Das Ehrenwort.

Erzählung von Ralph von Rawitz
in: „Nebraska Staats-Anzeiger und Herold”, Sonntags-Blatt, vom 12.12.1902
in: „Bataviaasch nieuwsblad” vom 12.03.1903 (unter dem Titel: Het Eerewoord)
in: „Sumatra-bode” vom 16.02.1904 (unter dem Titel: Het Eerewoord)
in: „Mährisches Tagblatt” vom 03.11.1902 (unter dem Titel: Hubertus-Jagd)
in: „Badische Presse”, Unterhaltungsblatt Nr.-86 vom 08.11.1902 (unter dem Titel: Hubertus-Jagd)


Das Ehrenwort.

Erzählung von Ralph von Rawitz
in: „Nebraska Staats-Anzeiger und Herold”, Sonntags-Blatt, vom 12.12.1902


Das war nun das dritte Feuer in anderthalb Jahren! Kein Mensch auf Gut Holnstein oder in der nahen Garnisonstadt Katzlau zweifelte daran, ;daß es sich um Racheakte gegen den Besitzer des Gutes, den Baron Beuerstorff, handelte. Vermuthlich war der Thäter ein entlassener Knecht oder ein Wilderer, dem der Baron das Handwerk gelegt hatte, und der sich nun mit Petroleum und Streichholz revanchirte. Derselben Ansicht war auch der Criminalbeamte aus Berlin, in dessen Hände der Rittergutsbesitzer die Angelegenheit gelegt hatte, und der unter der Maske eines Getreidehändlers in Katzlau eingetroffen war. Commissär Bandhoff sah sich seine Leutchen an, und nach zwei Tagen bereits hatte er so viel Material gesammelt, daß man den lahmen Seegert dingfest machen und dem Untersuchungsrichter vorführen konnte. Der Kerl, ein verkommenes Subject, dessen Subsistenzmittel aus dunklen Geschäften herstammten, und der schon mehrmals gesessen hatte, war an dem bewußten August-Abend unfern des Gutsstalles gesehen worden, verwickelte sich in Widersprüche und berief sich natürlich auf den „grossen Unbekannten”, der auf dem Gutshof sein Unwesen getrieben und wohl auch den Brandstiftungsversuch gemacht habe.

Die Sache kam vor das Schwurgericht, das im Oktober in Katzlau zusammentrat, und war dem Abschluß nahe, als der Angeklagte plötzlich mit einer Aussage hervortrat, die nicht nur im Gerichtssaal, sondern in der ganzen Stadt und im Kreise Sensation machte. Er, Seegert, habe bisher geschwiegen, könne aber nun nicht länger mit der Thatsache zurückhalten. Er habe sich allerdings an jenem Abend in der Nähe des Gutshofes aufgehalten, freilich völlig harmlos und nur in der Absicht, frische Luft zu schöpfen. AlS er zwischen 11 und 12 Uhr Abends an der Parkmaner dahingeschritten sei, habe sich plötzlich die kleine Wiesenpforte geöffnet, und ein Mann sei, vorsichtig nach allen Seiten spähend, herausgetreten. Der Mann habe sich schnell in der Richtung nach der Bäcke-Brücke entfernt. Er wisse den Namen des Betreffenden und könne ihn, weil er selbst in Gefahr schwebe, nicht länger verschweigen. Es sei Graf Burg von den Kürassieren gewesen.

Graf Burg, der eleganteste und flotteste Oberleutnant der Garnison Katzlau, der Vetter des Staatsekretärs, der Besitzer einer Herrschaft in Westfalen, der Millionär — ein Brandstifter? Die Richter schüttelten die Köpfe, die Geschworenen thaten desgleichen, und selbst der Vertheidiger lächelte ungläubig. Nichtsdestoweniger richtete er an den Gerichtshof den Antrag, das Kürassierregiment um die Vorladung des Zeugen Burg ersuchen zu wollen. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag jedoch ab mit der Motivirung, „selbst angenommen, der Graf habe sich an jenem Abend in Holnstein aufgehalten und durch den Park entfernt, so sei damit nichts erwiesen, weil die Herren des Kürassierregiments ja oftmals zu allen Tageszeiten auf dem Gut ihres früheren Waffenkameraden verkehrtem und weil der Baron Beuerstorff auf eigene Aussage in herzlicher Weise mit dem Grafen verkehre, so daß jeder Anlaß auch für den leisesten Verdacht wegfalle.”

