoresken

Über Land und Meer : Ein eignes Feld hat sich in der modernen Literatur der Autor erobert, der unter dem Pseudonym Freiherr von Schlicht schreibt, in Wirklichkeit aber, wie die Kundigen wissen, nicht die siebenzackige Wappenkrone führt, sondern die stolzere mit neun Zacken . . . Wenn nun seiner neuesten Sammlung frischer Skizzen, welche nach dem ersten Histörchen die gemeinsame Benennung „Der Parademarsch” trägt, der Nebentitel „Militärhumoresken” beigefügt ist, so trifft diese Bezeichnung nicht ganz zu. Nicht als ob wir dem Verfasser den Humor abstreiten wollten, im Gegenteil, er besitzt von dieser Gottesgabe ein üppiges Quantum, aber ein Teil der Geschichten geht doch über den normalen Scherz hinaus und streift an die Satire. Daß man uns nicht mißverstehe! Freiherr von Schlicht ist, wie man deutlich merkt, ein warmer Freund des Volkes in Waffen, aber seine Liebe zum Soldatenstande macht ihn nicht gegen die Schwächen und Fehler blind, und gegen solche, die er bemerkt zu haben glaubt, richten sich die Pfeile seines Witzes. So erheben sich seine Schilderungen weit über die seichten Militärhumoresken alten Schlages. Dem Buche (München, Albert Langen) ist eine Reihe flotter Abbildungen von E. Thöny beigegeben.


Verlagsanzeige in „Zu dumm!”:
Freiherr von Schlicht
Mobil
Roman

Hamburger Fremdenblatt :... Einen besonderen Reiz gewinnt der Roman durch die bekannten sarkastischen Streiflichter des Verfassers auf den gesellschaftlichen Verkehr der Offiziere untereinander und die inneren militärischen Dienstangelegenheiten. Wer sich ein paar Stunden recht angenehm unterhalten will, dem kann ich die Lektüre des Romans aufs wärmste empfehlen.


Verlagsanzeige in „Der Parademarsch”:
Freiherr von Schlicht
Der nervöse Leutnant
und andere Militärhumoresken

Berliner Neueste Nachrichten : Es ist ein kerniger, waschechter Humor, über den von Schlicht gebietet, und seine Hand ist meist so glücklich, die originellsten Stichproben aus dem Leben und Weben der Marsjünger hervorzuholen.


„Das literarische Echo” 1898/99, S.1361
(Besprechung des Sammelbandes „Armeetypen”)

Armeetypen. Humoresken von Freiherrn von Schlicht.
Berlin, Verlag der Bücherfreunde (Alfred Schall). 1899. Preis M. 3.--
„Entschieden amüsant!” Mit diesem oder einem ähnlichen Urteil werden gewiß die meisten Leser die Lektüre des anregenden und in seinem Inhalte wechselreichen Buches abschließen. Eine Reihe von Bildern aus dem Leben des deutschen Offiziers hat ihnen Einblicke in die Interna des Dienstes, in die Kaserne, in das Offizierskasino gestattet und eine Anzahl von - nun eben, von auffälligen Typen aus dem Offiziercorps vorgeführt, wie sie wohl überall vorkommen, vielleicht niemals aber drastischer und lebhafter geschildert und mit Recht gegeißelt oder verspottet wurden. Allen den „Angstmeiern”, „Drückebergern”, „Strebern” u.s.w. gönnt der Leser die gründliche Abfertigung und Verspottung von Herzen. Aber - ja es kann dies „aber” dem Verfasser nicht vorenthalten bleiben - „sind denn solche Typen, wie sie hier im Sinne des Humors und im karikierenden Vergrößerungsspiegel gezeigt werden, nicht nur Ausnahmen?” denkt er unwillkürlich, nachdem er Seite 234 beendet und das Buch zugeklappt hat. Sieht es denn wirklich so in unserem vielgerühmten deutschen Offizierkorps aus, wie das aus diesen „Armeetypen” hervorgeht? Freilich - der Humor verlangt und bedingt gewisse Übertreibungen, aber wer die flott geschriebenen zwölf Skizzen mit kritischen Augen liest, der kann sich der Thatsache nicht verschließen, daß der scheinbar harmlose Humor doch die Gefahr in sich birgt, bei einem Teile der Leser, besonders aber bei den Nichtsoldaten, völlig falsche Anschauungen hervorzurufen.

Kein Stand wird ja von „Humoristen” jedes Schlages so ausgiebig „bearbeitet”, wie gerade der Offizierstand, und nicht selten - nein, meistens - zeugen solche Arbeiten von der völligen Unvertrautheit der Autoren mit der Thätigkeit und der Lebensanschauungs-, ja der Ausdrucksweise des Offiziers. Hier ists einmal anders - der Verfasser der „Armeetypen” ist offenbar selbst Offizier gewesen. Umsomehr muß man bedauern, daß seine Typen eben nur Auswüchse zeigen - nirgends auch gesunde Gliedmaßen. Das ist schade, denn die Humoresken würden gewinnen, wenn sie nicht das Ganze des Offizierkorps angriffen, sondern nur die Auswüchse. Werfen wir einen Blick in das erste Kapitel „Der Pänrich”! Ja, das muß doch ein wunderliches Offizierkorps sein, in dessen Kasino derartige Studien gemacht werden können. Aber das „Verwünscht sei der Tag, an dem ich zum ersten Male den bunten Rock anzog”, klingt überall durch, in der typischen Abneigung aller Leutnants gegen allen Dienst, in dem Grauen vor dem Offizierkasino u.s.w. Der Schreiber dieser Zeilen hat in 38 Dienstjahren vielen Offizierkasinos angehört, hat aber niemals ein solches kennen gelernt, wie es im „Pänrich” oder Seite 185 geschildert wird - und ein solcher Abscheu vor aller Berufsthätigkeit, wie ihn die „Armeetypen” allen Leutnants imputieren, existiert doch nur in der Phantasie. Gott sei Dank, die Mehrzahl preußischer Offiziere - auch der jüngeren, - ist sich ihrer Berufszwecke und ihrer ernsten Ziele bewußt. Wenn auch gelegentlich der Leutnant schimpft - er kann darum doch Freude an seiner Thätigkeit im Dienste haben - auch ohne sie im Sinne der „Diensthuber” aufzufassen. Auch ein paar nebensächliche Bemerkungen seien gestattet. Die Anrede „Herr Premier” ist doch nirgends in der Armee üblich gewesen, sie wurde höchstens in scherzender Form angewandt. Der Katzentisch auf Seite 138 ist auch wohl nur als eine humoristische Zugabe zu betrachten, ebenso wie die Scene auf Seite 134, denn einem preußischen Hauptmann, der seine Frau Flickarbeiten der Compagnie besorgen läßt - das giebts doch noch nicht! Und noch eins: Es werden mehrfach die minimalen Gehaltsbezüge der jungen Offiziere hervorgehoben. Ja - wenn die jungen Herren im allgemeinen so dienstunfreudig, so unlustig und so wenig sich ihres ehrenvollen Berufes bewußt in der That waren, wie sie im allgemeinen in den „Armeetypen” hingestellt werden - nun, dann verdienten sie überhaupt kein Gehalt. Unlustige und unzufriedene Element bleiben am besten dem Offizierberufe überhaupt fern, denn sie werden einmal für sich selbst wenig leisten und - manchmal auch noch anderen durch zersetzende Kritik die Freudigkeit am Schaffen nehmen.

Im übrigen, - über ein Buch, das wertlos ist, schreibt man hier keine langen Besprechungen. Darin mag der talentvolle Autor die beste Anerkennung seiner humoristischen Erzählergabe finden, gegen deren Verwendung einige wohlgemeinte Bedenken nicht unterdrückt werden durften.

Berlin, Hans Nagel von Brawe.

„Das literarische Echo” 1900/01, S.505
(Besprechung des Bandes „Das goldene Buch der Sitte”)

.... Diesem ersten Bande sind zwei neue, in gleicher Ausstattung und Einrichtung gefolgt. „Das goldene Buch der Kunst”, das unter Mitwirkung zahleicher Autoritäten, wie Bode, Hermann Grimm, Lessing u.a. entstanden ist, und „Das goldene Buch der Sitte”, das das gräfliche Schriftstellerehepaar Wolf (Frhr.v.Schlicht) und Eva v.Baudissin zu Verfassern hat. Beide Bücher - stämmige, aber handliche Oktavbände in goldfarbenem Einband - nennen sich im Untertitel „Eine Hauskunde für jedermann” und dürfen mit Recht diese Bezeichnung tragen. Zumal das umfangreichere Buch über die Kunst enthält in wohlgebändigter Form eine Überfülle an Wissensstoff und Illustrationsgaben über alle Zweige der bildenden Kunst und des Kunstgewerbes. Die Anordnung besteht hier in zahlreichen kleinen Monographieen über die einzelnen Gebiete, deren jede ein Fachmann verfaßt hat, so Hermann Grimm den über „Sezession”, Prof. Luthmer-Frankfurt den über angewandte Künste, Geh.Rat v.Seidlitz-Dresden den über die bildende Kunst im 19. Jahrhundert. Von besonderem dokumentarischem Wert ist das Künstler-Lexikon und die mit zahlreichen Bildern versehene, biographische Rubrik „Künstler der Gegenwart”. - Was das „Goldene Buch der Sitte” will, deuten besser als sein allgemeiner Titel die einzelnen Abschnitte an. Das Haus und seine Bewohner; Unsere Geselligkeit; Unsere Korrespondenz; Außerhalb des Hauses (Besuche, Theater u.s.w.); Feste und Familienereignisse; der Redner; Auf Reisen; Unsere Kinder; Ehrenhändel u.dgl.m. Das Buch ist flott und mit vielfältiger Sachkenntnis geschrieben und wird gesellschaftlich unsicheren Menschenkindern ein verläßlicher Ratgeber sein. Jeder der beiden Bände kostet 6 Mk.


Verlagsanzeige in „Der Manöverheld”:
Von demselben Verfasser erschien in gleichem Verlage:
Der Gardegraf
Humoristisch-militärischer Roman
10.Auflage
Mit flotter Umschlagzeichnung von Ernst Heilemann
Geh. M 4,--       Geb. M 5.--
Der 25. Roman, ein Jubiläumsband aus der kecken Feder des beliebten Erzählers.

Mit kleinen flotten Humoresken begann Freiherr v.Schlicht einst seine literarische Laufbahn, aber bald wuchs er zu behaglicher Breite an und nun schenkt er dem deutschen Lesepublikum Jahr um Jahr seinen großen, von frischer Lebensbeobachtung erfüllten und mit lachender Satire durchtränkten Roman. Er ist auch in diesem neuen Roman dem militärischen Milieu, wie dem Humor treugeblieben und er tut recht daran - man schildert immer das am besten, was man am genauesten kennt - und in einer Zeit, wo die Literatur so vielfach schemenhaft Verzerrtes, Krankhaftes, affektiert Besonderes auf den Markt bringt, gibt es eine ganze Menge von Lesern, die förmlich erleichtert aufatmen, wenn solch ein zwanglos frohes, natürliches, von jeder Verschrobenheit verschontes Buch in ihre Hände fällt und ihnen eine heitere Stunde schenkt. „Der Gardegraf” ist ein Jubiläumsbuch im guten Sinn. Nicht nur der 25. Band an sich, sondern ein hübscher Beweis, daß sich des beliebten Erzählers Gestaltungsgabe in diesem Viertelhundert nicht erschöpft hat und die anmutigen Genien seines Könnens ihm treu geblieben sind. Dieser Graf von Mensberg, der sich durchaus nicht verheiraten will und an kleinen Liebesgefahren vorbei dennoch glücklich in den Ehehafen einläuft, ist in seinem vornehmen Freimut, seinem völligen Mangel an Hochmut, seiner gewinnenden Wesenheit ein überaus sympathischer Typus der deutschen Armee. Sehr ergötzlich sind neben ihm der übereifrige Baron Falkenried und seine reizende Frau Mela geschildert, die ihren Mann, den Bücherwurm und Streber, noch immer liebt und mit koketten Tricks zur Rückkehr in die Honigwochen bekehren möchte, in welchem Spiel sie Mensberg zum halben Vertrauten hat. Auch die natürliche Beatrice, Mensbergs spätere Braut, die in ihn verliebte drollige Menageköchin, die ihm alle Lieblingsspeisen bereitet, sowie andere gutgeschaute Gestalten sind lustig gezeichnet und zu frischer Wirkung vereint. So wird auch dies neueste Buch Schlichts von seiner großen Lesergemeinde mit herzlicher Freude aufgenommen werden.

Wiener Mitteilungen

„Das Kleine Journal” Nr. 293 vom 24.Oktober 1898:

Die Regiments-Walküren. Erzählung aus Offizierskreisen von Frhrn.v.Schlicht (Berlin, Freund u. Jeckel).
Aus der großen Armee der Soldatengeschichten-Erzähler ist der Autor hervorgetreten und steht nun in der Front als einer der beliebtesten und, wie wir gleich hinzufügen wollen, tapfersten, der, wenn die Literatur ein eisernes Kreuz zu vergeben hätte, längst im Besitze desselben wäre. Namentlich verdiente er sich solche Auszeichnung durch das vorliegende Buch. Wir haben Schlicht bisher nur als geistreich und amüsant erzählenden Feuilletonisten gekannt und geschätzt, und den Lesern des „Kleinen Journals” zu dessen Feuilletonisten er gehört, ist er stets willkommen gewesen. Wir und sie haben aber natürlich gewünscht, ihn einmal in einer größeren Erzählung kennen zu lernen, und nun gab er uns hierzu Gelegenheit. Die Regiments-Walküren sind der Titel eines großen Ganzen, in welchem Schlicht sein schönes Talent aufwendet, uns in die Offizierskreise blicken zu lassen, sie uns zu zeigen, wie sie sind. Die Männer und Frauen stehen mit Meisterschaft nach der Natur gezeichnet vor uns, wir lernen sie in der Art kennen, wie sie ihre Sorgen tragen, ihre Liebenswürdigkeit und Bosheit zeigen und wie es in ihrem Herzen und in ihrer Kameraderie aussieht, sehen sie, wie sie in ihrer kleinen Garnisonstadt ihre Intriguen spinnen und sich mit ihren guten Seiten sympathisch machen. Der dazwischen sich abwickelnde Roman ist mit erwärmendem Humor erzählt, wie wir ihn an Schlicht so oft mit großem Vergnügen hervorgehoben haben als einen Vorzug, den nur wenige Erzähler mit ihm theilen. Wir können sein Buch allen Freunden einer ungemein erheiternden und in ihrem Ernst tüchtigen Erzählung bestens empfehlen.
J.ST.


„Das Kleine Journal” vom 3.Juli 1901:

„Exzellenz Seyffert”. Im Verlage von Heinrich Minden, Dresden und Leipzig, erscheint demnächst ein neuer humoristischer Roman aus dem Militärleben von Freiherrn von Schlicht, betitelt: Exzellent Seyffert. (Preis 4 Mk.) Freiherr von Schlicht hat sich in kürzester Zeit durch seine Militärhumoresken einen ebenso bekannten wie geachteten Namen gemacht. Seine ersten Bücher erregten die Aufmerksamkeit Sr. Majestät des Kaisers und – wurden in Rußland verboten, da sie geeignet schienen, die Subordination und Disziplin des Heeres zu untergraben. Der neue Roman Exzellenz Seyffert schildert ebenso lustig wie spannend das Winterleben in einer kleinen deutschen Garnison.
J.ST.


„Berliner Tageblatt” vom 9. März 1896:

Neue Bücher.
Von Ferdinand Runkel.

Freiherr von Schlicht plaudert uns die Geheimnisse seines Regiments aus – Militaria, heitere Soldatengeschichten, Leipzig, bei Ph. Reclam – Manöverleid und Burschenelend, das sind die beiden Hauptelemente dieser Offiziersgeschichten, die durchweg einen frischen individuellen Hauch haben. Mit leichtlebigem Humor und bescheidener Selbstgenügsamkeit, mit Liebe zu dem Beruf, über den der Offizier nicht hinausstrebt, hat sich Schlicht eine kleine Welt geschaffen, in der er jeden Fußbreit Landes kennt.


„Berliner Tageblatt” vom 28. April 1906, 1.Beiblatt, Literarische Rundschau:

Aus dem Leben zweier Heere von Oberst a.D. Gädke.

Freiherr v. Schlicht: Oberleutnant Kramer. Roman. Verlag von Heinrich Minden, Dresden und Leipzig.

Noch immer zittert leise die Erregung nach, die durch die Duelldebatten im Reichstage hervorgerufen wurden – vielleicht gerade darum, weil sie so ergebnislos geblieben sind, weil es die allgemeine Überzeugung ist, daß gesunde Vernunft und reifes Ehrgefühl auf diesem Gebiete noch lange nicht den Sieg über die Mächte der Finsternis, über anmaßendes Standesgefühl und mittelalterliche Roheit davontragen werden. Die herrschenden Stände und die Militärbehörde hatten sich mit ihrer ersten trotzigen Erklärung zum Falle Feldhaus denn doch zu weit hervorgewagt, die öffentliche Meinung und besonders das Zentrum, für das es sich hierbei um eine religiöse Überzeugung handelt, zu dreist herausgefordert. So benutzte man denn die Gelegenheit, die von den Zentrumsabgeordneten geboten wurde, um formell einen Schritt zurückzuweichen. „Das Ziel bleibt die gänzliche Abschaffung des Duells” mußte der Kriegsminister verkünden. Inzwischen aber denkt niemand daran, dem Rechtsanwalt Feldhaus die schnöde bezweifelte Ehre wieder herzustellen, obwohl er nur das gleiche mannhaft getan, was der Kriegsminister in seiner zweiten Erklärung als schönes Ziel, als gaukelnde Fata Morganader geduldigen deutschen Welt vorgezaubert hat.

In solcher Zeit tut es not, daß die mannhaften Männer dieses Landes sich zusammentun, um immer von neuem für ihre sittliche Überzeugung von der Verwerflichkeit des Duellzwanges einzutreten. Das tut Freiherr v. Schlicht in seinem Roman „Oberleutnant Kramer”. Mit außerordentlichem Geschick baut der Verfasser die spannende Handlung auf, die mit unaufhaltsamer Notwendigkeit zur Schlußkatastrophe führt: Verweigerung des Duells, schlichter Abschied. Absichtlich hat der Verfasser die beiden schlimmsten Fälle zugleich herausgegriffen: Verletzung des Gattenehre und Vorwurf der Feigheit.

Mit wuchtigen, vom tiefsten Pathos getragenen Worten verteidigt der Held des Stückes, ein vor dem Feinde verwundeter und dekorierter Offizier, seine Überzeugung, daß ein unreifer, junger Mensch durch den Vorwurf der Feigheit, den er in zänkischer und rechthaberischer Laune ohne jede materielle Unterlage ihm in das Gesicht schleudert – noch dazu während des Dienstes – nur sich selbst, aber nicht den Beleidigten entehren könne: „Unsere Ehre steht und fällt lediglich mit unserem eigenen Tun und ist unabhängig von dem Urteil der anderen.”

Der Verfasser hat als Dichter ein gutes Recht, Optimist zu sein und an die Erfüllung seiner Ideale zu glauben; er sieht bereits den Tag kommen, wo die Mehrzahl der Offiziere offen und frei ihrer Meinung von der sittlichen Verwerflichkeit des Duellzwanges Ausdruck geben werden. Ich fürchte, dieser Tag von Damaskus ist noch fern; kein deutscher Offizier kann doch wagen, sich offen zu seiner persönlichen Ansicht zu bekennen, weil man ihm selber dann sofort an den Kragen geht und ihn schimpflich aus dem Dienst jagt. Der Duellzwang hängt ab von dem Willen der Stände, die in Preußen das Heft in Händen haben, und die wollen ihn aufrechterhalten, weil er ein Stück ihres Regierungssystems, ein Stück ihres Herrenbewußtseins ist. „Es sind nicht die schlechtesten Männer, die am Duell festhalten!” rief einer dieser Männer im stolzen Gefühl seines „Besserseins” im Reichstage aus. Als ob es sich darum handelte! Ich stehe dieser Auffassung noch nahe genug, um zu begreifen, daß der einzelne unter Umständen zu diesem durch die Sitte geheiligten Mittel in heißem Rachedurste greift. Das Unsittliche beginnt da, wo in offener Verhöhnung der Gesetze der schimpflichste Zwang auf andere ausgeübt wird, sich ihrerseits dieser Sitte zu fügen.

