Wer hat dich du schöner Wald —

Humoreske von H.Ferschke
in: „Marburger Zeitung” vom 10.09.1891,
in: „Badische Presse” vom 01. und 05.09.1895
unter dem Titel „Die Sängerfahrt”


Das große Sängerfest in E. hatte zahlreiche Sangesbrüder aus der Nähe und Ferne herbeigeführt und war bei herrlichstem Wetter zu allgemeiner Befriedigung großartig verlaufen. Alle die erschienenen Vereine, Liedertafeln, Liederhort, Arion und wie sie sonst noch hießen, hatten miteinander derartig gewetteifert, daß der Sängerkrieg auf der Wartburg von Anno damals ein Kinderspiel dagegen gewesen war, und lange schwankte die Waage der Kritik hin und her, welchem Vereine der Siegespreis zuerkannt werden solle. Da, fast am Schluß der Aufführungen, traten vier Herren, ein Quartett, auf und trugen ganz einfache Volkslieder, darunter einige Steyrische Jodler, vor, die das Publikum derartig hinrissen, daß man denselben fast einstimmig die Palme des Sieges zuerkannt; eine Thatsache, welche um so größeres Aufsehen erregte, als die vier Sänger aus einem kleinen, ganzn unbedeutenden und Vielen sogar völlig unbekannten Städtchen stammten. Denn wer wußte etwas von Möpschenfeld? Kein Mensch, oder doch nur solche, die in der Geographie hervorragende Kenntnisse besaßen. Und dieses Bethlehem, dieses kleinste unter den Städten, hatte wider alles Erwarten vier Sänger hierher entsendet, die sich den größeren Vereinen gegenüber nicht nur spielend zur Geltung brachten, sondern auch ein solches Füllhorn herrlich vorgetragener Lieder über die Zuhörer ausschütteten, daß der gespendete Beifall kein Ende nehmen wollte. Und so schritten die Vier denn im Siegerkranze einher. Die darüber herrschende allgemeine Aufregung und Ueberraschung wurde aber nicht am Wenigsten von dem Mitgliedern des Quartetts selbst getheilt; so etwas hatte ihr bescheidener Sinn kaum erstrebt, viel weniger aber erwartet, und als ihnen dann wirklich der erste Preis ertheilt worden war, da blicken sie einander verwundert an, als wollten sie sagen: „Nun müssen wir erst hier erfahren, was für Mordskerle wir sind. und Möpschenfeld hat uns bisher nicht zu würdigen verstanden.” Da aber bekanntlich der Mensch mit seinen höheren Zwecken wächst, so war es ganz natürlich, wenn die vier Sieger sich ungemein gehoben fühlten und in einen ganz verzeihlichen Siegesrausch verfielen. Von diesem zu einem wirklichen, echten und unverfälschten Weinrausch aber ist in der Regel nur ein kurzer Schritt, zumal wenn die angestrengten Kehlen mahnend daran erinnern, daß doch ihnen, als den eigentlichen Siegern, ein reichlich Quantum Dankestropfen gebühre. Diesen Dankeszoll statteten denn auch unser vier Sangesbrüder redlich ab — der dabei erzielte Rausch verflog zwar bald, die gehobene Stimmung aber blieb.

Da es nun nicht nur vom künstlerischen Standpunkt aus, sondern auch für den Verlauf unserer kleinen, wahren Geschichte nothwendig ist, die Namen und sonstigen Personalien der Möpschenfelder Sangeshelden festzustellen und der Nachwelt zu überliefern, so gschehe, was geschehen muß.

Die wichtigste Person in einem Quartett ist natürlich und bekanntlich der erste Tenor, und es wird uns in diesem Falle um so leichter, dieselbe dem geneigten Leser zuerst vorzustellen, als dieselbe zugleich die gewichtigste ist. Inhaber dieses Tenors ist der Herr Stadtkämmerer Schwanebach, 36 Jahre alt, 240 Pfund schwer — das genügt, und mehr zu sagen ist nicht nöthig. Wir fragen den gütigen Leser, ob er schn einen ersten Tenor von solchem Gewicht gehört und gesehen hat? Wir dürfen das wohl stark bezweifeln, denn so etwas ist nur in Möpschenfeld zu haben. Und wenn aus diesem gewichtigen Körper, dem man viel eher des Basses Grundgewalt zutrauen müßte, eine wunderbar schöne Tenorstimme heraustönte, so war die Wirkung doppelt großartig und überraschend.