Seegert wurde verurtheilt und hielt es auch nicht für gerathen. Revision einzulegen, weil er vermuthlich mit 1½ Jahren Zuchthaus noch gut davongekommen zu sein glaubte. Die Presse verzeichnete diesen Ausgang mit wenigen dürren Worten, commentirte dafür aber desto eifriger die Ablehnung des Antrages der Vertheidigung. „Es ist bedauerlich,” schrieb ein Blatt, „daß man offenbar aus Standesrücksichten, der überaus interessanten Frage nicht näher trat. War der genannte Officier an jenem Abend wirklich auf Gut Holnstein und hat er sich wirklich, wie Seegert sagte, „vorsichtig spähend” durch eine hintere Gartenpforte entfernt? Kürassierofficiere pflegen doch gewöhnlich den Hauptausgang zu benutzen.”

Auf Grund dieses Berichtes hielt das Regimentscommando der Katzlauer Kürassiere es für angezeigt, die ehrengerichtliche Untersuchung gegen den Oberleutnant Grafen Burg zu eröffnen. Es wurde festgestellt, daß das Regiment am 16. August früh in das Manöver abmarschirt war, daß der Brand am Abend dieses Tages stattgefunden hatte, und daß zu dieser Zeit der Officier sich in Dorf Malchow, etwa sechs Kilometer von Gut Holnstein, im Cantonnementsquartier befunden haben mußte. Die 4. Escadron, der der Graf angehörte, war um 11 Uhr Vormittags eingerückt und am nächsten Morgen um 7 Uhr weiter marschirt. Der Graf erklärte, nach einem Spaziergang früh zu Bett gegangen zu sein; er wüßte nicht, was er in Holnstsein hätte thun sollen, da ihm bekannt gewesen sei, daß der Baron zur Gravelotte-Feier seines alten Regiments nach Berlin gefahren war. Offenbar liege, wofern der Brandstifter Seegert nicht gelogen habe, eine Verwechslung vor. Natürlich kenne er die erwähnte Parkthür nach der Bäcke-Brücke, da er oft genug in Begleitung des Barons bei Jagdausflügen diesen Ausgang passirt habe.”

Das Verfahren des Ehrengerichts endete nach kurzer Debatte mit dem Spruch, daß die ganze Angelegenheit sich nicht zu einer ehrengerichtlichen Behandlung eigne; gegen vage und unbewiesene Behauptungen könne sich kein Mensch schützen.

Fünf Minuten, nachdem dieser Entscheid gefallen war, überreichte ein Dienstmann dem Grafen Burg ein Schreiben, das folgende zwei Zeilen enthielt:

„Euer Hochgeboren bitte ich zu einer Unterredung unter vier Augen. Ich erwarte Sie im Hotel du Nord. Baron v. Beuerstorff.”

Der Graf begab sich sofort zum Hotei.

„Mein Herr Graf,” begann Baron Beuerstorff, „ich habe Sie hierher gebeten, um eine Frage an Sie zu richten. Wir sind beide alte Offiziere und gewöhnt, vor dem Ehrengericht unser Innerstes zu entschleiern. Wir sind aber auch Cavaliere, die — und ich glaube darin täusche ivh mich nicht — selbst den schwersten Entschluß zu Wege bringen: Die Wahrheit zu versleugnen, um die Ehre einer Dame zu retten. Sie wissen. welche Commentare an die Behauptung dieses Verbrechers geknüpft worden sind. Ich bin überzeugt, daß Sie den Kameraden auch nicht das leiseste Mißtrauen belassen, den schwächsten Zweifel getilgt haben. Aber jetzt sind wir unter uns, Mann gegen Mann, und nun frage ich Sie auf Ehrenwort: Herr Graf! Waren Sie an dem Abend in Holnstein?”

Graf Burg sah dem Fragenden fest in die Augen:

„Ich war nicht da!”

Beuerstorff athmete hoch auf.