Der Roman des Freiherrn v. Schlicht ist eine Tat, um so wertvoller, als er auch gut geschrieben ist und eine fesselnde Lektüre bildet. Ich möchte noch besonders hervorheben, daß trotz der entschiedenen Stellungnahme des Verfassers auf das deutsche Heer und sein Offizierkorps auch nicht der leiseste Flecken fällt.


„New York Times” vom 2. Mai 1903:

Brief Notes of New Publications in German and French.

In „Viel Umworben” Freiherr von Schlicht has blended love, humor, and common sense — surely an uncommon and attractive mixture. (It must be the humor which makes the blending possible.) The result is a very readable novel and one which it is a pleasure to recommend to those who want a story which is a story, not a veiled sermon on the virtue of being strenuous or the vice of being degenerate. „Viel Umworben” gives a lifelike picture of certain layers of German society, leaving out largely the bumptiousness of Prussian officialism. The bourgeois and the officer, the high well-born spendthrift and the economical merchant who provides for him, the wealthy and the poor who are supposed to be wealthy, all figure in its pages. But nowhere does the dread tragic of life thrust out its cloven hoof, and no morals are pointed. The undercurrent of Teuton humor will appeal readily to those who know German life as it is. The characters are such as those we have met in the flesh, and we are glad to meet them again. The most interesting of them all is the heroine, and she is the one whom we don't care to meet again. She is a bewitching girl, one of a common Kind — a very common kind. She has the faculty of making men who are apparently sensible lose their hearts over her and still more frequently their heads. In most matters she appears to be a responsible moral agent, but not where men are concerned. She does not seem capable of realizing that she has no right to ensnare men to fall in love with her just for the sport. She is like a boy torturing flies. When a foolish and impolite man ventures to suggest that she had no right to bring him to her feet and then kick him away she grows so grandly indignant that it is almost laughable and is perfectly natural. When a man gets sarcastic she thinks he is a cruel brute. She suffers a little, but not very much — not nearly enough — for she is not the stuff martyrs are made of. In the end she comes within an ace of losing the man to whom she is engaged and who has no idea of the way in which she has carried on until she gives herself away. (The reader, if a man, will wish that she had lost him. But such things don't happen in books and all too rarely in real life.) At first he swears that he will have nothing more to do with her, and at the time he really means it. But, being a man, he is weak and allows himself to be talked round by his father-in-law-to-be. There is a good deal of very nice lovemaking in the book. American girls who are thinking of invading the Fatherland to conquer some of the Kaiser's officers could with great advantage commit to memory a number of the love passages. Some of them would sound very well, too, if done into English, although it would be foolish to suggest that the American girl needs any assistance in her own tongue. (Brentano's.)


„Hamburger Fremdenblatt” vom 4.Okt. 1896:

Humoresken. Von Freiherrn v. Schlicht. Berlin, 1896. Verlag von Freund & Jeckel.

Mit diesem Buche führt sich ein neues Talent in die größere Oeffentlichkeit ein, nachdem es bereits in Tagesblättern und Wochenschriften durch feuilletonistische Beiträge und Erzählungen sich einen Namen gemacht hat. Freiherr v. Schlicht ist ein Pseudonym, hinter demselben birgt sich der jugendliche Sprosse eines alten Adelsgeschlechts, welches bereits seit vielen Jahrzehnten in der deutschen Literaturgeschichte rühmlichst bekannt ist. Das Pseudonym „Schlicht” zeugt von der Bescheidenheit des Autors, es gibt aber auch nach anderer Seite hin zu denken: der Humor und die Erzählungsgabe des Verfassers könnte man schlicht nennen, wenn man diesem Worte die edelste Bedeutung: ursprüngliche Einfachheit, beilegt. Wer diese Humoresken durchblättert, wird zunächst von der einschmeichelnden Liebenswürdigkeit, die aus jeder Zeile spricht, ans Herz gefaßt. Das, was den deutschen Humor so herzerquickend macht, ist ja in erster Linie die ursprüngliche Frische, die leider so vielen angeblichen Humoristen abgeht. Es gibt geistreiche Witzbolde, die mit großer Verstandesschärfedie unzähligen Widersprüche des Lebens in drastischer Beleuchtung gegeneinander ins Feld führen, es gibt geschickte Faiseure, die großen Vorbildern, Jean Paul, Heine, Rabe, Reuter etc., Manches äußerlich abgeguckt haben und durch klug ersonnene Combinationen allerlei Ueberraschungen für den Leser hervorzaubern . . . . man lacht wohl darüber, aber so recht warm wird man nicht dabei. Das, was jedem Schriftsteller, namentlich aber dem Humoristen, eigen sein sollte, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das Herz, als gleichberechtigt, die Feder dirigiren, vermißt man leider nur zu oft bei Denen, die durch allerlei halsbrecherische und fremdartige Künste die Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchten.

Freiherr v. Schlicht gehört nicht zu dieser letzteren Gattung, er verschmäht es durchaus, mit künstlichen Mitteln, die er sich von auswärts geholt hat, auf den Leser zu wirken, sondern er schreibt und schildert nur Eindrücke, welche seine Seele wirklich bewegt haben. So sind diese Humoresken keine sogenannten Blender, sondern Bilder von ursprünglicher Frische, Blumen zu vergleichen, die ihre natürlichen Farben, ihren natürlichen Duft haben. Und je einfacher diese Natürlichkeit sich gibt, desto wirksamer ist sie auch. Was nur den Werken geborener Talente eigen ist, daß man aus ihnen gewissermaßen die eigene Natur des Dichters herauslesen kann, trifft bei diesen Humoresken zu. Sie haben Individualität und charakteristische Physiognomie. Ueberall knüpfen sie direct an eigene Erlebnisse, seien sie äußerer oder innerer Natur, an. Alles ist wahr empfunden, Nichts anempfunden. Diese fröhliche Heiterkeit der Jugend ist es vor Allem, die in diesen kleinen Erzählungen so ungemein frisch anmuthet, obgleich der Autor uns keine geistreichen Probleme oder phantastische Seltsamkeiten auftischt.

Der Autor ist ein junger Officier — man merkt's unschwer heraus —, der nicht nur aus einem vornehmen Geschlecht, sonden auch aus einer Familie stammt, die nicht blind ist für die Freuden aristokratischer Selbstständigkeit, aber doch in höheren geistigen Genüssen, welche Literatur, Wissenschaft und Kunst bieten, ihre wahre Lebensfreude sucht. Diese sprüht aus jeder Schildeung, aus jedem Scherz des Autors so unmittelbar hervor, daß der Leser sich selbst in seine fröhliche Jugendzeit zurückversetzt glaubt. Diese Familien- und Officiersgeschichten, in denen die einzelnen Figuren so charakteristisch und lebenswahr sprechen und handeln, sind Spiegelbilder aus dem Gesellschaftsleben, die in ihrer Art vollendet sind. Nicht immer wird sich das Leben so sonnenhell in der Seele des Autors widerspiegeln, aber wir haben, wenn auch nicht in diesem Buche, welches völlig der Heiterkeit gewidmet ist, so doch an anderen Stellen, Erzählungen des Freiherrn v. Schlicht gelesen, welche auch dem Ernst des Lebens gerecht werden und denselben mit der gleichen frischen und natürlichen Empfänglichkeit für die echte Natur behandeln. So glauben wir, daß das Talent des jungen Autors sich alsbald immer freier und lebendiger entwickeln und ausbreiten wird; diese Humoresken aber werden immer davon Zeugniß ablegen, daß der echte deutsche Herzenshumor noch nicht ausgestorben ist. Sie sind keine Knallerbsen mit dem Motto: „Du sollst und mußt lachen,” sondern fröhlichen Menschen vergleichbar, die uns ihr lachendes Antlitz zuwenden und mit ihrer herzlichen Lebensfreude auch ihre Umgebung froh machen. Diese Humoresken werden bei allen Freunden des Humors lebhaften Anklang finden.
O.R.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 20.Juni 1897:

Aus der Schule geplaudert. Militärische Humoresken von Freiherrn von Schlicht. Verlag von Freund & Jeckel, Berlin.

Die vorliegenden humoristischen Plaudereien des auch in unserem Leserkreise durch verschiedene schriftstellerische Arbeiten bekannten Autors, dürften sich bald eine große Anzahl von Freunden erwerben. Im lieben deutschen Vaterland, wo erst der bunte Rock und dann das Civilkleid kommt und wo demnach naturgemäß Alles, was mit dem Militär zusammenhängt, von lebhaftem Interesse für weite Kreise ist, können Militärhumoresken stets auf ein kaufkräftiges Publicum rechnen. Noch dazu, wenn sie, wie die Schlicht'schen, flott und anschaulich geschrieben sind, den Stempel der Wahrscheinlichkeit an der Stirn tragen und dem Humor einen breiten Raum einräumen. So anstrengend und wenig amüsant das „Bimsen” auf dem Casernenhof, das „Griffekloppen” und der „Krieg im Frieden” auf Sturzacker oder im fußhohen Sand bei zwei Dutzend Grad Réaumur für den einzelnen Mann auch sein mag, so gibt es doch wohl nur wenige Leute, die sich ihrer Militärzeit nicht mit Freude erinnern als einer Zeit, da sie meistentheils ledig aller drückenden Sorgen lebten und mit ihren 22 Pfennigen pro Tag, oder was Vatern und Muttern ihnen sonst zusteckten, weiter reichten, als später mit Markstücken und harten Thalern. Man merkt es den Schlicht'schen Humoresken an, sie sind selbst erlebt, und gerade darin beruht ihre Stärke. Alle die kleinen Intimitäten aus dem Compagnieleben, der Corporalschaft und aus den Kreisen der Vorgesetzten, die jeder einzelne Mann weiß und doch nicht wissen darf, die köstlichen Bivouacerlebnisse mit ihrem zum Theil unfreiwilligen Humor und was sonst Alles an komischen Intermezzi bei den Vaterlandsvertheidigern passirt, Das hat der Autor mit offenen Augen geschaut und mit großer Anschaulichkeit zu Papier gebracht. Wie gesagt, die Humoresken lesen sich wie etwas Selbsterlebtes und darum seien sie Allen warm empfohlen, die schon den bunten Rock trugen und sich durch das Buch in ihre Militärzeit zurückversetzen wollen, wie gleichzeitig jenen, die noch kein Commißbrot gegessen haben, als ein kleiner Vorgeschmack der sie erwartenden Freuden.
J.N.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 26.Nov. 1898:

Armeetypen. Humoresken von Frhrn. v. Schlicht. Berlin, Schall & Grund.

Der Verfasser dieser Humoresken, Frhr. v. Schlicht, der sich schnell einen geachteten Namen als Schriftsteller erworben, hat einen ganz neuen Zug in die Militärschriftstellerei gebracht. Trotzdem z.B. die heutigen Arbeiten leichtgeschürzte Humoresken sind, entfalten sie mehr psychologische Wahrheit, als ein Dutzend der landläufigen Militärnovellen zusammengenommen. Verklärt von einem künstlerischen Stil, durchleuchtet vom Humor der frohen Laune, welcher zuweilen satirische Schärfe beigemischt ist, zeigt der Verfasser in seinen Arbeiten das Militär, wie es wirklich ist. Der Herr Lieutenant, wie ihn unsere naiven, vom blauen Tuch geblendeten Schriftstellerinnen sehen, kommt bei ihm nicht vor; er kennt die specifisch militärischen Schwächen, die von den Officiersepauletten nun einmal nicht zu trennen sind, und er nutzt sie gründlich aus. Kurz, er zeigt uns den Dienst, wie er wirklich ist; er zeichnet Officiere, die sich uns trotz des Schleppsäbels als Sterbliche zeigen; das Menschliche, allzu Menschliche auf dem Casernenhof und im Casino bildet den Grundstoff der Schlicht'schen Arbeiten. Heute führt uns der Verfasser „Armeetypen” vor; es ist vielleicht das beste Buch, welches bisher von ihm erschienen ist. Im Inhaltsverzeichniß liest man die Ueberschriften: „Der Pänrich”, „Der Lieutenant”, „Der Schuster”, „Der Angstmeier”, „Der Diensthuber”, „Der Drückeberger”, „Der Dranste” und „Die Wartefrau”. Wie!? Der Schuster? Was heißt denn Das? Nun, der Schuster, der Stiefel für die Armee macht, ist nicht gemeint, der „Schuster” ist ein Officiertypus, ebenso wie alle die anderen „meyer” und „huber” und „berger” u.s.w. Der „Schuster” ist eine Art Streber, dem Alles darauf ankommt, sich nach Oben oder Unten, wie es gerade nützlich ist, beliebt zu machen. Man muß lesen, wie ergötzlich der Verfasser seine Typen darzustellen versteht, wie er sein Material mit einer Fülle höchst plastischer Episoden und Anekdoten würzt, wie er mit wenigen Strichen einen Rahmen und eine Stimmung zeichnet, die uns den Geist nahe bringen, aus dem heraus alle diese Lebensbilder geschöpft wurden. Denn es sind durchaus Lebensbilder, voll an Frische, Wahrheit und Laune. Die Seitenhiebe, die der Verfasser austheilt, machen das Buch nur noch picanter. In dem Verfasser hat die humoristische Literatur einen Vertreter gefunden, dessen sie sich freuen darf. Das Buch erscheint als ein Band des „Vereins der Bücherfreunde”, der mit ihm eine gute Acquisition gemacht hat.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 17.Sep. 1898:

Meine kleine Frau und ich. Humoresken von Freiherrn v. Schlicht. Charlottenburg, Max Simson.

Diese kleinen Skizzen aus dem täglichen Leben, die zuweilen unter schalkhaftem Humor bitteren Ernst verbergen, bilden — wie es in der Sportsprache heißen würde — eine Classe für sich. Es sind anspruchslose, heitere Skizzen ohne viel Gedankeninhalt, aber sie sind allerliebst geschrieben und gerade kurz genug, um von Anfang bis zu Ende zu fesseln. In den meisten waltet eine geradezu weibliche Zartheit, die bald angenehm berührt, bald auch befremdet. Der Ehemann in diesen Haushaltungsskizzen stellt sich im Allgemeinen als ein lammfrommes Geschöpf dar, das seiner Gattin aus der Hand frißt, zu Allem Ja und Amen sagt und stets mit offenem — Portemonnaie herumläuft. So was wird den Damen gefallen, denen das schöne Büchelchen auch ganz besonders empfohlen sei. Wollte Gott, dieser Ehemann besäße recht viele Vorbilder in der grauen Alltäglichkeit des Lebens. Es ist übrigens an wirklichen Lebensgestalten in diesen Skizzen kein Mangel. Wie wahr ist zum Beispiel gleich zu Anfang die edle Köchin Elisabeth, die nicht kochen kann; die sanftmüthige Behandlung indeß, die sie erfährt, scheint mir nicht ganz mit den Thatsachen übereinzustimmen. Recht drastisch ist auch die Geschichte vom „Hochzeitsgeschenk”, wenngleich sie in Hinsicht auf ihren Gegenstand schon um einen Schimmer zu sehr in die Länge gezogen erscheint. Hübscher noch ist die Erzählung von Tante Ursulas Miethsmann und dem Knoten im Taschentuch. Das Buch bringt viel und sicherlich Jedem, der es in die Hand nimmt, Etwas. Sein Humor ist von jener stillen, sonnigen Art, die im Gemüthe des Lesers noch lange nachklingt. Mit einem Worte, es ist ein kurzweiliges Sammelsurium, welches müssige Stunden auf das Angenehmste auszufüllen vermag.


„Danzer's Armee-Zeitung”, Jahrgg. 1903, Nr. 50, 10. Dez. 1903, Seite 15:

Ein Ehrenwort. Erzählungen aus dem Offiziersleben von Freiherrn v. Schlicht. Dresden 1903. Heinrich Minden. 335 Seiten, Mk. 4,-.

Die literarische Physiognomie des Herrn Grafen Baudissin, der unter dem Namen Freiherr v. Schlicht zu den bekanntesten deutschen Feuilletonisten gehört, wird durch die vorliegende Sammlung ernster Erzählungen in recht ungünstigem Sinne vervollständigt. In den humoristischen Skizzen Schlichts ist man leicht geneigt, die immer wiederholte Vorführung derselben stereotypen Figuren, die kunstlose Erzählungsweise für eine Tugend, statt für eine Not anzusehen. Die ernsten Arbeiten Schlichts enthüllen aber den Mangel an Phantasie und Abwechslung in formeller wie in stofflicher Beziehung aufs allergrausamste; zudem lassen sie über den mehr als unfreundlichen Standpunkt, den der Autor gegenüber den Grundlagen der militärischen Institutionen einnimmt, keinen Zweifel übrig.

„Meinem Sohne, falls er einmal Offizier werden sollte”, ist das Buch gewidmet; doch taxieren wir die Wahrscheinlichkeit, daß der Sohn dieses Vaters jemals Sehnsucht nach des Kaisers Rock empfinden sollte, nur gering: Die Brille, durch die Herr v. Schlicht seinem Sohne die militärischen Grundlagen zeigt, ist allzu stark gefärbt und viel zu trübe. Neun Erzählungen bringt das vorliegende Büchlein und neunmal sehen wir, wie irgendein untadeliger herrlicher Jüngling eben wegen seiner guten Eigenschaften elend an den starren Ansichten des Offizierskorps scheitert. Herr v. Schlicht scheut nicht die unwahrscheinlichsten und gezwungensten Kombinationen, die haarsträubendsten Unwahrscheinlichkeiten, nur um recht schöne „Schulfälle” zu konstruieren.

Freiherr v. Schlicht besitzt ein kleines nettes Talentchen, das für gewisse humoristische Spässe meistens ausreicht. Der Beifall, mit dem alle jene diese Spässe aufnahmen, die sich immer freuen, wenn dem Offizierskorps eins am Zeug geflickt wird, scheint ihm nun in den Kopf gestiegen zu sein, so daß er sogar ernst wird und als Reformer auftritt. Doch da wurde die Seifenblase zu groß und zersprang.

C.M.D.  


„Danzer's Armee-Zeitung”, Jahrgg. 1903, Nr. 14, 2. Apr. 1903, Seite 12:

Der höfliche Meldereiter. Militärische Humoresken und Satire von Freiherrn v. Schlicht. Dresden, Carl Reißner, 1903.

Das literarische Charakterbild des Freiherrn v. Schlicht steht bereits fest. Das Pseudonym deckt bekanntlich den Namen Wolf Graf v. Baudissin; geboren 30. Jänner 1867 zu Schleswig als Sohn eines Premierlieutenants, später selbst Lieutenant im 2. hanseatischen Infanterie­regiment Nr.76, lebt er schon seit Beginn der Neunzigerjahre ausschließlich seinem schriftstellerischen Berufe. In dem vorliegenden Band erscheinen wieder gegen zwei Dutzend Erzählungen gesammelt, welche Zeugniß davon ablegen, daß die Humorquelle des Freiherrn v. Schlicht noch lange nicht versiegt ist, trotz der Fruchtbarkeit, dank deren er jährlich oft zwei bis drei solcher Bände zu füllen vermag.

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„Hamburger Fremdenblatt” vom 11.Nov. 1899:

Ein Leben in Waffen. I.Leutnantsleben.
Von Frhrn. v. Schlicht. Berlin und Stuttgart. Verlag von W. Spemann.

Der schnell bekannt gewordene Autor, dessen liebenswürdiges Erzählertalent auch unsere Leser häufig zu beobachten und anzuerkennen Gelegenheit fanden, hat durch seinen ersten größeren Roman, von dem das vorliegende „Leutnantsleben” nur den ersten Band bildet, den Beweis erbracht, daß er nicht nur in kleinen, schnell hingeworfenen Skizzen humoristischen Inhalts seine Leser zu fesseln versteht, sondern auch größere Aufgabe zu lösen vermag. Das „Leutnantsleben” ist eine aus eigener Erfahrung geschöpfte Schilderung des Lebens unserer Officiere mit seinen Freuden und seinen ernsten und bitteren Leiden. Häufig, so möchte man glauben, überwiegen die Leiden sehr, namentlich bei den Officieren, die von Hause aus nicht mit einem reichen Zuschuß ausgestattet sind. Für diese ist das Werk des Frhrn. v. Schlicht eine ernste Mahnung, sich es sehr reichlich zu überlegen, ehe sie in den bunten Rock steigen; das Schicksal des Leutnants ohne Zulage ist häufig genug nur ein glänzendes Elend. Dabei berührt es sympathisch, daß der Verfasser — trotz dieser Erkenntniß — so parteilos geschrieben hat; nirgends findet man eine Anklage gegen den Stand als solchen, nur die unnatürlichen Auswüchse, die widersinnigen Anordnungen der Subaltern-Officiere, die oft ungerechten Bestrafungen finden ihre Geißelung, aber immer in einer möglichst wenig verletzenden Form. Immer und immer wieder blickt die Vorliebe für des Königs Rock wieder hervor. Sehr glücklich hat Schlicht es vermieden, seinen Helden Victor von Dawatzki nur zu einem Muster-Officier zu machen; durch seine Verstöße und Fehler wird der junge Leutnant dem Leser um so sympathischer. Das Buch will ja auch mehr sein, als ein culturhistorischer Roman, es will den Eltern, deren Söhne Officier werden wollen, es soll den jungen Leuten selbst Auskunft darüber geben, was es heut zu Tage heißt: Officier zu sein. Und in diesem Sinne heißen wir Schlicht's schönes Werk doppelt willkommen.

