„Seine Hoheit”

Lustspiel in drei Akten

von

Freiherr von Schlicht und Walter Turszinsky


Aufführungen im Residenz-Theater zu Dresden am 16., 17., 18., 19., 20.Juli 1908


Besetzungsliste:

Der regierende Fürst von Totzau-Kremmingen.
Seine Hoheit Erbprinz Hans Albrecht.
Oberst Graf von Wettborn, Kommandeur eines Infanterie-Regiments.
Mathilde, seine Frau.
Dagmar, beider Tochter.
Baron von Scheideck, Rittergutsbesitzer a.D., Bruder der Gräfin.
Konstanze, seine Tochter.
Martin Dietrich, Journalist.
Hauptmann Fedor v. Stein, Adjutant des Erbprinzen.
Leutnant v. Dohlen, Adjutant des Grafen.
Christian Tewsen, Bursche beim Erbprinzen.
Müller, Hausbursche.
Nanny, Zofe.
Bürgermeister.
Ein Stadtverordneter.
Zwei Ordonnanzen
Spielleitung:

Ignaz Janda
Reinhold Bauer
Bruno Bellmann
Ernestine Münchheim
Else Breuer
Karl Knaack
Helene Borchardt
Emil Gähd
Rudolf Opel
Martin Rüden
Robert Hellwig
Alexander Olbrich
Else Conrad
Hans Füßler
Ernst Kafka
Franz Brunner
Rudolf Opel


„Dresdner Volkszeitung” vom 14.Juli 1908:

Im Residenztheater geht Donnerstag zum ersten Male die Novität Seine Hoheit, Lustspiel von Freiherr von Schlicht und Walter Turszinsky, in Szene.


„Dresdner Volkszeitung” vom 15.Juli 1908:

Im Residenztheater wird am Donnerstag das Lustspiel Seine Hoheit gegeben. In größeren Rollen sind beschäftigt die Damen: Breuer, Borchardt, Conrad, Münchheim und die Herren: Janda, Bauer, Bellmann, Knaack, Opel, Gähd, Hellwig und Olbrich.


„Dresdner Volkszeitung” vom 17.Juli 1908:

Residenztheater.
Seine Hoheit
, Lustspiel in drei Akten von Freiherrn v. Schlicht und Walter Turszinsky.
Eine kleine Vorbemerkung: Man kann einer Theaterleitung schließlich keine Vorwürfe machen, wenn sie sich bei der Erwerbung neuer Werke in erster Linie von der Rücksichtnahme auf den Kassenerfolg leiten läßt. Bühnen, die nur ein rein künstlerisches Wollen verfolgen, gehören zu den Seltensten unter den Seltenen. Und noch seltener ist's, daß solche Bühnen zu Goldgruben werden. Was sollte also schließlich eine Bühnenleitung daran hindern, das Unglaublichste zu akzeptieren, wenn mit einiger Sicherheit darauf gerechnet werden darf, daß den Leuten, „die sich für das Theater interessieren”, das Schlimmste gerade recht ist! Nur kann man dann von einem ehrlichen Menschen nicht erwarten, daß er einen üblen Brei eine köstliche Speise nenne, selbst wenn der üble Brei von solchen Leuten männlichen und weiblichen Geschlechtes mit Behagen verschlungen wird, die sich tödlich beleidigt fühlen würden, wenn man an ihrer allgemeinen und besonderen hauptstädtischen „Bildung” zweifeln wollte.

Sinn dieser höchst notwendigen umd kurzen Vorbemerkung: Wir wollen wegen der Annahme und Aufführung des Lustspiels, das sich Seine Hoheit betitelt, nicht mit der Residenztheaterleitung rechten. Sie kennt ihre Dresdner und hat sich leider auch diesmal nicht verrechnet.

Aber ein paar wohlmeinende und milde Worte an die Adresse des Freiherrn von Schlicht. Man kennt ihn als den Verfasser einer Anzahl Offiziersgeschichtchen, in denen man hin und wieder leise Bosheiten gar lustig kichern hörte. In etlichen fand man sogar jene Simplizissimusstimmung, die braven Untertanen in tiefster Seele ein Greuel und ein Abscheu ist. Um so unbegreiflicher erscheint es uns, daß er die Courage gefunden hat, mit seinem Namen als Mitverantwortlicher für ein solches Lustspiel zu zeichnen. Wie kann man nur so grenzenlos leichtsinnig den letzten Rest seines literarischen Kredits aufs Spiel setzen! Wir können selbst mit einiger Anstrengung nicht glauben, daß der Freiherr v. Schlicht so von allen guten Geistern und so durchaus von allem Geist verlassen sein sollte, daß er von der absoluten Minderwertigkeit seines Lustspiels nicht selbst am tiefsten überzeugt sein sollte. Er hätte Himmel und Hölle aufbieten müssen, um den leisesten Verdacht der Mittäterschaft vor den Augen der Welt auszulöschen! Oder hat der literarische Freiherr sich den boshaftesten Streich seines ganzen Lebens leisten wollen? Zeigen wollen, was man empfindsamen Bürgerseelen an nichtigsten Plattheiten bieten darf, ohne gesteinigt zu werden? Das boshafteste Experiment – die Spekulation auf den geistigen Tiefstand – wäre ihm dann mehr als glänzend gelungen.
dü.


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„Dresdner Nachrichten” vom 18.Juli 1908:

Residenztheater.
Wir lächeln heute über Moser. Wir zucken mitleidig die Achseln, wenn von Benedix die Rede ist. Stehen wir aber dann vor einem theatralischen Elaborat von den Eigenschaften des dreiaktigen Lustspiels „Seine Hoheit” von Frhrn. v. Schlicht und Walter Turszinsky, dann fühlen wir uns geneigt, Leid und Reue zu erwecken und vor den alten Herren bis zu Kotzebue hinauf eine entschuldigende Verbeugung zu machen. Denn die Schwanklustspielfabrikanten dieser Tage arbeiten doch nur mit den Mitteln, die sie jenen vielgeschmähten Koryphäen des älteren Lustspiels abgeguckt haben; nur sind sie außer stande, ein solides Theaterstück zu bauen wie jene oder auch nur wie jene einen unterhaltenden oder gar witzigen Dialog zu schreiben. Man erlasse es dem Referenten, auf den Inhalt von „Seiner Hoheit” näher einzugehen. Ein Erbprinz à la Alt-Heidelberg, ein unmöglicher Adjutant und ein noch unmöglicherer Reporter irren durch das Stück. Gespielt wurde es unter Herrn Opels Regie mit einigem guten Willen; nur bedarf die Donnermaschine schleunigster Ausbesserung. Recht sympathisch war Herr Reinhold Bauer als Prinz, und Herr Gähd gab dem findigen Reporter drollige, wenn auch nicht ganz wahrscheinliche Schmock-Allüren. Von den übrigen Darstellern seien die Herren Opel, Janda und Fräulein Münchheim genannt.
B. W—g.


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© Karlheinz Everts