„Gott sei gedankt, Graf! Es wäre ja auch zu furchtbar gewesen!” — —

Wenige Tage nach dieser Unterredung, am Sonnabend vor der großen Parforcejagd, fand der erste Herbst-Casinoball statt. Beuerstorffs wollten zuerst nicht daran theilnehmen, dann aber hielten sie es für gerathen, gerade ins Casino zu fahren, um dem müßigen Gesschwätz in Katzlau ein Ende zu machen. Auch Graf Burg wurde von derselben Ueberlegung geleitet, und recht ostensiv machte er der schönen, jungen Frau v. Beuerstorff vor versammeltem Kriegsvolk den Hof. Er tanzte mit ihr die Quadrille, einen Lancier und dann einen Walzer. Unwillkürlich sah alles nach dem schönen Paar, das lachend und in lebhafter Unterhaltung durch den Saal wirbelte. Oben, vom Orchester her, breite Melodien und wiegende Klänge.

„Jetzt, Rita! Höre, Wir haben nur zwei Minuten. Bitte, lache! — Es ist das letzte Mal, daß wir uns sprechen! — Du bist sicher, Liebling! — Dein Mann ahnt nichts! — Niemand ahnt etwas! — Ich lasse mich versetzen! — — Weit von hier — sehr weit, liebes Kind! — — Vergiß mich nicht ganz! — — Und Gott behüte Dich! — — Nicht wahr, gnädige Frau, ein charmanter Gedanke, dieser Herbstball? Und wie unsere Kerle heute blasen, famos! Darf ich Sie zu Ihrem Platz geleiten? Gehorsamsten Dank!”

Es folgte die zweite Quadrille, ein Blumenwalzer, ein Galopp, aber Burg tanzte nicht mehr; leise ging er hinaus, nahm Stahlhelm und Degen und schritt seiner Junggesellen-Wohnung zu. Als er an seinem Stall vorüberging, schnaubte drinnen ein Gaul; der Offizier öffnete die Thür und trat an den großen Rappen heran:

„Wotan, mein alter Kerl! Du und ich, wir beide!” Damit klopfte er ihn iauf den Hals und das Pferd rieb dankbar die Nitstern an der Hand seines Herrn.

*           *           *

Die Parforce-Jagsd war geritten, aber vergebens hatte das Casino den reichen Eichensehmuck angelegt und das prächtige Tafelsilber aufgestellt. Mit ernsten Gesichtern standen die Kürassier-Offiziere im Lesezirnmer am Kamin. Burg fehlte.

„Fürchterlich!”

„Ja! — Und unbegreiflich! Doch ganz bekanntes Gelände! Kein Rekrut könnte sich da irren! Links zur Bäcke runter nach den Holsteiner Wiesen, rechts der Steinbruch.”

„Der Rappen war doch auch zuverlässig, altes Chargenpferd, drei oder vier Jahre vorím Zug gegangen!”

— — —

Hubertus-Jagd

Von Ralph v. Rawitz.
in: „Mährisches Tagblatt” vom 03.11.1902
in: „Badische Presse” vom 08.11.1902


Das war nun das dritte Feuer in anderthalb Jahren! Kein Mensch auf Gut Holnstein oder in der nahen Garnisonstadt Katzlau zweifelte daran, daß es sich um Racheakte gegen den Besitzer des Gutes, den Baron Beuerstorff. handelte. Vermuthlich wae der Thäter ein entlassener Knecht oder ein Wilderer. dem der Baron das Handwerk gelegt hatte, und der sich nun mit Petroleum und Streichholz revanchirte. Derselben Ansicht war auch der Kriminalbeamte aus Berlin, in dessen Hände der Rittergutsbesitzer die Angelegenheit gelegt hatte, und der unter der Maske eines Getreidehändlers in Katzlau eingetroffen war. Kommissar Bandhaff sah sich seine Leutchen an, und nach zwei Tagen bereits hatte er soviel Material gesammelt, daß man den lahmen Seegert dingfest machen und dem Untersuchungsichter vorführen konnte. Der Kerl. ein verkommenes Subjekt, dessen Subsistenzmittel aus dunklen Geschäften herstammten, und der schon mehrmals gesessen hatte, war an dem bewußten August-Abend unfern deS Gutshofes gesehen worden, verwickelte sich in Widersprüche und berief sich natürlich auf den „großen Unbekannten”, der auf dem Gutshof sein Unwesen getrieben und wohl auch den Brandstiftungsversuch gemacht habe.