A.O.

„Die Zukunft”, 5.März 1900, Band 30, S. 393-394:

Ein Leben in Waffen. I. Lieutenantsleben. Verlag W.Spemann. Berlin und Stuttgart.

Vor einigen Wochen habe ich in dem Verlag von W.Spemann den ersten, in sich völlig abgeschlossenen Band eines größeren Werkes unter dem Titel „Lieutenantsleben” erscheinen lassen. Das Buch, obgleich in Romanform geschrieben, will viel mehr sein als nur ein Roman. Ich habe den Versuch gemacht, das Leben eines Lieutenants von dem Tage seines Dienstantritts bis zum Tage seiner Beförderung zum Hauptmann zu schildern. Ich bringe meist nur Selbsterlebtes, bin also sicher, auf keiner Unwahrheit oder Ungenauigkeit ertappt zu werden. Vor Allem erzählt mein Buch: von dem Dienst, dem Avancement, den gesellschaftlichen Verpflichtungen, dem Kasinoleben, der Kameradschaft und Dem, was sonst noch ein „Lieutenantsleben” ausmacht. Zum ersten Male versuche ich, das Lieutenantsleben, von dem die Wenigsten Etwas wissen, so zu schildern, wie es ist. Ich nehme kein Blatt vor den Mund; die Leiden und Qualen eines Offiziers, hervorgerufen durch den Dienst, durch die Laune der Vorgesetzten, durch den ewigen Mangel an Geld, bleiben nicht unerwähnt. Zum ersten Male wage ich es auch, die alten bestehendenn Einrichtungen, wie unsere Ehrenzeichen, den Heirathskonsens und vieles Andere, zu kritisiren. Ich decke die Fehler auf und zeige, wie vielleicht das Eine oder das Andere geändert werden kann. Wer meine anderen Schriften kennt, vielleicht sogar ein mal über eins meiner Bücher gelacht hat, weiß, daß mir jede Gehässigkeit fern liegt, daß ich kein unzufriedener Nobile bin, der schilt. Dazu fehlt mir jede Veranlassung. Dem Humor ist auch in dem „Lieutenantsleben” ein breiter Raum gelassen; aber trotzdem will das Buch sehr ernst genommen werden. Ich möchte wohl, daß alle Eltern es lesen, deren Söhne Offiziere sind oder Offiziere werden wollen. Auch jedem angehenden Offizier empfehle ich das Buch; es wird ihm zeigen, was es heutzutage heißt, Offizier zu sein. Von einem Lieutenant wird jetzt sehr viel verlangt. Der Weg, den ein Lieutenant heute wandelt, ist steil und dornig; wie sehr er es ist, sucht mein Buch zu zeigen.

Dresden Freiherr von Schlicht

„Neue Hamburger Zeitung” vom 19.März 1900:

Ein Leben in Waffen. I.Leutnantsleben.
Von Frhrn. v. Schlicht. Berlin und Stuttgart. Verlag von W. Spemann.

Das Leben in Waffen, das der unseren Lesern wohlbekannte Frhr. v. Schlicht zu schreiben übernommen hat, verspricht nach mehr als einer Richtung Interesse zu erwecken. Der erste Teil wenigstens, der unter dem Titel „Leutnantsleben” im Verlage von W. Spemann (Berlin und Stuttgart) erschienen ist, verdient allgemeine Beachtung. Während sich der Verfasser bisher damit begnügte, in flott geschriebenen Skizzen einzelne komische Seiten des Soldatenlebens nachzuzeichnen, geht er im „Leutnantsleben” systematischer vor. Er giebt in der Form des Romans eine Entwicklung des preußischen Offiziers überhaupt. Der Held der Geschichte, Viktor von Drawatzki, spiegelt in seinen Erlebnissen zugleich das gesamte preußische Offiziersleben wieder. Wir sehen, wie Viktor als junger Avantageur in ein Leibregiment eintritt, wie er die Kriegsschule besucht und nach weniger als zwei Jahren zum Leutnant avanciert; wir verfolgen seine Laufbahn dann weiter, wie er sich allmählich in die Form und Art des preußischen Offiziers hineinfindet, Adjutant wird, die Kriegsakademie besucht, eine Braut findet und schließlich zum Hauptmann befördert wird. Diese Lebens­geschichte ist sehr hübsch erzählt, voll lustiger Episoden, wie man dies bei Frhrn. v. Schlicht erwarten mußte. Daneben kommt aber auch der Kulturhistoriker auf seine Rechnung. Denn mit dem Helden lernt auch der Leser den preußischen Offizier kennen nicht bloß in seinen dienstlichen, sondenr auch in seinen sozialen Beziehungen. Das Offizierkorps bildet eine Welt für sich, mit besonderen gesellschaftlichen Gewohnheiten, besonderen Tugenden, besonderem Ehrbegriff; jedes neue Element muß sich der herrschenden Sitte anpassen, oder es wird mitleidslos abgestoßen. Der Einzelne steht beständig unter der Kontrolle aller seiner Kameraden; und nicht bloß der Verkehr untereinander, sondern ebenso mit Civilpersonen ist genau geregelt. Man merkt es, daß Frhr. v. Schlicht die soziale Organisation, die er schildert, aufs genaueste kennt; und besonders muß man zu seinem Ruhme sagen, daß er bei aller Liebe, die er dem Offizierkorps entgegenbringt, doch auch die Fehler und Mängel nicht vertuscht. So giebt er dem Leser Gelegenheit, einen Blick in diesen Staat im Staate zu thun, der sich sonst vor allem „Civil” so ängstlich abschließt. Man darf auf die Fortsetzung des „Lebens in Waffen” gespannt sein.
P. M.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 21.10.1899:

Die feindlichen Waffen. Humoristischer Roman von Frhrn. v. Schlicht. Berlin. G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung.

Frhr. v. Schlicht, der unseren Leser ja kein Unbekannter ist und der sich durch seine flott geschriebenen und fein pointirten Skizzen aus dem Militärleben schnell in der weiteren Oeffentlichkeit bekannt und beliebt gemacht hat, ist zum ersten Male mit einem größeren Werk hervorgetreten, und zwar, wie gleich von vornherein zugestanden werden soll, mit vollstem Erfolg.

Der Roman ist ebenfalls, wie schon der Titel verräth, ein Militärroman. Seit Hackländer's Tode ist der humoristische Roman aus dem Militärleben eigentlich verwaist gewesen, trotzdem gerade für derartige Romane das Interesse des Publicums ein besonders lebhaftes ist. Das beweist die nach wie vor immer noch rege Nachfrage nach den Hackländer'schen Romanen diesen Genres.

Kein Wunder, wenn Frhrn. v. Schlicht's „Feindliche Waffen” sich bald einen ähnlich großen Leserkreis erobern. Ist doch Schlicht, abgesehen von seiner amüsanten, leichtflüssigen Schreibweise, ein so gründlicher Kenner des Militärlebens und ein so treffender Schilderer militärischer Zustände, daß er darin alle seine Vorgänger übertrifft. Wenn Hackländer, Hecker u.A. mit Vorliebe die heitere Seite des Soldatenlebens zum Gegenstand ihrer Schilderungen machten, so scheut Schlicht sich nicht, auch die Schattenseiten zu beleuchten. Er ist der Realist unter den Verfassern militärischer Romane, und seine schriftstellerische Thätigkeit ist nicht ohne eine sociale Bedeutung. Macht er doch der allgemein verbreiteten und durch Hackländer gewissermaßen großgezüchteten Anschauung ein Ende, daß das Officierleben ein Nichtsthuer-Dasein, der angenehmste und leichteste Beruf sei, und daß die Hauptaufgabe des Officiers darin wurzle, den gesellschaftlichen Schwerenöther zu spielen.

Die Schilderungen, die Schlicht von dem „königlichen Dienst” entwirft, sind keineswegs dazu angethan, diese Legende zu bestätigen, und daß Schlicht es zum ersten Male unternimmt, mit realistischer Schärfe das Officiersleben so zu schildern, wie es ist, ist ein Verdienst, das ihm besonders hoch anzurechnen ist.

Allerdings muß man verstehen, bei Schlicht zwischen den Zeilen zu lesen. Denn seine stets humorvolle, flotte Darstellungsweise sorgt dafür, daß seine Realistik nicht aufdringlich hervortritt. Und Das ist doppelt anzuerkennen.

Diese Darstellungsweise macht auch den vorliegenden Roman zu einer amüsant fesselnden Lecture. Der Roman spielt in einer norddeutschen Garnison, wo Cavallerie und Infanterie, die beiden „feindlichen Waffen”, stehen, und schildert nun in ganz ergötzlicher Weise, wie die gegenseitige Eifersüchtelei der Cavallerie und Infanterie zum Ausdruck kommt, und wie die Parteinahme für die eine oder die andere Waffe die Bürger der Garnisonstadt in zwei feindliche Lager theilt. Der Ausgang des Romans ist natürlich ein völlig friedfertiger. Die Mißstimmung zwischen den feindlichen Brüdern schwindet, nicht zum Mindesten dadurch, daß die beiden liebreizenden Töchter des neu in die Garnison versetzten Oberstleutnants sich gleichmäßig auf die beiden Waffen vertheilen, indem die Eine einen Husarenleutnant freit und die Andere die Gattin eines Infanterie-Leutnants wird. Dazwischen laufen reizende, mit prächtigem Humor geschilderte Episoden, die die Lecture des Romans zu einer wirklich lohnenden machen. Wir können deshalb den Roman nach jeder Richtung hin wärmstens empfehlen.

P.R.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 1.Dez. 1900:

Das goldene Buch der Sitte. Eine Hauskunde für Jedermann von Graf und Gräfin Baudissin. Im Verlage von W. Spemann, Berlin.

Dem vorjährigen „Goldenen Buch der Musik”, womit ein ganz neuer Typus praktischer Handbücher geschaffen wurde, läßt der Verlag W. Spemann in Berlin und Stuttgart zwei ebenso originell und ansprechend componirte Bücher folgen.

„Das goldene Buch der Kunst” präsentirt sich als geschmackvoll ausgestatteter Band von überraschend reichen Inhalt. . . . . .

Aehnlich in der Form, aber grundverschieden im Charakter tritt das von Graf und Gräfin Baudissin bearbeitete „Goldene Buch der Sitte” auf. Wer es mit der Erwartung in die Hand nimmt, wieder eines jener sattsam bekannten Complimentirbücher mit ihrem dem feineren Geschmack unerträglichen Gouvernantenton zu sehen, wird sich schon nach flüchtiger Lecture angenehm enttäuscht fühlen. Graf Baudissin, unter einem Pseudonym als humoristischer Erzähler weitbekannt, ist ein amüsanter Plauderer, der als Weltmann das Leben kennt und dessen Betrachtungen mit attischem Salz gewürzt sind. Bald im Ernst, bald im Scherz geht er alle Capitel im Lebensbuche durch und läßt kaum eine einzige von allen den großen und kleinen Aeußerlichkeiten der Lebensführung unbeachtet. Flott, geistreich und gründlich — Das ist die Physiognomie dieses höchst interessanten Werkes.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 24.Aug. 1901:

China. Schilderungen aus Leben und Geschichte, Krieg und Sieg. Ein Denkmal den Streitern und der Weltpolitik. Herausgegeben von Josef Kürschner. Leipzig, Hermann Zieger.

Zu den guten Werken, die wir über China besitzen, kommt hier ein neues, das den Nachtheil besitzt, eine Art Sammelsurium zu sein. Es ist sicherlich ein patriotisches Werk; ob es ein Werk von wirklichem culturhistorischem Werth werden wird, bleibt abzuwarten. Die erste Lieferung zeigt gute Ausstattung und reiche Illustration.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 12.Apr. 1902:

Zurück! Marsch, Marsch! Militär-Humoresken von Frhr. v. Schlicht. Illustrirt von M. Ledeli, Stuttgart, Adolf Bonz & Comp.

Mit seinen kleinen Militärskizzen hat der Frhr. v. Schlicht sich zuerst die gesammte deutsche Presse und dann, nachdem siese Skizzen in Büchern erschienen waren, große Kreise des Publicums erobert. Alle jene kurzen, weithin verstreuten Geschichten sind in der That so bekannt geworden, auch tragen sie ein so eiheitliches Gepräge, daß es überflüssig erscheint, ihre Art anläßlich des Erscheines eines neuen Buches zu kennzeichnen. Der Herr Commandirende meldet seinen Besuch beim Regiment an und vom Gemeinen bis zum Obersten geräth Alles in Aufregung. Bei der Inspection kommen die für ein Civilistengemüth unglaublichsten Sachen vor. Man lernt die Herren Officiere in all ihrer Glorie, mit all ihren Freuden und Leiden kennen, vor der Front, im Casino, im Privatleben. Ueber das Garnison- und Manöverleben sind die kleinen Erlebnisse gleichmäßig vertheilt. Auch die Liebe spielt, wie überall im Leben, ihre Rolle. Und Alles ist in einen kecken, burschikosen Humor getaucht, ist flüchtig und amüsant erzählt. Selbst wenn man die sich gleichbleibende Art Schlicht's längst genau kennt, läßt man sich immer wieder aufs Neue von seinen launigen Skizzen fesseln.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 15. Okt. 1904:

Leutnant Flirt. Humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht. Dresden, Carl Reißmann [sic!].

„Freiherr von Schlicht, kehre zurück, alles ist vergeben und vergessen!” — Diese Annonce las man zwar nicht in den Blättern, aber Unzählige unter den Verehrern des lustigen und leichten militärischen Erzählers haben etwas Aehnliches gedacht, als er mit seinen „Erstklassigen Menschen” anrückte. Von diesem Roman hat er keinen Dank gehabt. Die „erstklassigen Menschen” selbst wiesen die ihnen geltenden Schilderungen weit von sich und zweit-, dritt- und viertklassige Menschen wollten nicht einmal glauben, was ihnen der Freiherr von den Mitgliedern seiner eigenen Kaste erzählte. Der Roman wurde nicht ernst genommen und die Sensation war nur von kurzer Dauer. Das Schicksal, das schon so manchen Humoristen traf, hat also auch den Freiherrn von Schlicht ereilt. Man glaubt ihm nur noch, wenn er flunkert, man nimmt ihn nur dann ernst, wenn er Spaß macht, sein Weltbild läßt man nur dann gelten, wenn er es in den Sonnenschein des Humors taucht, es vergoldet, ihm alle Schärfen nimmt. Und es scheint, als ob auch Schlicht die richtige Lehre aus seiner Erfahrung gezogen hat, denn siehe da! reuig kehrt er zurück in die Welt seiner heiteren Lebensauffassung und präsentiert uns einen Militärroman, der sich den heiteren Schnurren, die der Verfasser zu Dutzenden aus dem Aermel zu schütteln pflegt, würdig an die Seite stellt. Schlicht ist der Wiedererwecker des heiteren Leutnants der Militärstücke aus den siebziger und achtziger Jahren, aber er ist ein moderner Schilderer, man kann seinen Figuren nund Zeichnungen nicht vorwerfen, daß sie unwahr sind, sondern ihnen nur nachsagen, daß sie die Bitternisse des Lebens entweder stillschweigend bei Seite lassen oder doch wenigstens im milden Lichte erscheinen lassen. Mit diesen Sätzen ist auch der neue Roman schon gekennzeichnet, soweit es seine Figuren, die man fast alle aus hundert Schnurren kennt, und seine Handlung betrifft. Es soll aber nicht vergessen werden, daß Schlicht in diesem Roman mit Glück nach Vertiefung gestrebt hat, die Hauptpersonen sind äußerlich so plastisch dargestellt und psychologisch so richtig erfaßt, daß man alle leibhaftig vor sich sieht. Außerdem ist die treffliche Komposition des Romans zu loben, die gesunden Mittel, die der Verfasser anwendet, um den Leser zu fesseln und der Ernst, der allen heiteren Schilderungen des Buches zu Grunde liegt. Nur in einem hat Schlicht sich's allzuleicht gemacht, er verzapft hin und wieder eine Sprache, die vielleicht für ganz kleine groteske Schnurren paßt, nicht aber für einen Roman, in den so fein erdachte und gut behandelte Persönlichkeiten hingestellt sind, wie die kluge Mary und der sonderbare Baron, der Leutnant „Flirt” selber und der Oberst, sein Stiefvater. Es berührt unangenehm, wenn der Verfasser in einer ernsthaften Schilderung der persönlichen Vorzüge seiner Heldin in einem einzigen Satze von der „tadellosen Figur”, dem „entzückenden, feingeschnittenen Gesicht” und der „bezaubernden Nase” (!) spricht, der „wundervollen, dunklen Augen”, des „großen und schlanken Wuchses” garnicht zu gedenken. Klingt es nicht erschreckend banal, wenn der Verfasser von einem Mädchen, das von seinem Leutnant einen Abschiedskuß erbettelt, sagt: „sie fühlt es noch jetzt, sie wäre gestorben, wenn sie nicht den einen Kuß von ihm erhalten hätte.” Na, na, lieber Schlicht, gestorben wäre sie nun wohl gerade nicht. Der Leser weiß, was er zu erwarten hat, er muß etliche sprachliche und stilistische Trivialitäten mit in Kauf nehmen.

Die Handlung des Romans zeichnet sich durch größte Einfachheit aus. Der Leutnant „Flirt” ist natürlich ein großer Tunichtgut, der seinen Vater zur Verzweiflung bringt. Dieser Vater, eigentlich ein Stiefvater, ist nämlich Oberst eben in dem Regiment, welches der Leutnant sich erkoren. Wenn er aber geglaubt hatte, hier gute Tage zu leben, so sieht er sich schmählich getäuscht, denn der Oberst zwiebelt ihn mehr, als nötig ist und es kommt zu ernsten Konflikten. In dem Leutnant steckt, wie in jedem Schlichtschen Leutnant, ein guter Keim, den die Cousine Mary, übrigens eine fein gezeichnete Persönlichkeit, zur Reife bringt. Zu viel soll übrigens vom Inhalt nicht verraten werden. Das Buch enthält außerordentlich ergötzliche Schilderungen aus dem Militärleben. Eine Szene auf dem Schießstand zum Beispiel ist ein wahres Kabinettsstück humoristischer Darstellungskunst. Die Leichtigkeit, Frische und Lebendigkeit des ganzen Buches wird alle Liebhaber einer heiteren Lektüre fesseln. Eine große Verbreitung ist dem Roman gewiß.

Ph. B.          


„Hamburger Fremdenblatt” vom 31. Jan. 1903:

Der höfliche Meldereiter Von Frhrn. v. Schlicht, Dresden und Leipzig. Verlag von Carl Reißner, 1903.

„Der höfliche Meldereiter” ist nur der Titel der ersten kleinen Hum oreske, es folgen dann noch neunzehn ähnliche. Unseren Lesern ist der Freiherr von Schlicht (Wolf Graf Baudissin) ein lieber Bekannter, der sehr lustig zu plaudern versteht. Verschiedene dieser Humoresken erschienen jüngst im Feuilleton dieses Blattes. Gewiß wird es unseren Lesern Vergnügen machen, sie in diesem Buche wiederzufinden und dazu zahlreiche neue, welche denselben warmen Humor und sprühemdem Witz athmen, wie die schon bekannten. Daß Schlicht die scharfe Satire zu handhaben weiß und sogar boshaft werden kann wie Cayennepfeffer, ist gewiß kein Fehler bei einem durch und durch modernen Autor. Das amüsante Buch können wir allen Freunden des Humors warm empfehlen.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 8. Sept. 1900:

Freih. v. Schlicht, Der Parademarsch. Militär-Humoresken. Umschlag-Zeichnung und Illustrationen von E. Thöny. Albert Langen, München.

