Der Besichtigungsblick.

Humoristische Plauderei von Freiherr v. Schlicht.
in: „Das Kleine Journal” Nr. 18 vom 18.1.1897,
in: „Montags-Zeitung” vom 25.1.1897 und
in: „Aus der Schule geplaudert”


Die besichtigungslose, die herrliche Zeit ist vorüber, der Winterschlaf ist beendet, die Besichtigungen fangen nun wieder an. Zunächst kommt die Rekruten–Besichtigung, dann die Zug-, Kompagnie-, Bataillons-, Regiments- und als Schluß die Brigade­besichtigung.

Der Laie denkt, das ist mehr als genug — die Vorgesetzten aber denken anders, die theilen jede Besichtigung noch wieder in mehrere Theile.

Nehmen wir die der Zeit nach nächste: Die Rekruten–Besichtigung.

Bei jedem Regiment werden die Rekruten von vierzehn(1) Kompagnien ausgebildet, in der ganzen Armee also bei mehreren hundert.

Aber es ist ganz merkwürdig: jeder Lieutenant schwört darauf, daß seine Kerls die allerdümmsten sind, daß sie Mist statt Verstand in ihrem Gehirn haben und daß er bei der Vorstellung mächtig hineinsegeln werde.

Dieselbe Ansicht über seine Rekruten hat natürlich auch der Hauptmann. So oft er auf den Kasernenhof kommt — und es giebt Häuptlinge, die in dieser Zeit gar nicht vom Kasernenhof herunterkommen, sondern da am liebsten übernachten würden — so oft er seine Kinder sieht, geräth er in Verzweiflung und ringt die Hände.

„Aber Herr Lieutenant, was haben Sie denn in der ganzen Zeit mit den Leuten gemacht, die haben ja keine Ahnung — ich bin nun schon acht Jahre Kompagniechef, aber das kann ich wohl sagen, so schlechte Rekruten habe ich noch nie gehabt.”

Das sagt jeder Hauptmann in jedem Jahr zu jedem Lieutenant — darum machen diese Worte auch nur auf ganz junge Herren Eindruck.

Der Häuptling geht zwischen den Gliedern hindurch und läßt sich einiges vormachen — Alles mißglückt — aber das ist in der ganzen Welt so, wenn Jemand zeigen soll, was er kann, macht er nichts als Unsinn.

Der Lieutenant bekommt mächtig eins auf den Hut — dazu ist er ja doch auch schließlich da — und so geht es Tag für Tag.

Endlich wird der Tag der Vorstellung bekanntgegeben.

Von der Minute der Rekruten­einstellung an hat Alles diesen Agenblick herbeigesehnt; aber nun, wo er da ist, schreit und jammert Alles: „Jetzt schon — so früh —!” und es giebt Leute, die den Kommandeur zu bewegen suchen, den Termin weiter hinauszuschieben.

Aber es gelingt nicht, was befohlen ist, ist befohlen, und was befohlen ist, wird gemacht.

Am Donnerstag will der Herr Oberst die Rekruten besichtigen.

Jede Vorstellung muß, damit sie klappt, tausendmal vorher durchgenommen, „eingespielt” sein.

Daher befiehlt der Herr Major eine „Vorbesichtigung”

Am Montag will er sich die Rekruten ansehen, „und zwar wünsche ich, meine Herren, daß die Sache genau in derselben Art und Weise gehandhabt wird, wie Sie es am Donnerstag in Gegenwart des Herrn Oberst machen.”

„Zu Befehl, Herr Major.”

Damit die Sache am Montag und damit auch am Donnerstag klappt, muß sie „eingespielt” sein, der Herr Hauptmann befiehlt also eine „Vor–Vorbesichtigung.”(2)

„Ich werde mir am Sonnabend Vormittag die Rekruten ansehen, Herr Lieutenant, ”

„Zu Befehl, Herr Hauptmann.”

Der Häuptling geht und der Lieutenant ruft die Unteroffiziere zusammen.

„Am Sonnabend Vormittag will der Herr Hauptmann sich die Rekruten ansehen — da werde ich am Freitag Vormittag eine Art Vor–Vor–Vorbesichtigung abhalten, und zwar wünsche ich, daß die Sache genau in derselben Art und Weise gehandhabt wird, wie Sie es am Donnerstag in Gegenwart des Herrn Oberst machen. Bin ich verstanden?”