Die Sache kam vor das Schwurgericht, das im October in Katzlau zusammentrat, und war dem Abschluß nahe, als der Angeklagte plötzlich mit einer Aussage hervortrat, die nicht nur im Gerichtssaal, sondern in der ganzen Stadt und im Kreise Sensation machte. Er, Seegert, habe bisher geschwiegen, könne aber nun nicht länger mit der Thatsache zurückhalten. Er habe sich allerdings an jenem Abend in der Nähe des Gutshofes aufgehalten, freilich völlig harmlos und in der Absicht, frische Luft zu schöpfen. Als er zwischen 11 und 12 Uhr Abends an der Parkmauer dahingeschritten sei, habe sich plötzlich die kleine Wiesenpforte geöffnet, und ein Mann sei, vorsichtig nach allen Seiten spähend, herausgetreten. Der Mann habe sich schnell in der Richtung der Bäcke-Brücke entfernt. Er wisse den Namen des Betreffenden und könne ihn, weil er selbst in Gefahr schwebe, nicht länger verschweigen. Es sei Graf Burg von den Kürassieren gewesen.

Graf Burg, der eleganteste .und flotteste Oberleutnant der Garnison Katzlau, der Vetter des Staatssekretärs, der Besitzer einer Herrschaft in Westfalen. der Millionär — ein Brandstifter? Die Richter schüttelten die Köpfe, die Geschworenen thaten desgleichen, und selbst der Vertheidiger lächelte ungläubig. Nichtsdestoweniger richtete er an den Gerichtshof den Antrag, das Kürasssierregiment um die Vorladung des Grafen Burg ersuchen zu wollen. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ab mit der Motivierung, „selbst angenommen. der Graf habe sich an jenem Abend in Holnstein aufgehalten und durch den Park entfernt, so sei damit nichts erwiesen, weil die Herren des Kürassierregiments ja oftmals zu allen Tageszeiten auf dem Gut ihres früheren Waffenkameraden verkehrten und weil der Baron Beuerstorff auf eigene Aussage in herzlicher Weise mit dem Grafen verkehre, so daß jeder Anlaß auch für den leisesten Verdacht wegfalle."

Seegert wurde verurtheilt und hielt es auch nicht für gerathen, Revision einzulegen, weil er vermutlich mit 1½ Jahren Zuchthaus noch gut genug davongekommen zu sein glaubte. Das bürgerliche Strafverfahren war damit beendet, und die Strafvollstreckung griff Platz. Die Presse verzeichnete diesen Ausgang mit wenig dürren Worten, kommentirte aber dafür desto eifriger die Ablehnung des Antrages der Verteidigung. „Es ist bedauerlich”, schrieb ein Blatt, „daß man, offenbar aus Standesrücksichten, der überaus interessanten Frage nicht näher trat. War der genannte Offizier an jenem Abend wirklich auf Gut Holstein und hat er sich, wie Seegert sagte, „vorsichtig spähend” durch eine hintere Gartenpforte entfernt? Kürassier-Offiziere pflegen doch gewöhnlich den Hauptausgang zu benutzen.”

Auf Grund dieses Berichtes hielt das Regimentskommando der Katzlauer Kürassiere es für angezeigt, die ehrengerichtliche Untersuchung gegen den Oberleutnant Grafen Burg zu eröffnen. Es wurde festgestellt, daß das Regiment am 16. August Früh in das Manöver abmarschiert war, daß der Brand am Abend dieses Tages stattgefunden hatte, und daß zu dieser Zeit der Offizier sich im Dorfe Malchow, etwa 6 Kilometer von Gut Holstein, im Kantonnementsquartier befunden haben mußte. Die 4. Eskadron, der der Graf angehörte, war um 11 Uhr Vormittags eingerückt und am nächsten Morgen um 7 Uhr weitermarschirt. Der Graf erklarte,ach einem Spazierganga früh zu Bett gegangen zu sein, er wüßte nicht, was er in Holstein hätte thun sollen, da ihm bekannt gewesen sei, daß der Baron zur Gravellotte-Feier seines alten Regiments nach Berlin gefahren war. Offenbar liege, wofern der Brandstifter Seegert nicht gelogen habe ,eine Verwechslung vor. Natürlich kenne er die erwähnte Parkthüre nach der Bäcke-Brücke, die er oft genug in Begleitung des Barons bei Jagdausflügen diesen Ausgang passirt habe.”