Der zweite Baß war in Bezug auf die äußere Erscheinung gerade das Gegenteil des ersten Tenors, geradezu als hätte die schaffende Natur sich einen Witz machen wollen; denn der Herr Lehrer Pinkert war ellenlang aufgeschossen und so mager, daß er mit vollem Recht die Behauptung aufstellen konnte, daß der Kämmerer, zuvorkommend und gütig wie immer, es übernommen habe, seinen (Pinkerts) Bauch in der Welt herumzutragen, eine Gefälligkeit, welche bei der zeitweilig herrschenden Hitze doppelt anerkennenswert sei.

Die beiden übrigen Herren, der zweite Tenor und der erste Baß, hatten nichts Bemerkenswerthes an sich und sahen gerade aus wie andere gewöhnliche Exemplare des Menschengeschlechtes; es waren dies der Bäckermeister Ebert und der Klempnermeister Liebhold, zwei angesehene, wohlhabende Bürger und Hausbesitzer.

Dieses vierblättrige Sänger-Kleeblatt hatte, wie gesagt, im Gesang soeben Großartiges geleistet und der Direktion des Lehrers Pinkert alle Ehre gemacht, danach aber übernahm der dicke Kämmerer Schwanebach die weitere Führung, und dessen Bemühungen gelang es denn auch, auf dem Gebiete der Vertilgung aller möglichen flüssigen Stoffe die achtungswerthesten Erfolge zu erzielen. Die Anfangs gehobene Stimmung ging danach mehr und mehr in eine selige über, und aus dieser heraus erwuchs in dem für die Natur schwärmenden langbeinigen Lehrer Pinkert die Idee, ihre so erfolgreich gekrönte Sängerfahrt durch eine Berge- und Waldpartie zum würdigen und herrlichen Abschluß zu bringen.

Der dicke Schwanebach zwar, dessen gewichtige Körperbeschaffenheit es mit sich brachte, daß er die Berge am liebsten von unten betrachtete, machte einige schwache Einwendungen, lobte das gute, kühle Bier und stellte den Genossen eindringlich vor, daß es doch geradezu an Hochverrath grenzen würde, wenn man die kühle Quelle in so leichtsinniger Weise verließe und in die unbekannte, zweifelhafte Ferne schweifen wolle. Da aber die übrigen Genossen dem Vorschlag Pinkerts freudig zustimmten und dem widerstrebenden, allezeit durstigen Schwanebach in Aussicht stellten, daß es da oben auf den Bergen sehr hübsche, schattige Kneipen mit ebenso gutem Bier gäbe, so mußte er sich schließlich der Majorität fügen, und das Quartett wanderte in fröhlichster Stimmung dem nahen, herrlichen Waldgebirge zu. Aus dem vom schnell dahin rauschenden Flüßchen durchströmten Wiesenthale stieg man allmählich zu den felsigen Bergen empor, bis endlich der herrlichste Hochwald erreicht war.

Sei gegrüßt, tausendmal gegrüßt, du brausendes Waldmeer!

Auch unseren sieges- und trankseligen vier Sangesbrüdern ging dabei das Herz auf, und wie von einem Gedanken getrieben, stimmten sie das herrliche, hier endlich einmal passende Lied an:

„Wer hat Dich, Du schöner Wald,
Aufgebaut so hoch da droben!”

Ja, erst unter den rauschenden Wipfeln des Hochwaldes kommt dies schöne Lied zur rechten Geltung, und das wurde auch unsern vier Sängern klar, denn niemals hatten sie dasselbe andächtiger und herrlicher gesungen als heute.

„Tragt es weiter, ihr guten Geister des Waldes!” rief Pinkert. „Und nun weiter, liebe Freunde,” setzte er hinzu, „da oben auf der Teufelskanzel haben wir eine herrliche Aussicht und nicht weit davon ist das Schweizerhaus, wo es vortreffliches Bier gibt.”