„Zu Befehl, Herr Lieutenant.”

„Na, dann danke ich schön.”

So sind aus der einen Besichtigung schon vier geworden.

„Jeder Besichtigungstag muß für den richtigen Soldaten ein Fest- und Freudentag sein,” hat einmal ein General gesagt.

Wenn die Untergebenen ebenso dächten und alle Besichtigungstage dementsprechend feiern würden, so würde der Alkohol wohl bedeutend im Preise steigen.

An Festtagem muß der Soldat trinken, ganz einerlei was. Ich weiß es als Thatsache, daß auf Kaisers Geburtstag ein Lazarethkranker, dem außer Milch jedes Getränk verboten war, in seiner Festesstimmung die einzige Flasche, deren er habhaft werden konnte, austrank, sie enthielt Ricinus-Oel.

Ob er die gelbe Flüssigkeit für alten Château Yquem gehalten hatte? — —

Wie eine Besichtigung verläuft, hängt von dem „Besichtigungsblick” des Vorgesetzten ab. Manche sehen Alles, Manche gar nichts, entweder weil sie nichts sehen können oder nichts sehen wollen.

Besichtigen ist sehr, sehr schwer und auf einen Blick zu erkennen, was falsch ist und woran der Fehler liegt, ist ungemein schwierig.

Sehr viele Vorgesetzte haben einen ganz hervorragend ausgebildeten „Besichtigungsblick”, viele haben aber absolut gar keinen.

Ich selbst bin(3) zu kurze Zeit Soldat gewesen, um ein Urtheil darüber abgeben zu können, welche dieser beiden Vorgesetzten die angenehmsten wären, ich wandte mich daher an Bekannte mit der Frage, welche Vorgesetzten ihnen die liebsten wären und jedes Mal erhielt ich die Antwort: „Gar keine”, nur einer sagte: „Die todten!”(4)

Da muß ich mir denn selbst helfen und sage: „Tausendmal lieber einen Vorgesetzten mit einem scharfen Besichtigungsblick als einen Vorgesetzten, der sich einbildet, Alles zu sehen, und in Wirklichkeit nichts sieht.

Gesehen werden muß etwas, denn sonst hat die ganze Besichtigung doch gar keinen Zweck.

Die Rekruten zweier Kompagnien sind fein säuberlich, über die Fußspitzen ausgerichtet, im Exerzierhaus aufgestellt und harren der Vorgesetzten, die da kommen sollen.

Die Leute sind angezogen wie die Puppen, es ist eine Freude, sie anzusehen.

Nur die Gesichter sehen etwas verstört aus, die armen Jungens haben eine heillose Angst, verdenken kann man ihnen das ja auch schließlich nicht.

„Nur recht frisch und frei in die Welt sehen.” Vom Herrn Major bis herunter zu den Rekruten–Gefreiten sagt es jeder wenigstens sechs Mal und die Folge davon ist, daß die Kerls alle ein mordsdämliches Gesicht machen.

Ebenso gut könnte der Scharfrichter vor der Exekution zu dem Mörder sagen: „Wenn ich bitten darf — nun recht freundlich.”

Schwapp — ab ist der Kopf.

Ein geheimnißvolles Rauschen und Flüstern geht durch die Natur; der Frühling — nein, der Herr Oberst ist im Anzuge, sogar im Dienstanzuge, mit dem Helm auf dem Kopf, so haben ihn die Leute noch nie gesehen.

Gnädig nimmt er den Rapport entgegen und begiebt sich zunächst an den Flügel, um die Richtung zu mustern.

Es ist so still, man hört das Herz des Häuptlings klopfen, denn das weiß ein Jeder: „Wenn die erste Aufstellung nichts taugt, dann — dann, meine Herren!” — und ein Achselzucken ist der Schluß der kurzen, aber inhaltsreichen Rede.

Jede Rekrutenbesichtigung ist nur en detail — „Alles einzeln, meine Herren, keine Arbeit im Ganzen — aber im Einzelnen die größte Genauigkeit und Akkuratesse.”

„Jeder Mann, zu dem ich herankomme, steht still, nimmt Gewehr über, präsentirt, nimmt wieder das Gewehr über und dann Gewehr ab. Bin ich verstanden?”