Das Verfahren des Ehrengerichts endete nach kurzer Debatte nitt dem Spruch, daß die ganze Angelegenheit sich nicht zu einer ehrengerichtlichen Behandlung eigne; gegen vage und unbewtesene Behauptungen könne sich kein Mensch schützen.

Fünf Minuten, nachdem dieser Entscheid gefallen war, überreichte ein Dienstmann dem Grafen Burg ein Schreiben, das folgende zwei Zeilen enthielt:

„Euer Hochwohlgeboren bitte ich zu einer Unterredung unter vier Augen. Ich erwarte Sie im Hotel du Nord.
Baron v. Beuerstorff.”

Der Graf begab sich sofort zum Hotel.

„Mein Herr Graf.” begann Baron Beuerstorff, „ich habe Sie hierher gebeten, um eine Frage an Sie zu richten. Wir sind beide alte Offiziere und gewöhnt, vor dem Ehrengericht unser Innerstes zu entschleiern. Wir sind aber auch Kavaliere, die — und ich glaube, darin täusche ich mich nicht — selbst den schwersten Entschluß zu Wege bringen — die Wahrheit zu verleugnen, um die Ehre einer Dame zu retten. Sie wissen, welche Kommentare an die Behauptung dieses Verbrechers geknüpft worden sind. Ich bin überzeugt, daß Sie den Kameraden auch nicht das leiseste Mißtrauen belassen, den schwächsten Zweifel getilgt haben. Aber jetzt sind wir unter uns, Mann gegen Mann, und nun frage ich Sie auf Ehrenwort: Herr Graf! Waren Sie an dem Abend in Holnstein?”

Graf Burg sah dem Fragenden fest in die Augen:

„Ich war n i c h t d a!”

Beuerstorff athmete hoch auf.

„Gott sei gedankt! Graf! Es wäre ja auch zu furchtbar gewesen!” — — —

Wenige Tage nach dieser Unterredung, am Sonnabend vor Sanct Hubertus, fand der erste Herbst-Kasinoball statt. Beuerstorffs wollten zuerst nicht daran theilnehmen, dann aber hielten sie es für gerathen, gerade ins Kasino zu fahren, um dem müßigen Geschwätz in Katzlau ein Ende zn machen. Auch Graf Burg wurde von derselben Ueberlegung geleitet, und recht ostentativ machte er der schönen jungen Frau v. Beuerstorff vor versammelsem Kriegsvolk den Hof. Er tanzte mit ihr die Quadrille, einen Lancier und dann einen Walzer. Unwillkürlich sah alles nach dem schönen Paar, das lachend und in lebhafter Unterhaltung durch den Saal wirbelte. Oben, vom Orchester her, breite Melodien. und wiegende Klänge.

„Jetzt, Rita! Höre! Wir haben nur zwei Minuten. Bitte, lache! — Es ist das letzte Mal, daß wir uns sprechen! — Du bist sicher, Liebliung! — Dein Mann ahnt nichts! — Niemand ahnt etwas! — Ich lasse mich versetzen! — Weit von hier — sehr weit, liebes Kind! — Vergiß mich nicht ganz! — Und Gott behüte Dich! — — Nicht wahr, gnädige Frau, ein charmanter Gedanke, dieser Herbstball? Und wie unsere Kerls blasen, famos! Darf ich Sie zu Ihrem Platz geleiten? Gehorsamsten Dank!”

Es folgte die zweite Quadrille, ein Blumenwalzer, ein Galopp, aber Burg tanzte nicht mehr; leise ging er hinaus, nahm Stahlhelm und Degen und schritt seiner Junggesellen-Wohnung zu. Als er an seinem Stall vorüberging, schnaubte drinnen ein Gaul; der Offizier öffnete die Thür und trat an den großen Rappen heran:

„Wotan, mein alter Kerl" Du und ich, wir beide!” damit klopfte er ihm auf den Hals, und das Pferd rieb dankbar die Nüstern an der Hand seines Herrn.

— — — — — — — — —

Die Hubertus-Jagd war geritten, aber vergebens hatte das Kasino den reichen Eichenschnuck angelegt und das prächtuge Tafelsilber aufgestellt. Mit ernsten Gesichtern standen die Kürassier-Offiziere iim Lesezimmer am Kamin. Burg fehlte.

