Der gute „Onkel”.

Militärische Humoreske von Freiherr von Schlicht.
in: „S. M. kommt!” und
in: „Der rote Pierrot”


Der Major von Stachow, ein großer, eleganter Fünfziger, sah seine Frau mit einem Gesichtsausdruck an, der deutlich sein grenzenloses Erstaunen verriet, und dann fragte er, auch in dem Tonfall der Stimme seiner Verwunderung Ausdruck gebend: „Und du meinst also wirklich, Gerda?”

Frau Gerda war eine schlanke, vornehme Erscheinung in der Mitte der Vierzig, deren Schönheit überall Aufsehen erregte, in erster Linie wegen der wundervollen dunkelbraunen Augen, aus denen eine unendliche Güte und Milde sprach, die ihrem ganzen Wesen eigen war und die auch jetzt deutlich aus ihren Worten herausklang, als sie sagte: „Du hast Recht, Fritz, ich meine es wirklich, denn ich sehe absolut keinen Grund ein, warum Leutnant von Rettwitz sich nicht mit unserer Centa verloben soll — sie liebt ihn — er liebt sie —”

„Kunststück, daß er sie liebt,” warf der Gatte ein, um dann hinzuzusetzen: „Ich möchte einmal den Königlich Preußischen Leutnant kennen lernen, der sich in ein Mädel wie unsere Centa nicht verliebt.(1) Die hat ja dem ganzen Offizierkorps hier von dem Tage an, da wir hierher versetzt wurden, den Kopf verdreht. Verliebt sind sie alle in unsere Tochter, aber daß die nun den Rettwitz wiederliebt, ausgerechnet den, und daß du als Mutter dem auch noch zustimmst, das will mir nicht in den Sinn, und ehe ich als Vater meine Zustimmung gebe, könnt Ihr lange warten, wenigstens noch fünfundzwanzig Jahre.”

Frau Gerda kannte ihren Mann, der konnte zuweilen verdammt dickköpfig sein, da galt es, ihn durch keinen Widerspruch zu reizen. So meinte sie denn jetzt anscheinend nur ganz verwundert: „Wenn ich nur wüßte, was du eigentlich an Rettwitz auszusetzen hast.”

„Als wenn ich dir das nicht schon hundertmal erklärt hätte,” meinte der Major etwas nervös. „Er ist ein sehr gut veranlagter Offizier, aber er nimmt es mit seinem Dienst und mit seinen Pflichten nicht allzu ernst. er hat nicht den Ehrgeiz, Karriere zu machen. Anstatt sich auf die Kriegsakademie vorzubereiten, genießt er die Jugend, mach Schulden und lebt über seine Verhältnisse. Das sogar im Kasino. Erst heute Morgen habe ich mich deswegen wieder ärgern müssen. Der Oberst nahm mich beiseite und befahl mir, in einer mir geeignet erscheinenden Weise auf Rettwitz dahin einzuwirken, daß er spätestens innerhalb acht Tagen seine Kasinorechnung bezahle, mehr als dreihundert Mark.”

„Ein etwas sonderbarer Befehl des Herrn Oberst,” meinte Frau Gerda verwundert, um dann zu fragen: „Wie hast du den nur ausgeführt und vor allen Dingen, ist es dir gelungen, mit Erfolg auf Rettwitz einzuwirken?”

„Sogar mit glänzendem Erfolg,” schalt Stachow(2) vor sich hin, „denn nachdem ich dem Leutnant eine Strafrede gehalten und auch meinerseits der Erwartung Ausdruck gegeben hatte, daß er im Kasino spätestens innerhalb acht Tagen alles bezahlt hätte, da pumpte der Frechdachs mich um dreihundertundsechzig Mark an, damit er bezahlen könne.”

Frau Gerda lachte hell und fröhlich auf: „Und du hast ihm das Geld gegeben?”