„Vortreffliches Bier gibt —” hauchte der dicke Schwanebach, „'s ist auch die höchste Zeit, ich bin ausgedörrt wie ein Stockfisch.”

Die Anderen lachten natürlich, aber die Aussicht auf baldiges Bier war ihnen offenbar ebenso verlockend, als die Aussicht von der Teufelskanzel, welche ihnen der Naturfreund Pinkert in Aussicht gestellt hatte. Man wanderte daher etwas beschleunigt weiter und verließ, um schneller an das Ziel zu gelangen, sogar den Fußweg und wand sich in gerader Richtung durch die Bäume hindurch, voran der langbeinige, magere Pinkert, beträchtlich zurück als Arrieregarde der keuchende, dicke Schwanebach, welcher von Zeit zu Zeit stehen blieb, um Athem zu schöpfen und sich den Schweiß abzutrocknen. So ging es stätig bergan. Plötzlich hörten die Vorausgehenden hinter sich einen lauten Hilferuf, und als sie sich erschreckt umwandten, brachen sie in lautes Gelächter aus, denn der Hilferufende war Niemand anders, als Freund Schwanebach. Den dicken, durstigen Sänger hatte die endliche Aussicht auf Bier zur möglichst größten Eile, deren er überhaupt fähig war, angespornt, wobei er den Weg außer Acht gelassen hatte, und nun hatte er sich zwischen zwei ziemlich eng nebeneinander stehende Tannen festgerannt und konnte weder rückwärts noch vorwärts.

„Schwanebach, bist Du des Teufels” rief Pinkert lachend. als er den dicken Sangesbruder wie in einer Fuchsfalle eingeklemmt sah. „Wenn wir nun nicht bei der Hand wären, müßtest Du elendiglich umkommen und dientest den Füchsen schließlich als fetter Fraß, es sei denn, Du sängest mit Deinem famosen Tenor: „Fein's Liebchen unter'm Tannenbaum —” und eine freundliche Waldfee käme und erbarmte sich Deiner.”

„Macht keine faulen Witze und erlöst mich lieber aus dieser verdammten Klemme,” ächzte Schwanebach. „Stoßt mal ein bißchen von hinten, — so, — na endlich — und tausend Donnerwetter fahren jedem von Euch auf den Schädel, wenn Ihr zu Hause davon ein Wort sagt, sonst lacht mich die ganze Stadt aus.”

Die drei Andern gelobten, nachdem sie sich gehörig abgelacht hatten, denn auch feierlich ewiges Stillschweigen, und dann ging es fröhlich bergan auf die Teufelskanzel, wo man sich der vielgerühmten Aussicht über das Waldmeer bis weit in das Land hinaus erfreute.

Am Rande standen mehrere Meter Holz, wie es schien, eben erst frisch geschlagen und sauber aufgeschichtet.

Der poetische Lehrer Pinkert, der noch vor einer halben Stunde mit ganz besonderer Andacht sein „Schirm' Dich Gott, Du deutscher Wald!” gesungen hatte, gerieth darüber in eine heftige Aufregung.

„Liebe Freunde, Landsleute und Sangesbrüder!” rief er mit empörter Baßstimme. „Ist es nicht ein Skandal, daß man diesen Tempel der Natur mit prosaischer Axt schändet? Ist der schöne Wald hier hoch droben deshalb aufgebaut, daß man ihn mit rauher Hand vernichtet und in Klaftern setzt? Ich sage: das ist eine Sünde und Schande! „Was wir hoch gelobt im Wald, woll'n wir nun auch wacker halten,” — nicht nur mit Singen, sondern mit Thaten. Auch wir, Männer von Möpschenfeld, sind berufen, den Wald zu schützen und zu schirmen; werfen wir daher diese widerwärtigen Zeugen des Barbarismus in den Abgrund und geben wir den Waldschändern eine Lehre, daß man nicht ungestraft Gottes erhabene Werke zerstört!”

Und damit ergriff er ein Holzscheit und warf es in die Schlucht hinab.

„Es ist schönes Backholz,” sagte der Bäckermeister Ebert.