Der bekannte Militärschriftsteller Frhr. v. Schlicht gibt in diesem Bande wieder eine Auswahl glänzender Militär-Humoresken. Seine intime Sachkenntniß, seine große Vertrautheit mit dem Soldaten­leben und seinen Freuden und Leiden verbinden sich mit einem ungemein scharfen Blick für das Komische und einem herzgewinnenden Humor. Während so die Realistik seiner Schilderung diese Studien oft aus dem Gebiet der harmlosen Humoreske in das der werthvollen satirischen Sittenstudie erheben, ist der Autor andererseits nie verletzend und zu bitter, so daß wohl gerade die Officierskreise, die er mit sicherer Feder schildert, sich selbst am meisten an diesen kleinen Bosheiten und Picanterien ergötzen werden.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 3. März 1906:

Seine Hoheit. Die unter diesem Kollektivtitel gesammelten Militärhumoresken des Freiherrn v. Schlicht sind soeben im Verlage von Carl Reißner in Dresden in zweiter Auflage erschienen. Das Buch mit seinem köstlichen Humor erobert sich einen neuen größeren Freundeskreis.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 28. April 1906:

Oberleutnant Kramer. Roman von Frhrn. v. Schlicht. Verlag von Heinrich Minden. Dresden und Leipzig 1906.

Dieser Roman richtet sich mit scharfer Tendenz gegen das Duell und behandelt eingehend die ehrengerichtlichen Bestimmungen der Offiziere. Der Verfasser legt Wert daruf, mitzuteilen, daß die Erzählung lange vor den neuerlichen Verhandlungen im Reichstage im Manuskript vorgelegen hat. Meines Erachtens ist diese Bemerkung ziemlich überflüssig, denn, wer den Roman mir Ernst prüft, wird finden, daß eine solche Arbeit nicht in wenigen Wochen „hingeworfen” werden kann: es steckt ein gut Teil Lebensphilosophie darin, die sorgfältig in die verschlungenen Phasen der Erzählung eingewirkt werden muß, wenn sie nicht lehrhaft und langweilig berühren soll. Es liegt hier aber ein Roman vor, der sowohl durch seinen geistigen Inhalt wie durch die Schilderung der Lebensgeschichte sympathischer Personen interessiert. Er dient also zugleich der Unterhaltung und der Belehrung.

Daß der Verfasser, ein ehemaliger Offizier, von einer höheren Warte aus so lebhaft gegen die kastenmäßigen Bestimmungen des Offiziersduells eintritt, das Duell als entscheidend über die Ehre eines Menschen überhaupt verwirft, ist ohne Zweifel gewichtig für alle, die unbedingte Gegner des Duells sind. Schlicht erzählt uns die Geschichte eines braven tüchtigen Offiziers, der des Friedens überdrüssig, in die Schutztruppe von Ostafrika eintritt, dort sich durch große Tapferkeit auszeichnet und verwundet wird, dann von seiner jungen Frau in Aegypten gesund gepflegt wird und schließlich in seine alte Garnison als Hauptmann wieder zurückkehrt. Die Schilderung des Garnisonslebens in einer kleinen Stadt ist, wie von dem gewandten Erzähler nicht anders zu erwarten, sehr anschaulich. Namentlich interessieren die verschiedenen Offizierstypen, die im Gegensatz zu denjenigen in Schlichts vohergegangenem Romane, nichts unsympathisches an sich haben, bis auf einen jungen zur Strafe in die kleine Garnison versetzten Gardeleutnant, der sich durch kecken Cynismus in Wort und Tat bemerkbar macht. Dieser Leutnant ist es denn auch, der den von allen Kameraden hochgeschätzten Oberleutnant Kramer in frivolster Weise beleidigt. Ein Duell ist nach den Satzungen des Ehrengerichts unvermeidlich, aber Kramer, der sich schon vorher energisch gegen das Duell erklärt hat, weil er in ihm keine Ehrenrettung erblicken kann, weil seine Ehre durch einen dummen Jungen nicht beleidigt werden kann, lehnt dieses Duell ab, und sein bester Freund, der Major, muß als Vorsitzender des Ehrengerichts selbst dafür stimmen, daß Kramer mit schlichtem Abschied entlassen wird. Ein junger Offizier, der Kramers Schwägerin liebt, gibt ebenfalls seinen Abschied, weil er die Ungerechtigkeit, unter der Kramer leidet, aufs tiefste empfindet.

Diese Affaire ist, wie man sieht, durchaus tendenziös behandelt, es sind in ihr alle Momente zusammengetragen, welche den Duellzwang der Offiziere so absurd wie möglich erscheinen lassen. Natürlich fehlt es dabei nicht an langen Auseinandersetzungen und höchst ernsthaften Vorträgen über Ehre des Menschen und der Offiziere im speziellen. Das würde in dem Roman sehr peinlich wirken, wenn der Autor es nicht verstanden hätte, diese unkünstlerische Tendenz durch die feine und liebenswürdige Darstellung rein persönlicher Verhältnisse abzuschwächen. Der Roman erzählt uns nämlich auch von einem Ehebruch, den die Frau Kramers begangen hat, als er in Afrika war, und die Schilderung der Gewissensbisse, welche die Frau Oberleutnant hat, ist tief ergreifend.

Wie alle Tendenzromane, leidet auch dieser natürlich darunter, daß die Hauptperson, welche die Trägerin der Idee ist, fast übermenschlich gut und edel ist. Einen so idealen Ofizier, wie Kramer ist, gibt's wohl kaum, aber hat man sich mit dieser Idealgestalt als wirklich existierend abgefunden, so gewinnt man doch auch ein persönliches Interesse für ihn und verfolgt seinen Kampf gegen das Duell und sein Leiden als betrogener Ehemann mit großer Spannung. Alles in allem genommen, verdient dieser Roman die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise, in denen die Duellfrage hin und her diskutiert wird, und sei deshalb zur Lektüre warm empfohlen.
O. R.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 17. November 1906:

Mobil. Roman von Freiherrn von Schlicht. Verlag von Albert Langen. München. 1906.

Dieser Roman hat anscheinend keinen höheren Zweck, als den Leser in angenehmer Weise zu unterhalten. Jede Tendenz liegt der Erzählung fern, es sei denn, den Lesern zu veranschaulichen, daß es auch im Offizierkorps bessere und schlechtere Menschen gibt, wie in jedem Stande. Schlicht, dessen humoristische und satirische Erzählungen mit Recht großes Aufsehen erregt haben und in ihrer Art originell sind, wandelt in diesem Roman die Wege des harmlosen Erzählers, der auch dann und wann etwas sentimental wird. So ist der Hauptheld, ein Leutnant Tromberg, zwar ein lustiger, flotter Offizier, aber in puncto Ehre von einer fast engelhaft reinen Prüderie, die ihm das Heiraten verbietet, weil er als armer Leutnant unter keinen Umständen ein reiches Mädel heiraten will, obgleich er von den heiratslustigen Jungfrauen förmlich belagert wird. Schließlich geht aber doch das Herz mit ihm durch bei einem Tête-à-tête mit der Tochter seines reichen Hauptmanns vergißt er alle seine Grundsätze und wird in diesem Falle mehr verlobt, als daß er sich selbst verlobt. Der Roman spielt in einer Garnisonstadt und bringt eine ganze Reihe charakteristisch geschilderter Militärpersonen auf die Bühne. Es geht aber keineswegs langweilig in dieser Garnison zu, vielmehr herrscht viel Aufregung und Leben, da der Krieg nahe vor der Tür steht. Es kommt sogar schon zur Mobilmachung, die zugleich alle Heiratslustigen zu endgültigen Verlobungen „mobil” macht. Da, im letzten Augenblick, winkt Frau Klio ab, der Krieg wird auf unbestimmte Zeit vertagt, und den Verlobten stehen die baldige Heirat und süße Honigmonde in Aussicht. Einen besonderen Reiz gewinnt der Roman durch die bekannten sarkastischen Streiflichter des Verfassers auf den gesellschaftlichen Verkehr der Offiziere untereinander und die inneren militärischen Dienstangelegenheiten. Wer sich ein paar Stunden recht angenehm unterhalten will, dem kann ich die Lektüre des Romans aufs wärmste empfehlen.
O. R.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 9.Mai 1909:

Offiziere a. D. Militär-Roman von Freiherr von Schlicht. Leipzig, Verlag von B. Elischer Nachf.

Man sollte es gar nicht für möglich halten, daß ein Schriftsteller einem doch immerhin beschränkten Gebiet so viel Seiten abzugewinnen vermag wie Frhr. v.Schlicht. Fast jedes Jahr bringt uns einen neuen Roman aus seiner Feder, der eine Seite — meistens sind es Schattenseiten — des militärischen Lebens behandelt. Es kann nicht ausbleiben, daß bei solcher Fruchtbarkeit, die sich immer auf demselben Boden bewegt, manches zur Schablone wird. Wiederkehrend treten einige Leute auf, die entweder Leutnants der Reserve oder Offiziere a. D. sind, die dem lieben Publikum auseinandersetzen, daß eigentlich trotz der glänzenden Außenseite an unseren militärischen Einrichtungen, soweit sie wenigstens die Stellung des Offiziers in seinen verschiedenen Variationen angehen, nicht viel daran ist, daß derjenige, der sich dem Heere zu eigen gibt, ihm zeitlebens verfallen ist, ob er nun als Reserveleutnant ins Zivilleben zurückkehrt oder er den blauen Brief mit oder ohne Uniform erhalten hat. Immer noch fesselt ihn entweder der Ehrenrat oder das, „was er gewesen ist”, um sich ausleben zu können. Daß dabei namentlich der Infanterie- und Kavallerie-Offizier nicht genug Kenntnisse mitbekommt, um, nachdem er den bunten Rock ausgezogen hat, sich selbständig machen zu können, ist nur eine Seite des Trauerspiels, das Schlicht vor uns aufführt. Selbstverständlich gehen nicht alle ins Elend; es gibt auch eine Kehrseite der Medaille; die tüchtigen Kerle, wie sein Leutnant a. D. v. Rhaden, ringen sich hier durch, erwerben sich eine Stellung, ohne an ihrer Ehre Schaden zu leiden, und machen eventuell eine reiche Heirat; aber das ist nur ein kleiner Prozentsatz. Die meisten, lebensunerfahren, wie sie sind, gehen unter. Ob dazu nicht mindestens ebensoviel der eigene Charakter wie der Beruf, den sie gewählt haben, beiträgt, ist eine Frage, die der Dichter ziemlich bei Seite läßt. Aber, wie alle Sachen Schlichts, liest sich auch dieser Roman flott, so daß er, wie sein Vorgänger, dem Verfasser einen Haufen Geld einbringen wird, wie er einen seiner Offiziere a. D., Herrn von Elmholz, einmal sagen läßt.
          Arthur Obst.


„Berliner Tageblatt” vom 28.April 1909:

Freiherr v. Schlicht. Offiziere a. D. Verlag von B. Elischer Nachfolger in Leipzig.

Ein ungelöstes soziales Problem behandelt Freiherr v. Schlicht in seinem neuen Buch. Er spricht von dem Tal finsterer Not, in das die Offiziere von ihrer strahlenden Höhe ganz plötzlich gestoßen werden, wenn der blaue Brief sie ereilt. Und dieser „Todsengel” scheint blind wie ein Naturgesetz zu walten; er trifft junge und alte, schlechte und brave, schneidige Kerle und schlappe Soldaten mit seinem Schwert — wegen irgend eines mikroskopischen Fleckchens, das, dem freien Auge unsichtbar, ihnen angeflogen ist. Schlicht zeigt an einigen Beispielen, wie unendlich schwer, ja fast unmöglich es den Offizieren a. D. ist, einen passenden Erwerb zu finden, besonders wenn die belassene Uniform ihnen als Fessel angehängt ist. Man muß schon ein strahlender Jüngling wie der Herr v. Rhaden sein, damit es einem gelingt, wieder hochzukommen, ein Siegfried mit der Mappe des fleißigen Versicherungsagenten unter dem Arm, damit man ein bildschönes, reiches, von aller Gartenlaubenromantik überstrahltes Fräulein findet, das den armen Schächer von dem Kreuz des Suchens nach Versicherungs­bedürftigen erlöst und ihn zu sich auf die Sonnenhöhe des Lebens emporzieht. Schlicht hat das soziale Problem, das auf seinem Weg lag, nicht gerade tief angegriffen, Licht und Finsternis in dem Buch sind nur Theatereffekte, aber der liebenswürdige, gewandte Erzähler zeigt sich auch in diesem neuen Roman.
af.


„Neue Hamburger Zeitung” vom 12.Juni 1909:

Offiziere a. D. Militärroman von Freiherr von Schlicht. Leipzig. B.Elischer, Nachfolger.

Der Roman zeigt die ausgezeichnete Sachkenntnis des Autors; dagegen ist seine Erfindungsgabe nicht eben stark. Das düstere Gemälde von dem Elend gewesener Offiziere, die sich ihrer ganzen Natur nach in die bürgerliche Gesellschaft, wie sie ist, nicht hineinpassen können, macht den Eindruck großer Lebenswahrheit. Es ist dem Helden, dessen nobler Charakter erfreut, gewiß zu gönnen, daß er, nachdem er einen harten Kursus in der Arbeit durchgemacht hat, die Millionenerbin kriegt. Nur — mit dieser mehr als glänzenden Lösung beraubt der Verfasser die Geschichte ihres wesentlichen Vorzugs: des Typischen.


„Preßburger Zeitung” vom 30.Mai 1909:

Freiherr von Schlicht, Offiziere a. D. Militärroman. Mk. 4, geb. Mk. 5. Verlag von B. Elischer Nachf., Leipzig.

Ein ernstes lustiges Buch. Ernst in seiner Tendenz und doch auch wieder so voll lebendigen, echt Schlicht'schen Humors. Ein Tendenzroman — ja, und sogar einer mit starker Tendenz, aber keiner von denen, die nach Sensation haschen. Der Verfasser malt nicht Grau in Grau, er karikirt nicht und verfällt nicht in den Fehler, auch dort das Konto des kritisirten Systems zu belasten, wo den einzelnen, von diesem System betroffenen Personen nur die eigene Charakterveranlagung zum Verhängniß wird. Gerade durch die, ich möchte sagen peinliche Sachlichkeit, mit der das Schlicht'sche Buch das Leben der Offiziere a. D. schildert, hebt es sich über die übliche Tendenzliteratur weit hinaus und wird zu einem werthvollen Kulturdokument. Ja es ist ein großzügig angelegtes und künstlerisch ausgeführtes Sittengemälde, das uns der Meister des modernen Militärromans in seinem jüngsten Werke geschenkt hat. Ein Buch, das nicht nur Aufsehen erregen, sondern auch von bleibender Bedeutung sein wird.


„Beiblatt der Deutschen Romanzeitung”, Jahrgg. 1915/16, Heft 11, Seite 262 und
„Beiblatt der Deutschen Romanzeitung”, Jahrgg. 1916/17, Heft 11, Seite 265:

Weihnachtsbücher.
Wer in ernster Zeit sich erheitern will, greift zu den Büchern des Freiherrn von Schlicht, dessen „Weit vom Schuß” ein lustiges Buch ist. Die Schatten und Lichter, die der Krieg in die kleine, aber feine Provinzstadt wirft, werden mit Meisterhand höchst humorvoll gezeichnet. Der Major z.D., Garnisonältester, die schöne, elegante Ostpreußin, die kleine Loni, die für ihren Schauspieler schwärmt, der Klaviervirtuose Thorwald, der an der Extrablattkrankheit leidet, und schließlich Dorette, bei der aus Mitleid mit ihrem verwundeten Offizier eine reine und tiefe Liebe entsteht, sie alle führen uns in ansprechender Weise das Leben vor Augen, wie es sich „weit vom Schuß” abspielt.


„Berliner Tageblatt” vom 16.12.1915:

Ein anderes „lustiges Buch aus ernster Zeit” hat uns Freiherr v. Schlicht in seinem Roman „Weit vom Schuß” gegeben. (Verlag Otto Janke, Berlin.) Es handelt zwar vom Kriege und Kriegsstimmungen; diese sind jedoch alle in einem heiteren Spiegel aufgefangen und strahlen gesunden Humor zurück. In drolligen Typen wird die komische Seite verlebendigt, die der Krieg in einer kleinen Provinzstadt auslöst. Die Extrblattkrankheit des Klaviervirtuosen Thorwald, die schwärmerische Loni, die stille Liebe Dorettes zu ihrem verwundeten Offizier, diese und zahlreiche andere Gestalten sind in eine ebenso heitere wie unterhaltsame Geschichte verflochten, die, aus der Feder des bewährten Militärschriftstellers stammend, sich von selbst empfiehlt.
J.E.Poritzky.


„Preßburger Zeitung” vom 25.4.1915:

Weit vom Schuß. In einer kleinen Provinzstadt erregte seit einiger Zeit eine Dame aus Ostpreußen allgemeine Aufmerksamkeit; daß sie eine blendende Schönheit besaß, dafür konnte sie ja schließlich nichts, daß sie aber zugleich steinreich war und dies durch ihre höchst elegante Kleidung ausdrückte, war doch etwas, was man nicht ohne weiteres hinnehmen durfte. Der Major v. L., zurzeit Garnisonältester der Stadt, wurde daher von Ihrer Exzellenz Frau v. F. ins Verhör genommen, um dem Unfug zu steuern. Aber der Major erwiderte zum Erstaunen der Frau v. F., daß er den Rat gebe, die „Deutsche Romanzeitung” zu abonnieren, da nämlich die Fortsetzung der höchst spannenden und unterhaltenden Geschichte in dieser beliebten Wochenschrift zu erfahren ist. Denn „Weit vom Schuß” spielt der neue Roman von Freiherr von Schlicht. Die Schatten und Lichter, die der Krieg in die kleine aber feine Provinzstadt wirft, werden von Schlichts Meisterhand höcht humorvoll gezeichnet. Der Major z. D., Garnisonältester, die schöne elegante Ostpreußin, die kleine Loni, die für ihren Schauspieler schwärmt, der Klaviervirtuos Thorwald, der an der Extrablattkrankheit leidet, und schließlich Dorette, bei der aus Mitleid mit ihrem verwundeten Offizier eine reine und tiefe Liebe entsteht, sie alle führen uns in überaus entsprechender Weise das Leben vor Augen, wie es sich weit vom Schuß abspielt.

Dieser Roman begann am 1. April. Bezugspreis der Deutschen Romanzeitung für das Vierteljahr M. 3,50. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, bei mangelnder Gelegenheit durch den Verlag Otto Janke, berlin SW 11, Anhaltstraße 8. Probenummer wird gern kostenlos übersendet.


„Die Zukunft”, 3.Juli 1897, Band 20, S. 36

Aus der Schule geplaudert. Militärhumoresken. Berlin. Freund & Jeckel.

Militärhumoresken sind von Hackländer und Winterfeldt an bis auf unsere Tage in ungezählten Mengen geschrieben worden und es dürfte auf den ersten Blick überflüssig erscheinen, der Menge noch mehr hinzuzufügen. Ich hätte es auch nicht gethan, wenn ich nicht glaubte, etwas Neues zu bringen; nicht Humoresken, wie sie, meist von Damen geschrieben, zur Manöverzeit überall zu finden sind, sondern Schilderungen aus dem Offiziersleben. Ess scheint so ernst, so kommissig, — wer aber Augen hat, zu sehen, Der sieht in dem Verhältniß der Disziplin und der Subordination genug Komik. Die unnahbare Würde der Vorgesetzten, das stete Besserwissen jedes Aelteren: Dies und vieles Andere suchte ich mit einigem Humor zu beleuchten; ich wollte den Schleier lüften, der für Uneingeweihte über dem militärischen Leben liegt. Keine schimpfenden Unteroffiziere und keine groben Regiments­kommandeure zeige ich, sondern einfach, „wie es gemacht wird”! Ob die Kritik Zeit finden wird, mein kleines Buch zu besprechen? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es; denn ich möchte, daß das Buch trotz seinem humoristischen Inhalt ernst genommen würde.