„Was blieb mir anderes übrig?” gab der Major zur Antwort. „Wenn der Leutnant nicht bezahlt hätte, wäre der Oberst deswegen vielleicht auch mir grob geworden, und ehe ich mich dem aussetze — — —”

Noch bevor er hätte zu Ende sprechen können, öffnete sich die Tür des Wohnzimmers, in dem die Eltern saßen und dessen ganze(3) Einrichtung auf den ersten Blick den Reichtum, aber auch den Geschmack der Bewohner verriet, und Centa, ein auffallend hübsches, elegantes, junges Mädchen von achtzehn Jahren kam in das Zimmer gestürmt, in ihren Händen einen wundervollen Strauß der herrlichsten Marechal-Nil-Rosen haltend.

„Wißt Ihr wohl, wer mir die geschenkt hat?” fragte sie glückstrahlend, nachdem sie die Eltern mit einem Kuß begrüßt hatte. „Kein anderer als Otto, ich meine natürlich Leutnant von Rettwitz. Ich traf ihn auf der Straße, richtiger gesagt, er folgte mir, als ich in einen Blumenladen ging, und bat mich dort, mir eine Rose schenken zu dürfen.”

„Das nennt der eine Rose,” schalt der Major, „das sind ja wenigstens fünfzig. Was er dafür nur wieder schuldig geblieben sein mag?”

„Nicht einen Pfennig,” beeilte Centa sich, den Geliebten in Schutz zu nehmen, „das hätte ich natürlich niemals geduldet und ich nahm die Rosen erst an, nachdem er mir bewiesen hatte, wie gut er bei Kasse war. Er zeigte mir drei neue Hundertmark­scheine und außerdem noch ein paar Goldstücke.”

Frau Gerda lachte plötzlich fröhlich auf, während der Major ingrimmig mit der Hand auf den Tisch schlug, bis er dann ausrief: „So ist es richtig! Mich pumpt der Leutnant an, um Schulden bezahlen zu können, und dich beschenkt er von dem Geld, das er mir aus der Tasche zog.”

„Aber das ist doch nur komisch, Vater,” meinte Centa jetzt ebenfalls lachend, „da bleibt das Geld doch gewissermaßen in der Familie. Du gabst es ihm, und ich bekomme es, wenn auch in anderer Gestalt, wieder. Nun will ich aber die schönen Blumen gleich in das Wasser stellen, Ihr entschuldigt mich wohl.”

Und ebenso schnell, wie sie eingetreten war, eilte sie wieder davon.

Voller Liebe sah die Mtter ihrem schönen Kinde nach, dann fragte sie: „Sag einmal offen und ehrlich, Fritz, bringst du es wirklich über dein Herz, unserer Centa den Geliebten vorzuenthalten?”

„Jetzt erst recht,” brauste der Major auf, „denn diese kleine Episode beweist ja am besten, wie wenig ernsthaft er ist.”

„Und ist das für einen jungen Leutnant wirklich ein solches Verbrechen?” verteidigte Frau Gerda den Abwesenden. „Hättest du an seiner Statt vielleicht anders gehandelt? Stelle dir vor, du wärest noch ein junger Leutnant und ich das junge Mädchen, das du liebtest. Du träfest mich in einem Blumenladen und hättest soviel Geld bei dir, würdest du da in meiner Nähe an deine Kasino­rechnung gedacht haben? Ich glaube es nicht!”

„Vielleicht doch,” widersprach der Major sehr energisch, grade, weil er im stillen zugeben mußte, daß seine Frau Recht hatte. Dann aber meinte er: „Darum handelt es sich jetzt aber nicht, sondern um die traurige Tatsache, daß Rettwitz nicht rechnen kann und es nicht versteht, mit seinem Gelde umzugehen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Schulden er hat, und wenn ich daran denke, daß wir unserer Tochter nicht nur eine sehr anständige Mitgift auszahlen müssen, sondern vielleicht auch noch zwanzig- oder dreißigtausend Mark für die Schulden unseres zukünftigen Herrn Schwiegersohnes” — — — bis er nach einer kleinen Pause doch hinzusetzte: „Ich will mich nicht besser machen, als ich bin. Damals, als ich um dich warb, Gerda, hatte ich finanzell ja auch kein gutes Gewissen, es war sogar sehr schlecht.”