„Dummes Zeug!” rief der dicke Schwanebach. „Pinkert hat Recht — herunter mit dem Plunder! Wer hat Dich, Du schöner Wald, abgehauen so hoch da droben? Hier oben aber inkommodirt mich der Anblick dieser Holzklafter — es hat mir Mühe genug gekostet, mich bis hierher hinauf zu wälzen . . . . . nun bin ich ebenfalls für unverfälschte Natur . . . . . werfen wir daher das Scheusal in die Wolfsschlucht.”

Und damit begann auch er Scheit auf Scheit hinunter zu werfen.

„Na, dann nur lustig rein ins Geschäft,” lachten Ebert und Liebhold, und faßten ebenfall kräftig mit an, so daß in kurzer Zeit die halbe Klafter so ziemlich abgeräumt und nach unten spedirt war.

„Halt! In's Dreideibelsnamen! Plagt Sie allesammt der Satan?” donnerte plötzlich eine Stimme hinter ihrem Rücken. Die vier Waldfreunde blickten sich erschrocken um und sahen einen Forstbeamten hinter sich stehen, der ihnen wüthend zuschaute und unwillkürlich das Gewehr von der Schulter gerissen hatte.

„Wissen Sie, was Sie hier thun?” schrie sie der entrüstete Beamte an. „Nein? . . . . . Waldfrevel nennt man das! . . . . . Sie sind hiermit alle Vier arretirt —”

„Aber erlauben Sie mal, verehrter Herr —” wollte der dicke Schwanebach entschuldigend einwenden, der Förster jedoch ließ ihn gar nicht zu Wort kommen und rief:

„Was fällt Ihnen denn ein? Wie können Sie sich unterstehen, hier eine hochfürstliche Holzklafter zu zerstören? Ich werde Sie dem Herrn Oberförster vorführen . . . . .”

„Lieber Herr,” suchte der nunmehr ganz ernüchterte Lehrer Pinkert den empörten Forstbeamten zu beschwichtigen, „wir wollen ja gern zugeben, daß wir in einer etwas übermüthigen Laune eine Dummheit begangen haben und sind natürlich gern bereit, die Unkosten der Wiederaufrichtung der Klafter zu tragen —”

„Geht leider absolut nicht,” entgegnete der Förster, indem er die Gesellschaft, namentlich den dicken Tenor, malitiös lächelnd musterte. „Geht durchaus nicht! Die Holzklaftern hier werden in einer Stunde abgefahren, die Wagen sind schon unterwegs und Leute zum Herauftragen des Holzes von da unten habe ich nicht bei der Hand. Wenn ich auch von der Arretirung absehen will, das Holz muß wieder herauf . . . . . sofort! Vorwärts also, meine Herren . . . . . ziehen Sie mal gefälligst Röcke aus und lassen Sie mir die als Pfand da . . . . . dort führt ein Pfad in die Schlucht hinunter . . . . . die Scheite, die Sie soeben hinunter geworfen haben, müssen Sie selbst wieder herauftragen — oder ein Donnerwetter schlägt drein!”

Da half nun kein Widerstreben, und nachdem die vier Waldfrevler ihre Röcke dem unerbittlichen Forstbeamten übergeben hatten, stiegen sie kleinlaut in die Schlucht hinab, suchten dort die herabgeworfenen Scheite zusammen und fingen an, sie nach oben zu schleppen.

„Das ist mein Tod!” ächzte der dicke Schwanebach, als man zum dritten Male unten angekommen war, und wischte sich den triefenden Schweiß vom Gesicht. „Der Kerl da oben muß der Satan selber sein.”

„Natürlich!” sagte Ebert. „Daher auch der Name „Teufelskanzel” — na, an die werde ich lange denken.”

„Tröste Dich, Dicker,” lachte der langbeinige Pinkert, der auch in dieser schauderhaften Situation den Humor nicht verloren hatte — „nach Marienbad brauchst Du in diesem Jahre nicht . . . . . alle Tage so und Du bist Dein überflüssiges Fett los . . . . . Aber nun vorwärts, Kinder — „Wer hat Dich, Du schöner Wald —?”

„Ja, Du hast gut reden,” stöhnte Schwanebach und suchte sich ein möglichst schwaches Scheit aus, mit welchem er wiederum die Reise nach oben antrat.