„Fürchterlich!”

„Ja! — Und unbegreiflich! Doch ganz bekanntes Gelände! Kein Rekrut könnte sich da irren! Links zur Bäcke 'runter nach den Holnsteiner Wiesen, rechts der Steinbruch.”

„Der Rappen war doch auch zuverlässig, alteS Chargenpferd — drei oder vier Jahre vor'm Zug gegangen!

„Ja Kinder — was redet Ihr! — Es sollte wohl so sein! Und wer weiß, wozu es gut ist — Und schließlich, sehen wir die Sache 'mal militärpsch an: doch esin anständiger Reitertod!”

— — —

HET EEREWOORD

door Ralph von Rawitz
in: „Bataviaasch nieuwsblad” vom 12.03.1903
in: „Sumatra-bode” vom 16.02.1904


Reeds voor de derde maal in anderhalf jaar tijds was er op het landgoed Holstein brand geweest en geen der bewoners van het goed of van de naburige garnizoensstad Katzlaw twijfelde er meer aan dat de een of ander uit wraak tegen den landheer, baron Beuerstorff, telkens den brand stichtte. Vermoedelijk was de brandstichter een ontslagen knecht, of wel een strooper die door den houtvester van den baron bekeurd was en zich nu met petroleum en lucifers over zijn ontslag, of zijn bekeuring op den baron wilde wreken.

Dit vermoeden had ook de commissaris van politie Bandhoff uit Berlijn die met het onderzoek in deze zaak belast werd en naar Katzlau vertrok, waar hij zich uitgaf voor een eerzaam handelaar in granen.

Binnen weinige dagen was hij reeds zooveel te weten gekomen, dank zij zijn ijverige nasporingen dat hij den kreupelen Seegert kon laten arresteeren en in verhoor nemen. Deze kerel, die reeds meermalen voor diefstal en brandstichting gezeten had, was op den bewusten Augustusavond niet ver van den grooten stal, waar juist de brand was uitgebroken, gezien en toen men hem vroeg, wat hij daar moest uitvoeren, gaf hij allerlei verwarde antwoorden en beriep zich natuurlijk ook op den „grooten onbekende,” die op het landgoed sou geweest zijn en den brand zou gesticht hebben.

De zaak kwam in October voor de rechtbank te Katzlau en het vonnis zou juist worden uitgesproken, toen de beschuldigde onverwachts met een bewering voor den dag kwam, welke niet alleen in de rechtzaal, maar in de gansche stad en omgeving groote opschudding veroorzaakte.

Seegert beweerde namelijk dat hij tot nog toe gezwegen had over wat hij wist, maar dit onmogelijk langer kon doen. Hij had zich op den bewusten avond wel in de nabijheid vau het landgoed opgehouden, maar alleen om wat frissche lucht te scheppen. Toen hij zoo tusschen 11 en 12 uur langs den parkmuur wandelde, werd eensklaps de kleine achterpoort goepend en zag hij een man, die heel voorzichtig naar alle kanten rondkeek, uit het poortje komen en zich haastig in de richting van de Bäckebrug verwijderen.

Hij wist heel goed den naam van dezen man en kon dien, nu hijzelf groot gevaar liep veroordeeld te worden, niet langer verzwijgen. Het was graaf Burg, eerste luitenant bij de kurassiers, geweest.

Graaf Burg, de elegantste luitenant van het gehcele garnizoen Katzlau, neef van den staatssecretaris, eigenaar van een groot landgoed in Westfalen en millionnair, zou dus een brandstichter zijn? Kom dat was immers geheel onmogelijk! De rechters zoowel als de gezworenen schudden dan ook het hoofd, toen zij de verklaring -van den beschuldigde hoorden en zelfs de verdediger van Seegert lachte ongeloovig.

Toch richtte de verdediger aan de rechtbank het verzoek graaf Burg te ondervragen, waar hij op den avond van den brand was geweest.