Mit einem Blick unendlicher Liebe sah Frau Gerda ihren Mann an: „Das weiß ich nicht, Fritz, wenigstens weiß ich es heute nicht mehr. Ich weiß nur, daß du mich lieb hattest und daß du mich auch heute noch liebst.”

„Ja das tue ich,” stimmte er ihr bei, während er auf sie zutrat und sie zärtlich küßte. „Ja Gerda, ich habe dich lieb und gerade deshalb hat es mich oft schwer bedrückt, daß auch ich damals beichten mußte. Ich habe dich trotz deines Reichtumes nur aus Liebe geheiratet. Es ist ja möglich, daß Rettwitz unserer Centa gegenüber ebenso denkt, aber trotzdem, wenn er nur wenigstens keine Schulden hätte, oder, wenn er sich die von seinen Verwandten bezahlen lassen könnte. Ich habe es ja an meinem eigenen Leibe erfahren, wie scheußlich es ist, sich von dem Vater seiner Braut das Geld in die Hände drücken zu lassen, und das möchte ich Rettwitz ersparen.”

„Vielleicht kann ihm das auch erspart bleiben;” verteidigte Frau Gerda den jungen Offizier abermals, „und sicher siehst du auch zu schwarz. Wir wissen ja noch gar nicht, ob Rettwitz wirklich soviel Schulden hat, wie du annimmst, und erst recht nicht, ob nicht einer seiner Verwandten die Sache regeln kann und regeln wird.” Und nach kurzem Besinnen meinte sie: „Ich hätte Lust, einmal mit Rettwitz über alles zu sprechen. Nicht in dem Tone eines Vorgesetzten, wie du es unwillkürlich tun würdest, sondern gleichsam als seine zweite Mutter. Da wird er mir nichts verheimlichen, und ich habe dann Gelegenheit, einen tieferen Einblick in sein ganzes Wesen zu tun, als mir das bisher möglich war.”

Das leuchtete dem Herrn Major umso mehr ein, als er die Herzensgüte seiner Frau kannte und fest davon überzeugt war, daß sie das heikle Thema mit dem Leutnant in der zartesten und diskretesten Weise behandeln würde.

Das tat sie denn auch, als am Nachmittag Leutnant von Rettwitz(4), ein hübscher, flotter, frischer Offizier mit einem klugen, sympathischen Gesicht, der an ihn ganz plötzlich ergangenen Einladung zu einer Tasse Tee Folge geleistet hatte. Und so groß war die Güte ihres Wesens, daß der Leutnant es nicht fertig brachte, ihr auch nur die geringste Kleinigkeit zu verschweigen. Es war eine hohe Summe, die er beichten mußte, und sein Major hatte ihn in der Hinsicht ganz bedeutend unterschätzt. Der durfte von diesem Geständnis unter keinen Umständen etwas erfahren, das gestand sich Frau Gerda sofort ein, und es war nur gut(5), daß sie sich im Laufe der Jahre ohne Wissen ihres Mannes von ihren großen Einkünften einen sehr bedeutenden Betrag auf der Bank gespart hatte. Man kann nie wissen, ob man nicht plötzlich einmal viel Geld braucht, ohne daß man es nötig hätte, deswegen das Kapital anzugreifen, hatte sie sich damals gesagt, als sie zu sparen anfing, und jetzt wußte sie, für wen sie es die ganzen Jahre hindurch getan hatte: Für ihr Kind und für den hübschen jungen Leutnant, der da vor ihr saß, aber wie vom Blitz getroffen in die Höhe sprang, als sie sich erbot, ihm im Interesse ihres Kindes heimlich zu helfen: „Niemals, gnädige Frau, niemals, unter gar keinen Umständen kann ich das annehmen, und ehe ich das tue — — —”