„Zu Befehl, Herr Oberst,” entgegnet der Unteroffizier, der das erste Glied hat.

„Gut, dann sagen Sie es den Leuten an.”

„Zu Befehl, Herr Oberst. Jeder Mann, zu dem der Herr Oberst herankommt, steht still, nimmt Gewehr über, präsentirt, nimmt wieder das Gewehr über und dann Gewehr ab.”

Wie die meisten Wiederholungen, so ist auch diese überflüssig, denn der Herr Oberst hat so laut gesprochen, daß Jeder es gehört hat; na, lieber einmal zu viel als zu wenig.

Nun geht's los.

Armer, armer Flügelmann, wenn man jetzt dein Inneres mit X-Strahlen photographiren könnte, wie elendiglich würde das Bild werden.

Dem Unglücklichen klappern vor Angst die Eingeweide.

Der Flügelmann hat die Verpflichtung, die Sache gut zu machen: „Ja, meieieieine Herren, wenn der Flügelmann so greift — ja, aber, meine Herren —”

Aber der Himmel ist dem langen Menschen gnädig, er vergeift sich nicht.

„Gut,” lobt der Herr Oberst, „der Mann macht überhaupt einen sehr netten, ordentlichen Eindruck.”

„Zu Befehl, Herr Oberst,” pflichtet der Häuptling bei.

„Was sind Sie in Ihrem Zivilberuf, mein Sohn?”

„Zimmermann, Herr Oberst.”

„Als wenn ich mir das nicht gedacht hätte — das habe ich Ihnen gleich angesehen. Na, Sie haben Ihre Sache gut gemacht, mein Sohn!”

So geht es die Front herunter.

„Nochmal, mein Sohn, der Griff war nicht gut,” bemerkt der Herr Oberst zu einem Rekruten.

Der Mann nimmt noch einmal „das Gewehr über”, aber es mißlingt wieder.

„Nochmal, mein Sohn, bleiben Sie ganz ruhig.”

Beim dritten Mal ist es noch schlechter.

Der Kommandeur wendet sich an den Häuptling: „Der Mann ist wohl noch sehr unsicher?”

„Zu Befehl, Herr Oberst.”

Das lügt der Hauptmann, denn es ist der beste Rekrut, den er hat, der seine Sache kennt wie nur einer — aber nur keine langen Erörterungen.

„Sind Sie krank gewesen, mein Sohn?”

Schon will der Rekrut der Wahrheit gemäß „nein” sagen, da sieht er, wie sein Lieutenant, der hinter dem Herrn Oberst steht, krampfhaft mit dem Kopf nickt, so sagt er:

„Zu Befehl, Herr Oberst.”

„Was hat Ihnen denn gefehlt, mein Sohn?”

Der Lieutenant legt blitzschnell beide Hände auf die Brust. „Brustschmerzen, Herr Oberst.”

„Nun, wieder ganz gesund?”

„Zu Befehl, Herr Oberst.”

Der Lieutenant nickt's, der Rekrut aber spricht's.

„Na, ein bischen blaß sehen Sie aber doch noch aus, mein Sohn, na, Sie werden sich noch wieder ganz erholen. Der Mann sieht mir überhaupt so aus, als wenn er etwas schwach auf der Brust wäre.”

Gott sei Dank untersucht der Herr Oberst den Fall nicht näher, sondern geht weiter.

Vor dem linken Flügelmann macht der Herr Oberst wieder Halt.

„Fällt Ihnen an dem Anzug des Mannes nichts auf, Herr Hauptmann?”

Der Gefragte läßt seinen Blick forschend über den Rekruten schweifen und auf einmal wird es Tag — Herr Gott, das ist ja gar nicht möglich, na warte, mein Junge, drei Tage sind Dir sicher —.

Müßte der Häuptling nicht den Gesetzen gemäß „still stehen”, wenn der Vorgesetzte mit ihm spricht, so würde er erbarmungslos ohnmächtig umfallen.

Der Rekrut hat keine Patronentaschen um. Zu glauben ist so etwas gar nicht.

„Nun, Herr Hauptmann?”

Der aber kann vor Angst gar nicht sprechen.