De rechter antwoordde hem, dat, zelfs als uitkwam dat graaf Burg op den bewusten Augustusavond zich op het landgoed „Holstein” had opgehouden en door het achterpoortje vertrokken was, hierdoor nog niets bewezen was, daar de officieren van het regiment kurassiers op alle tijden van den dag op het landgoed van hun vroegeren wapenbroeder baron Beuerstorff kwamen en vooral omdat de baron volgens zijn eigen verklaring op den besten voet met graaf Burg verkeerde.

Seegert werd veroordeeld en hield het niet voor geraden appel aan te vragen, daar hij vond dat hij er met 1½ jaar gevangenisstraf bij appel misschien veel meer zou krijgen.

De meeste couranten schreven lange artikels over de strafzaak en vonden het gevelde vonnis veel te zwaar, ja een enkele beweerde zelfs, dat Seegert onder deze omstandigheden heelemaal niet veroordeeld had mogen worden.

„Het is diep te betreuren,” schreef het blad, „dat de rechters, blijkbaar alleen omdat de door Seegert van de brandstichting beschuldigde een adellijk officier is, graaf Burg niet in verhoor hebben willen nemen en het hebben willen onderzoeken, of hij werkelijk op den avond van den brand op het landgoed Holstein is geweest en dit door een achterpoortje heimelijk heeft verlaten. Als graaf Burg dit gedaan heeft, valt er niet langer aan zijn schuld te twijfelen. Kurassiersofflcieren toch komen en gaan in gewone omstandigheden door den hoofduitgang en men moet wel ernstige redenen hebben om ergens als het ware de vlucht te nemen.”

Op grond van dit courantenbericht achtte de commandant van het te Katzlau in garnizoen liggende kurassierregiment het gewenscht een onderzoek in te stellen. Er werd hierdoor vastgesteld, dat de eerste luitenant graaf Burg op den avond van den 16en Augustus met een escadron gekantonneerd was in het dorp Malchow, dat op ongeveer zes kilometer afstand van het landgoed Holstein lag, en dat hij den volgenden morgen om 7 uur met zijn ascadron het dorp weder had verlaten.

De graaf verklaarde dat hij dien avond, na een korte -wandeling gedaan te hebben, vroeg in zijn kwartier was teruggekeerd en zich te bed had begeven en dat hij niet zou weten, wat hij wel op „Holstein” had moeten uitvoeren, daar het hem heel goed bekend was, dat zijn vriend baron Beuerstorff te Berlijn vertoefde om met zijn gewezen regiment de Gravelottefeesten mee te vieren.

Klaarblijkelijk vergiste de brandstichter Seegert zich met zijn persoon en had hij een ander, die veel op hem geleek, het achterpoortje van het landgoed zien uitsluipen.

De uitspraak van den raad van eer was, dat graaf Burg niet voor den krijgsraad behoefde te verschijnen, daar hij had verklaard dien avond niet eens op „Holstein” te zijn geweest en dus onmogelijk de brandstichter kon zijn.

Vijf minuten nadat deze uitspraak was gedaan en toen de graaf zich nog in de kazerne bevond, ontving hij een briefje van den volgenden inhoud:

„Ik zou graag een onderhoud onder vier oogen met je willen hebben en wacht je daartoe in het hotel du Nord.

Baron Von Beuerstorff”

Graaf Burg begaf zich onmiddelijk naar het opgegeven hotel.

„Beste Burg”, begon baron Von Beuerstorff, zoodra de graaf de kamer was binnengetreden, waar hij op hem zat te wachten, „ik heb je verzocht hier te komen om je een vraag te doen. Wij zijn beiden officieren en gewoon als wij voor den raad van eer verschijnen, waarheid te spreken, maar wij zijn tegelijk ook ridderlijk en nu geloof ik, dat wij in een geval de waarheid zullen verbergen, namelijk wanneer het geldt de eer van een dame te redden. Je weet, welke praatjes door de beweringen van den brandstichter de ronde doen. Ik, zoowel als je kameraden en zelfs de rechters hechten aan al die praatjes volstrekt geen geloof. Seegert heeft den brand gesticht, dat staat vast, en hij ondergaat dan ook zijn gerechte straf. Maar wat betreft jo bezoek aan het landgoed op dien avond, toen ik afwezig was en mijn vrouw zich alleen thuis bevond, ben ik niet geheel zeker voordat je mij op je eerewoord de volgende vraag beantwoord hebt: Was je dien avond op „Holstein” bij mijn vrouw?”