Endlich war das letzte Stück unter Schweiß und Seufzen heraufbefördert und die Klafter stand wieder vollständig zusammengesetzt zur großen Genugthuung des Försters, der den schwerarbeitenden Männern mit stillem Vergnügen und vollkommener Gemüthsruhe zugeschaut hatte.

„So, meine Herren,” sagte er darauf lachend, „hier sind Ihre Röcke . . . . . ich rathe Ihnen, sie anzuziehen, hier oben zieht es und Sie sind etwas warm geworden . . . . . So habe ich mich in meinem Leben noch nicht amüsirt! . . . . . Ich hörte Sie vorhin so schön singen — wollen Sie mir nicht den Gefallen thun und mir zum Abschied noch was vorsingen?”

„Kneifen Sie Ihren Hund in den Schwanz,” schrie ihn auf diese höhnische Aufforderung hin der empörte Schwanebach an. „Die Musik, die er dann machen wird, ist für Sie gut genug!”

„Na, nichts für ungut!” lachte der Förster und schlug sich seitwärts in die Büsche.

„Pinkert, Ebert, Liebhold, alte Freunde und Leidensgefährten,” hauchte der schweißdampfende, vollständig gebrochene erste Tenor, „sollte mich noch nachträglich der Schlag rühren, so legt mich auf diese Unglücksklafter und verbrennt meinen Kadaver — Friede meiner Asche!”

„Daß der Kerl auch gerade dazu kommen mußte,” sagte Liebhold.

„Ich sage ja, den hat der Satan hergeführt,” raisonnirte Ebert.

„Seid gut, Kinder,” tröstete Pinkert, „wer noch im Alter Dummheiten verübt, muß auch die Suppe, die er sich eingebrockt hat, aufessen . . . . . Nach Jahren werden wir uns dieses dummen Witzes, den sich der Grünrock mit uns gemacht hat, noch mit Vergnügen erinnern . . . . . Nun aber fort von der Stätte unserer Niederlage; da drüben, wo das rothe Dach durch die Tannen schimmert, ist eine Waldschenke, wo es vortreffliches Bier gibt.”

Die Aussicht auf Bier erweckte denn auch die halbentschwundenen Lebensgeister des auf einem Baumstamm zusammengesunkenen dicken Tenors auf's Neue, und mit beschleunigten Schritten begab sich das abgehetzte Kleeblatt nach der Waldschenke.

Wie den völlig Ermatteten der kühle Trunk schmeckte und wieviel sie davon zu sich nahmen, das, geneigter Leser, wirst Du, wenn Du Dir die Situation recht klar gemacht hast, leicht denken können.

Als das Möpschenfelder Quartett in die Heimath zurückkehrte, wurde es in Folge seines Sängersieges natürlich auf das Ehrenvollste empfangen. Der „Liederkranz”, dem es speziell angehörte, gab ihren Siegern zu Ehren ein glänzendes Fest, bei welchem natürlich auch zahlreiche Lieder gesungen wurden. Als unter Anderem der Söngerchor das schöne Lied „Wer hat Dich, Du schöner Wald —?” anstimmte, da blickten die vier heimgekehrten Freunde einander verstohlen und wehmüthig an und Niemad ahnte, was sie sich dabei dachten — und gesagt haben sie es auch Keinem, denn auch da droben in der Waldschenke hatten sie „ewiges Stillschweigen” geschworen.

Und was sie sich „still gelobt im Wald”, das haben sie auch jahrelang redlich gehalten, bis an dem Tage, wo der Lehrer Pinkert sein fünfundzwanzigjähriges Lehrerjubiläum feierte. Da gab es wiederum eine echte Festfreude, Ständchen, Festessen, Gratulationen und Deputationen — und als dann am Abend ein großer Theil der Festtheilnehmer bei einer riesigen Schluß-Bowle beisammensaß und auch jener Sängerfahrt fröhlich gedacht wurde, da war es der Jubilar selbst, der das Abenteuer zum Besten gab und allgemeine Heiterkeit damit erregte.

Bei dieser Gelegenheit hat auch der Erzähler dieser Geschichte sie erfahren.

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