„Brünner Tagesbote” vom 27.Aug. 1910 und
„Meraner Zeitung” vom 14.Aug. 1910:

Freiherr v. Schlicht. Der Schwippleutnant, Humoristischer Roman, Prei 4 M., eleg. geb. 5 M. (Verlag von B. Elischer Nachfolger, Leipzig.) Ein richtiger Leutnant weiß nicht nur im Kriege zu siegen, zumal wenn er noch jung ist und ihm „ein fühlend Herz im Busen schlägt”. Elan und Schneidigkeit auch im Liebeskampfe zu zeigen, ist für ihn geradezu Ehrensache. Mitten hinein in solch „Schlachtengewühl” führt uns in seinem jüngsten Werke der beste Kenner preußischen Soldatenlebens, der originellste Schilderer preußischen Soldatenlebens, Freiherr v. Schlicht. Auf hoher sicherer Warte stehen wir gleichsam da und rings umtobt uns heißes Ringen: Dort stürmt der Feind heran, dort flüchtet er, dort wogt der Streit noch unentschieden hin und wieder und dort ergibt man sich bereits und streckt — lächelnd, nach nur kurzem Scheinkampfe — seine Waffen. Hoch über dieser Wahlstatt aber schwebt als „Schlechtenlenker” der Schwippleutnant — unparteiisch und ungerührt, bis — ja, bis — nein, es wäre doch zu schade, hier den „Verräter” zu spielen. Und ich will auch nichts ausplaudern von den aufs Zwerchfell wahrhaft „erschütternd” wirkenden Herzens­irrfahrten des „Langen”, von dessen schreibgewandtem Burschen, dem großen Liebesrealisten Krönke, von dem donnerwetter­gesegneten Bombenleutnant, dem feschen „Schwippkonkurrenten” der Husaren und — den vielen, vielen, süßen Mädels! Das lese und — belache man nur selbst! Denn lachen wird man, und auch der enragierteste Friedensfanatiker wird nach der Lektüre dieses schon äußerlich sehr „anziehenden” Bandes zugeben, daß mitunter „so a bissel Krieg” doch seine Vorzüge hat!


„Brünner Tagesbote” vom 18.Juli 1908:

Freiherr v. Schlicht ist mit einem neuen, soeben im Verlage von B. Elischer Nachfolger, Leipzig, erschienenen Romane „Das Regimentsbaby” wieder auf sein ureigenstes Gebiet, das des Humors zurückgekehrt, nachdem er in seinen letzten Arbeiten mehrere ernste Themata behandelt hat. Und es scheint, als ob Schlicht sich selbst wieder darüber gefreut hat, einmal wieder lustig sein zu können — mit soviel Humor ist „Das Regimentsbaby” geschrieben. Freiherr v. Schlicht führt seine Leser in eine Garnisonsstadt, in der das Erscheinen einer jungen, reichen, sehr eleganten Berlinerin sämtliche Leutnants „mobil” macht. In der jungen Berlinerin hat Schlicht eine überaus lustige, übermütige Figur gezeichnet, aber auch deren Tante, eine alte Hofdame a. D., ist glänzend geschildert. Wie Schlicht die Leutnants schildert, dem Leben abgelauscht, ohne jede Karikatur und doch mit Hervorhebung ihrer kleinen menschlichen Schwächen ist bekannt, und sowohl das Regimentsbaby selbst wie sein Freund Schaeffel und der lange Kamecke sind Gestalten, jeder liebgewinnen muß.

„Meraner Zeitung” vom 7.Juni 1908 und
„Düna-Zeitung” vom 10.5./23.5. 1908:

Freiherr v. Schlicht, heute wohl unstreitig einer der am meisten gelesenen Schriftsteller, ist mit einem neuen, kürzlich erschienenen Romane „Das Regimentsbaby” wieder auf sein ureigenstes Gebiet, das des Humors zurückgekehrt, nachdem er in seinen letzten Arbeiten mehrere ernste Themata behandelt hat. Und es scheint, als ob Schlicht sich selbst darüber gefreut hat, einmal wieder lustig sein zu können — mit soviel Humor ist „Das Regimentsbaby” geschrieben. Freiherr v. Schlicht führt seine Leser in eine Garnisonsstadt, in der das Erscheinen einer jungen, reichen, sehr eleganten Berlinerin sämtliche Leutnants „mobil” macht. In der jungen Berlinerin hat Schlicht eine überaus lustige, übermütige Figur gezeichnet, aber auch deren Tante, eine alte Hofdame a. D., ist glänzend geschildert. Wie Schlicht die Leutnants schildert, dem Leben abgelauscht, ohne jede Karikatur und doch mit Hervorhebung ihrer kleinen menschlichen Schwächen und Thorheiten, ist bekannt, und sowohl das Regimentsbaby selbst wie sein Freund Schaeffel und der lange Kamecke sind Gestalten, jeder liebgewinnen muß. „Das Regimentsbaby” ist unzweifelhaft eines der lustigsten Bücher, die Schlicht je geschrieben hat, und die Sorgfalt, die er dieses Mal auch auf die Zeichnung der Frauengestalten verwendet hat, wird dazu beitragen, das „Regimentsbaby” zu dem gelesensten Buch der bevorstehenden Reisesaison zu machen. (Verlag von B. Elischer Nachfolger in Leipzig. Preis 3 M., geb. 4 M.)

„Grazer Tagblatt” vom 21.5.1908 und 16.Okt 1909:

Das Regimentsbaby. Roman von Freih. v. Schlicht. Verlag von B. Elischers Nachf., Leipzig. Preis 3 Mark. — Freih. v. Schlicht, heute wohl unstreitig einer der am meisten gelesenen Schriftsteller, ist mit einem neuen, soeben erschienenen Romane „Das Regimentsbaby” wieder auf sein ureigenstes Gebiet, das des Humors, zurückgekehrt. Freih. v. Schlicht führt seine Leser in eine Garnisonstadt, in der das Erscheinen einer jungen, reichen, sehr eleganten Berlinerin sämtliche Leutnante „mobil” macht. In der jungen Berlinerin hat Schlicht eine überaus lustige, übermütige Figur gezeichnet, aber auch deren Tante, eine alte Hofdame a. D., ist glänzend geschildert. Wie Schlicht die Leutnante schildert, dem Leben abgelauscht, ohne jede Karikatur und doch mit Hervorhebung ihrer kleinen menschlichen Schwächen und Torheiten, ist bekannt, und sowohl das Regimentsbaby selbst wie sein Freund Schaeffel und der lange Kamecke sind Gestalten, jeder liebgewinnen muß.


„Brünner Tagesbote” vom 12.Jan. 1907:

Freiherr v. Schlicht: Mobil. Roman. Umschlagzeichnung von E. Thöny. Verlag von Albert Langen. in München. Dieser neue Roman von Freiherrn v. Schlicht spielt im Jahre 1905, zu jener Zeit, da es in Deutschland so sehr nach Krieg aussah und die Mobilmachung gerade von den „gut unterrichteten Kreisen” eigentlich jeden Tag erwartet wurde. Nun, es ist zum Kriege nicht gekommen; auch in dem Schlichtschen Romane löst sich zum Schlusse die bange Spannung, die die Offiziere vor dem Worte „Mobil” ergriffen hat. Wir erhalten hier also keinen neuem Aufguß der in letzter Zeit wunderlicherweise so beliebt gewordenen Zukunfts­kriegs­romane, sondern eine von Leben und Laune durchleuchtete Schilderung aus dem Offiziersleben im Frieden, bei der der Dienst ebensowenig zu kurz kommt als die Geselligkeit und — natürlich — die Liebe. Wie man weiß, kennt der Freiherr v. Schlicht sein Milieu. Er ist nicht blind für die Mißstände, die dem deutschen Heere natürlich auch nicht fehlen, aber man fühlt in diesem Romane durchaus, daß er ein Herz für den deutschen Offizier hat. Der Held des Romanes, der junge Leutnant v. Tromberg, mag ja manche Leutnantsschwäche, manche typische Leutnantsschwäche haben. Aber ist er im Grunde nicht ein sympathischer Kerl? Muß man ihn nicht lieb gewinnen? So ist der ganze Roman ein recht liebenswürdiges Buch geworden.


„Brünner Tagesbote” vom 15.Sep. 1906 und
„Militär-Zeitung” vom 7.Febr. 1907:

Freiherr v. Schlicht: Die Kommandeuse. Militärhumoresken. Umschlagzeichnung von E. Thöny. Verlag von Albert Langen. in München. Ein neuer Band Militärhumoresken des Freiherrn v. Schlicht wird von seinen zahlreichen Freunden immer wieder mit Freude willkommen geheißen. Und das mit Recht. Versteht er es doch wie keiner, gegen Hypochondrie und Langeweile erfolgreich zu Felde zu ziehen. Und schier unerschöpflich ist der Quell seiner Laune und seiner Fähigkeit, dem Militärleben seine dankbaren Stoffe zu entnehmen. Er bleibt in seinen Schilderungen frisch und sein Zugreifen ist noch ebenso keck und humorvoll wie in seinen ersten Bänden. Das zeigt er in dem vorliegenden Bande, der nach der ersten Humoreske „Die Kommandeuse” benannt ist, wieder aufs neue. Und gleich diese erste Geschichte von der energischen Kommandeuse, die noch unerbittlicher als der gestrenge Herr Gemahl das Zepter über die Damen des Regiments schwingen will, dabei aber von einer blutjungen Leutnantsfrau eine empfindliche Schlappe erleidet, ist ein köstliches Pröbchen frischen Humors. Aber sie wird doch noch übertroffen von der amüsanten Geschichte vom „Gefechtesel”, der frommen Stute des Herrn Hauptmann, die an Umfang immer mehr zunimmt, ohne daß es sich der Hauptmann erklären kann, und die dann im entscheidenden Momente der Schlacht, gerade als der Herr Hauptmann zum Angriff vorgehen soll, sich niederlegt und nicht eher wieder aufsteht, bis statt des einen Gefechtsesels deren zwei das Ende der Schlacht mitansehen . . .


„Marburger Zeitung” vom 15.12.1898:

Als zweiter Band des achten Jahrganges der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde” (Geschäftsleitung Alfred Schall, Hofbuchhändler, Berlin W. 62) erschien soeben: Armeetypen. Humoresken von Freih. von Schlicht. Umfang 15 Bogen. Preis geheftet 2 Mk. 50 Pf., eleg. gebunden 3 Mk. 50 Pf. Für Mitglieder des „Vereins der Bücherfreunde” kostet der Band nur 1 Mk. 85 Pf. geheftet, 2 Mk. 25 Pf. eleg. gebunden.
Selten ist es einem Autor in so kurzer Zeit gelungen, bekannt und beliebt zu werden wie dem Freiherrn von Schlicht, dessen bisher erschienene Bücher den einstimmigen Beifall des Publicums und der Presse fanden. Das, wodurch Freih. v. Schlicht sich seinen Namen machte, ist die Eigenart seines Schaffens, er hat ein ganz neues Genre der militärischen Humoresken erfunden, er schreibt keine Erzählungen mit mehr oder weniger gesuchten Pointen, er erzählt keine Liebesgeschichten à la Hackländer oder Winterfeldt, sondern er findet den Stoff für seine humoristischen Schilderungen in dem alltäglichen Garnisonleben. Seinem Auge entgeht nichts und was er gesehen, weiß er mit köstlichem Humor zu schildern und so plastisch darzustellen, daß der Leser die Menschen, ihr Thun und Treiben vor Augen sieht. Ein Hauptvorzug der Schlicht'schen Militär-Humoresken ist, daß sie namentlich auch in der Damenwelt mit größtem Interesse gelesen werden und so wird auch Schlichts Buch „Armeetypen” nicht nur in militärischen, sondern auch in nichtmilitärischen Kreisen allen Freunden einer heiteren Lectüre sehr wilkommen sein. Im Hinblick auf die nahende Weihnachtszeit können wir ein Abonnement auf den „Verein der Bücherfreunde” als eines von denjenigen Geschenken bezeichnen, die für den deutschen Familientisch Zierde und Nutzen zugleich sind.


„Danzers Armee-Zeitung” vom 2.4.1903:

Der höfliche Meldereiter. Militärische Humoresken und Satiren von Freiherrn v. Schlicht. Dresden, Carl Reißner, 1903.

Das literarische Charakterbild des Freiherrn v. Schlicht steht bereits fest. Das Pseudonym deckt bekanntlich den Namen Wolf Graf v. Baudissin; geboren 30. Jänner 1867 zu Schleswig als Sohn eines Premierlieutenants, später selbst Lieutenant im 2. hanseatischen Infanterieregiment Nr. 76, lebt er schon seit Beginn der Neunzigerjahre ausschließlich seinem schriftstellerischen Berufe. In dem vorliegenden Band erscheinen wieder gegen zwei Dutzend Erzählungen gesammelt, welche Zeugniß davon ablegen, daß die Humorquelle des Freiherrn v. Schlicht noch lange nicht versiegt ist, trotz der Fruchtbarkeit, dank deren er jährlich oft zwei bis drei solcher Bände zu füllen vermag.


„Danzers Armee-Zeitung” vom 17.10.1901:

Der grobe Untergebene und andere Militär-Humoresken von Freiherrn von Schlicht. Berlin, Otto Janke, 1901, M. 1.

Im Feuilleton des heutigen Blattes publiciren wir aus dem vorliegenden neuesten Bande von Militär-Humoresken des Freiherrn v. Schlicht eine amüsamte Probe, welche vielleicht unseren Lesern Appetit machen wird, sich das ganze, zehn Stücke enthaltende Bändchen zu beschaffen. Denn sie sind wirklich köstlich und packend mit ihrem trockenen Humor, diese Schlicht'schen Caricaturen aus dem Militärleben. Wenn das Lachen über diese Novelletten vielleicht manchmal ein klein wenig Bitterkeit zurückläßt, so ist es höchstens die leider nicht ungerechtfertigte Befürchtung, daß nicht alle Leser den richtigen Standpunkt bei der Lectüre einnehmen dürften. Jeder Officier, überhaupt jeder vernünftige Mensch weiß, daß diese lustigen Geschichten heitere Caricaturen sind, die ein Körnchen Wahrheit und ein gewaltiges Stück spaßhafte Uebertreibung in sich schließen. Aber die übergroße Zahl der unvernünftigen Leser wird vielleicht die humoristische Einseitigkeit, welche das militärische Leben in diesen Erzählungen kennzeichnet, für die ganze Wahrheit halten. Und in den Köpfen solcher Leser kann so ein unschuldiges Bändchen rechtes Unheil anrichten. Daß dem Autor solche Tendenzen ferne lagen, beweist aber schon der Titel „Militär-Humoresken”.


„General-Anzeiger für Hamburg-Altona” vom 4.1.1907:

Im Schmuck der Waffen.

Neue Militärromane
(„Mobil”. Roman. Freih. v. Schlicht. Verlag Langen, München.
„Abgeschossen”. Roman. Heimfelsen. Verlag Continent, Berlin.)
Von Schlicht und Heimfelsen.

Freiherr von Schlicht hat wieder einmal die Bibliothek des deutschen Backfisches um einen Leutnantsroman bereichert. Oh, dieser Dichter! Wie er den Leutnant zu vergolden, wie er die sonnige Atmosphäre des Kasinolebens auf das Papier zu bannen versteht und wie er die Menschen im bunten Tuch seelisch zu lenken weiß. Die Paare kommen just so zusammen, wie sie zu einander passen, alles ist eitel Glück und Freude. „Mobil” heißt der Roman und der Friede bleibt auf der letzten Seite trotz aller Kriegsvorbereitungen doch erhalten, die bangen Mädchenherzen haben umsonst gezittert, die Helden bleiben zu Hause, werden nicht kämpfen und vom Feinde totgeschossen werden, sondern galant und liebenswürdig tanzen, schlittschuhlaufen, tennisspielen, kurschneiden. Die männliche Faust, die mit stählerner Gewalt den Säbelgriff umklammerte, kann weiterhin Manicure treiben und das begeistert flammende Auge wird nicht der Vaterlands­verteidigung strahlen, sondern der Frauenschönheit.

Zu schön, zu süß . . .

Ja, ja, der Dichter versteht die Menschen im bunten Rock, die immer an unrichtiger Stelle die Kur schneiden und schließlich doch an richtiger Stelle in den Ehehafen einlaufen. Dieser schneidige Leutnant Tromberg zum Beispiel: bildet sich der Kerl ein, Fräulein Wagner zu lieben, trotzdem sein Herz sich schon lange nach seines Hauptmanns Tochter Elly sehnt! Und der eifersüchtige, dicke Sturm, der sich ein Juggesellenglück noch immer vorlügt, während er schon bis über die Ohren in Fräulein Wagner verliebt ist. Aber hübsch ist es doch, wie sie ihn dazu kriegt, ihr eine Liebeserklärung zu machen. Sehr hübsch sogar. Und der dumme Tromberg: ist es nicht zum Lachen, wie er keine Ahnung hat, daß Elly nur ihn liebt. Das reine Wunder, daß er sie doch noch gekriegt hat!

Das kam nämlich so: also sie war doch seine Jugendgespielin (reizendes Wort übrigens) und er konnte es sich gar nicht denken, daß das mal anders werden sollte. Und dann, an ihrem Geburtstag, als er ihre Hand küßte, da fühlte er, wie eine Blutwelle von ihr zu ihm überschlug. Nach der berühmten Blutwelle kam der berühmte Moment, in dem er in „ihr” — wie die berühmte Romanstilblüte lautet — „das Weib” erkannte. Wenn man aber in seiner Jugendgespielin „das Weib” erkennt, dann küßt man sie und dann kommt der Hauptmannvater und die Hauptmänninmutter. Und der Hauptmann schimpft den Leutnant einen Dummkopf, weil er seine Freiheit aufgeben und heiraten will . . . na und alle freuen sich.

Seht Ihr, so ist Schlicht: liebt ihn, den Dichter!

Und Heimfelsen? . . . . .


„Neue Hamburger Zeitung” vom 22.12.1906:

Mobil. Roman von Freiherr v. Schlicht. Verlag von A lbert Langen, München.

Es gehört zu den traurigsten Erscheinungen der deutschen Literatur, daß starke Erfolge nur Dekadenz und Kolportage zutage fördern. Dieser Vorwurf trifft nicht nur die Nachahmer, sondern auch — und dies hauptsächlich! — die Träger der neuen Richtung selbst. Franz Adam Beyerlein hat mit seinem trefflichen Sensationsroman einen „Schlager” gemacht, aber zugleich massenhaft Unkraut versät. Freiherr v. Schlicht hielt anfangs die Mitte zwischen dem ernsten Autor von „Jena oder Sedan” und dem Schwätzer Bilse; seine „Erstklassigen Menschen”, sein „nervöser Leutnant” lasen sich ganz gut und erregten fast berechtigtes Aufsehen. Von da ab fiel Freiherrn v. Schlichts Kasernenkunst stetig und beschleunigt, um in „Mobil” das — hoffentlich! — tiefste Niveau zu erreichen. Das ist kein Militärroman mehr, das ist ein Seitenstück zur „Kleinen Garnison”. Ja, nicht einmal die Entschuldigung der „Gelegenheit” können wir hier gelten lassen, wo jeder Selbstkritik bare Schablonenarbeit an Stelle der Selbstvervoll­kommnung tritt. Dieses gedankenlose Kopieren und Variieren ist für unsere Belletristiker typisch, und wir müssen es beklagen, daß die Idee der Arbeitsteilung, der Spezialisierung der Individualität hierzulande bloß faule Früchte zeitigt. Es heißt auch deutschem Geiste Gewalt antun, wenn man von ihm Beschränkung auf spezielle Gebiete verlangt. Der Deutsche ist zum Spezialisten verdorben.

Die Handlung des Schlichtschen Romans nimmt mit beiden Ellenbogen Fühlung an aktuelle Ereignisse der jüngsten Politik. Die Marokkofrage, Bebel, last not least Elsaß-Lothringen — all' das spielt ein Röllchen in der mit Prospektive auf einen bevorstehenden Krieg geschriebenen Erzählung. Ein bißchen Reminiszenz an Beyerlein, ein Quentchen „Seestern”- Sensation, einige Kapitel Ehephilosophie; und das ganze brav unterspickt mit Zeitungsroman-Spannungen. In diesem uferlosen Meere schwimmen drei Leutnants, der gute, der hübsche und der böse. Außerdem auch zwei Mädchen, die sich natürlich mit dem „guten” und dem „hübschen” kriegen, während der Bösewicht leer ausgeht. Natürlich hat der „hübsche” Leutnant Schulden, dabei aber eine „Seele von Menschen” als Hauptmann und Schwiegervater in spe. Die alten Typen — und nicht einmal in neuer, sondern uralter Konfiguration.
Schloß Mokritz, Friedrich Freiherr v. Gagern.


„Neue Freie Presse” vom 22.2.1914:

Freiherr v. Schlicht: „Der Vortänzer bei Hofe” Verlag Elischer nachf., Leipzig, 1913.