Stolz leuchtet das Auge des Vorgesetzten:

„Sehen Sie mal, Herr Hauptmann, das rechte Hosenbein ist entschieden länger als das linke — bitte, kommen Sie, wir wollen und den Mann mal von hinten ansehen, da werden Sie es besser bemerken.”

Und der Herr Oberst mit seiner ganzen Suite voltigirt um den linken Flügelmann herum und der Häuptling findet seine Sprache wieder.

„Na, solche Kleinigkeit kann ja vorkommen, aber sonst war die Korporalschaft sehr hübsch angezogen, sehr hübsch, hat mir gut gefallen.”

Der Vorgesetzte wendet sich der nächsten Korporalschaft zu und unterdeß wird der linke Flügelmann heimlich aus dem Exerzierhaus hinausgeschoben, der muß sich irgendwo verstecken, wo ihn Niemand finden kann, für ihn ist die Besichtigung vorbei.

Nicht so für die Anderen.

Sind in beiden Kompagnien die Griffe gesehen, dann kommt der Einzelmarsch.

Scharf und prüfend ruht das Auge des Vorgesetzten auf den einzeln mit sieben Schritt Abstand Vorbeimarschierenden.

„Gut — gut — sehr hübscher Beinsatz, der Marsch gefällt mir, Herr Hauptmann.”

Nun kommt ein Jüngling an, dessen Beine das Entsetzen seines Unteroffiziers gebildet haben. Der Mann hat dicke Knie, er gleicht beim Gehen einem Gaul, der bei jedem Schritt vorne einknickt.

Was wird der Herr Oberst zu dieser traurigen Gestalt sagen?

Feierliche Stille, während der Rekrut, die treue Flinte auf der linken Schulter, einsam über den Kasernenhof marschiert: Der Arme fühlt die Blicke Aller auf sich ruhen. Halt, nun fällt er — nein, doch nicht, aber fast berühren seine Knie die Erde.

„Der Mann drückt die Knie nicht durch.”

Das scharfe Auge des Vorgesetzten hat auch hier gleich das Richtige erkannt.

„Der Mann kann nicht besser marschieren, Herr Oberst, er hat dicke Knie.”

„Das sehe ich, Herr Hauptmann, aber etwas besser könnte er doch marschieren, glauben Sie es nur; mir scheint, daß der Ausbildung des Mannes nicht die nöthige Sorgfalt gewidmet ist. Solche Gestalten wünsche ich nicht zu sehen.”

„Dem Manne kann geholfen werden,” denkt der Hauptmann von der Zweiten und er winkt sich seinen Feldwebel heran: „Wenn unsere Leute jetzt zum Marsch antreten, dann lassen Sie die Krummen, aber natürlich so, daß es Keiner merkt, verschwinden.”

„Zu Befehl, Herr Hauptmann.”

Und während die Ersten antreten, werden die Krummen leise, leise hinter das Exerzierhaus geschickt. Da bleiben sie stehen, bis der Herr Oberst zu der Besichtigung der nächsten Kompagnien wieder in dasselbe hineingeht, und dann verschwinden sie leise, leise auf das Kompagnierevier, da sind sie ganz sicher, nicht mehr gesehen zu werden, obgleich die Augen des Vorgesetzten Alles, Alles sehen.

Vierzehn(5) Kompagnien en détail zu besichtigen, ist eine Herkules–Arbeit.

Man stelle sich mal vor, was es heißt, sich jeden Tag von dreihundert Mann zwölfhundert Griffe vormachen zu lassen, und das drei Tage hindurch, das sind beinahe viertausend Griffe — ich will das Rechnen nur aufgeben, mir wird ganz schlecht dabei.

Die ersten Kompagnien sind bei der Besichtigung natürlich am schlimmsten daran, im Laufe der Zeit trübt sich der Besichtigungsblick, da kann ruhig mal Einer präsentiren anstatt das Gewehr über zu nehmen, oder rechtsum statt linksum machen, das kommt dann so genau nicht mehr darauf an.

Der Besichtigungsblick mancher Vorgesetzten wird aber bei dem vielen Sehen nicht trüber, sondern heller und schärfer.

