Besetzungsliste: | |
von Velsen, Oberst eines Infanterie-Regimentes
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Carl Schmidt |
„Lübecker Volksbote” vom 3.Nov. 1903:
Lübecker Stadtheater.
„Liebesmanöver”, Lustspiel in 3 Akten von Curt Kraatz und Freiherr von Schlicht. Moser ist todt, es lebe der neue Moser! Kaum hat die Flamme im Krematorium zu Gotha verzehrt, was sterblich war an Gustav Moser, dem Dichter von „Krieg im Frieden”, „Reif Reiflingen” — Lustspiele, die, jeden poetischen und litterarischen Anspruchs bar, theatralisch nicht unwirksam sind — da meldet sich Freiherr von Schlicht, um die Erbschaft Mosers anzutreten. Freiherr von Schlicht, hinter welchem Pseudonym sich Graf Wolf von Baudissin verbirgt, ist seit einigen Jahren ein vielgelesener Schriftsteller auf dem Gebiete der Militärhumoreske. Seine Sachen sind frisch und flott, manchmal aber auch etwas salopp, geschrieben. Was jedoch seine Militär–Humoresken besonders auszeichnet, ist, daß sie nicht nur die Glanzseiten im Militärwesen hervorkehren, sondern auch die vielen Schattenseiten nicht vergessen. Gerade deshalb finden Schlicht's litterarische Erzeugnisse auch in jenen Kreisen Leser, wo man sonst einen wahren Schauder vor Militär–Humoresken hegt. Diesmal hat Graf Baudissin sein Ziel weiter gesteckt: er will sich die Bühne erobern. Und der Erfolg ist unbestreitbar. Gewiß, eine große litterarische That ist das Lustspiel „Liebesmanöver”, das er gemeinsam mit Herrn Kurt Kraatz verfaßt hat, nicht, aber es ist kurzweilig.
Das Lustspiel, das übrigens mehr dem Genre des Schwankes zuneigt, bereitet dem Zuschauer einen ungetrübten, heiteren Theaterabend. Die Komödie der Irrungen, die sich da im Hause des Obersten v. Velsen abspielt und schließlich mit zwei Verlobungen endet, ist aber auch so recht nach dem Gusto des Publikums, das unsere Theater füllt: sie regt nicht auf, weil sie dazu viel zu harmlos ist, aber sie belustigt und verschafft einige heitere Stunden, und mehr verlangt der Durchschnitts–Theaterbesucher gar nicht.
Mit der Aufführung, die sein Lustspiel am hiesigen Theater Sonntag fand, konnte der Verfasser sehr wohl zufrieden sein. Lediglich Hans Hofer, der den Oberleutnant von Winterstein spielte, fiel leider etwas stark aus der Rolle; er war kraft- und saftlos, unbeholfen. Ganz vorzüglich war dagegen Marie Schick, die den Kadetten Winterstein gab. Nicht weniger gut waren Toni Schwartz (Elli von Velsen), Berna Dewald (Leontine v. Breitenbach), Ria v. Bollmerstein als „Tante Käki”, Max Schütz (Major v. Velsen), Arthur Hellmer (Dr. Erich von Osten), Elisabeth Anders als „Kommandeuse”, sowie Richard Thalheim, der als Bursche Schröder ein starkes Talent offenbarte. Bei dem lauten Beifall, den das Lustspiel erzielte, ist nicht daran zu zweifeln, daß es noch manche Wiederholung hier erfahren wird.
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© Karlheinz Everts