Wolf Graf v. Baudissin — wie ja der bürgerliche Name des fruchtbaren Verfassers lautet — hat der deutschen Leserwelt schon manch unterhaltendes Buch geliefert und gilt schon infolge seiner Zugehörigkeit zu den Kreisen des Hochadels und Militärs als besonders prädestiniert zur Darstellung des „Dichtens und Trachtens” hoher und höchster Herrschaften. Im vorliegenden Roman ist jedoch der Verfasser des verbreiteten Milieuromans „Erstklassige Menschen” sowie einer Anzahl flotter Offiziershumoresken kaum wieder zu erkennen. Die Erzählung führt uns an einen kleinen deutschen Hof mit der reizenden Tochter des regierenden Herzogs, Prinzessin Rina [sic! D.Hrsgb.], im Mittelpunkt der Handlung. Diesem lustigen, immer zu tollen Streichen bereiten Fürstenkinde soll nun von ihrer bestgehaßten Obersthofmeisterin, welche ihre Allmacht bei Hofe von einer verstorbenen hohen Persönlichkeit herleitet, ein Bräutigam in der Person eines benachbarten Fürsten aufgedrängt werden. Dieser immens reiche und vermutlich in Hinsicht auf die heruntergekommenen Finanzverhältnisse des Erbprinzen als letzter Rettungsanker in Aussicht genommene Freier weiß jedoch gar nichts von der ihm zugedachten und seinerseits gar nicht begehrten Auszeichnung, denn er liebt nicht die Prinzessin, sondern deren schöne Hofdame Ursula v. Rengwitz. Um nun die Hauptbegünstigerin dieser, der Prinzessin drohenden Spekulationsheirat, die Obersthofmeisterin, schachmatt zu setzen, bedient sich Rina eines für eine Angehörige des Herrscherhauses nicht alltäglichen Mittels: sie nimmt die Hilfe eines schmucken, im Residenzorte garnisonierenden Leutnants, des Hans Joachim Baron Köttendorf, in Anspruch, den sie, um ihn stets in ihrer Umgebung und zu ihrer Disposition zu haben, einfach zum — Vortänzer der Hofbälle ernennt. Der Geschicklichkeit dieses vortanzenden Leutnants gelingt es nun nach allerhand Fährlichkeiten, die Intrigen der Obersthofmeisterin zu durchkreuzen, um sich schließlich die Prinzessin selbst, die sich natürlich schon längst in ihren jungen, schneidigen Helfershelfer verliebt hatte, zu erobern. Daß Rina am Ende ihrem durchlauchtigen Papa die Einwilligung zu dieser sicher sehr seltsamen Mesalliance abschmeichelt, sucht der Autor auch mit einem sonderbaren Grunde zu motivieren: Der Herzog, der seine Liaison mit einer schönen Schauspielerin ebenfalls surch einen Ehebund zu legitimieren vorhatte, wird von seinem jungen Töchterlein durchschaut und wagt nun keinen Widerspruch mehr. Eine übrigens recht originelle Liebeserklärung der Prinzessin an ihren Vortänzer, der ja seinerseits nie das Prävenire spielen könnte, schließt diese ganz unwahrscheinliche Fabel des Romans, der noch dazu mit allerlei operettenhaften Ingredienzien durchsetzt ist. Daß Schlicht spannend und unterhaltend zu erzählen weiß, ist ja bei einem so erprobten Routinier ebensowenig besonders zu rühmen wie seine lebenswahren Schilderungen aus dem Offiziersmilieu. Auch frischer Humor ist einzelnen Teilen des Buches nicht abzusprechen. Nur wird ihm wohl kein Leser in der geradezu häßlichen Szene finden wollen, in der sich der Offiziersspaß bis zur seelischen Mißhandlung eines armen polnischen Musketiers in einem Lazarett gefällt, noch dazu ohne alle dienstliche Veranlassung, sondern lediglich für einen Privatzweck des betreffenden Vorgesetzten. Gern möchten wir annehmen, daß ein derartiger Fall von Soldatenquälerei nur der dichterischen Phantasie und nicht wirklichen Vorbildern aus dem deutschen Kasernenleben entstammt.
Dr. August Stern.


„Danzers Armee-Zeitung” vom 19.2.1914:

Spemanns Goldenes Buch der Sitte, eine Hauskunde für jedermann. Durchgesehene neue Ausgabe von W. Graf v. Baudissin. Stuttgart 1913. W. Spemann. 710 S. Gebunden M. 6.

W. Graf Baudissin ist unter seinem Pseudonym besser bekannt: Freiherr v. Schlicht. Ueber die Humoresken oder schon gar über die Romane des Freiherrn v. Schlicht kann man verschiedener Meinung sein, das „Buch der Sitte” ist in seiner Art ein Meisterwerk. Nichts mehr von der trockenen Pedanterie der älteren Werke dieser Art, das langweilige „Buch des guten Tones” ist hier zu einem amüsanten, geistreichen, witzigen und oft auch boshaften geworden, der gestrenge Lehrer von anno dazumal hat sich in einen plaudernden Charmeur verwandelt, der im leichtesten Tone die heiklen Themen erledigt.

Auch wer auf eine glückliche gute Kinderstube zurückblicken darf, wird mitunter das Bedürfnis fühlen, sich über gewisse Etikettefragen Rats zu erholen. Der erfahrene Freund ist nicht stets zur Stelle, das „Goldene Buch der Sitte” kann stets zur Hand sein.


„Berliner Tageblatt” vom 27.11.1907:

Freiherr v. Schlicht hat im Verlage Albert Langen, München, einen neuen Band Militärhumoresken „Zu dumm!” erscheinen lassen, der ihn wieder als lachenden Beherrscher seines Spezialgebietes kennzeichnet. In diesen frisch und flott geschriebenen Geschichten aus Kaserne und Kasino findet man wie in den früheren Bändchen die amüsante Erfindergabe und den treffsicheren Humor des Verfassers wieder, der nicht nur erzählen, sondern auch charakterisieren kann. Alle Liebhaber derartiger Lektüre werden hier wieder auf ihre Rechnung kommen.


„Berliner Tageblatt” vom 31.8.1910:

Freiherr v. Schlicht.Die Frau und meine Frau. (Max Seyfert, Verlagsbuchhandlung, Dresden.)

Schlichts Art ist bekannt: flott, lustig, manchmal seicht, immer aber amüsant und unterhaltsam. „Die Frau und meine Frau” ist einer der besten Schlichts. Mit famoser Stimmung geißelt er die Launen und Unbeständigkeiten, die eine häßliche Frau unerträglich, eine hübsche Frau nur noch reizender machen, in einer bunten Reihe jener drolligen Bosheiten, die den Frauen mehr schmeicheln als sie erzürnen. Vieles ist ganz famos gesehen. „So sind sie!” werden die Männer lachend sagen; „Er hat gar nicht so Unrecht, der schlechte Mensch!” werden die Frauen denken. Rechnet man einige wenige gewaltsame Uebertreibungen ab, so kann man das Fazit ziehen: ein witziger Beitrag zur Psychologie des Weibchens. Die Lektüre bildet ein engenehmes, angeregtes Plauderstündchen.


„Berliner Tageblatt” vom 7.5.1912:

Freiherr v. Schlicht, dessen vor drei Monaten erschienenes Buch „Unverstandene Frauen” ihm eine Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften eingetragen hatte, hat von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung erhalten, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt ist.


„Berliner Tageblatt” vom 1.9.1912:

Neuerscheinungen: „Der Gardegraf.” Militärisch-humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht. Verlag Karl Reißner in Dresden.

Freiherr v. Schlicht tritt mit seinem fünfundzwanzigsten Militärroman an die Oeffentlichkeit. Es dünkt ein Kunststück, über ein und dasselbe Thema fünfundzwanzigmal ein dickleibiges Buch zu schreiben. Aber der Verfasser löst die schwere Aufgabe mit Geschick. Man ist ihm verpflichtet, daß er uns in seinen vielen Dichtungen das Heer näher bringt, daß er sich bemüht, uns das wahre Wesen desselben zu enthüllen. Gar manches spiegelt sich noch immer in der Phantasie des Laien verkehrt. Er vermag sich oft den Leutnant zum Beispiel nicht anders als „mit dem Monokel” vorzustellen. Ungeschminkt, in einfacher, natürlicher, oft burschikoser Weise, die aber gerade so ganz ungekünstelt das Richtige trifft, schildert Freiherr v. Schlicht die Erlebnisse eines gräflichen Oberleutnants, der aus einem Garderegiment in die Linieninfanterie verschlagen wird, der sich aber keineswegs als überfeudaler, hochnäsiger, sondern als ein liebenswürdiger Mensch und guter, braver Kamerad entpuppt. Köstlich ist die Schilderung der Erlebnisse beim Bemühen, die nicht ganz harmonische Ehe des Barons v. Falkenried ins rechte Geleis zu bringen, köstlich die Erlebnisse beim Versuch, den Leutnant Meier, der mit der Welt wegen seines Namens zerfallen ist, zu trösten. —

Voller Freimut werden die Schattenseiten des militärischen Lebens aufgedeckt, aber es wird auch auf die Lichtseiten hingewiesen, uns die Pflichttreue und das warm für seine Untergebenen schlagende Herz des Oberleutnants vor Augen geführt, den uns keiner nachmacht! Das alles wird überflutet von einer humoristischen Welle, die magnetisch in Bann hält, bis die letzte Seite des Buches aufgeschlagen wird.
L. Persius


„Meraner Zeitung” vom 16.Febr. 1910 und
„Preßburger Zeitung” vom 3.Okt. 1908:

Freiherr v. Schlicht: „Parade-Haare”. Humoresken und Satiren. Preis 2 m:, gebunden 3 M. (Verlag B Elischer Nachfolger in Leipzig.)

Es gibt heute wohl keinen zweiten, der in so graziöser Form „Kritik zu üben” versteht, wie Freiherr v. Schlicht. Dafür sind die „Parade-Haare”, sein neuestes Werk, in dem eine Anzahl gar lustiger Geschichten vereinigt sind, ein neuer Beweis. Aber nicht nur ein glänzender Humorist, als den ja Schlicht alle Welt kennt, sondern auch ein außerordentlich feiner Satiriker tritt uns in diesen elegant und fesselnd geschriebenen Skizzen entgegen. Ein Satiriker, der bei aller Schärfe stets ein liebenswürdiger „Gegner” bleibt. Wie er in seiner unübertrefflichen Art die immer maßgebenden Ansichten der Herren Vorgesetzten ausplaudert und die eigentlich garnicht existenzberechtigten Gedanken der Untergebenen errät, das werden selbst die, „die es angeht”, ohne Groll, wohl aber oft mit verständnisvollem Lächeln ad notam nehmen. Und ich wette, das pessimistischste Menschenkind wird sich zu der Sünde des Lachens verleiten lassen, wenn es liest, wie Prinz Peter nach vollendeter Schulbildung („obgleich er erst 16 Jahre alt war”) von dem hohen Papa auf die erste „Bildungsreise” geschickt ward. Aber auch all das andere, das uns der Verfasser erzählt, von den für den Geist und die Kriegstüchtigkeit seiner Truppe ganz ungemein wichtigen „Parade-Haaren” angefangen bis zu dem so tragikomisch seinen Zweck verfehlenden „Himbeerhöschen”, wird manch fröhliches Gesicht hervorzaubern. Darum — wer sich und anderen ein paar wirklich heitere Stunden bereiten möchte, der kaufe dieses Buch. (Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.)


„Meraner Zeitung” vom 26.Jan. 1910:

Freiherr v. Schlicht, „Exzellenz ist wütend!” und andere Militär-Humoresken. Preis 2 Mk., gebunden 3 Mk. Verlag von B. Elischer Nachf., Leipzig.

Freiherr v. Schlicht, der heute wohl an der Spitze der „militärischen Abteilung” unserer Belletristik marschiert, schenkt uns in diesem Skizzenband eine Reihe origineller, feinsatirischer Geschichten, die wieder einmal mit einem ganz prächtigen Humor erzählt sind. Ich wenigstens wüßte nicht, wie man es anfangen solle, über den kleinen ehrgeizigen Leutnant v. Ambach nicht zu lachen, dieses Teufeskerlchen, das von seiner stolzen Vollblutstute herab höchst eigenmächtig mißverstehend sämtliche Waffengattungen mit der „Wut Sr. Exzellenz” beglückt. Und ich fürchte, die ihrer edelsten Bestimmung entrückte Nase des Herrn v. Bandorf wird diese Heiterkeit nicht eben dämpfen. Aber schließlich ist ja dieser ganze Band ein „sündhaft” übermütiges, lustiges Ding, ein echter Schlicht vom ersten bis zum letzten Wort.


„Meraner Zeitung” vom 2.Juni 1911:

Freiherr v. Schlicht, „Der Adjutant Seiner Hoheit”. Humorist. Roman. Preis Mk. 4,-, geb. Mk. 5,-. (Verlag von B. Elischer Nachf., Leipzig)

Es war von jeher reizvoll, einen Blick in das amüsante und intrigante Leben und Treiben einer kleinen Residenz zu tun, geradezu faszinierend wirkt es jedoch, wenn uns ein so originell-witziger und spottsüchtiger Plauderer, wie es der Freiherr von Schlicht ist, in jene Kreise einführt. Dem neuen, aus einem „fremden” Staate berufenen Adjutanten des jungen Herzogs, Baron Waltersdorf, wird — aller dreimal geheiligten Tradition zum Hohn — ein „eigener” Hofwagen gestellt! Wahrlich Grund genug, um die an und für sich recht wenig wohlwollenden Gefühle aller derer, die „etwas sind”, d. h. die bei Hofe verkehren dürfen, gegen den „Eindringling” zum wilden Haß anschwellen zu lassen. Ja, es kommt unter der Anführung der streitbaren Frau Oberstallmeisterin von Pritzelwitz zu einer richtigen Verschwörung und man ist bereits dabei, bei Kaffee und Kuchen die unfehlbarsten Pläne zum Sturze des „sittenlosen” Günstlings zu schmieden, als sich höchst drolliger Weise „das Blättchen wendet”, und die arme Frau Oberstallmeisterin muß am Ende gar noch „diesen unausstehlichen Menschen” als geliebten Schwiegersohn ans Herz drücken. An das ach so schwer enttäuschte Herz! Denn diese „Person”, die Baronesse Lolotte, die berückend schöne, sehr, sehr pikante Cousine des Adjutanten Seiner Hoheit erheiratet sich nach ihrer „Rehabilitierung” mit köstlichem Elan den alten, schwerreichen Intendanten, den die fürsorgende Mama Pritzelwitz doch eigentlich ihrer Tochter zugedacht hatte. — „Es kommt eben immer anders,” diese Binsenwahrheit bleibt auch dem kleinen „kinderwütigen” Leutnant Marburg nicht erspart, und nach kühnen, ach nur allzu kühnen Freiersfahrten landet er trotz des über Nacht, d. h. über Tag erworbenen Mammons in einem recht bescheidenen Ehehafen!

„Rigasche Zeitung” vom 16.7.1911:

Der Adjutant Seiner Hoheit. Humoristischer Roman von Freiherr von Schlicht. Verlag von B. Elischer Nachfolger in Leipzig.

Baron Waltersdorf wird zur Enttäuschung vieler anderer Anwärter auf den gleichen Posten zum Adjutanten Seiner Hoheit ernannt. Seine Stellung wird ihm aber durch das kaum verborgene Uebelwollen erschwert, das diejenigen, die bei Hofe etwas gelten, dem Eindringling — Waltersdorf wurde aus einem „fremden” Staat herberufen, allen Traditionen zum Trotz — entgegenbringen. Wie die Dinge sich nun verketten — wobei eine sehr schöne und ebenso vorurteilslose Kusine Waltersdorfs eine Rolle spielt — kommt es zu einer regelrechten Verschwörung am Kaffeetisch der übrigens ganz ins Possenhafte fallenden Figur der Frau Oberstallmeisterin von Pritzelwitz. Ihrer Tochter gelingt es durch einen mit Entschlossenheit und Kühnheit herbeigeführten Gewaltstreich, den im Stillen geliebten jungen Adjutanten zu rehabilitieren und die eigene Mutter aufs äußerste zu blamieren. Zum Schluß gibt es drei Verlobungen, von denen zwei mit unbestreitbar gutem Humor in Szene gesetzt worden sind. Das wäre also der neueste humoristische Roman der Freiherrn von Schlicht (Graf Wolff von Baudissin)! Er hat viel geschrieben und auf dem Gebiete der Militärhumoreske wirklich Gutes geboten, er hat sich Freunde erworben, die mit froher Erwartung jedes neue Werk, sei es dramatisch oder episch, von ihm begrüßen, dieses Buch gehört leider zu denen, die zuviel geschrieben wurden. Zuzugestehen ist, daß sich auch hier trotz der häufigen Breiten, und trotz manch leerer Stelle, dennoch soviel echt humoristische Art, die bösen und guten Spenden des Lebens zu nehmen und zu sehen, findet, daß man die Hoffnung auf das bessere Gelingen des nächsten Buches nicht aufgeben wird.


„Neue Hamburger Zeitung” vom 19.3.1900:

Das Leben in Waffen, das der unseren Lesern wohlbekannte Frhr. v. Schlicht zu schreiben übernommen hat, verspricht nach mehr als einer Richtung Interesse zu erwecken. Der erste Teil wenigstens, der unter dem Titel: „Leutnantsleben” im Verlage von W. Spemann (Berlin und Stuttgart) erschienen ist, verdient allgemeine Beachtung. Während sich der Verfasser bisher damit begnügte, in flott geschriebenen Skizzen einzelne komische Seiten des Soldatenlebens nachzuzeichnen, geht er im „Leutnantsleben” systematischer vor. Er giebt in der Form des Romans eine Entwickelung des preußischen Offiziers überhaupt. Der Held der Geschichte, Viktor von Drawatzki, spiegelt in seinen Erlebnissen zugleich das gesamte preußische Offiziersleben wieder. Wir sehen, wie Viktor als junger Avantageur in ein Leibregiment eintritt, wie er die Kriegsschule besucht und nach weniger als zwei Jahren zum Leutnant avanciert; wir verfolgen seine Laufbahn dann weiter, wie er sich allmählich in die Form und Art des preußischen Offiziers hineinfindet, Adjutant wird, die Kriegsakademie besucht, eine Braut findet und schließlich zum Hauptmann befördert wird. Diese Lebensgeschichte ist sehr hübsch erzählt, voll lustiger Episoden, wie man dies bei Frhrn. v. Schlicht erwarten mußte. Daneben kommt aber auch der Kulturhistoriker auf seine Rechnung. Denn mit dem Helden lernt auch der Leser den preußischen Offizier kennen nicht bloß in seinen dienstlichen, sondern auch in seinen sozialen Beziehungen. Das Offizierkorps bildet eine Welt für sich, mit besonderen gesellschaftlichen Gewohnheiten, besonderen Tugenden, besonderem Ehrbegriff; jedes neue Element muß sich der herrschenden Sitte anpassen, oder es wird mitleidslos abgestoßen. Der Einzelne steht beständig unter der Kontrolle aller seiner Kameraden; und nicht bloß der Verkehr unter einander, sondern ebenso mit Civilpersonen ist genau geregelt. Man merkt es, daß Frhr. v. Schlicht die soziale Organisation, die er schildert, aufs genaueste kennt; und besonders muß man zu seinem Ruhme sagen, daß er bei aller Liebe, die er dem Offizierkorps entgegenbringt, doch auch die Fehler und Mängel nicht vertuscht. So giebt er dem Leser Gelegenheit, einen Blick in diesen Staat im Staate zu thun, der sich sonst vor allem „Civil” so ängstlich abschließt. Man darf auf die Fortsetzung des „Lebens in Waffen” gespannt sein.


„Altonaer Nachrichten/Hamburger neueste Zeitung” vom 4.12.1907:

Offiziers-Ehen. Roman von Freiherr von Schlicht (Wien, Carl Konegen.) Preis 4 bzw. 5 Mk. —
In diesem Roman setzt der bekannte Militärschriftsteller seine Schilderungen des geistigen und gesellschaftlichen Lebens des deutschen Offizierkorps fort. Auch diesmal bietet Freiherr von Schlicht ein getreues Bild der tiefgehenden, in den Familienkreis, in die intimsten Verhältnisse des Offizierslebens greifenden Schäden, welche aus der übertriebenen Betonung des Kastengeistes und der hierarchischen Ordnung entspringen und sogar zu tragischen Konflikten zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, führen. So geht Oberst von Eckern in Pension, da ihm die Kosten seiner repräsentativen Stellung unerschwinglich werden und er sich nicht länger von seiner Schwester, die sich als „Kommandeuse” fühlt, aushalten lassen kann; so verfällt die Frau des Majors von Rockhausen in eine schwere Nervenkrankheit, da die fortwährenden Eifersüchteleien zwischen den Damen der Offiziere ihr armes Hirn zermartern; so verläßt Frau Leutnant Gillberg ihren Mann, den sie liebt und von dem sie geliebt wird, um zu ihren Eltern zurückzukehren, da er von ihr verlangt, daß sie sich den Frauen seiner Vorgesetzten unterordne. Aber Freiherr von Schlicht mildert die tristen Bilder durch die Lichter des Humors. Es steckt ja so viel persönliche Liebenswürdigkeit und aus der Pflichtfreude quellende heitere Lebensauffassung im deutschen Offizier, daß der wahre Sittenschilderer sie nicht übersehen kann. Und es macht nicht zum geringsten Teil den Wert und das spannende Interesse des neuesten Schlicht'schen Romans aus, daß es dem Autor gelungen ist, die harte Realität der Dinge mit dem der Wahrheit entsprechenden Maße von Heiterkeit in seiner Darstellung harmonisch zu vereinigen.