Bei einem Regiment — nicht nur Namen, sondern auch Zahlen sind manchmal odiosa — wohnte einst der Brigade­kommandeur der Rekruten–Besichtigung bei. Er entwickelte hierbei eine Ausdauer, die, wenigstens in den Augen der Untergebenen, einer besseren Sache würdig war. Drei Tage lang stand er vom frühen Morgen bis zum späten Mittag im Exerzierhaus und war nicht fortzubekommen. Alles athmete erleichtert auf, als man bei der letzten Kompagnie war.

Da bleibt der Herr General plötzlich vor einem Mann stehen.

„Herr Oberst, der Mann ist schmutzig, er hat sich nicht gewaschen.”

Allgemeines Entsetzen, man sieht sein Gesicht, seine Ohren, seinen Hals, seine Hände nach — Alles ist tadellos sauber.

„Und doch hat der Mann sich nicht gewaschen. Mein Sohn, geh' mal dort in die Ecke und zieh' Dich aus.”

Fünf Minuten später stand der Jüngling vom Lande, anzuschauen wie das entschleierte Bildnis von Sais, nur mit seiner Haut bekleidet, vor seinem Vorgesetzten.

Und der General hatte Recht, ein Trauerflor war im Vergleich mit der Hautfarbe des nackten Apollo schneeweiß.

Staunen ergriff Alle beim Anblick: das war ja unheimlich, vor dem General mußte man sich in Zukunft in Acht nehmen, der war ja im Stande und sah bis ins Herz hinein.

Lächelnd blickte der Herr General sich um: „ Ja, meine Herren, Sie wundern sich — Sie denken, das kann doch unmöglich mit rechten Dingen zugehen — ja, meine Herren, ich will keinen Glorienschein über meinem Haupte dulden, den ich nicht verdiene. Haben Sie keine Angst, so scharf ist mein Besichtigungsblick denn doch nicht, daß ich durch die Kleider hindurchsehen kann, ich will Ihnen das Geheimniß enthüllen — ich habe es nicht gesehen, nein, meine Herren, ich kann's ja ruhig sagen, Damen sind ja nicht in der Nähe — ich habe es gerochen. Nun aber, denke ich, gehen wir, um einen Cognac zu trinken.”

Nach dem Frühstück begann die große Wäsche. Zuerst wusch der Herr Oberst dem Herrn Major den Kopf, der Herr Major dem Herrn Hauptmann und dieser seinem Lieutenant. Der Herr Lieutenant band sich den Unteroffizier vor und seifte ihn gehörig ein und der Unteroffizier zog mit dem Stein des Anstoßes auf die große Stube, zog dort den Jüngling abermals aus, zog dann alle Mann zur Hilfe heran und dann zogen sie ihm bei der nun beginnenden Wäsche beinahe das Fell vom Leibe.

Nun war er herrlich anzuschauen, er duftete nach grüner Seife lieblich und verführerisch, aber leider ließ kein Vorgesetzter seinen „Blick” mehr auf ihm ruhen.

Mit dem Besichtigungsblick ist es, wie die Geschichte lehrt, eine eigene Sache, am besten thut man, wenn man sich demselben nicht aussetzt.

Und damit setzt meine Feder für heute aus.(6)


Fußnoten:

(1) In der Buchfassung heißt es hier: „Bei jedem Regiment werden die Rekruten von zwölf Kompagnien ausgebildet, in der ganzen Armee also von mehreren hundert.”. (Anläßlich der Heeresvermehrung von 1894 bekamen alle Regimenter 14 Kompagnien; die 13. und 14. Kompagnie bildeten das 4. (Halb-)Bataillon. Diese 4.Bataillone wurden schon 1897 zu neuen Regimentern zusammengefaßt.) (zurück)

(2) In der Buchfassung des Globus-Verlags heißt es hier nur „Vorbesichtigung”. (zurück)

(3) In der Buchfassung des Globus-Verlags heißt es hier zusätzlich: „trotz zwölfjähriger Dienstzeit”. (zurück)

(4) Von der ersten Auflage an fehlen in der Buchfassung hier die Worte „nur einer sagte: Die todten!”. (zurück)

(5) Von der ersten Auflage an heißt es hier „zwölf”. Vgl. auch Fußnote 1. (zurück)

(6) Von der ersten Auflage an fehlt dieser letzte Absatz in der Buchausgabe. (zurück)


zurück zur

Schlicht-Seite