„Ich weiß, was Sie sagen wollen, Herr Leutnant,” fiel ihm Frau Gerda schnell in das Wort, die aus seiner Entgegnung eine feste Entschlossenheit heraushörte und die es nicht zugeben durfte, daß er davon spräche, dann lieber auf Centas Hand verzichten zu wollen. „Ich weiß, was Sie sagen wollen,” wiederholte sie noch einmal, „ehe Sie das Geld von mir annehmen,(6) obgleich ich doch vielleicht sehr bald Ihre zweite Mutter sein werde, eher versuchen Sie es noch einmal, bei Ihren Verwandten Hilfe zu finden. Das täte ich an ihrer Stelle auch, ich würde gleich morgen Urlaub erbitten und abreisen; so arm ist doch schließlich niemand, daß er nicht einen Menschen hätte, der ihm hilft, wenn er ihn wirklich braucht. Denken Sie nur einmal nach, Herr von Rettwitz, auch Sie haben sicher einen solchen Verwandten.”

Das alles, was Frau Gerda ihm da erzählte, hatte er ganz gewiß nicht sagen wollen, aber das durfte er ja nicht eingestehen. So meinte er denn nur: „Im allgemeinen mögen Sie Recht haben, gnädige Frau, aber auf mich treffen diese Worte nicht zu. Ich bin so arm, daß ich wirklich niemanden habe, denn der Einzige, der helfen könnte, mein Onkel Carl — eher geht die Welt aus den Fugen, ehe der mir eine solche Summe schenkt.”

„Glauben Sie das wirklich?” fragte Frau Gerda. „Vielleicht, daß er anders denkt, wenn Sie ihm erst alles gebeichtet haben. Erzählen Sie mir etwas von diesem Onkel, von seinen Verhältnissen, von seinem Wesen und seiner Art, damit ich weiß, ob es nach meiner Ansicht Erfolg haben wird, wenn Sie sich an ihn wenden, erst brieflich und dann in einigen Tagen mündlich.(7) Fahren Sie nicht gleich morgen, wie ich Ihnen vorhin riet, lassen Sie Ihrem Onkel Zeit sich erst Ihren Brief zu überlegen, und dann fahren Sie zu ihm.”

„Es hat wirklich keinen Zweck, gnädige Frau,” widersprach der junge Offizier, „aber trotzdem, damit Sie und Ihr Herr Gemahl sehen, daß ich meinerseits nichts unversucht ließ, um schuldenfrei Fraäulein Centas Hand zu erbitten, um auch nicht im leisesten den schmählichen Verdacht aufkommen zu lassen, ich würde von anderen Motiven als von denen der Liebe geleitet, darum und deshalb werde ich fahren, vorausgesetzt, daß ich Urlaub bekomme und irgendwo das nötige Reisegeld auftreibe.”

(8)Über Frau Gerdas Gesicht huschte ein fröhliches Lachen: „Wenn ich Ihnen für Ihre Reisekasse die Geldbörse meines Mannes empfehlen dürfte, dann bitte ich Sie, sich an den zu wenden. Ich will ihn darauf vorbereiten und auch dahin wirken, daß er Ihr Urlaubsgesuch unterstützt.”

Leutnant von Rettwitz bedankte sich mit warmen Worten für die ihm angebotene Hilfe, dann brach er nach einer kleinen Stunde auf, um dem Onkel gleich heute lang und ausführlich zu schreiben.

Auch Frau Gerda setzte sich an ihren Schreibtisch, um dem Rittergutsbesitzer Carl von Rettwitz, der, wie der Leutnant ihr erzählt hatte, als eingefleischter Junggeselle auf seinem Schloß hauste, auch ihrerseits zu bitten, ihr behilflich zu sein, damit ihr Plan gelänge. Er sollte sich am Anfang gegen die Bitten seines Neffen vollständig taub stellen, sich aber dann doch endlich bereit erklären, ihm das Geld zu geben, das sie ihm noch heute durch ihr Bankhaus anweisen lassen würde. Nicht von seinem Vermögen, sondern von dem ihrigen sollte er das Geld auszahlen, aber nie und nimmer durften ihr Mann und sein Neffe etwas davon erfahren, Die mußten ewig in dem Glauben leben, daß wirklich der Onkel der Retter sei.