„Altonaer Nachrichten/Hamburger neueste Zeitung” vom 18.3.1916:

Der rote Pierrot. Von Freiherr von Schlicht (Verlag von Otto Janke, Berlin.) Preis 50 Pfg. —
Ein Bändchen heiterer Erzählungen sind gerade heute sehr willkommen; sehnen wir uns doch alle danach, uns wieder einmal harmlos freuen zu können. Mit einer richtigen Karnevalsgeschichte hebt Freiherr v. Schlicht an; aus Manöver und Kriegsbiwak erzählt er uns vergnügliche Schnurren; Sergeant Hoffka und sein Rekrut treten auf, und in der Nacht spukt der geheimnisvolle „Müsknüppel”. — „Der rote Pierrot” ist ein Büchlein, das uns herzlich lachen läßt.


„Börsen-Halle (Hamburg) vom 8.12.1907:

Arme Schlucker.
Militär-Humoresken und -Satiren von Frhrn. v. Schlicht
Leipzig-Berlin-Paris, Grethlein & Co.

Neun kleine Sachen werden hier geboten; der Titel der ersten ist die Flagge, die die gesamte Ladung deckt. Wörtlich zu verstehen ist er nicht: „Es gibt zweierlei arme Schlucker, solche, denen es nur unter den größten Entbehrungen möglich ist, ihr Leben zu fristen . . . auch unter den Reichen gibt es arme Schlucker, denn noch viel schlimmer als die Armut ist die Abhängigkeit.” So lauten einige der einleitenden Akkorde, die schon erkennen lassen sollten, welche Richtung das Ganze nehmen wird. Nachher stimmt aber die Geschichte nicht. Die acht folgenden Bildchen — sie nehmen insgesamt nur 135 Seiten in Anspruch — bringen alle möglichen Betrachtungen, Beobachtungen und Erlebnisse aus militärischen, höfischen und gesellschaft­lichen Kreisen, bunt durcheinander. Freiherr von Schlicht hat durch sie bewiesen, daß seine schriftstellerische Ader unverändert mit voller Kraft pulsiert. Und das ist schätzbar. Unzählige Leute haben Freude und Genuß davon. Etliches wird auch verschiedene Herrschaften ärgern. Aber es gibt auch gesundheits­fördernden Aerger, siehe Fritz Reuters Erfahrungen mit den Havejungen.


„Altonaer Nachrichten/Hamburger neueste Zeitung” vom 1.12.1905:

Garnison und Manöver. (Verlag von Georg E. Nagel). Band 13/14 der illustrierten Humoresken aus der Nagelschen 50 Pfg.-Bibliothek liegen heute vor uns. Und wenn wir uns die darin vertretenen Namen ansehen, so finden wir Autoren, die gerade als Militärschriftsteller einen guten Ruf genießen. Freiherr von Schlicht ist mit drei Humoresken vertreten, und auch der nicht minder bekannte Teo von Torn fehlt nicht. Ferner haben Beiträge dazu geliefert: E. Wecher, Karl Mode, Theodor Müller und Policarpo. Angehörigen und Freunden unseres „Volks in Waffen” werden die Humoresken einige heitere Augenblick verschaffen.


„Börsen-Halle (Hamburg) vom 20.1.1907:

Ein Kampf.
Humoristisch-militärische Erzählung aus einer kleinen Garnison,
Von Frhr. v. Schlicht.
Berlin W. 9, Globus-Verlag G.m.b.H.

Nicht alle Werke Schlichts habe ich gelesen. Das ging nicht an, denn dieser überaus fleißige Schriftsller schreibt viel, sehr viel. Von dem aber, was ich gelesen (an sich schon eine stattliche Anzahl Bände) zählt „Ein Kampf” zu den besten Schlichtschen Sachen. Die Erzählung birgt eine wahre Fülle fein humoristischer Episoden, und militärisch ist sie — ich möchte sagen selbstverständlich — durch und durch. Doch das sind Eigenschaften, die „Ein Kampf” mit seinen Geschwistern gemein hat. Daneben zeichnet er sich ihnen gegenüber in mehrfacher Beziehung aus. Zunächst findet sich hier, in hübschem Kontrast zu den erwähnten Scherzen, ein ernster, dramatisch belebter Hintergrund, starke, kräftig bewegte Liebe zwischen zwei hervorragend begabten Menschenkindern, die miteinander in einen Konflikt geraten, der schließlich ungefähr nach dem uralten Rezept gelöst wird, das in des großen Briten „taming of the shrew” zur Anwendung gelangt. Dann werden hier die einzelnen Gestalten der Umgebung gut auseinander gehalten; fast jede weist Eigenart auf. Auf dem Gebiet der Zeichnung und Entwicklung von Charakteren hat v. Schlicht entschieden Fortschritte gemacht. Schließlich sei lobend erwähnt, daß v. Schlicht dargetan hat, wie auch innerhalb des Rahmens der militärischen Disziplin ein tüchtiger Offizier sehr wohl dem Vorgesetzten gegenüber seine eigene Ansicht zur Geltung zu bringen vermag. Liest man die fast typisch gewordenen Geschichtchen anderer Autoren von dem, was im Offiziersleben „Schuster” genannt wird, so sollte man fast meinen, daß im deutschen Offizierkorps alles selbständige Denken und Handeln gegenüber anderer Meinung des Vorgesetzten nicht aufkommen könne. Dem ist gottlob nicht so, und v. Schlicht weiß dies Thema sehr ansprechend zu behandeln.


„Wiener Caricaturen” vom 26.3.1899:

Neue Bücher.

Als zweiter und dritter Band des achten Jahrganges der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde” (Geschäftsleitung Alfred Schall, Hofbuchhändler), Berlin W.62, erschien soeben:

Armeetypen. Humoresken von Freiherrn von Schlicht. Umfang 15 Bogen. Preis geheftet Mk. 2.50, elegant gebunden Mk. 3.50. Für Mitglieder des „Vereines für Bücherfreunde” kostet der Band nur Mk. 1.85 geheftet, Mk. 2.25 elegant gebunden.

Selten ist es einem Autor in so kurzer Zeit gelungen, bekannt und beliebt zu werden wie dem Freiherrn von Schlicht, dessen bisher erschienene Bücher den einstimmigen Beifall des Publicums und der Presse fanden. Das, wodurch Freiherr von Schlicht sich seinen Namen machte, ist die Eigenart seines Schaffens, er hat ein ganz neues Genre der militärischen Humoresken erfunden, er schreibt keine Erzählungen mit mehr oder weniger gesuchten Pointen, er erzählt keine Liebesgeschichten à la Hackländer oder Winterfeldt, sondern er findet den Stoff für seine humoristischen Schilderungen in dem alltäglichen Garnisonleben. Seinem Auge entgeht nichts und was er gesehen, weiß er mit köstlichem Humor zu schildern und so plastisch darzustellen, daß der Leser die Menschen, ihr Thun und Treiben vor Augen sieht. In dem Buche „Armeetypen” treten diese Vorzüge der Schlicht'schen Erzählungskunst ganz besonders hervor — mit dem Pänrich (Fähnrich) beginnend, schildert uns Schlicht mit liebenswürdigem, nie verletzendem Humor die Freuden und Leiden des Officiersstandes, charkteristische Typen, den „Schuster”, den „Drückeberger”, „die Wartefrau” und andere mehr herausgreifend und den Laien das Offisiersleben so schildernd, wie es sich in Wirklichkeit abspielt. Ein Hauptvorzug der Schlicht'schen Militär-Humoresken ist, daß sie namentlich auch in der Damenwelt mit größtem Interesse gelesen werden und so wird auch Schlicht's neuestes Buch „Armeetypen” nicht nur in militärischen, sondern auch in nichtmilitärischen Kreisen allen Freunden einer heiteren Lectüre sehr willkommen sein.


„Neues Wiener Journal” vom 10.7.1897:

(„Es gibt keine Ehre,”) sagt Graf Trast in dem Sudermann'schen Schauspiel „Ehre”. Aus Anlaß des Falles Brüsewitz und infolge der vielen Duelle ist im deutschen Reichstag in letzter Zeit viel von einem „übertriebenen Ehrgefühl der Officiere” gesprochen worden. Da dürfte ein Buch ganz besonderes Interesse erwecken, das den nächsten (31.) Band von „Kürschner's Bücherschatz” bildet. „Point d'honneur” nennt Freiherr v. Schlicht, der bekannte und viel gelesene Erzähler, seine sechs dem Officiersleben entnommenen Geschichten. Trefflich deckt sich der Titel mit dem Inhalt des Buches — die Ehre, das höchste Gut, das rein und makellos zu erhalten die erste Pflicht des Officiers ist, bildet den Kern einer jeden Erzählung. Freiherr v. Schlicht ist als Schilderer des Militärlebens Specialist, und der Wahrheit seiner Geschichten verdankt er seinen Ruf und seine Beliebtheit. So fühlen wir auch bei dem Lesen des vorliegenden Buches, daß der Autor uns nichts Erdichtetes, sondern Erlebtes bringt, und deshalb weinen wir über das Geschick seiner Helden, die als „Menschen” fehlen, wo der „Officier” nicht hätte straucheln dürfen. Auf die Rennbahn, den Spielsaal, das Officierscasino und in die Häuslichkeit der Officiere führen uns Schlicht's Erzählungen, und wohin er uns auch führt, wir folgen ihm gerne. „Kürschner's Bücherschatz”, der schon so viele interessante Bücher seinen Lesern zugängig gemacht hat, darf mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihm „Point d'honneur” zu den vielen alten, viele neue Freunde zuführen wird. „Point d'honneur” ist ein Buch, das nicht „durchblättert”, sondern wirklich gelesen sein will. Dieser neueste Band von „Kürschner's Bücherschatz” ist ebenso wie seine Vorgänger, ausschließlich zu beziehen durch unsere Expedition und unsere Träger. Preis 15 kr.


„Feuilleton-Beilage des Tagesboten aus Mähren und Schlesien” vom 20.5.1905:

Freiherr von Schlicht, Der nervöse Leutnant.” Humoresken. Zehntes Tausend. (Verlag von Albert Langen, München.)
Selbst als simpler „Feldwebel hinter der Front” kann man innerhalb seiner achtundzwanzig Tage immer wieder die ja nicht gerade neue Erkenntnis erwerben, daß das Militär eine ganze Welt für sich ist, wo männiglich die bisweilen recht unangenehm werdenden Lehren des „les extrêmes se touchent” à la minute serviert erhält, wo einem allstündlich der ganz und gar unvorschriftsmäßig kleine Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen vordemonstriert wird. Nun hat dieser Freiherr von Schlicht fabelhaft scharfe Organe für die Komik der Gegensätze und für jene Minuten — kostbarer Tragikomik voll — da „Vorgesetzte” angesichts „Untergebener” unfreiwillig den Beweis führen, daß auch sie irren können. Zudem erzählt Schlicht sehr gut. Und gewiß leidenschaftlich gern. Man kennt das an dem schmunzelnden Behagen, wie hier die Fabel mit echten und fingierten Hindernissen verbarrikadiert, die Pointe durch launige Einfälle geschickt hinausgeschoben wird. Außerdem gibt Schlicht etwas, was bei uns seit Hackländer niemand mehr so recht hatte: Lesebehaglichkeit.


„Neue Freie Presse” vom 18.3.1900:

Freiherr von Schlicht, „Ein Kampf”. Humoristisch-militärische Erzählung aus einer kleinen Garnison, Berlin, Janke.
Schlicht ist vortheilhaft bekannt als Verfasser scharfer, satirischer Skizzen aus dem Militärleben; „Ein Kampf” scheint seine erste größere Arbeit zu sein. Sie hält, was die Skizzen versprochen. Sie entrollt im Rahmen einer harmlosen Liebesgeschichte ein Bild des Lebens der Officiere in der kleinen Garnison; gute Laune führt den Pinsel, aber der Humor macht nur die Darstellung angenehm, nicht das Dargestellte. Zwei Seelen wohnen auch in der Brust Schlicht's. Als preußischer Baron und Soldat kann er sich schließlich eine andere Existenz, als die des Officiers für seine Standesgenossen kaum denken; als offener Kopf erkennt er aber die ganze Misère des Lebens in beständiger Unterordnung, und als aufrichtiger Soldat verhehlt er nicht, was er erkennt. Die flott geschriebene Militär-Humoreske, die sich so amüsant liest, ist eine sachverständige Schilderung des Kommiß-Elends, den älteren Officier verrathend, der schon nicht mehr mit den Avancir-Augen des Fähnrichs in die Welt schaut. Das Buch wird seinen Weg machen. Die sogenannten Schilderungen aus dem Garnisonsleben sind mit Recht in Mißkredit. Der Kommißhumor erweist sich jenseits der Kaserne gewöhnlich als ungenießbar. Schlicht's Buch ist das beiweitem Beste seines Genre. Der Autor ist ein wirklicher Humorist und flotter Zeichner. Wenn man will, kann man seine Erzählung auch als Culturdocument von nicht geringem Werthe bezeichnen.


„Pilsner Tagblatt” vom 9.7.1916:

Freiherr von Schlicht, „Der Gefechtsesel, Meiers Hose”. Zei Bändchen ausgewählte Militärhumoresken mit Umschlagzeichnungen von Eduard Thöny. Preis jedes Bändchens geheftet 1 Mark. — Verlag von Albert Langen in München. —
In diesen beiden im Verhältnis zum Preise sehr reichhaltigen und hübsch ausgestatteten Bändchen sind aus den früher zahlreich im Langenschen Verlage erschienenen Militärhumoresken des Freiherrn von Schlicht die besten ausgewählt, und so sind zwei Bücher entstanden, die heutzutage, wo militärische Dinge jedermann berühren und im Mittelpunkt des Interesses stehen, sicher vielen Leuten, namentlich auch unseren Soldaten im Felde, große Freude machen werden. Nach heiteren Büchern wird von draußen her ja immer wieder verlangt. Und was könnte unsere Feldgrauen besser unterhalten als diese Militärgeschichten aus fernen Friedenstagen. Der Freiherr von Schlicht kennt sein Milieu ausgezeichnet, darum bleibt er bei aller Lustigkeit immer im Bereich des Lebensmöglichen, und wo er selbst ein wenig karikiert, entstehen niemals lieblose Zerrbilder. Man spürt sofor, dazu hat man die Modelle, die ihm den Stoff bieten, andere lachen zu machen, viel zu gern . . .
So werden diese hübschen, von Meister Eduard Thöny mit schönen farbigen Umschlagzeichnungen geschmückten Bücher sicher großen Anklang und weite Verbreitung finden.


„Bozner Zeitung” vom 23.12.1907:

Offiziers-Ehen. Roman von Freiherr von Schlicht. (Wien, Karl Konegen. Preis M. 4,--, geb. M. 5,--)
Auch diesmal bietet Freiherr von Schlicht ein getreues Bild der tiefgehenden, in den Familienkreisen, in die intimsten Verhältnisse des Offizierslebens greifenden Schäden, welche aus der übertriebenen Betonung des Kastengeistes und der hierarchischen Ordnung entspringen und sogar zu tragischen Konflikten zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, führen. So geht Oberst von Eckern in Pension, da ihm die Kosten seiner repräsentativen Stellung unerschwinglich werden und er sich nicht länger von seiner Schwester, die sich als „Kommandeuse” fühlt, aushalten lassen kann; so verfällt die Frau des Majors von Rockhausen in eine schwere Nervenkrankheit, da die fortwährenden Eifersüchteleien zwischen den Damen der Offiziere ihr armes Hirn zermartern; so verläßt Frau Leutnant Gillberg ihren Mann, den sie liebt und von dem sie geliebt wird, um zu ihren Eltern zurückzukehren, da er von ihr verlangt, daß sie sich den Frauen seiner Vorgesetzten unterordne. Aber Freiherr von Schlicht mildert die trüben Bilder durch die Lichter des Humors. Es steckt ja soviel persönliche Liebenswürdigkeit und aus der Pflichtfreude quellende heitere Lebensauffassung im deutschen Offizier, daß der wahre Sittenschilderer sie nicht übersehen kann.


„Mährisch-Schlesische Presse” vom 11.2.1899,
„Bukowinaer Post” vom 16.3.1899 und
„Wiener Caricaturen” vom 26.3.1899:

Armeetypen. Humoresken von Freiherrn von Schlicht.(Umfang 15 Bogen. Preis geheftet 2 Mk 50 Pf., eleg. gebunden 3 Mk. 50 Pf. Für Mitglieder des „Vereins der Bücherfreunde” kostet der Band nur 1 Mk. 85 Pf. geheftet, 2 Mk. 25 Pf. wlwg. gebunden.)
Selten ist es einem Autor in so kurzer Zeit gelungen, bekannt und beliebt zu werden wie dem Freiherrn von Schlicht, dessen bisher erschienene Bücher den einstimmigen Beifall des Publicums und der Presse fanden. Das, wodurch Freiherr von Schlicht sich seinen Namen machte, ist die Eigenart seines Schaffens, er hat ein ganz neues Genre der militärischen Humoresken erfunden, er schreibt keine Erzählungen mit mehr oder weniger gesuchten Pointen, er erzählt keine Liebesgeschichten à la Hackländer oder Winterfeldt, sondern er findet den Stoff für seine humoristischen Schilderungen in dem alltäglichen Garnisonsleben. Seinem Auge entgeht nichts und was er gesehen, weiß er mit köstlichem Humor zu schildern und so plastisch darzustellen, daß der Leser die Menschen, ihr Thun und Treiben vorAugen sieht. In dem Buch „Armeetypen” treten diese Vorzüge der Schlicht'schen Erzählungskunst ganz besonders hervor — mit dem Pänrich (Fähnrich) beginnend, schildert uns Schlicht mit liebenswürdigem, nie verletzendem Humor die Freuden und Leiden des Officierstandes, charakteristische Typen, den „Schuster”, den „Drückeberger”, „die Wartefrau” und andere mehr herausgreifend und den Laien das Officierleben so schildernd, wie es sich in Wirklichkeit abspielt. Ein Hauptvorzug der Schlicht'schen Militär-Humoresken ist, daß sie namentlich auch in der Damenwelt mit größtem Interesse gelesen werden und so wird auch Schlicht's neuestes Buch „Armeetypen” nicht nur in militärischen, sondern auch in nichtmilitärischen Kreisen allen Freunden einer heiteren Lectüre sehr willkommen sein. Der „Verein der Bücherfreunde” überläßt seinen Mitgliedern den prächtigen Band in schönem Einbande zu dem üblichen ungewöhnlich billigen Preise von 2 Mk. 25.Pf.