Graaf Burg keek zijn vriend strak in de oogen en antwoordde met vaste stem:

„Neen, Beuerstorff, ik was er niet!"

De baron ademde verlicht, toen hij deze woorden hoorde en riep daarna uit:

„Goddank, het zou ook al te vreeselijk voor mij zijn geweest!”

*           *           *

Weinige dagen na het gesprek onder vier oogen tusschen baron Beuerstorff en graaf Burg, op den vooravond van den grooten jachtrit der kurassierofÔicieren, in Katzlau in garnizoen, had het eerste herfstcasinobal plaats.

De Von Beuerstorffs waren eerst van plan geweest niet aan het bal deel te nemen, maar oordeelden het later, met het oog op de praatjes, die nog in Katzlau naar aanleiding van de beweringen van den brandstichter de ronde deden, toch beter op het bal, waar graaf Burg zeker ook zou zijn, te verschijnen en te toonen, dat zij nog op denzelfden vriendschappelijken voet als vroeger met elkander stonden.

Om dezelfde reden nam ook graaf Burg deel aan het bal en hij maakte de jonge, beeldschoone barones Von Beuerstorff op opvallende wijze het hof. Hij danste met haar eene quadrille, een lancier en daarna een wals. Onwillekeurig keken alle aanwezigen naar het knappe paar, dat lachend en in druk gesprek gewikkeld door de zaal zweefde.

Toen de wals geëindigd was, leidde graaf Burg de barones naar haar plaats en zeide onderweg fluisterend tot haar:

„Beste Rita, het is nu de laatste maal dat wij met elkander spreken? Je weet, lieveling, dat je man niets vermoedt, daar hij mij op mijn eerewoord heeft geloofd! — Ook niemand anders vermoedt, dat ik dien avond wel degelijk bij je ben geweest! — Ik laat mij naar een ander regiment, ver van hier in garnizoen, overplaatsen! — Vergeet mij niet en God behoede je!”

Toen hij haar naar haar plaats had gebracht, maakte hij een buiging voor haar en was weldra onder de menigte verdwenen.

Na eenige oogenblikken volgde de tweede quadrille en daarna weer een wals, maar graaf Burg bevond zich niet meer onder de dansenden.

Hij had, dadelijk nadat hij de barones op haar plaats had gebracht, de balzaal verlaten en was met langzame schreden naar zijn jonggezellenwoning teruggekeerd.

Toen hij voorbij zijn stal ging, kon hij den lust geen weerstand bieden even daar binnen te gaan.

Hij stapte innig op zijn paard toe en mompelde, terwijl hij het dier, waaraan hij zoo gehecht was, liefkoosde:

„Wotan, beste vriend, morgen gaan wij beiden om zeep! Ik kan het onmogelijk langer uithouden. Mijn geweten plaagt mij hoe langer hoe meer.”

Daarna klopte hij het paard nog eens op den hals en verliet weer den stal.

De jachtrit was achter den rug, maar toch heerschte er geen opgewektheid onder de officieren van het kurassierregiment, en van het schitterende bal, dat des avonds in hetzelfde gebouw als den vorigen dag zou plaats hebben, kwam niets.

In plaats hiervan zaten da officieren met ernstige gezichten bij elkaar in de sociëteit. Graaf Burg, die anders een getrouw societeitsbezoeker was, bevond zich niet onder hen.

„Verschrikkelijk!” zuchtte opeens een luitenant.

„Ja, zeg dat wel. en onbegrijpelijk tevens”, hernam een ander. „Hoe kon Burg, die bekend staat als zoo'n uitstekend rijder, toch zoo iets gebeuren! En dan nog al in zoo'n bekende streek, waar wij bijna dagelijks manoeuvreert! Hij moest toch wel weten, dat de brug over deze diepe gracht links van het kasteel is en niet rechts. Men zou bijna gelooven, dat hij er opzettelijk met zijn paard is ingereden. En daar hij achter ons aankwam, heeft niemand eerder zijn afwezigheid bemerkt, dan toen hij als een hond verdronken was”.

„Zou er niet iets achter zitten?” liet een derde zich hooren. „Maar laten wij ons niet verder in de zaak verdiepen. Hij is als een echt ruiter tegelijk met zijn paard gestorven.”

— — —

— — —