Es war ein langer Brief, den sie schrieb,(9) aber er mußte seine Schuldigkeit getan haben, denn vier Tage, nachdem Leutnant von Rettwitz abwesend war, sandte er dem Herrn Major ein Telegramm, in dem er offiziell um Centas Hand anhielt und hinzusetzte, sein Onkel habe ihm nach dem denkbar härtesten Widerstand in barer Münze einen Betrag zur Verfügung gestellt, der vollkommen ausreiche, um seine Schulden bis auf den letzten Pfennig zu bezahlen.

(10)Darüber herrschte natürlich im Hause des Herrn Major die größte Freude. Centa strahlte vor Glückseligkeit, Frau Gerda war glücklich, daß ihr Plan gelungen war, und der Major war seines Kindes wegen auch glücklich, vorausgesetzt natürlich, daß der Rettwitz, der Schlingel, das Geld wirklich für seine Schulden brauchte und daß er nicht auf der Rückreise in Berlin Station machte, um für seine Centa einen Schmuck zu kaufen, der Tausende und Abertausende kostete. Um das zu verhindern, machte der Major in seinem Antwort­telegramm die Erteilung des Jawortes von einer sofortigen Rückkehr abhängig, und mit vollen Taschen kehrte der Leutnant schon am übernächsten Tag in die Garnison zurück.

Und als dann am Abend die Verlobung gefeiert wurde, da mußte er erzählen, wie es ihm gelungen sei, den Onkel breit zu schlagen. Das interessierte besonders den Herrn Major, der sich im stillen darüber amüsierte, daß der Onkel nun doch hatte bezahlen müssen, und der stolz auf seinen Schwiegersohn war, der es verstanden hatte, durch die Macht seiner Persönlichkeit dem Verwandten trotz allen Sträubens die Dukaten aus der Nase zu ziehen.

(11)Leutnant von Rettwitz mußte erzählen und er tat es in der Art, wie ein Krieger von einer gewonnenen Schlacht berichtet: Das war ein heilloses Stück Arbeit gewesen. Der dickste Rekrutenschädel war nicht annähernd so hart, wie der des Onkels. Vierundzwanzig Stunden hatte der gebraucht, um überhaupt nur zu begreifen, was man eigentlich von ihm wolle, und als er dann endlich begriffen, da hatte er geflucht und getobt, daß sich kein Mensch zu ihm in das Zimmer traute. „Zur Tür hat er mich rauswerfen wollen, wir haben den schönsten Ringkampf aufgeführt, denn der Onkel ist trotz seiner fünfundsechzig Jahre noch stark und muskulös. Vierundzwanzig Stunden lang hat mir niemand etwas zu essen geben dürfen, raushungern aus seinem Schloß hat er mich wollen, bis er dann endlich doch einsehen mußte, daß er mich nicht wieder los wurde. Da zählte er mir das Geld auf den Tisch und schließlich sind wir sogar als gute Freunde geschieden.”

„Wirklich?” rief Centa erfreut und sich zärtlich an den Verlobten schmiegend, meinte sie: „Weißt du, Otto, natürlich laden wir den Onkel zur Hochzeit ein und wenn er kommt, dann will ich so nett zu ihm sein, wie zu keinem anderen. Den Mann wollen und müssen wir uns warm halten. Man kann nie wissen, ob wir den später nicht einmal wieder gebrauchen, wenn ich mir etwas sehr Schönes wünsche, das wir allein nicht bezahlen können (12)und das wir uns als gute Kinder auch nicht von den Eltern bezahlen lassen wollen. Da muß der Onkel herhalten, und wenn er dir jetzt half, wird er dir später erst recht helfen,” — bis sie dann ganz plötzlich und unvermittelt fragte: „Glaubst du nicht auch, Mama?”