„Meraner Zeitung” vom 30.7.1913:

Freiherr von Schlicht, Frauen! Humoristisch-satirische Plaudereien aus einer glücklichen Ehe. Preis brosch. 2 Mk., geb. 3 Mk. (Verlag von B. Elischer Nachf. in Leipzig.) —
Meine Frau ist die Perle aller Frauen — sagt meine Frau. „O, du böser Schlicht!” wird da manch eine „bessere Hälfte” ausrufen. Aber wenn sie erst all die diskreten Indiskretionen „aus einer glücklichen Ehe” kennen wird, sollte sie da am Ende nicht reumütig sagen: „Und doch, Recht hat er — — so sind wir . . (oder wenigstens die anderen!). Und die getreuen Hausväter? In mehr oder weniger dankbarer Erinnerung werden sie zustimmend lächeln: „Ja, so sind sie, unsere lieben, lieben Frauen!” Freilich, in den „Plaudereien” gibt es wie das schon das drollige Vorwort verrät, nur eine Heldin, nämlich des Verfassers Frau, aber „die Frauen sind sich alle gleich — — nur die Hüte sind verschieden!” Und diese frauliche Allgemeinpsyche hat der böse Schlicht offenbar überaus gründlich studiert. Und das Endresultat davon: „Ich wundere mich bei einem weiblichen Wesen über nichts mehr.” Und wenn man all die köstlichen Situationen miterleben darf, die dem Verfasser als dem Hauptleidtragenden immer wieder zu wirklich allerliebsten, in ihrer Objektivität doppelt wirkenden Randbemerkungen Veranlassung geben; wenn wir all das Tolle, Unglaubliche und doch Geschehende hören und sehen, — dann, ja dann müssen wir schon gestehen: Es hat wirklich keinen Zweck, sich noch zu wundern! — —


„Wiener Abendpost”, Beilage zu Nr. 144 vom 26.6.1903:

Unter den zahlreichen deutschen Humoristen nimmt Freiherr von Schlicht insofern nicht den letzten Rang ein, als seine Bücher in den Leihbibliotheken verlangt werden. Er kultiviert den Militärhumor, der seit Hackländers „Wachtstuben-Abenteuer” in der deutschen Belletristik — in allen ausländischen Literaturen ist dieses Gewächs nahezu unbekannt — einen breiten Raum ausfüllt. „Exzellenz Seyffert” heißt sein neuestes Buch. Auf dem Umschlage steht ausdrücklich: „Humoristischer Roman” und „Sechstes Tausend” (die erste Titelseite gibt allerdings nur ein „Fünftes Tausend” zu, aber das ist „unter Kameraden egal”). Verlockend genug, um den Band zur Hand zu nehmen, denn ein humoristischer Roman ist ja das Buch, nach dem wir schon so lange fast vergeblich schmachten. Aber Herr von Schlicht verspricht da etwas, ohne es halten zu können. Nein, das ist der humoristische Roman nicht, nach dem wir Verlangen tragen. Die „Exzellenz Seyffert” verdient ja auch kaum eine Sonderbesprechung, höchstens als Vertreter einer üppig wuchernden belletristischen Kategorie. Man empfindet bei der Lektüre dieser Bücher im besten Falle die flüchtige Erheiterung, die zu guter Stunde die Erzählung eines launigen Premierleutnants, der seinen Kameraden ein Abenteuer, ein Erlebnis zum besten gib, erweckt. Kasernenhofspaß, Manöverschnurren, Schilderungen drolliger Vorgesetzter und putziger Untergebener, ein paar steifleinene alte Damen und schneidige junge Mädchen, zum Schlusse eine, zwei, drei oder mehr Verlobungen, für deren Zustandekommen keinem Leser gebangt hat, nur damit etwas vorgeht. Auch Freiherr von Schlicht arbeitet nach diesem Schema, kümmert sich nicht um die Technik des Romans, um kunstgerechten Vortrag oder gutes Deutsch; es muß ein lustiges Drauflosschreiben sein, wenn man nicht höher hinaus will.


„Grazer Tagblatt” vom 25.7.1905:

(Grazer Orpheum.) Von heute an bringen die Münchner Sänger wiederum ein neues Programm, und zwar: „In der Sommerfrische”. Posse von Kaiser, sowie den im vorigen Jahre mit vielem Erfolge aufgenommenen Schwank „Exzellenz kommt!”, der nach einer Militär-Humoreske des Freiherrn v. Schlicht von K.Wilhelm bearbeitet ist. Der Komiker Max Hermann wird u.a. seinen neuesten Schlager, betitelt „Der Angsthuber”, zum Vortrage bringen. Die Vorstellung am Sonntag abends war gänzlich ausverkauft.

„Exzellenz kommt!” wurde am 18.-19.7. und 13.-14.8.1904 und am 25.-27.7. und am 21.-23.8.1905 gespielt.


„Österreichische Buchhändler-Correspondenz” vom 25.9.1907:

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„Allgemeine Kunst-Chronik”XVII. Bd., Nr. 23, 1893, 2.Novemberheft:

Die Braut seines Bruders. Erzählung von Graf Günther Rosenhagen. Hamburg, E.A.Christians.

Dass der jüngere Bruder die frühere Geliebte als Braut des älteren Bruders wieder trifft, ist ein nicht eben origineller Vorwurf. Der Reiz des Buchs liegt in der Eigentümlichkeit der Charaktere, durch welche auch die tragische Verwicklung herbeigeführt wird. Der jüngere Bruder, ein schwärmerischer, in sich selbst noch nicht genug feststehender Mensch, die Braut ein pflichtvergessenes, kokettes, aber in seinem heissen Drang nach Leben und Liebe doch rätselhaft anziehendes Weib. Warmes, freundliches Familienleben bildet für die trüben Ereignisse einen ihre Wirkung noch mehr hervorhebenden Hintergrund.


„Badische Presse” vom 23.2.1915 Mittagsblatt:

Unser neuer Roman. In der gegenwärtigen Kriegszeit gewinnt alles, was unsere liebe Soldatenwelt betrifft, doppeltes Interesse. Aus den zahlreichen Feldpostbriefen, Gedichten, Aufschriften an den Eisenbahnwagen und den Veröffentlichungen der Kriegszeitungen im Feindesland erkennen wir immer wieder, welch schlagender Witz, welch kerniger Humor in den Reihen unserer Truppen zu Hause ist. Wir glauben darum, unserern Lesern eine besondere Freude zu machen, indem wir ihnen von heute an als Lesestoff einen Roman darbieten, der die Tugenden der deutschen Soldatenfröhlichkeit auch im Frieden ins hellste Licht setzt. „Der Flitzer”, die neueste Arbeit des als Militärschriftsteller wohlbekannten Freiherrn von Schlicht, ist eine in Form und Inhalt vortreffliche schriftstellerische Schöpfung, ebenso spannend als unterhaltend und von einer köstlichen Frische des Stils. Ueber den Inhalt einer humoristischen Arbeit pflegt man ja nichts auszuplaudern, sie soll unmittelbar wirken; und daß dies letztere beim „Flitzer” in hervorragenden Maße der Fall ein wird, dessen sind wir schon jetzt sicher.


„Pilsner Tagblatt” vom 3.8.1913:

Auf dem Markte für leichte Unterhaltungslektüre pflegt der Name Freiherr von Schlicht alljährlich vertreten zu sein. Bewegen sich die Arbeiten fast jedesmal auf militärisch-humoristischem Gebiete, so mußte jetzt zur Abwechslung das Hofleben für den Roman „Der Vortänzer bei Hofe” (Verlag B. Elischer Nachf., Leipzig) die willige Dekoration leihen. Und Schlicht erfüllt die Hoffnungen seiner anspruchslosen Gemeinde, wie immer, gern und frohlaunig. — Ein junger Leutnant, arm an Geist und reich an Schulden, hat die besondere Bevorzugung der Prinzessin am Hofe eines Kleinstaates errungen. Sie ernennt ihn zum Vortänzer, veranlaßt die Bezahlung seiner Schulden und verlangt als Gegendienst, daß er ihre Oberhofmeisterin vom Hofe weggrault. Letztere will nämlich die Prinzessin an eine ungeliebte, verschuldete Durchlaucht verheiraten und sich den Kuppelpelz dabei verdienen. Es gelingt auch dem armen Leutnant tatsächlich, die Oberhofmeisterin zu vertreiben. Inzwischen hat sich die Prinzessin sterblich in ihn verliebt und fragt schließlich, was er sich für den erwiesenen Dienst wünscht. „Ach, daß ich doch ein König wär!” rezitiert der Leutnant als Wunsch aus der Operette „König für einen Tag”, die gerade aufgeführt wird, und — sein Begehren findet Gehör, er wird der Prinzessin König im Reich der Liebe auf immer. — In diese Handlung hat der Autor einen Teil seiner bekannten Schnurren und komischen Wendungen neben Neuem eingeschachtelt. Der arme Leutnant von Köttendorf ist ganz nett gezeichnet, auch mutet die Liebeserklärung zwischen ihm und der Prinzessin sehr sympathisch an. Das Ganze hat einen heiteren Anstrich. Wie gesagt, Schlicht möchte eben ein wenig unterhalten und das ist ihm auch in diesem Falle glücklich gelungen.


„Pilsner Tagblatt” vom 16.11.1913:

Freiherr von Schlicht: „Der Manöverheld” (Verlag Carl Reißner, Dresden). Wenn man ein neues Buch vom Freiherrn von Schlicht zur Hand nimmt, erinnert man sich wohl gern seiner wirklich satirisch-humorvollen und lebendig-echten Militär-Novellen und Skizzen von früher und auch der ersten gelungenen Romane, obgleich alle seine Bücher keinen höheren Zweck haben, als dem Leser in fröhlicher, netter Gesellschaft ein paar vergnügte Stunden zu bereiten. Hat man indes einen seiner neuen militärisch-humoristischen Romane zu Ende gelesen, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß die ganze Schlicht'sche Art von ehedem verblaßt ist, daß sein Humor wohl kein Humor mehr ist, der heiter zu stimmen vermag. Und diese Empfindung verstärkt sich bei jedem neuen Buche.

Der vorliegende Roman „Der Manöverheld” bringt in der Handlung und in den Personen absolut nichts Neues. Ein Leutnant, der sich bei einem Felddienst durch Ungeschick und Unkenntnis blamiert hat, sucht sein Ansehen wieder zu gewinnen. Er hat indes noch immer keine Ahnung von der Lösung seiner Aufgaben und gewinnt nur durch das Wissen eines Gefreiten und mit Hilfe der Kommandeurstochter schließlich das Spiel, das mit der obligaten Verlobung endet. Einige schwärmerische Backfische, der bekannte und verliebte jüngste Leutnant, einige Offiziere, an die man nicht glauben kann, und ein paar gewitzigte Burschen spielen die Nebenrollen. — Immerhin mag der Roman, wie zahlreiche andere ähnliche Bücher, bei anspruchlosen Lesern und als Reiselektüre Gefallen finden.
Alfred Bechtold.


„Badener Zeitung” vom 14.9.1912:

Freiherr von Schlicht: „Der Gardegraf”. Humoristisch-militärischer Roman. Mit farbiger Umschlagzeichnung von Ernst Heilemann. Geh. 4 M. Geb. 5 M. Verlag von Karl Reißner in Dresden.

Der vorliegende Roman ist ein Jubiläumsbuch. Es ist der 25. militärisch-humoristische Roman, den Freiherr von Schlicht, der überall bekannte und beliebte Verfasser, schrieb, und während sonst Jubiläumsbücher meistens das Unglück haben, sehr langweilig zu sein, weil bei dem Versuch, etwas ganz besonders Gutes zu schaffen, nicht allzuviel herauskommt, ist der Gardegraf voll frischen, natürlichen, übermütigen Humors und enthält so viele neue und lustige Episoden, daß man es kaum glaubt, daß diesem 25. Militärroman schon 24 andere vorausgegangen sind. So eng der Kasernenhof und so eng die Welt auch ist, in der sich das Leben der Soldaten und der Herren Soldaten, der Offiziere, abspielt, Freiherr von Schlicht weiß diesem Milieu immer wieder neue Seiten abzugewinnen, dafür ist der Roman „der Gardegraf” der beste und lustigste Beweis. Interessieren dürfte es vielleicht, daß mit der ersten Auflage des vorliegenden Gardegrafen von Schlichts militärisch-humoristischen Romanen bisher weit über 200.000 Exemplare gedruckt und in den Buchhandel gebracht worden sind, gewiß der beste Beweis dafür, welcher Beliebtheit sich Schlichts militärisch-humoristische Romane in den weiten Kreisen erfreuen, und wenn je ein Buch dazu angetan war, um dem Freiherrn von Schlicht zahllose neue Freunde zu erwerben, so ist es „Der Gardegraf”.


„Deutsches Nordmährerblatt” vom 24.2.1907:

Mobil. Roman von Freiherrn von Schlicht. Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst. München 1907. Preis 4 Mark. — Graf Baudissin, der bekanntlich unter dem Hehlnamen „Freiherr von Schlicht” seine weit über Deutschlands Grenzen hinaus von Erfolg begleiteten „Militärhumoresken” veröffentlicht, ist durch diese Erzählungen zu einem der meistgelesenen Schriftsteller der Gegenwart geworden. Wenn er in dem vorliegenden Werke das von ihm behandelte Milieu in die Gewandung eines Romanes einkleidet, so tut er dies gewiß mit Absicht und weiß durch die Originalität des Themas, welches er seinen Schilderungen unterbreitet, anziehend und fesselnd zu wirken. „Mobil” ist kein prophezeiender Kriegsroman, nicht etwa eine erdachte Zukunftsidee, sondern lediglich diejenige Auffassung der Offizierskreise, die anläßlich der im Vorjahre zwischen Deutschland und England vorhanden gewesenen Differenzen bestand. Die mehr mit satirischer Schneidigkeit als mit köstlichem Humor vor Augen geführten Leutnants­charaktere eines Tromberg, Aßberg und Sturm berechtigen vollauf zu dieser Annahme, denn bei näherer Betrachtung läßt sich leicht deren Doppelnatur, die uns einmal den Soldaten als Mensch, das anderemal den Menschen als Soldat darstellt, erkennen. Hegt der Offizier die Absicht, seiner drohenden Schuldenlast durch eine reiche Verlobung , beziehungsweise Verheiratung ein Ende zu bereiten, so wird bei dem Gedanken, daß er als Soldat einer bevorstehenden Kriegsgefahr gegenübersteht, dieser Wunsch wieder zunichte gemacht. Auf einen solchen Kontrast baut sich die nachhaltige Wirkung auf, welche durch die dienstliche Inanspruchnahme sowie durch die weibliche Umgebung als ein farbenreiches Bild sich gestaltet. Wir können das Buch als Lektüre angelegentlich empfehlen.


„Mährisches Tagblatt” vom 30.11.1907:

(Offiziers-Ehen.) Roman von Freih. von Schlicht. (Wien. Karl konegen. Preis Mark 4,-, gebd. M. 5,-) In diesem Roman setzt der bekannte Militärschriftsteller seine Schilderungen des geistigen und gesellschaftlichen Lebens des deutschen Offizierskorps fort. Auch diesmal bietet Freiherr von Schlicht ein getreues Bild der tiefgehenden, in den Familienkreis, in die intimsten Verhältnisse des Offiziersleben greifenden Schäden, welche aus der übertriebenen Betonung des Kastengeistes und der hierarchischen Ordnung entspringen und sogar zu tragischen Konflikten zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, führen. So geht Oberst von Eckern in Pension, da ihm die Kosten seiner repräsentativen Stellung unerschwinglich werden und er sich nicht länger von seiner Schwester, die sich als „Kommandeuse” fühlt, aushalten lassen kann; so verfällt die Frau des Majors von Rockhausen in eine schwere Nervenkrankheit, da die fortwährenden Eifersüchteleien zwischen den Damen der Offiziere ihr armes Hirn zermartern; so verläßt Frau Leutnant Gillberg ihren Mann, den sie liebt und von dem sie geliebt wird, um zu ihren Eltern zurückzukehren, da er von ihr verlangt, daß sie sich den Frauen seiner Vorgesetzten unterordne. Aber Freiherr von Schlicht mildert die trüben Bilder durch die Lichter des Humors. Es steckt ja so viel persönliche Liebenswürdigkeit und aus der Pflichtfreude quellende heitere Lebensauffassung im deutschen Offizier, daß der wahre Sittenschilderer sie nicht übersehen kann. Und es macht nicht zum geringsten Teil den Wert und das spannende Interesse des neuesten Schlichtschen Romanes aus, daß es dem Autor gelungen ist, die harte Realität der Dinge mit dem der Wahrheit entsprechenden Maße von Heiterkeit in seiner Darstellung harmonisch zu vereinen.


„Salzburger Volksblatt” vom 20.4.1907:

Von Freiherrn von Schlicht ist bei Grethlein & Co. in Leipzig und Berlin ein Roman „Die von Gründingen” erschienen. Schon der Titel sagt, daß dieses Buch von dem Leben und Treiben der oberen Zehntausend erzählt. Auch hier charakterisiert der Verfasser mit Humor und feiner Satire einige Vertreter der Aristokratie. In der Gräfin von Gründingen tritt jene adelsstolze Dame auf, in deren Augen, der eigentliche Mensch erst beim Baron beginnt und deren liebstes Gespräch das „über den Adel” ist. Eine trefflich gezeichnete Type ist der Graf, der sich als freier Mann dünkt und nicht merkt, daß er unter dem Pantoffel steht. Die Hauptrolle im Roman spielt ein Freiherr von Scheidegg, ehemaliger Offizier, ein prächtiger Charakter. Er ist zwar im Schlosse Gründingen nur als Reitlehrer angestellt, wird jedoch stets als Gast und Freund des Hauses behandelt. Seine Ansichten, sein konsequentes Vorgehen bei allem, was er beginnt, sein Auftreten, alles das hat ihm die Gunst der gräflichen Familie zugezogen. Baron Scheidegg und Komtesse Dagmar werden schließlich trotz aller Hindernisse ein Paar und die Gräfin-Mutter muß es erleben, daß ihr Liebling Graf Hans, eine Bürgerliche heiratet. Die treffliche Schilderung und der gesamte Aufbau des Romanes macht das Buch zu einer anziehenden Lektüre. Jedenfalls sind „Die von Gründingen” ein würdiges Seitenstück zu „Erstklassigen Menschen”.


„Salzburger Volksblatt” vom 9.11.1907:

Offiziers-Ehen. Roman von Frhr. v. Schlicht (Verlagsbuchhandlung Karl Konegen in Wien). Fast könnte man Schlichts neuesten Roman für eine Tendenzarbeit halten, so nüchtern und kalt geht der Verfasser daran, die Ehen im preußischen Offizierskorps bis auf die kleinsten moralischen Schäden und sittlichen Schwächen aufzudecken. Nicht ein einziger Lichtblick in diesen ehelichen Alltagsdramen. Als sollte der Leser, der eine Tochter besitzt, gewarnt werden, diese einem Offizier zur Gattin zu geben. Frhr. v. Schlicht, ein Kenner des preußischen Kommißlebens, hat Wahrheit geschildert, so daß sein Werk „Offiziers-Ehen” eigentlich kein Roman, sondern eine Kulturhistorie ist.


„Pilsner Tagblatt” vom 30.6.1912:

Frh. von Schlicht. „Der Gardegraf” (Verlag Carl Reißner, Dresden.) Dieser fruchtbare Schriftsteller bringt diesmal in seiner humoristischen, manchmal auch ernsten Weise, den Typus des adligen Offiziers „ohne” Adelsstolz und all' die Nichtigkeiten und falschen Lebensanschauungen, welche derselbe zu zeitigen pflegt. — Graf Mensberg wird von der großstädtischen in eine kleine Garnison versetzt. Das Offizierkorps erwartet in dem Ankömmling einen schneidigen „Grafen von der Garde” zu sehen. Mensberg entpuppt sich aber als ein Mensch von durchaus vornehmer Gesinnung, aber von einfach natürlichem Wesen ohne alle die gesuchten Allüren seiner Klasse. So trifft er in der Frau eines Hauptmanns eine Jugendgeliebte wieder, benimmt sich aber durchaus korrekt und tadellos. Das gibt die Grundlage zu dem Roman in allen seinen Episoden. Mensberg heiratet schließlich eine andere. In die Handlung eingeflochten sind drastische Kasinoszenen, auch seinen berühmten Grenadier Maier, diesmal Nr. 7, sowie einen Leutnant Meier führt der Verfasser als bewährte Akteure wieder ins Feld. Dieser Leutnant ist totunglücklich über seinen berüchtigten Namen Meier und getraut sich unter diesen Umständen nicht vor die von ihm geliebte Tochter des Majors hinzutreten und um sie zu werben. Durch eine edelmütige Handlung, indem er die ihm angebotene Adjunktenstelle zurückweist und den Leutnant Meier in diesen Posten schiebt, macht Mensberg denselben zum Glücklichsten der Sterblichen, der Gardegraf selbst heiratet die zweite Tochter des Majors. — Das Buch ist sehr unterhaltend geschrieben und der Autor ist seinem amüsanten Plauderton treu geblieben. Lebendig schildert er das Offiziersleben im Kasino. Andererseits fehlen auch die üblichen Uebertreibungen und Unwahrscheinlichkeiten nicht. Aber das stört uns bei Schlicht nicht sonderlich, der frisch sprudelnde Quell übt seine erheiternde Wirkung. Die Figuren des Gardegrafen und seiner Jugendliebe sind äußerst sympathisch, die Charaktere geschickt durchgeführt. Auch dies Buch wird wie die Vorgänger seine Freunde finden.
Ing. Richard Jerie.


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