Und da deren Ersparnisse trotz der hohen Schulden, die sie für den Schwiegersohn bezahlt hatte, noch lange nicht erschöpft waren und weil der Onkel ihr jetzt so behilflich gewesen war, ihr Kind glücklich zu machen, meinte Frau Gerda mit einem gütigen, fröhlichen Lächeln: „Auch ich glaube, daß Ihr Euch in Zukunft jederzeit auf den Onkel verlassen könnt!”


Fußnoten:

(1) In der Fassung von „Der rote Pierrot” fehlt der — unterstrichene — Text von hier bis zum Ende des Absatzes. (Zurück)

(2) In der Fassung von „Der rote Pierrot” heißt es hier: „schalt der Major”. (Zurück)

(3) In der Fassung von „Der rote Pierrot” fehlt hier das Wort „ganze”. (Zurück)

(4) In der Fassung von „Der rote Pierrot” heißt das Ende dieses ganzen — unterstrichene — Satzes: „als ihr am Nachmittag Leutnant von Rettwitz bei einer Tasse Tee gegenüber saß.” (Zurück)

(5) In der Fassung von „Der rote Pierrot” heißt es hier: „und nur gut” (Zurück)

(6) In der Fassung von „Der rote Pierrot” fehlt hier der Satzteil „obgleich ich doch vielleicht sehr bald Ihre zweite Mutter sein werde,” (Zurück)

(7) In der Fassung von „Der rote Pierrot” fehlt hier der — unterstrichene — Text bis zum Ende des Absatzes und der nächste Absatz lautet nur: „Nun gut,” sprach der junge Offizier nach kurzem Bedenken. „Ich will es versuchen, damit Ihr Rat nicht umsonst gesprochen sei.” (Zurück)

(8) In der Fassung von „Der rote Pierrot” lautet der — unterstrichene — Text der nächsten drei Absätze wie folgt:

 

Über Frau Gerdas Gesicht huschte ein fröhliches Lachen. Und an demselben Abend, da der Neffe dem Onkel schrieb, setzte sich auch Frau Gerda an ihren Schreibtisch, um dem Rittergutsbesitzer Carl von Rettwitz, der, wie der Leutnant ihr erzählt hatte, als eingefleischter Junggeselle auf seinem Schloß hauste, auch ihrerseits zu bitten, ihr behilflich zu sein, damit ihr Plan gelänge. Da es sich um das Glück ihrer Tochter handle, das sie ihr mit Otto von Rettwitz zu bescheren wünsche, sollten die Schulden natürlich nicht von des Onkels Vermögen, sondern von dem ihren bezahlt werden, den Betrag lasse sie durch ihr Bankhaus überweisen. Nur möge er gütigst die Rolle der vorgeschobenen Person übernehmen, und niemand, aber auch niemand etwas merken lassen.

(Zurück)

(9) In der Fassung von „Der rote Pierrot” heißt es hier: „Es war ein langer Brief geworden, aber ...” (Zurück)

(10) In der Fassung von „Der rote Pierrot” lautet der — unterstrichene — Text der nächsten zwei Absätze wie folgt:

 

Damit war auch bei dem gestrengen Major das Eis gebrochen, und Glück und Freude war das Tor geöffnet.

(Zurück)

(11) In der Fassung von „Der rote Pierrot” beginnt dieser Absatz wie folgt:

 

Schon am folgenden Abend wurde die Verlobung gefeiert. Und Leutnant von Rettwitz mußte erzählen, wie es ihm gelungen war seinen Onkel umzustimmen, und er tat es in der Art, wie ein Krieger von einer gewonnenen Schlacht berichtet:

(Zurück)

(12) In der Fassung von „Der rote Pierrot” fehlt hier der — unterstrichene — Text bis zum Ende des Satzes. (Zurück)


zurück zur

Schlicht-Seite